Konfrontation mit dem Unbewussten – Über Jonas Burgert: „Gift gegen Zeit“

Gib mir ein Gift gegen die Zeit, den Verfall, das Vergänglichsein. Etwas, das bleibt. Gib mir ein Gift, gib mir Kunst.

Mit den Riesenformaten in seiner Berliner Ausstellung „Gift gegen Zeit“ gibt uns der Künstler Jonas Burgert eben ein solches Gift. Seine Kunst besteht aus Schattenwesen, aus verworrenen, trümmrig-grauen Traumlandschaften, die zugleich mit flächenweisen Farbexplosionen kontrastiert werden. Irgendwie so sieht es vielleicht in jedem von uns aus. 

Das Wilde, Animalische in uns ist bei Burgert plötzlich Bild geworden und sieht uns an. Wie beispielsweise in „Schleiche“, 2012, 300 x 220cm. Aus dem Öl auf der Leinwand blickt eine weibliche Gestalt auf den Betrachter, die Hände voll neongrüner Farbe seitlich gespreizt vom Körper weghaltend, wie es so viele von Burgerts Wesen tun. Während der Komplementärkontrast der grünen Hände zum tiefroten Hintergrund den einen Hingucker darstellt, ist der andere der intensive Blick des Wesens. Die Frau mit der umgedrehten Eule um den Hals nimmt direkten Blickkontakt zum Betrachter auf. Man fühlt sich beinahe so gebannt wie in einer Begegnung mit der mythologischen Medusa.

Einzeldarstellungen wie diese oder „dachte ihn stumm“ (2012) sind in „Gift gegen Zeit“ selten im Verhältnis zu den dialogisierenden Raumdarstellungen, die teils mit einer Unzahl an Figuren gefüllt sind.
„Suchtpuls“ (2011) und „Luft nach Schlag“ (2012) hängen im sehr hohen und hellen Ausstellungsraum bei Blain Southern einander gegenüber. Das erste Riesenformat überwältigt den Besucher gleich zu Beginn links vom Eingang mit einer Vielzahl an Ereignissen, Figuren, Dingen und Tieren, die sich auf den 400 x 690 cm tummeln. Das Begleitblatt zur Ausstellung zieht eine Parallele zu religiösen Ritualen. Auf „Luft nach Schlag“ vom selben Format sieht man den gleichen Raum wie leergefegt. Es bleibt nur eine einzelne unheimliche Gestalt im Mittelpunkt des Bildes zurück; der farbenreiche Trubel ist einem stillen bedrückenden Grau gewichen, indem hingestreut einige Gegenstände wie aus Kindertagen auf nach unten führenden Stufen liegen.

Jedes Gemälde und auch die gezeigten Skulpuren, die wie aus den Bildern gekrochene Gestalten wirken, hätte eine eingehende, intensive Betrachtung verdient. Jonas Burgert zieht den Betrachter mit seinen Werken in eine unheimliche, aber zutiefst faszinierende Welt des (Alp-)traumes und des Unbewussten. Für mich sind das Bilder, die mich nicht mehr loslassen, und das schaffen Werke in unserer Zeit der Bilderflut nur noch selten.
Burgerts Arbeiten sind Gift gegen die Zeit, so wie es der Ausstellungstitel verspricht. Mit ihnen kann man momentelang die Vergänglichkeit inmitten der schnelllebigen Großstadt um einen herum vergessen.

„Gift gegen Zeit“, Ausstellung von Jonas Burgert, Blain Southern, Berlin, 28. April bis 07. Juli 2012

Homepage des Künstlers:

http://www.jonasburgert.de/

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