Stieg Larssons Millenium-Trilogie, Romanreihe (2005-2007)

Manchmal ist man von seiner Lektüre derart eingenommen, dass die Arbeit oder der Schlaf wie eine notwendige, aber ungeliebte Unterbrechung erscheinen. So ging es mir mit der Millenium-Trilogie des bereits verstorbenen schwedischen Autoren Stieg Larsson.

Zum Inhalt

Die Millenium-Trilogie besteht aus den drei veröffentlichten Teilen „Verblendung“, „Verdammnis“ und „Vergebung“. Die Bezeichnung Millenium bezieht sich dabei auf den gleichnamigen Verlag, der quasi den roten Faden in allen Teilen darstellt. Zwei der Mitarbeiter, der Wirtschaftsjournalist Mikael Blomkvist und die zeitweilige Chefredakteurin Erika Berger, sind neben Lisbeth Salander Protagonisten im Geschehen. 
Im ersten Teil dreht sich die Handlung um ein Verbrechen in der Industriellen-familie Vanger. Harriet Vanger ist als junges Mädchen verschwunden – Mikael Blomkvist wird von Henrik Vanger aufgefordert, den Fall aufzuklären. Bei seinen Recherchen wird Mikael von Lisbeth Salander unterstützt, die als Researcherin für Milton Security arbeitet. Sie bringen unglaubliches zu Tage und geraten dabei selbst in Lebensgefahr. Mehr sei hier nicht verraten.

Der Charakter Lisbeth Salander ist extrem ausgeprägt. Sie ist sehr dünn, sehr klein, tättoowiert und gepierct und kleidet sich in einem Stil der Gothic- und Punkelemente verknüpft. Da sie nicht freundlich und nicht sonderlich kommunikativ ist, wird sie andauernd unterschätzt. Dabei hat sie sich Hackerkenntnisse angeeignet, die ihr alle Türen öffnen und so manches Geheimnis verraten. Sie lebt gewissermaßen das Prinzip WISSEN IST MACHT und hat dabei ganz eigene Moralvorstellungen, die sie als Figur sehr interessant machen.
Um Lisbeth Salander als Mensch, ihre Vergangenheit und ihre Feinde geht es im zweiten Teil „Verdammnis“. Blomkvist arbeitet im Auftrag von Millenium an der Aufklärung eines skandalösen Falls im Mädchenhandel, ein Ring der immer größere Kreise zieht. Parallel ermittelt auch Salander, ohne jedoch Kontakt zu Mikael Blomkvist zu haben. Plötzlich werden zwei der Hauptzeugen und Ermittler ermordet aufgefunden, die Indizien weisen auf Lisbeth Salanders Schuld. Sie ist wie vom Erdboden verschwunden und Mikael Blomkvist ist vorerst der einzige, der an ihre Unschuld glaubt. Der Leser gerät in einen Strudel aus schuldigen Personen, polizeilichen, privaten und angeheuerten Ermittlern, Schießereien und dunklen Geheimnissen.

Im dritten Teil „Vergebung“ machen sich dann einige der Figuren mehr oder weniger schwer verletzt an die wirkliche Aufklärung des Falls, der seine
Bahnen bis weit hinein in staatliche Behörden und Machenschaften zieht und deren Schreibtischtäter nun mit allen Mitteln verhindern wollen, das Licht ins Dunkel kommt.

Warum die Trilogie so fasziniert

Die Spannungsbögen der Millenium-Teile sind so geschickt eingesetzt, dass ich als Leserin die Bücher einfach nicht mehr weglegen konnte. In keinem Moment reißt die Spannung ab, selbst wenn es um detaillierte Schilderungen technischer Hintergründe oder innerstrukturelle Organisation staatlicher Behörden geht. Zugleich werden die Protagonisten Mikael Blomkvist, Erika Berger und vor allem Lisbeth Salander so dermaßen eindringlich beschrieben, äußerlich ebenso wie charakterlich, dass man es kaum mit einem Krimi zu haben glaubt, sondern mehr mit einem ausgefeilten Roman inklusive Charakterstudie. Die Hintergründe der Personen werden zwischendurch beleuchtet, um sie und ihr Handeln besser verstehen zu können. Die Protagonisten sind mir beim Lesen so nah gewesen, ich habe so stark mitgefiebert, dass mir alles um mich herum gleichgültiger wurde.
Larsson schafft das durch eine intensive Lebens-und Alltagsnähe seiner Figuren. Da werden Unmengen an Kaffee aufgesetzt und getrunken, bei ihm urinieren die Protagonisten auch mal und halten nicht selten in ihrem Tun inne, um erst einmal nachzudenken. Kein Wunder also, wenn man sich als Leser jede Sekunde der erzählten Zeit vorstellen kann. Es gibt sicher Leser, die von der detaillierten Schilderung oder Beschreibung genervt sind. Ich liebe es. Zumindest innerhalb dieser absolut spannenden Trilogie, die keine Langeweile beim Lesen aufkommen lässt.
Nicht zuletzt wirft Stieg Larsson elementare Fragen zur Moral und unserem gesellschaftlichen Verhältnis dazu auf. Während Blomkvist sich als attraktiver Junggeselle mit einer Frau nach der anderen einlässt, lebt Erika Berger eine offene Ehe und ist damit glücklich und Lisbeth Salander stellt ohnehin alle moralischen Werte auf den Kopf, wenn sie mehr oder weniger in Selbstjustiz ihre Peiniger richtet oder sich in anderer Leute Privatleben hackt ohne dabei an Sympathie von seiten des Lesers einzubüßen.

Empfehlung

Die Trilogie lege ich allen Lesern ans Herz, die intelligente Spannung lieben und ausgefeilte Charaktere schätzen. Wer bei ausführlicheren Schilderungen ungeduldig wird, sollte vielleicht eher die Verfilmungen ansehen. Alles in allem eine packende, beeindruckend recherchierte Reihe mit tollen Charakteren, die Lust auf mehr macht.*

*Ohne an dieser Stelle dazu Stellung zu nehmen, was mit den unvollendeten Teilen der Reihe auf Stieg Larssons Laptop passieren soll.

Bewertung

****
(4,5 von 5 Sternen)

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