Gute Bücher, böse Bücher – Teil I

Was ist eigentlich ein gutes Buch? Wenn man einmal näher über diese Frage nachdenkt, merkt man erst, wie absurd sie ist. Können denn Bücher gut oder böse sein?

Bisher habe ich noch nirgends gelesen oder gehört, dass ein Rezensent von einem „bösen Buch“  abgeraten hätte? Ich stelle mir gerade vor, wie das böse Buch mich in meinen Träumen verfolgt und mir meinen literarischen Verstand vernebelt … Aber vielleicht gibt es diese Bücher ja, die an sich etwas „Böses“ wollen und die von vorn herein darauf angelegt sind, dem Leser zu schaden … Seltsame Vorstellung. Dabei drängt sich mir gleich der Gedanke des politisch Unkorrekten auf. Bücher, die einen Inhalt haben, der irgendwie anrüchig ist oder an die gesellschaftlichen und politischen Grenzen stößt, gelten von Staatswegen als „böse“. Warum? Weil sie uns verführen wollen, weil sie uns ihre Worte einflüstern und in unseren Verstand eindringen wollen …

Wenn wir von einem „guten Buch“ reden, meinen wir jedoch meistens ein gut geschriebenes Buch, d.h. ein Buch mit einem empfehlenswerten Inhalt und einer Geschichte, die es wert ist, gelesen zu werden. Das Pendant dazu wäre dann das „schlechte Buch“, welches schlecht geschrieben wurde oder eine Geschichte enthält, die „schlecht“ erzählt wurde.

An dieser allgemeinen Definition von einem „guten Buch“ stört mich, dass es so zahlreiche Gründe gibt, warum man einem Buch dieses Attribut zuschreiben möchte, wie es Leser gibt. Wenn mir jemand ein Buch mit den Worten „Das ist ein gutes Buch“ empfiehlt, bin ich immer skeptisch und frage: Warum? Um einem Leser ein Buch als „gut“ zu empfehlen, müsste man jedes Mal vorher klären, was man darunter versteht.

Mit welchen Erwartungen liest man ein Buch oder besser die verschiedenen Arten von Büchern? Legt man Wert auf bestimmte sprachliche Qualitäten? Geht es einem mehr um einen spannenden Handlungsverlauf oder eine ausgefeilte Figurencharakteristik und Protagonisten, mit denen man sich identifizieren kann? Zu diesen Fragen gibt es wiederum zahlreiche unterschiedliche Antworten, die man auch je nach Leseerfahrung und individueller Persönlichkeit zu jedem Zeitpunkt seines Leselebens unterschiedlich beantworten würde. Wenn ein Leser ein Buch aus bestimmten gut dargelegten Gründen spannend und lesenswert empfindet, kann ein anderer dies aus eben jenen Gründen auch gleichzeitig ablehnen.

Damit will ich sagen – es kommt immer auf die Perspektive an und weder ein Buch noch ein Leser sind nur schwarz oder weiß. Daher gilt es immer gründlich zu hinterfragen, von welchem Standpunkt aus der einzelne Leser ein Buch als „gut“ befindet und damit meint, dass er es Lesern, die mit ähnlicher Intension lesen wie er selbst, auch empfehlen würde. Ich würde mich gern mit jedem einzelnen Buchempfehler immer gern zunächst über seine Lesevorlieben und Erfahrungen unterhalten und ihn näher kennen lernen. Nur so kann ich verstehen, wie die Worte gemeint sind, die seine Buchbesprechung enthalten. Das heißt nicht, dass ich mich nicht auch mal von einer Rezension spontan verführen lasse, dieses oder jenes Buch zu lesen ohne Näheres über den Rezensenten zu wissen.

Es geht mir einfach darum, dass Bücher als kleine Mikrokosmen so individuell und besonders sind, dass  immer ein zweiter Blick nötig ist, wenn man sich mit Ihnen angemessen beschäftigen möchte. Und so geht es mir auch mit Buchbesprechungen oder –empfehlungen. Alle Bücher sind es wert, dass man mehrmals hinschaut und sie ernsthaft betrachtet. Diese Aussage löst nun wiederum eine Diskussion um den Wert des Buches aus und was für mich ein wertvolles Buch ausmacht. Dabei steht hier außer Frage, dass ich diesen im Allgemeinen hoch einschätze J

Ich möchte nichts vorweg nehmen, weil ich in einem bald folgenden Artikel näher erläutern werde, worin für mich als Leser der Wert eines Buches besteht, das wie die Axt für das gefrorene Meer in mir wirkt, und wie ich meine Bücherwahl treffe. Man verzeihe mir die Verwendung dieses bekannten Zitates eines Prager Autors, den ich persönlich sehr mag …

… Fortsetzung folgt …

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