Fundstück: Sibylle Berg reimt zum Sonntag

Ich möchte euch etwas zeigen, was ich durch Zufall (wenn es diese gibt) beim Herumstöbern im weltweiten Netz entdeckt habe und ganz wunderbar finde: Etwas kleines Gereimtes von Frau Berg, deren Roman „Der Mann schläft“ ich gerade im Kopf habe und deren neues Buch „Vielen Dank für das Leben“ bald auch seinen Weg zu mir finden wird (Dank dem edlen Schenker!).

Ich hoffe, Frau Berg ist einverstanden, dass ich das von ihr auf ihrer Website veröffentlichte Gedicht hier zur Gänze zitiere, weil es so FABEL-haft und gar zu niedlich-böse ist:

Gedicht zum Sonntag

Sie sehen hier den Alfred Meier

hat jeden Tag die gleiche Leier:

Er steht um 8 in seinem Laden.

verkauft an Angler alte Maden.

Nach Hause geht er in der Nacht-

dort wird noch schnell ein Brot gemacht.

Das isst er auf und schaut gen Himmel

und denkt sich-hab ich einen Fimmel.

Die Arbeit mach ich um zu leben

doch Leben kann’s so keines geben

Und müde liegt der Meier dann

schaut in der Nacht die Tränen an,

die aus seinen Augen fallen

und kann auch leise nur noch lallen–

lieber Gott ich bitt dich sehr

gib mir schnell mehr Freizeit her.

Der Gott ist grade Urlaub machen

und kümmert sich um andre Sachen-

Tieftraurig schläft der Meier ein

im Traum da kann er ein Playboy sein.

Dann wacht er auf und es ist grau

dem Meier wird schon morgens flau.

Doch am Wochenende dann,

wenn der Meier leben kann-

liegt er im Bett und ihm ist kalt

er spürt-nun wird er langsam alt.

Kann sich kein anderes Leben denken

und prüft an Haken sich zu henken.,

er läuft um Häuserblocks herum,

das wird ihm auch recht flott zu dumm.

Er freut sich auf den Montag dann

wo er zu seinen Maden kann.

Dann kommt der Höhepunkt im Jahr

Herr Meier reist nach Sansibar.

Liegt dort im Bett und schwimmt im Meer

das langweilt ihn doch furchtbar sehr.

So wird der Meier immer älter

die Raucherbeine immer kälter.

Eines Tages ist er tot

mit ihm vorbei die ganze Not.

In seiner Wohnung findet man

sehr viele Fotos irgendwann

da ist der Meier drauf zu sehn

beim um die Häuserblocks drumgehn,

beim baden in diversen Meeren,

beim gähnen in so vielen Sphären.

Die Fotos landen auf dem Müll-

der Meier liegt auch endlich stüll

verwest recht fein und ihm ist klar

das Leben nur ein Irrtum war.

Uhrheber des Gedichts ist Sibylle Berg, welches hier auf ihrer Website veröffentlicht wurde.

 

Katja

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4 Gedanken zu “Fundstück: Sibylle Berg reimt zum Sonntag

  1. Beim Frau Berg lesen fällt einem manchmal das Essen aus dem Gesicht … Das ist nicht so schön für die Mitmenschen. Aber naja … Es kann halt nich immer überall nur rosamundepilchern =)

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