@bout Sibylle Berg: „Der Mann schläft“ (Roman, 2009)

Zum Inhalt:

„Der Mann schläft“ ist die Geschichte einer Frau, die sich in einer Beziehung angekommen fühlt. Sie liebt den Mann, weil das Beste an ihm ist, dass er sie liebt. Es ist eine leise Beziehung, die sich auflöst, nachdem die Erzählerin entscheidet, eine gemeinsame Reise nach China zu machen. An einem Tag in China verschwindet der Mann einfach, das heißt, er kehrt nicht zu ihr zurück. Es bleibt offen, welchen Grund es dafür gibt. Der Roman stellt vor allem Beziehungs- und Liebesmuster in Frage und ist dabei sehr poetisch, sehr gesellschafts- und menschenkritisch.

Katja: Im Klappentext der DTV-Ausgabe (mit im Übrigen sehr unpassendem Cover, wegen des Hundes …) heißt es, „Sibylle Berg erzählt eine moderne Liebesgeschichte und zeigt eine Welt, in der man höchstens zu zweit überleben kann.“ Ich finde ja, hier hat sie keine typische Liebesgeschichte geschrieben und genau das gefällt mir so an dem Buch. Denn typische Liebesgeschichten drehen sich immer um die Leidenschaft und das Verliebt-sein, den Sex und sehr viel Äußerliches, Körperliches oder das zerfleischende Beziehungsgeflecht von Liebenden … Und am Ende geht es meistens positiv aus, weil die Sehnsucht der Lesenden erfüllt werden soll … Das langweilt mich unsäglich … Inwiefern ist das also eine „moderne Liebesgeschichte“, wie der schlaue Klappentext (bestimmt von einer ganz eifrigen Marketingexpertin erdacht) behauptet?

Laura: Naja, da stellt sich natürlich die Frage, was man unter einer „modernen“ Liebesgeschichte versteht. Eine Liebesgeschichte hat Frau Berg in ihrem Roman „Der Mann schläft“ auf jeden Fall geschrieben. Es geht aber um das schlichte Beieinander sein und Miteinander leben. Ich finde, es ist eine ganz leise Geschichte von einer Liebe, die genau wieder gibt, wie sich Liebe im Alltag darstellt und von uns gelebt wird. Mich fasziniert es gerade, dass Sibylle Berg diese gewöhnliche Form von Beziehungen beschreibt und das sogar selbst reflektiert: „Dass es hauptsächlich meint, neben einem anderen zu gehen, zu liegen oder zu stehen, wenn man davon spricht, sein Leben miteinander zu verbringen, ist ein Umstand, der in der Weltliteratur kaum Erwähnung findet.“ S.97. Aber ob das nun „modern“ ist, was meinst du?

Katja: Das „Moderne“ in dieser Bezeichnung kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Wer sagt denn, was in der Liebe „modern“ ist? Von daher ist das hier nicht weiter relevant. Aber genau das, was du angesprochen hast „das schlichte Beisammensein“ ist es eben, was Liebe so besonders macht. Es geht darum, sich anzulehnen, dass jemand da ist, einfach da ist, der wartet und der sich entschieden hat, mit genau dir zusammen zu sein. Körperlichkeit ist auch hier nur insofern wichtig, als dass es wichtig sich, die Anwesenheit des anderen zu fühlen, indem man sich in seinem Bauch eine Höhle baut, so formuliert sie es oder so ähnlich. Sie findet hier so schöne direkte Bilder von dem Zauberhaften im völlig Alltäglichen einer Beziehung und spart aber auch nicht die negativen und zerstörerischen oder auch ganz unspektakulären, langweiligen Seiten aus … Dass es eben nicht immer total schön und himmelhochjauchzend ist, sondern auch hart, traurig und manchmal könnte man den anderen auch erschlagen … Es geht um eine ganz einfache gewöhnliche Frau in den mittleren Jahren, die nicht mehr viel erwartet und schon etliche Männergeschichten durch hat. Durch die Perspektive der Ich-Erzählerin muss man natürlich aufpassen, nicht die Autorin selbst eins zu eins dahinter zu sehen… Meinst du auch, dass das durch ihre Schreibweise und bestimmte Stilmittel leicht hier passiert?

Laura: Das stimmt, durch die Ich-Erzählerin muss man sich selbst beim Lesen zwischendurch sagen: Das ist nicht die Autorin, sondern die Erzählerin. Sibylle Berg verwendet sehr viel Gesellschaftskritik und bringt Ansichten über die Menschen und ihre Verbindungen untereinander mit ein, und baut dabei Sätze, die man sich am liebsten auf Karten schreiben und an die Wand hängen möchte… Dieser Stil führt auch dazu, dass man meint, die Autorin zwischen den Worten hindurch sprechen zu hören.
Apropos Stil: Was ich ganz besonders spannend finde an dem Roman, ist die Struktur der zwei Zeitstränge, die parallel verlaufen und am Ende zusammengeführt werden. Die Autorin wiederholt dann sogar die Eingangsszene „Damals. Im Winter. Vor vier Monaten. Noch mal, langsam.“. Und auch wenn das Buch zeitlich durchstrukturiert ist, bleibt es sprachlich immer unglaublich anschaulich und vielfältig, dadurch dass Frau Berg bspw. viele Adjektive verwendet.

Katja: Und vor allen Dingen bringt sie Adjektive in ungewöhnlichen Zusammenhang wie z. Bsp. die Beschreibung von Regenwetter als „behindertes Regenkind“. Das finde ich wahnsinnig schön und spannend. Sie erzählt nicht so einfach vor sich hin, sondern kreiert Bilder und bringt neue Zusammenhänge und Bedeutung hervor. Nicht nur ihr gesellschaftskritischer, negativ-zynischer Stil, der eben nichts ausspart und radikal ehrlich und realistisch die Dinge in ihrer Hässlichkeit beschreibt, den ich besonders finde und sehr mag. In diesem Roman liegt eben nicht nur eine Liebesgeschichte, nicht nur die Geschichte einer Frau und eines Mannes, sondern es geht um mehr, es geht um unseren Umgang miteinander, die Sicht aufeinander und auf Menschen, die anders sind, mit denen es das Leben nicht so gut gemeint hat und den ganzen negativen Kram, der eben auch passiert. Ich finde gut, dass sie nichts ausspart, sondern radikal ehrlich Dinge zu Ende denkt und diese auch schreibt. Sie bringt mit diesem Buch eine Art Gegenentwurf zu unseren von Bildern und Vorstellungen von einer romantisierten Liebe verwüsteten Gedanken, indem sie die Ich-Erzählerin immer wieder Sätze sagen lässt, die völlig aus der Handlung enthoben einen allgemein-philosophischen Charakter haben: „Dieser kitschige Liebesbegriff, der sich in den letzten hundert Jahren manifestiert hat und die Hirne des Kollektivs ausgehöhlt, bis nur noch blubbernde Lava vorhanden war“.

Laura: Dabei verliert man als Leser nie den Faden oder kommt aus der Geschichte heraus. Frau Berg bringt, abgesehen von den sprachlich-philosophischen Einschüben, auch Nebenhandlungen und Nebenfiguren mit ein, die zum Teil skurril sind und mich an Zirkusfiguren erinnern. Es erschließt sich mir nicht immer, welche Rolle diese Figuren haben, aber wahrscheinlich ist das auch gar nicht wichtig. Manches bleibt auch offen, bspw. fragte ich mich, warum das Mädchen, das der Erzählerin begegnet, einen Namen, Kim, hat, obwohl das viele andere nicht haben in dem Buch. Der Mann heißt einfach nur „der Mann“, weil „sich doch meist alles, dem man einen Namen gibt, entfernt“. Auch die Erzählerin selbst hat keinen Namen.
Etwas anderes, was offen bleibt, ist, warum der Mann in China verschwindet. Ist ihm etwas passiert, kommt er doch wieder oder hat er sie vielleicht bewusst verlassen? Mir fiel auf, dass dieser Gedanke von der Erzählerin verdrängt wird. Als wolle sie nicht recht wahrhaben, dass das auch eine Option ist: das Verlassen werden.
In dem Roman ist unheimlich viel enthalten, worüber man nachdenken kann. Es ist nicht immer alles nur misanthropisch und zynisch in Frau Bergs Büchern, was bei ihr oft kritisiert wird… obwohl das meiner Meinung nach auch eine Rolle spielt.

Katja: Ich finde doch, Verlassen werden kommt vor – allerdings schon am Anfang. Die Erzählerin berichtet von ihren Affären und One-Night-Stands, als sie jünger war und sich in Männer verliebt, die dann irgendwie schnell versuchten, sie loszuwerden. Daher auch dann diese Angst, dass der Mann sie verlässt, der endlich mal jemand ist, auf den sie sich verlassen kann und der da ist. Das Besondere an der Liebe wird ja erst deutlich, wenn sie abwesend ist – daher der fehlende Name, damit etwas, das zart und ganz zerbrechlich, weil so wunderschön und einzigartig, nicht auf einmal verschwindet. Aber die Autorin weiß um die bedingungslose Boshaftigkeit der Welt, die genau dann böse Krankheiten schickt, wenn es gerade am schönsten ist. Da mag ich an der Schreibart von Sibylle Berg. Die Leute, die ihre Negativität kritisieren, wollen eben in Liebesgeschichten etwas anderes lesen, wollen nicht das Reale und Unschöne, was nun mal täglich passiert. Sie wollen Sehnsucht und Hoffnung – das gibt es hier auch, aber anders – und sie hat eben einen speziellen Humor. Ich kann über viele Sätze sehr lachen, aber das muss man eben auch mögen, weil es ungewöhnlich ist und ich mag das Absurde und Ungewöhnliche in ihrer szenenhaften Art zu erzählen, wie hier: „Ich hatte immer das Gefühl, dass, wer zu gut spricht, etwas verbirgt, das mit Tiermasken und Damenstrümpfen zu tun hat.“

Laura: So ging es mir auch, ja. Man findet eine wunderbare Mischung aus Zynismus und Humor, die sehr tiefsinnig und herrlich zu lesen ist. Für mich ist „Der Mann schläft“ ein durchweg lesenswertes Buch, da es mich nachdenklich machte und viele Gedanken anregte über Beziehungsformen, Vorstellungen, Gesellschaft usw. Zugleich verpackt die Autorin das wie oben beschrieben in einer wortgewandten Sprache, die mich in ihren Bann zog. Und wie sieht dein Fazit aus?

Katja: Das ist mein erstes Buch von Sibylle Berg und sie hat mich mit ihrem Stil verführt, mehr zu lesen. Diese Radikalität, das Unbedingte, Unbequeme, es hebt sich aus allem sprachlichen Einerlei hervor und ist eben nicht typisch, ohne aufgesetzt untypisch zu sein. Ich kann diese Geschichte zweier Liebender allen empfehlen, die gern eine alternative Sicht auf die Liebe lesen wollen und nicht harmoniesüchtig sind und die Mut haben, sich mit Abgründen zu beschäftigen, denn manchmal berührt sie schon Themen, die man so nicht unbedingt lesen will, aber wo man manchmal durch muss … Denn bei aller rosaroten Brillenhaftigkeit – so ist das Leben, vielleicht …

Laura: So ist das Leben und es begegnet einem in sanfter Wucht in Frau Bergs Roman!

Linktipps:

Website von Sibylle Berg

Sibylle Berg bei Hanser und Lesung von „Der Mann schläft“

Video-Interview-Podcast mit Sibylle Berg

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10 Gedanken zu “@bout Sibylle Berg: „Der Mann schläft“ (Roman, 2009)

  1. Ich habe das Buch vor etwas mehr als einem Jahr gelesen und freue mich nun anhand eures „Gesprächs“ noch einmal darin eintauchen zu können. Damals war es mein erstes Buch von Sibylle Berg und ich habe es sehr gerne gelesen. Sie beschreibt darin eine ganz ungewöhnliche Liebesgeschichte in außergewöhnlichen Bildern und Metaphern. Im Gedächtnis geblieben ist mir vor allen Dingen dieser Satz: „Es wird großartig, vielleicht erleben wir einen Tsunami, das wäre doch ein Erlebnis das unsere Beziehung stabilisieren könnte, falls wir es überleben.“
    Vor einigen Wochen habe ich das neueste Buch von Sibylle Berg gelesen – „Vielen Dank für das Leben“ und war sehr begeistert. Das kann ich euch beiden nur empfehlen.
    Viele Grüße
    Mara

  2. Liebe Mara, toll, dass dir unser Gespräch zu „Der Mann schläft“ nochmal Gelegenheit bot, an das Buch zurückzudenken. Es hat auch Spaß gemacht, sich mal direkt in einem Café über ein Buch auszutauschen, da fallen einem noch mehr Dinge auf, zu zweit.
    Für uns beide war es auch der erste Sibylle Berg-Roman. Wie ging es dir denn mit der Misanthropie und dem Zynismus, der bei ihr so oft kritisiert wird?
    Bei mir steht ihr aktueller Roman „Vielen Dank für das Leben“ auf jeden Fall auf meiner Wunschliste und bei Katja glaube ich ebenso. Du wirst hier also noch öfter den Büchern der interessanten Frau Berg begegnen. Allerdings bin ich nun erstmal mit „Unendlicher Spaß“ beschäftigt 🙂

    1. Das kann ich mir sehr gut vorstellen, dass einem zu zweit noch viel mehr Details ins Auge springen … ein wirklich schönes und interessantes Format, das ihr gewählt habt.
      Um „Unendlicher Spaß“ schleiche ich schon lange herum. Ich habe es mir damals direkt nach Erscheinen gekauft, traue mich aber einfach nicht ran … es erschlägt mich mit seinem Umfang und ich habe das Gefühl im Moment keine Kapazität für ein Langzeitprojekt zu haben. Dir aber viel Spaß und ich bin schon sehr gespannt auf deine Eindrücke. 🙂

  3. Danke für euer Gespräch (interessante Form der Besprechung!) über dieses wunderbare Buch. Der Mann schläft ist für mich (ich glaube, ich erwähnte es bereits an anderer Stelle) einer der besten deutschsprachigen Romane der letzten Jahre, er hat mich zutiefst beeindruckt, berührt, sogar amüsiert.
    Ich liebe Frau Bergs Zynismus und Melancholie, wie Katja halte ich nicht viel von seichten Geschichte vom Leben und von der Liebe, sondern interessiere mich für das Hintergründige, das Abgründige, das Tiefgründige. Sibylle Berg hat eine unverwechselbare Stimme, ich mag das Misanthropische, Bissige, Provokative ihrer Texte (siehe auch ihre Kolumnen), diesen herrlichen Weltekel, in dem sie und ihre Protagonisten sich suhlen. Eben weil sie – da stimme ich euch absolut zu – diese Haltung in so wundervolle, überraschende, originelle, außergewöhnliche und schlichtweg schöne Worte packt. Große Poesie!
    Ich freue mich schon auf Vielen Dank für das Leben, das bereits in meinem Regal steht und darauf wartet, gelesen zu werden.

    Viele Grüße und dir, Laura, unendlichen Spaß 😉 (ich habe es vor knapp einem Jahr angefangen und immerhin bis Seite 350 geschafft, seither liegt es auf meinem Nachttisch und verstaubt…).

    1. Guten Abend Caterina, du fasst das sehr schön zusammen, was dieses Buch von Frau Berg ausmacht: das Hintergründige, Abgründige, Tiefgründige. Ich liebe das auch sehr und finde gerade bei Frau Berg die Mischung mit ihrem Humor grandios. Allerdings ist mir das Misanthropische manchmal too much; gerade weil sie so recht damit hat! Vielleicht identifiziere ich mich damit dann zu stark, aber beim Lesen dachte ich manchmal echt: Ich geh da jetzt nicht mehr raus auf die Straße, ich bleib hier für immer bei meinen Büchern. Geht das nur mir so, dass der Weltekel so krass auf mich übergreift? Oder verstehe ich den Zynismus dahinter doch nicht so ganz? 🙂

      Meine Lektüre von „Unendlicher Spaß“ ist auch schon mein zweiter Anlauf, ich war so überehrgeizig, es in Originalsprache lesen zu wollen, aber das ging irgendwann ab der Mitte gar nicht mehr… Hoffentlich fällts mir auf deutsch leichter, der Brocken ist es wert… LG Laura

      1. Ich kann mir vorstellen, dass die Sache mit dem Weltekel stimmungsabhängig ist: Vielleicht ist man manchmal – wenn man sich in einer schwierigen Phase befindet und selbst einige Zweifel hegt und Fragen stellt über den „Sinn des Lebens“ – dafür sehr anfällig, dann kann es schnell auch mal ins Negative umschlagen. Mich hat es damals nicht so sehr mitgenommen, weil ich hinter diesem Misanthropische immer einen gewissen Sarkasmus gelesen habe. Fakt ist aber, dass einem viel von dem, was Sibylle Berg schreibt, erschreckend wahr vorkommt, aber das ist wiederum auch das Schöne an ihren Texten: Sie gehen nicht spurlos an einem vorbei, sie stoßen dich mit der Nase auf die Widrigkeiten dieser Gesellschaft, sie regen dich zum Denken, zum Mitfühlen, bestenfalls zum Handeln an.

        Sehr eifrig – Wallace auf Englisch! Ich lese für gewöhnlich auch lieber in der Originalsprache, aber in diesem Fall habe ich es von Anfang an sein lassen. Und bin trotzdem gescheitert 😉 Aber so ganz habe ich das Projekt noch nicht aufgegeben…

  4. Ja, da hast du wohl recht, dass das auch bei mir stimmungsbedingt ist / war… Denn ich bin eigentlich absolut kein Mensch, der immer alles easy und schillernd-schön braucht 🙂 Ich rechne ihr jedenfalls hoch an, dass sie Bücher schreibt, die man nicht so schnell wieder vergisst, da sie an die Substanz gehen und Tiefe haben!
    Und dessen bin ich mir auch bei Wallace sicher, daher fange ich nochmal auf deutsch an. Ich mag ihn einfach nicht verstauben lassen. Vielleicht rappelt er dich ja auch nochmal auf!

  5. Ich freu mich auch, dass unser Dialog so gut ankommt. Eigentlich hätte der auch viel länger sein müssen – wir könnten ja beide stundenlang über Frau Bergs Sätze reden … und immer wieder würden wir darin etwas Neues erkennen. „Vielen Dank an das Leben“ wird mir baldigst geschenkt werden. Da wir beide zusammen bei Frau Bergs toller Lesung, nein Lesetheater, im Berliner Ensemble waren, bin ich sehr gespannt auf das Buch und auf Toto. Ich denke, die misantropische Schreibweise von Sibylle Berg wird oft falsch verstanden, weil darin zwar viel Wahrheit über die unabwendbare Schlechtigkeit der Welt und der Menschen steckt, die einen runter zieht, aber auch viel viel Humor und ein zwinkerndes Auge. Denn die Autorin ist ja auch selbst Teil dieser schlechten Welt und fügt sich da irgendwie ein – zwangsläufig, so wie wir alle.. Muss denn auch immer als FriedeFreudeEierkuchen sein, in Liebesromanen oder überhaupt in unterhaltsamen Romanen? Heißt denn Unterhaltung gleich kitschige Romantik voller Sehnsucht und Hoffnung? Wie langweilig und ohne Erkenntnisgewinn. Dass da viel mehr in den zwischenmenschlichen Beziehungen steckt, zeigt Sibylle Berg und das mit sehr poetischer Sprache, scharfen Beobachtungen und faszinierend ehrlicher Analyse … Davon will ich mehr.

    1. Du hast es meiner Meinung nach ganz richtig erkannt: Frau Bergs Welt- und Menschheitsekel sollte nicht immer allzu ernst genommen werden, dahinter verbergen sich auch viel Ironie und schwarzer Humor. Sie treibt das, was sie beobachtet, gnadenlos auf die Spitze, sodass zwar ein ziemlich überzogenes Bild unserer Gesellschaft entsteht, aber auch ein ziemlich unterhaltsames – und schlussendlich auch ein zu großen Teilen sehr wahres Bild! Besser, klüger und lesenswerter als jede seichte Abbildung ohne Tiefgang.

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