Fiktion stirbt nicht!

Menschen sind keine Zombies. Sie träumen, wünschen und glauben nun mal an Veränderung. An die Möglichkeit eines besseren oder anderen Lebens, und solange das so ist, werden sie auch ihre Träume und Wünsche in Geschichten fassen und umgekehrt von ihren Enttäuschungen und Lügen und den Grausamkeiten des gar nicht so glücklichen Lebens erzählen. Und genauso lange ist Fiktion alles andere als over und der Roman auch nicht tot – auch wenn er sich möglicherweise verändern wird.

Wir brauchen Fiktion. Wir brauchen fiktive Geschichten beispielsweise in Form von Romanen oder Filmen. Unsere Leben wären um einiges leerer, hätten wir all diese Geschichten nicht, all die Träume und Wünsche und Erfahrungen anderer. Andreas Schäfer hat dazu einen – wie ich finde – ganz tollen Artikel verfasst, auf den ich zufällig auf tagesspiegel.de stieß.
Er beschreibt eine fast schon fiktiv anmutende Szene, in der er wartend in seinem Auto vor einer Berliner Schule sitzt um sein Kind abzuholen und Tolstois „Anna Karenina“ liest. Währenddessen schleicht sich der Gedanke „Der Roman ist tot!“ ein und alles um ihn herum verändert sich…
Natürlich nicht wirklich. Sein Artikel ist ein Gedankenexperiment, ein Text, der mit Fiktion und Wirklichkeit spielt um uns letztlich vor Augen zu führen: Der Roman, respektive die Fiktion, ist nicht tot!
Der Verfasser ist dabei wunderbar kreativ, aber auch herrlich selbstironisch: „Irgendetwas stimmte nicht mit der These vom Tod der Fiktion, aber ich wusste nicht was. Seit ich Besitzer eines Smartphones bin, fällt mir das Denken schwer. Aber ich wollte die Lösung nicht im Internet finden, ich wollte selber denken, wie früher, in den Neunzigern.“
Ein Artikel bei dem es mir Freude bereitete, ihn zu lesen, was mittlerweile leider selten geworden ist auf den Onlinesseiten diverser Zeitungen, und der mich darüber hinaus zu Gedanken über den Wert der Fiktion in unserem Leben anregte!

Andreas Schäfer: „Leben spielen. Lob der Fiktion“, Artikel im tagesspiegel, 28.11.12

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2 Gedanken zu “Fiktion stirbt nicht!

  1. Dass unser Geist der Fiktion fähig ist, das heißt sich Dinge erdenken und neue Sachverhalte erschaffen kann, damit einen urkreativen und schöpferischen Akt ausführt, ist das eigentlich menschlich Zauberhafteste und Größte. Wir sind in der Lage Welten zu erschaffen, die es noch gar nie gegeben hat und vermutlich nie „wirklich“ geben wird, aber sie leben sozusagen in der Parralelwelt unseres Geistes, die unendlich reich ist durch die täglichen Eindrücke und alle erlebten Dinge. Da verschmelzen in der Einbildungskraft quasi tatsächlich Erlebtes und durch die Imagination wird Neues erschaffen – wunderbar, welch ein Geschenk dies zu teilen und all diese erdachten Welten sichtbar und nacherlebbar zu machen, indem man diese Gedanken und Worte aufschreibt und anderen damit eine eigene Gedankenreise schenkt, die auf diesen Worten basiert – und sich damit mit dem Geist der anderen verknüpft … Wahnsinn! – @bout-Katja

    1. Mich faszinieren diese Gedanken auch enorm! Daher liebe ich vermutlich auch Literatur, die sich quasi auf einer Metaebene mit diesem Fiktionsvermögen des Geistes auseinandersetzt.
      Ob Träume oder erdachte Geschichten wie bspw. in Romanen: unser Geist leistet da was völlig einzigartiges. Vor allem, wenn wir es schaffen, durch Worte Bilder bei anderen zu erzeugen, Vorstellungen von dem, was wir träum(t)en oder erzähl(t)en. Da werden Parallelwelten erschaffen, wie du schreibst, ja ganz neue Universen konstruiert. Sowohl im Großen als auch im Kleinen; Was wären wir ohne unsere Phantasie? Ohne die Fähigkeit, solche immensen imaginativen Kräfte hervorzurufen?

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