Faszination Street Art

xooox
Xooox, Sophienstraße, Berlin, Fotocredit: Katja

Street Art gehört zu dem, was mich an Städten mitunter am meisten fasziniert: Die Kreativität, das Subversive, In-Frage-Stellende… Sie macht unsere Städte lebendig und bereichert sie mit ihrer Vielfalt und ihrem Vermögen, die Aufmerksamkeit kurz auf etwas zu richten, was uns lächeln machen kann oder zum Nachdenken bringt.

Street Art ist in der Regel anonym, ihre Urheber hinterlassen zwar häufig bestimmte Pseudonyme (xooox, Banksy, El Bocho, Just, Alias usw.) oder zeichnen sich durch einen wiedererkennbaren Stil aus, doch in den seltensten Fällen, weiß man, wer wirklich dahinter steckt. 
Hinter den plötzlich über Nacht auftauchenden Bildern an Wänden, Legosteinen in Mauern, Wolle an Bäumen und so weiter. Die Anonymität mag auch mit der Illegalität zusammenhängen, immerhin handelt es sich offiziell meist um Sachbeschädigung des Eigentums anderer. Dieser Punkt ist aber umstritten: was manche als Schmiererei und Beschädigung betrachten, finden andere schön oder witzig und sehen es als bunte Bereicherung des öffentlichen Raumes. Zumal es selten darum geht, mutwillig die Eigentümer der Häuser zu schädigen.
Eher verfolgt Street Art das Motto: Reclaim your city!
Es geht darum, öffentlichen Raum, den Stadtraum, der uns allen „gehört“, spielerisch und gestalterisch zurück zu erobern und ihn nicht von kapitalistisch orientierten Eigentümern zu einer einzigen grauen Masse oder riesigen blinkenden Werbefläche werden zu lassen.

In Street Art lebt der wahre subversive Zeitgeist weiter. Street Art ist manifestierte, oft ästhetische Revolution, die keinem wehtut. Durch Street Art bleibt der Gedanke in Kunst erhalten, dass es etwas gibt, was keinem gehört, sondern allen. Man kann sie in den seltensten Fällen besitzen. Sie lebt in unseren Straßen, für Augenblicke und gemahnt in ihrer Flüchtigkeit an die schönsten Momente oder Dinge im Leben, die man selten festhalten kann*.

Formen der Street Art sind vielfältig, variabel, stets erneuerbar, zum Teil kombinierbar. Neben den bekannten Graffitis gibt es sogenannte Stencils (Schablonengraffiti, auch Pochoir genannt, aus Frankreich stammend), Stickerart (Aufkleber in verschiedenen Materialien und Größen, oft frei erhältliche Aufkleber wie Paketscheine, die einer künstlerischen Bearbeitung als Grundlage dienen), Paste-ups (Plakate) und Cut-outs (herausgeschnittene Arbeiten), Tape Art (Klebestreifen), Collagen und  Scratchiti (in harte Oberflächen gekratzte Bilder oder Botschaften). Die verschiedenen Formen der Street Art variieren je nach Bearbeitungszeit und unterscheiden sich auch bzgl. bleibender Spuren auf den Anbringungsflächen.
Während Stencils / Pochoirs bereits in den 1970er Jahren entstanden, ist das sogenannte Urban Knitting oder Guerilla Knitting eine recht neue Erscheinungsform der Street Art. Bei dieser werden Bäume, Fahrradständer, Laternenpfähle usw. mit Strickarbeiten verziert. Auf Urban Knitting will ich demnächst in einem Extrabeitrag separat eingehen. Ihr dürft gespannt sein!

*Daher bin ich persönlich auch der Meinung, dass Street Art nicht ausgestellt werden sollte in Galerien o.ä., da es ihrem Grundgedanken widerspricht.

Linktipps:

http://www.streetartutopia.com/

http://urbanshit.de/?p=6803

Buchtipps: 

Christian Heinicke und Daniela Krause: Street Art. Die Stadt als Spielplatz, 2010.

Kai Jakob: Street Art in Berlin, Version 5.0, 2012.

Benjamin Wolbergs: Urban Illustration Berlin. Street Cityguide, 2007.

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5 Gedanken zu “Faszination Street Art

    1. Ganz genau, schön, dass du das auch so siehst, Karo! Wie sieht es denn mittlerweile im Ruhrgebiet aus? Ich erinnere mich nicht, dort viel Street Art entdeckt zu haben, als ich früher öfter mal dort war. Vielleicht wurde sie aber auch zu schnell beseitigt!?

      1. Stimmt, also was Graffiti angeht, passiert im Pott definitiv nicht so viel (schönes) wie in der Hauptstadt. Ich wohne seit diesem Jahr in Dortmund. Als Zugezogene sind mir hier zwei Dinge aufgefallen: ÜBERALL findet man das Konterfei des 1. BVB-Nationalspielers August Lenz als Schablone aufgesprayt und hier wird fleißig über Sticker an Ampeln und Stromkästen kommuniziert. Natürlich auch: Hauptsächlich über Fußball 😉

  1. Dieser Hauseingang in der Sophienstraße, wo ich dieses Bild aufgenommen habe, ist eine wahre Graffiti-Schmier-Streetart-Kunst-Fundgrube – immer wieder schön täglich dran vorbei zu gehen und zu lächeln. Berlin zeigt an vielen Ecken so manches Mal seinen hässlichen Charakter, aber die Menschen, die in dieser Stadt leben, verschönern sie täglich und sprechen durch diese kleinen Zeichen und Bilder zu uns … Schön.

    1. Ja, das liebe ich an Berlin auch so. Eigentlich müsste man ständig eine Kamera mit sich rumtragen 😉 Aber am wichtigsten ist es letztlich, dass die Bilder DA sind, oder auftauchen, sich verändern, an anderen Ecken wiederzufinden sind… und damit die Stadt ungemein bereichern.

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