Meine Weihnachtslektüre: „Wer kann für böse Träume – The Secret Grimm Files“

Kurz vor Weihnachten wird es ruhig auf unserem und den meisten anderen Blogs. Bevor wir uns in eine Weihnachtspause verabschieden, möchte ich euch noch an meiner Weihnachtslektüre teilhaben lassen. Denn neben dem Kekse essen, Weihnachtslieder hören, mit der Familie über alte Zeiten sinnieren, Braten verspeisen, bleibt natürlich auch Zeit zum Lesen. Ich verbringe meine Weihnachtstage mit einem grandiosen Leseerlebnis, das ich euch allen für die Feiertage empfehlen möchte: „Wer kann für böse Träume – The Secret Grimm Files“ vom Verlag das wilde Dutzend.

Wer kann für böse Träume

Folgendes Zitat steht diesem einzigartigen Märchenband voran und verrät schon, welche Idee hinter der Veröffentlichung einer solch eigenwilligen Geschichtensammlung steht, die mich sehr begeistert:

Geschichte, so heißt es, erzählt, was der Erzähler will und ist – ebenso wie Geschichten – stets davon abhängig, wer wem berichtet und aus welchem Grund. Eine Gleichung mit mindestens drei Variablen allerdings, das sollte nie vergessen werden, besitzt ebenso viele Herausforderungen wie mögliche Lösungen.

Schon im Juni diesen Jahres erschienen diese Neuinterpretationen der Grimmschen Märchen, die sich nicht nur wegen des Jubiläums der beiden deutschen Märchensammler vor allem zur Weihnachtszeit wunderbar lesen lassen. Der von mir sehr geschätzte Berliner Verlag das wilde Dutzend liegt mit diesem wunderbar gestalteten Buch eine ganz neue Art von Märchensammlung vor, die eher für Erwachsene denn für Kinder geeignet sind, oder sagen wir für erwachsene Kinder. 15 Autoren dichten 15 bekannte Märchen der Gebrüder Grimm neu und beziehen sich dabei auf die von der Geheimloge gehobenen geheimen Grimm-Akten, die es ermöglichen, Märchen wie Rotkäppchen, Rapunzel oder Schneewittchen im neuen Gewand zu betrachten, vertraute Pfade verlassen und die Umgebung dieser Märchen auf einzigartige Weise zu beleuchten. Das wilde Dutzend ist bekannt für seine wunderbar illustrierten Bände voller Rästelhaftigkeiten, Absurditäten, abgründigen Geheimnissen, morbiden Phantasien und einzigartigen hintersinnigen Wunderbarkeiten. Auch dieser wunderbare Band absurder Grimmscher Märchen ist ein wahres Lese- und Stöbervergnügen – vor allem durch die wunderbar detailreiche und liebevolle Gestaltung der Illustratoren. Mit großer Phantasie, der Liebe zum Morbiden und Abseitigen erzählen die 15 Autoren ihre ganz eigenen Grimmschen Märchen. Dichtung und Wahrheit liegen ja bekanntlich eng beieinander und auf dieser Grenze bewegen sich diese Märchen, die durch ihre eigenwillige Neuerzählung nicht nur zeigen, wie faszinierend auch heute noch Märchen sein können, die mehr sind als reine Kindergeschichten, sondern eine dunkle rätselhafte Tiefgründigkeit voller unheimlicher Begebenheiten hervorbringen,  die uns an böse Träume erinnern und an unser Vermögen uns zu gruseln, wie es nur Kinder können …

Illustration Sabine Tabuchi

Da ist zum Beispiel die Fabel vom Hase und dem Igel, die Angelika Klüssendorf neuerzählt: „Von gelben Rüben, Branntwein und fünfundsiebzig Hasensprüngen“. Wir alle kennen die Wette, die der arrogante Hase mit dem scheinbar einfältigen Igel abschließt, der sie dank der Hilfe der Igelin gewinnt und sich als der Schlauere entpuppt. Bei Angelika Küssendorf sind Hase und Igel gute Kumpels, die einträchtig zusammenleben bis dem Igel eines Tages schmerzlich bewusst wird, dass er eine Igelfrau vermisst. Also lässt der Hase ihn ziehen und der Igel findet seine Igelin und heiratet sie, was den Hasen in eine tiefe Krise stürzt voller Eifersucht auf die „krummbeinige Schlampe“ von Igelfrau. Ohne zu verraten wie die Geschichte ausgeht, zeigt sich auch hier, dass der Hase nicht der Schlaueste ist, obwohl er beim Wettlauf den Igel und seine Frau durchschaut …

Wer kann für böse Träume - Brüder GrimmIch möchte nicht zuviel über die weiteren Geschichten verraten, aber sie euch wärmstens empfehlen als märchenhafte Lektüre und Stöbererlebniss zur Weihnachtszeit. Sie zeigen ganz neue Aspekte der alten Hausmärchen auf – immer mit einem ironischen Unterton, viel Witz und Phantasie. Ein Fest für die Sinne und ein großes Vergnügen sind vor allem auch die Illustrationen, die den Grimmschen Märchen Leben einhauchen und eine besondere optische Tiefe geben, vor allem das Unheimliche, Absurde und Geheimnisvolle unterstreichen. Hier gibt es so viel zu entdecken und auch zu lernen, denn neben den Märchen und Illustrationen wird der Band von kurzen Anmerkungen begleitet, die uns die Hintergründe, Topoi und Entstehung der Grimmschen Geschichten und Fabeln näher erläutern.

Meine Lieblingsillustration stammt aus dem Bleistift von Jens Weber und beeindruckt mich durch ein virtuoses Spiel mit Licht und Schatten, das die Seele hinter den Erscheinungen zum Leuchten bringt:

Illustration Jens Weber

„Wer kann für böse Träume“ enthält Erzählungen folgender Autoren:

Angelika Klüssendorf
Thomas von Steinaecker
Ulrike Draesner
Michael Stavarič
Christiane Neudecker
Michael Weins
Rabea Edel
Finn-Ole Heinrich
Tobias O. Meißner & Melanie Stumm
Anja Schneider
Sigrid Behrens
Tamara Bach
Noëmi Aubépine
Veronika Peters
Anonymus

Ich wünsche euch viel Lesevergnügen und eine wunderbare Weihnachtszeit.

Tipp: Wer Gefallen an diesem Illustrationsband findet, dem sei auch meine Buchvorstellung von „Die Guten, die Bösen und die Toten“ vom Verlag das wilde Dutzend empfohlen.

* Fotografien aus meinem Exemplar des Buches mit freundlicher Genehmigung des Verlages das wilde Dutzend – vielen Dank und viele Grüße an Doro

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5 Gedanken zu “Meine Weihnachtslektüre: „Wer kann für böse Träume – The Secret Grimm Files“

  1. Liebe Petra – vielen Dank. Ich wünsche dir ebenso eine besinnliche Weihnachtszeit und spannende Lektüre. Ich bin gespannt, auf all die neuen Bücher, Geschichten und Rezensionen … Auf bald =)

    1. Ich kann es auch wirklich nur empfehlen, und es ist selten bei mir, dass ich eine absolute Empfehlung ausspreche =) – Denn es ist nicht nur sehr liebevoll illustriert, und jeder Illustrator gibt jedem Märchen seine eigenen Bilder, sondern die Geschichten sind wunderbar fabuliert und mit sehr viel (bösem) Witz und hintersinniger Absurdität erzählt. Wunderbare Weihnachten dir!

  2. Das passt ja als Ergänzung für mich zu dem Märchenbuch, das ich dieses Jahr an meine Tochter verschenke: Mein Märchenwald. Mit Illustrationen von Su Blackwell (die Künstlerin schneidet aus alten Büchern die wunderschönsten Bilder heraus…)
    Werde ich mir kaufen, sobald der Einkaufstrubel aus der Stadt verschwunden ist.

    Übrigens ist das Happy End der Märchen eine rein deutsche Erfindung der Gebrüder Grimm, die das Nationalgefühl mit der Sammlung stärken wollten (und sich dabei absurderweise großzügig aus dem französischen Sagenschatz bedienten). Was mich besonders an den Grimmschen Märchen nervt: Sie hatten etliche Zulieferer, vor allem auch Frauen, z.B. Bettine Brentano (später von Arnim) und haben diese Mitautorinnenschaft schön unter den Lesetisch fallen lassen.

    Herzliche Grüße und eine schöne Weihnachtszeit, Mila

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