Banana Yoshimoto „Federkleid“, Roman (2007)

Federleicht ist „Federkleid“, der Roman der japanischen Schriftstellerin Banana Yoshimoto (bei deren Vorname es sich übrigens um ein Pseydonym handelt). Auf knapp 150 Seiten erfährt man von der Ich-Erzählerin Hotaru, wie sie nach einer Trennung zurück in ihrer Heimatstadt das selbstbestimmte Leben wieder entdeckt. Acht Jahre lang lebte sie in Tokyo in einem Appartement als Geliebte eines verheirateten Mannes, bis er sie für seine Frau verließ. Nun lebt Hotaru im kleinen urigen Café ihrer Großmutter, das den besten Cheesecake bietet und voller Orchideen ist. Sie trifft Rumi, eine alte Freundin und lernt Mitsuru kennen, der sich um seine Mutter kümmert und nächtens aufgepeppte Nudelinstantsuppe für verirrte Seelen anbietet.

Es ist der zweite Roman von Banana Yoshimoto den ich las und er ist ebenso wie schon „Amrita“ von einer Leichtigkeit durchdrungen, die mich staunen lässt. Die Worte tanzen umher und legen sich wie Daunenfedern auf meine Lider. Was den Figuren auch widerfährt, sie geben nicht auf. Selbst Mitsurus Mutter rafft sich nach langer Depression und Trauer um ihren verunglückten Mann wieder auf und beginnt zu leben. Die Lektüre der Bücher Yoshimotos ist wie heilsamer Balsam, den ich traurigen, schwermütigen Menschen verschreiben möchte. Yoshimoto ist eine Grenzgängerin, immer kurz davor zu leichtfertig zu werden, und die Ereignisse zu lapidar und banal oder übersinnlich erscheinen zu lassen. Aber, und das ist offenbar ihre literarische Kunst; sie vermag es bei aller Leichtigkeit mich doch zu verzaubern:

Wohin man auch geht, in der Dunkelheit verfolgt einen immer das Rauschen des Flusses auf Schritt und Tritt. Überall in der Stadt gibt es große und kleine Brücken. Sie erzeugen einen bestimmten Rhythmus, sind wie Satzzeichen in die Flußlandschaft gesetzt, um die Leute immer wieder plötzlich vor dem Wasser innehalten und verweilen zu lassen.
Nachts, wenn die Menschen schlafen, schlängelt sich der Fluß durch ihre Träume. Er hat sich tief in ihre Herzen gegraben und begleitet sie überallhin, egal, welche Wendungen das Leben nimmt.

Banana Yoshimoto: Federkleid, aus dem Japanischen von Thomas Eggenberg, erschienen bei Diogenes, 2007

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12 Gedanken zu “Banana Yoshimoto „Federkleid“, Roman (2007)

  1. Von Banana Yoshimoto kenne ich bisher noch nicht viel, ihr aktuellstes Buch, was letztes Jahr erschien ist, hat mir gefallen, ich hatte aber Schwierigkeiten mit den übersinnlichen Elementen, die bei ihr ja scheinbar eine zentrale Rolle spielen. Deine Rezension macht mich aber doch neugierig darauf, noch mehr von ihr zu entdecken. 🙂

    1. Die Übersinnlichkeit, welche mir in „Amrita“ auch zuviel war, hält sich hier zurück. Es liest sich sehr locker und leicht, prima im u.U. Schwermut verursachenden Winter 🙂 Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert.

  2. Ich habe „Kitchen“ als erstes von ihr gehört und habe ähnlich wie du bei Federkleid empfunden. Ich mag die erzählweise. „Dornröschenschlaf“ mochte ich auch sehr, auch von der Idee des „Bei-Schlafs“ der kein „Beischlaf“ ist! Eine schöne Wortspielerei.
    Beide Bücher habe ich in der Hörbuchversion.
    Das dritte meiner Yoshimoto Hörbücher ist „Eine geheimnisvolle Erfahrung“
    Das ist sehr schrill und verstörend. Ein Gegensatz zu den beiden anderen. Ich habe es als sehr aufregend emfpunden. Franziska Pigulla liest es vor.

    1. Soviele Hörbücher, von denen du schreibst… Kommst du da überhaupt noch zum Lesen liebe Susanne? Und zu welchen Gelegenheiten hörst du die Bücher wenn ich fragen darf? Ich werde immer so müde, wenn ich lange zuhöre, habe aber festgestellt, dass ich bei Handarbeiten bspw. gut zuhören kann und gern mag. „Kitchen“ will ich auch mal noch lesen, das ist ja glaub ich ihr bekanntestes Buch…

      1. Leider komme ich viel zu wenig zum Lesen, Laura.

        Das hat mich sehr unzufrieden gemacht. Da war die Idee vom iPod und den Hörbüchern geboren.

        Wenn ich Bilder rahme, beim zeichnen (es gibt mir eine gewisse Leichtigkeit und wenn ich mich konzentrieren muss, höre ich nicht zu und wenn ich es merke gehe ich Kapitel zurück), in der Bahn (ich bin viel zu Ausstellungen unterwegs), beim Waschen bei der Hausarbeit …. Sicher, ich höre auch abends im Bett aber dabei passiert mir genau das, was du auch festgestellt hast, ich schlafe ein …
        Aber so können sich meine Gedanken vor Arbeit auch nicht im Kreis drehen.

        Also das Hörbuch ist aus dem Zeitmangel geboren, Kunst ist eine sehr aufwendige Arbeit, die ich über alles liebe….

  3. P.S. Fachbuecher lese ich natürlich, die gibt es nicht als Hoerbuch sonst würde ich sie auch hören. Halt – das geht doch nicht, denn in Hoerbuecher kann ich nicht markieren und Notizen zum Text an den Rand schreiben.

    1. Stimmt, das Markieren und Klebezettelchen hinterlassen ist auch ein Grund (nicht nur bei Fachliteratur) der mich bisher von Hörbüchern und Ebooks abhält 🙂 Das ist natürlich besonders bei Fachliteratur ganz wichtig – mit dieser werde ich mich sehr bald für meine Kunstgeschichte-Dissertation auch wieder sehr intensiv beschäftigen.
      Ich habe eben auf deiner Homepage gesehen, dass du Ende Januar in der Irischen Botschaft ausstellst – vielleicht schaffe ich es mal hin 😉 LG Laura

      1. Was ist das Thema deiner Dissertation, Laura?
        Ich würde mich sehr freuen, wenn wir uns in der Irischen Botschaft persönlich kennen lernen. 🙂
        Einen schönen Freitag wünscht dir Susanne

      2. Ich werde über Sterblichkeitsbewusstsein und Liminalität in der Gegenwartskunst schreiben. Mehr dann ja vielleicht bald persönlich, oder mal per Mail? 🙂
        Auch dir ein schönes Wochenende, Laura

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