Rainer Moritz: „Madame Cottard und eine Ahnung von Liebe“, Roman (2009)

Rainer Moritz_Madame Cottard und eine Ahnung von LiebeWas leichtes, einen schönen Liebesroman, wollte ich mal wieder lesen, gewissermaßen als Ausgleich zu meinen sonstigen Leseprojekten David Foster Wallace und Marcel Proust. Und da begegnete mir Madame Cottard.

Rainer Moritz ist ein deutscher Schriftsteller, der in Paris und die französische Kultur verliebt ist, das merkt man seinem Roman eindeutig an. Um Nathalie Cottard geht es, eine Pariser Buchhändlerin Ende 30, die in ihrer Wohnung einen Wasserschaden erlebt. Dieser kleine Schicksalsschlag ist Auslöser für die Bekanntschaft mit ihrem deutsche Nachbarn: Robert Bernthaler. Er bietet ihr spontan eine erste Notunterkunft in seiner Wohnung an, von der aus man auf den Sacré Coeur blicken kann.

Immer im Kapitel-Wechsel aus Sicht der beiden Nachbarn erzählt uns Herr Moritz, wie sich da langsam eine Romanze anbahnt. Der zurückhaltende Robert Bernthaler, der in einer Fabrik für Korkenherstellung arbeitet, Stillleben liebt und sie auf Postkarten sammelt. Außerdem kann er auch noch kochen – und ist absolut nicht langweilig. Das ist der quirligen, direkten Französin Nathalie wichtig. Sie ist mit ihren kurzen schwarzen Haaren und dem roten Lippenstift eine selbstständige, selbstbewusste Frau – und absolut unkompliziert, was wiederum Robert beeindruckt. Aber natürlich ist es nicht alles einfach, wenn man Ende Dreißig / Mitte Vierzig plötzlich doch noch jemanden kennenlernt, mit dem man mehr als eine Nacht verbringen möchte.

Der Autor schreibt von Paris als Kenner dieser Stadt, führt den Leser an Madame Cottards Hand in die entlegeneren Ecken, fernab der üblichen Touristenziele. Seine Figuren beschreibt er nüchtern, aber liebevoll. Robert ist mir fast noch sympathischer gewesen (und das liegt nicht nur an seiner Liebe für Stillleben), Nathalie ist mir manchmal eine Spur zu stereotyp als selbstbewusste Französin. Die Dialoge der beiden sind meist in indirekter Rede wiedergegeben, was manchmal anstrengend zu lesen ist, laut Bloggerin Jenny aber die Geschichte davor bewahrt, ins Kitschige abzudriften.
Und obwohl ich auf den ersten Seiten Kitsch und Klischees erwartete, hätte das dieser angenehm leichten Liebesgeschichte unrecht getan. Ich überlege nun sogar, den zweiten Teil „Madame Cottard und die Furcht vor dem Glück“ zu lesen.

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2 Gedanken zu “Rainer Moritz: „Madame Cottard und eine Ahnung von Liebe“, Roman (2009)

  1. Ist Rainer Moritz ein zeitgenössischer Autor? Von wann ist der Roman? Interessiert mich mal. Du erinnerst mich damit an meinen Wunsch, endlich mal nach Paris zu fahren … träum …

    1. „Wer lesen kann,… “ Okay, Pflaumen aufn Ochen … Sorry, im Titel steht ja 2009, bin grad irgendwie woanders …

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