XIII. Sonntag mit Proust

Am heutigen Sonntag wird es politisch bei Proust. Seitenweise nehme ich durch die Augen und Ohren des Erzählers an einer Diskussion bei Madame de Villeparisis um die Dreyfus-Affäre teil, die damals die französische Gesellschaft spaltete. Interessant dabei ist, wie Proust die verschiedenen Ansichten in Dialogform ausleuchtet.

(Monsieur de Norpois:) Frankreich verlangt in seiner überwältigenden Majorität nach Arbeit und nach Ordnung! In dieser Hinsicht gibt es keinen Zweifel für mich. (…) Die Regierung darf nicht etwa so tun, als trete sie nur in äußerster Notwehr aus ihrer Passivität heraus, wenn sie schließlich und endlich das Recht ausübt, das ihr ihrem Wissen nach zusteht, nämlich die Dame Justitia in Bewegung zu setzen. Die Regierung wird auf alles hören, was Sie ihr nahelegen. Wenn eindeutig feststeht, daß ein Justizirrtum vorgekommen ist, wird sie eine erdrückende Mehrheit für sich haben, die ihr freie Hand verschafft.
– Sie, Monsieur, sagte Bloch, indem er sich an Monsieur d´Argencourt wendete, sind doch sicher für Dreyfus; im Ausland ist man es allgemein.
– Das ist doch so eine Sache, die nur die Franzosen unter sich angeht, nicht wahr? antwortete Monsieur d´Argencourt mit jener besonderen Art von Insolenz, bei der man dem andern eine Meinung unterschiebt, von der man ganz offenbar weiß, daß er sie nicht teilt, da er ja soeben eine diametral entgegengesetzte geäußert hat.

Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, Teil 3.1: Die Welt der Guermantes, Dtsch. von Eva Rechel-Mertens, Frankfurt: Suhrkamp, 1982.

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