Let’s talk about Books and Music

Lesen ist ein sollipsistischer Akt der Stille – ganz bei sich und in sich gekehrt folgt man der Geschichte eines Autors, lässt sich von den Worten davon tragen und emfpindet die ganz unterschiedlichsten Gefühle. Dennoch gehören Lesen und Musik für mich zusammen, nicht nur, weil Sprache eine Melodie hat und einen Rhythmus. Sondern auch weil ein Lied oder ein Musikstück eine Geschichte erzählt wie Worte es vermögen. Daher höre ich auch gern Musik während ich lese, aber es kommt sehr auf das jeweilige Buch und Sujet an. Ein Fach- oder Sachbuch lese ich meist still, um die nötige Konzentration zu haben und die Aussage jedes Satzes aufzunehmen. Aber bei belletristischen Texten lasse ich mich ab und an gern durch eine gehörte Melodie zusätzlich entführen. Das schwierige Unterfangen dabei ist, jene Künstler und Musiker zu finden, die gerade zur Stimmung der jeweiligen Geschichte passen und keine zusätzliche Ablenkung schaffen. Ich höre nicht irgendwas, Radio geht beim Lesen gar nicht. Als Anhänger des altmodischen CD-Kaufs höre ich am liebsten komplette Alben von vorn bis hinten durch, denn ein Album hat wie die Kapitel in einem Buch eine Reihenfolge. So höre ich ein Musikalbum ebenso, wie ich ein Buch lese. Da es Musik gibt, die wunderbar zum Lesen passt und sich meiner Meinung nach unaufgeregt angenehm zu Literatur hören lässt, hier meine Empfehlung und kleine Auswahl an Künstlern und Musik-Alben, zu denen sich gut lesen lässt:

Musik und Lesen

Von oben links nach unten rechts:

Nick Cave & the Bad Seeds – Where the Wild Roses Grow

Aimee Mann – Lost in Space

Emiliana Torrini – Me and Armini

Bob Dylan – Beyond Here Lies Nothing

A Fine Frenzy – Bomb in a Birdcage

Sophie Hunger – Danger of Lights

Hellsongs – Minor Misdemeanors

Tori Amos – Night of Hunters

Maria Solheim – Will There Be Spring

Dabei gebe ich zu, kann man nicht zu jedem Buch diese Musik hören. Zu Dostojewski beispielsweise passt Bob Dylans poetischer Gitarrenfolk nun überhaupt nicht. Dazu würde ich eher klassische Klänge eines Schostakowitsch oder Rachmaninow wählen. Ich muss dann auch beim Wiederhören oft an das dazu gelesene Buch denken. Zu oben genannten Alben habe ich schon viel gelesen. Nick Cave eignet sich besonders schön für düstere, traurige Geschichten, ich mag dieses Eintauchen in eine solche Stimmung … auch wenn man einige Zeit braucht, um da wieder aufzutauchen. Wenn ich ein Album neu erstanden habe, höre ich es allerdings zunächst ohne Nebenbeschäftigung ein paar Mal durch, um seine Geschichte zu erfahren, bevor ich dazu lesen kann. Sonst wäre man abgelenkt und könnte die Aufmerksamkeit nicht dem Text widmen … Wie ist das bei euch?

Da ich neugierig bin und gern neue musikalische Tipps sammle, bin ich sehr gespannt, wie das bei euch ist: Könnt ihr beim Lesen Musik hören? Seht ihr das völlig anders, und braucht ihr für das Lesen eine gewisse Stille, die euch die Musik rauben würde? Habt ihr die „perfekte“ musikalische Begleitung für eure Lieblingsliteratur gefunden oder vielleicht einen Song, der euch an eine Geschichte, an Literatur erinnert? Davon abgesehen, dass jeder einen anderen Musikgeschmack hat, interessiert mich vor allem, ob sich bei einem von euch auch Elektro, Drum n Bass oder Metal während des Sich-in-Bücher-Versinkens in die Gehörgänge verirrt – was mir eindeutig zu wild wäre, während des Lesens – ?

Gerade höre ich übrigens Tori Amos‘ Job’s Coffin vom Album „Night of Hunters“, das sich wunderbar zum Lesen und Schreiben hört, vor allem durch das Zusammenspiel von Gesang, Piano und Streichern …

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12 Gedanken zu “Let’s talk about Books and Music

  1. Ich kann beim Lesen selten andere Geräusche ertragen. Ich bin fast bis zur Besessenheit fixiert auf Texte, so auch in Liedern, ich merke sie mir viel zu schnell. Manch einer hat schon behauptet, zu jedem zweiten Satz oder jedem zweiten Wort hätte ich ein Lied im Kopf, dessen Text ich abspulen könnte. Ich liebe Musik – besonders auch Dylan, wo ich ihn da auf deinem Foto sehe -, aber wenn ich mich beim Lesen auf den Text der Lieder und den Text der Bücher konzentrieren sollte, müsste wahrscheinlich mein Hirn explodieren. Kürzlich habe ich aber durchaus meine Liebe zur klassischen (Instrumental)musik entdeckt, … vielleicht probiere ich das auch demnächst mal aus. (;

  2. Bei mir ist es ähnlich wie bei Sophie, ich bekomme beim Lesen und gleichzeitigem Musik hören die Texte nicht auseinander, sitze dann da mit auseinander gerissener, hin und her pendelnder Konzentration, und das macht mich verrückt. Oder einer der beiden Eindrücke ist so dominant, dass ich den anderen nicht mehr wahrnehme – und dann kann ich es auch gleich lassen 🙂
    Also wenn ich überhaupt Musik beim Lesen (von Fachliteratur und Romanen) höre, dann nur Instrumentales. Und selbst das fordert mir mittlerweile oft zuviel Konzentration ab…
    Wenn dir das gelingt und du dann auch noch die zum Buch passende Musik findest – wunderbar! Ich kann mir schon vorstellen, dass sich beides super ergänzen kann. Was sicher zu vielen zeitgenössischen Romanen passt: Madrugada!

    1. Daher sag ich ja auch, man kann keine neuen Albem zum Lesen hören, es muss Musik sein, wo der Text schon beim oft Hören übergegangen ist in Fleisch und Blut. Kennt ihr das nicht? Dann kann ich gut dazu lesen, dann höre ich nicht mehr auf die einzelnen Zeilen und denke darüber nach. Man denkt ja nicht jedes Mal über das nach, von dem da gesungen wird … ansonsten kann man auch Instrumentalmusik nehmen. Auf beides Konzentrieren geht nicht, das ist richtig. Multitasking ist ein Hirngespinst und empirisch erwiesen als nicht machbar, dennoch kann ich durch Unterstützung der Melodien schön in die jeweilige Stimmung tauchen und bin dann noch mehr von der Welt um mich herum entrückt … Aber das kommt auch stark auf meine Stimmung an, das geht auch nicht immer. Manchmal brauche ich auch einfach Stille, vor allem im Gewusel der Großstadt … Jimi Hendrix oder Doors könnte ich wiederum, obwohl ich sie sehr mag, nicht zum Lesen hören – da denke ich an verrauchte Kneipen, Sommerwetter, Festival, Martini und Gras (grünes) …

  3. Mir geht es wie den anderen beiden, auch ich höre keine Musik beim Lesen. Aber gar nicht so sehr, weil meine Aufmerksamkeit Gefahr laufen könnte, zwischen den beiden Texten hin und her zu springen – ich muss nämlich zugeben, dass ich mich beim Musikhören selten mit den Texten auseinandersetze (ein Frevel, ich weiß), ich lasse mich ganz und gar auf den Klang und den Rhythmus ein.

    Das bedeutet aber nicht, dass Musik nicht wichtig für mich wäre, im Gegenteil: Wer meiner Facebook-Seite folgt, weiß, dass auch Musik eine große Rolle in meinem Leben spielt, fast so wie die Literatur. Nur tut sie eben nicht (vordergründig) wegen der Worte, der Geschichten, die darin erzählt werden, sondern wegen der Klänge. (Jeder Fan von Bob Dylan – weil hier schon öfter die Rede von ihm war, aber das gilt natürlich auch für die meisten anderen Singer/Songwriter – wird jetzt die Hände überm Kopf zusammenschlagen.)

    Wie dem auch sei: Lesen und Musikhören geht bei mir nicht parallel, weil ich einfach Ruhe brauche beim Lesen. Keine Geräusche. Musik höre ich dabei höchstens in der Bahn, wenn die Gespräche um mich herum zu laut sind. Dann ist Musik das kleinere „Übel“ und dient dazu, andere Störgeräusche zu überblenden.

    Und zum Schluss noch eine kleine Empfehlung: die Isländerin Sóley, deren Album „We Sink“ mit Sicherheit eine ganz hervorragende Lesebegleitung ist.

    Viele Grüße!

  4. Mir geht es eigentlich genauso wie den anderen, beim Lesen höre ich gar keine Musik, da ich mich – wenn ich lese – ganz auf den Text konzentrieren möchte, ohne mich ablenken zu lassen.
    Lesen und Musik sind ganz wichtige Aspekte meines Lebens, die aber nur getrennt voneinander funktionieren. 😉

  5. Interessant, ich hätte vermutet, dass viel mehr Leserinnen (und Leser) beim Lesen Musik hören … Ich mache das gelegentlich, manchmal sogar „Passendes“, so beispielsweise neulich, zur „Party bei den Jacks“ Gershwin, besonders natürlich die „Rhapsody in Blue“. Allerdings höre ich insgesamt seltener Musik als früher, dafür mehr Klassisches, worauf man sich in der Tat mehr konzentrieren möchte als auf Radiogedudel. Letzteres lief vor Jahren bei mir ständig, inzwischen geht mir das total auf den Wecker. Muss am Alter liegen ; )

    1. Hmm, das geht mir mittlerweile auch so, liebe Petra, dass mir Radiogedudel meist nur auf die Nerven fällt… Inzwischen höre ich in der Regel nur informative Sender, wo viel geredet wird. Und das natürlich nicht, während ich lese 😉

  6. Tja, dann bin ich ja scheinbar bisher unter den sich hier äußernden Bloggern die einzige, die auch mal Musik hört zum Lesen. MIr ist übrigens bei Musik die Melodie, der Stil, der Rhythmus und die instrumentale Umsetzung auch sehr wichtig, erst danach kommt der Text. Musik besteht in ihren Ursprüngen nicht aus Text, dabei geht es in erster Linie nicht um Worte, sondern um Klänge, Töne, daher ist es auch keine Schande, wenn einem die Melodie wichtiger als der Text ist. Instrumente erschaffen Musik wie die Stimme den Ton erschafft und natürlich ist es interessant, was da gesungen wird.
    Denn die Melodie geht ins Ohr und sofort ins Herz und danach ist natürlich auch interessant, welche textuelle Botschaft der Künstler mitteilen wollte, wenn es denn Musik mit Gesang ist. Natürlich ist auch das bei jemandem wie Bob Dylan ausschlaggebend.
    Radio höre ich zum Lesen auch nicht, sondern eher früh zum Frühstück und sehr gern zum Kochen, meist Radio Eins seit ich in Berlin lebe. Meine Lieblingssendung lief gerade heute am Sonntag 16 Uhr bis 18 Uhr – Olli Schulz und Jan Böhmermann, aber dazu könnte ich nichts lesen, da würde ich ja durchdrehen 😉

  7. Nein, nein, nein! Du bist nicht allein mit der Musik-Literatur-Kombi! Ich mach das genau so – ich suche mir sehr oft ein passendes Album zum Buch.
    Natürlich besteht dann immer die Möglichkeit, dass das eine das andere ablenkt, aber das finde ich manchmal gar nicht schlimm. Im Gegenteil, ich habe dann mitunter so einen Wow-Effekt, wenn mich ein Song auf einem Album aus dem Buch rauszieht – oder mich dann eine Passage im Buch wieder zurückzieht. Ideal funktioniert das mit Musik von The Smiths.
    Meine perfekte Kombination war „Teil der Lösung“ von Ulrich Peltzer (definitiv in den Top 3 der besten deutschsprachigen Romane der letzten zehn Jahre) und dazu „London Calling“ von The Clash. Buch und Album haben den gleichen dynamischen, treibenden „Beat“ und „politischen“ Rhythmus.

    Und vielen Dank für diese Sätze:
    „Als Anhänger des altmodischen CD-Kaufs höre ich am liebsten komplette Alben von vorn bis hinten durch, denn ein Album hat wie die Kapitel in einem Buch eine Reihenfolge. So höre ich ein Musikalbum ebenso, wie ich ein Buch lese.“ … Bisher dachte ich immer, das mache nur ich so (vor allem die Sache mit dem CD-Kauf) …

    1. Oh fein, ein CD-Käufer … Ja, ich denke auch immer – wer kauft eigentlich außer mir noch CDs? Und vor allem – wer hört noch konzeptmäßig Alben von vorn bis hinten?
      Schön, dass das jemand versteht, der sich auch für Literatur interessiert. Sicherlich gibt es da auch noch mehr Menschen.
      Von Ulrich Peltzer habe ich noch nichts gehört, das klingt interessant mit der Musik-Kombi, die du beschreibst. Schön, wieder ein spannender Tipp. Ich hör „London Calling“ gerade gedanklich … übrigens eignen sich auch die Smashing Pumpkins gut für rassante tiefgründige Romane mit Beat und Rhytmus, die eine gewisse Traurigkeit haben … Da fällt mir ein – gibt es eigentlich Musik-Blogs, auf denen man Alben analysiert und vorstellt, wie wir das mit Literatur machen? Das wär spannend … Da wäre ich sehr interessiert dran, wenn du so was kennst. Feinen Abend noch!

      1. Ulrich Peltzer ist ganz großartig. „Teil der Lösung“ (2007) oder sein Debüt „Die Sünden der Faulheit“ (1987) ist irre gute Bücher. Musik kommt oft vor, und außerdem schreibt Peltzer einen sehr „musikalischen“ Stil. Zu ganz vielen Sätzen und Passagen kann man sich sehr gut einen entsprechenden Sound denken. Das ist definitiv eine Lektüre, die sich lohnt.
        So richtig tolle Musikblogs hab ich auch noch nicht gefunden. Merkwürdigerweise lese ich tendenziell eher literarische Blogs, obwohl ich selbst ja eher über Film, Musik und Popkulturbücher, aber eben nicht über Romane schreibe … Seltsam.
        An Musik versuche ich mich dann doch hin und wieder 😉

        http://timoluks.wordpress.com/category/musik-music/

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