XXII. Sonntag mit Proust: Über Wetterwechsel und ihre Wirkung

Nach einem Sonntagsspaziergang in beinah frühlingshaftem Wetter (Sonnenschein und zumindest zweistellige Temperaturen), fand ich eine passende Stelle in meiner Proust-Lektüre, die ich mit euch teilen möchte. Er bezieht sich hier zwar auf den Wechsel zum Herbste hin, aber es hat doch allgemeine Gültigkeit, was er schreibt:

Ein Wetterwechsel aber genügt, um die Welt und uns selbst gleichsam neu zu erschaffen. Früher, wenn der Wind in meinem Kamin ächzte, vernahm ich die Schläge gegen die Klappe mit so großer Ergriffenheit wie die berühmten Bogenstriche, mit denen die c-Moll-Symphonie beginnt, sie waren wie das unerbittliche Pochen eines geheimnisvollen Geschicks. Jede sichtbare Veränderung in der Natur bietet uns die Möglichkeit eines ähnlichen Wandels, indem sie unsere Wünsche harmonisch dem neuen Zustand der Dinge anzupassen versucht.

Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, Teil 3.2: Die Welt der Guermantes, Dtsch. von Eva Rechel-Mertens, Frankfurt: Suhrkamp, 1982

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