Seltener Abbruch von Eugen Ruges: „In Zeiten des abnehmenden Lichts“, Roman (2011)

Eugen RugeEigentlich mache ich das selten und ungern: ein Buch abbrechen. Vor allem, wenn es mir empfohlen wurde und es den Deutschen Buchpreis 2011 erhalten hat, d.h. wenn viele das Buch gut und lesenswert finden. Gefällt es mir dann so gar nicht, neige ich dazu, an meinem Urteil zu zweifeln und denke: Das Buch mögen so viele Menschen, warum ich nicht? Aber bei Eugen Ruges Roman hält mich einfach nichts.

Wie die meisten von euch wahrscheinlich wissen, geht es um die deutsche Familiengeschichte rund um eine der Reflektorfiguren Alexander Umnitzer. Mit ihm beginnt 2001 die Geschichte, man erlebt das Verhältnis zu seinem stark dementen Vater Kurt Umnitzer. Daraufhin folgen Rückblenden ins Jahr 1952, in denen man von Kurts Eltern Charlotte und Wilhelm Powileit erfährt, die als Kommunisten nach Mexiko ausgewandert sind. Nach Mexiko reist Alexander U. 2001 nach einer Krebsdiagnose dann auch. Lesend man springt ins Jahr 1966, in dem Kurt Umnitzer in Berlin lebt und in einem Waldstück zufällig einen Trabbi aufspürt, in dem Leute Sex haben. An dieser Stelle reichte es mir (Anfang des Jahres) und ich legte das Buch weg.

Genaugenommen sind es zwei Dinge, die mich stören: Die Verwendung der Sprache ist dermaßen trocken, klanglos und uninspiriert, dass ich nicht weiß, ob es Absicht ist oder an der Stelle dann doch ungewollt durchschimmert, dass es ein Prosa-Debütroman ist. Zum anderen finde ich den Roman inhaltlich weder interessant noch unterhaltsam. Dazu muss ich sagen, dass ich bisher leider wenig Kenntnisse über die DDR habe (aufgewachsen in der Westprovinz) und es mit ein Grund dafür war, den Roman zu lesen, um diese Wissenslücke ein Stück weit zu beseitigen. Dieser Roman von Ruge hat in meinen Augen jedoch das Spannungspotential eines Geschichtsbuches. Noch mehr: Das Buch will ein Roman sein und konstruiert sich (z.B. durch verschiedene Erzählperspektiven, Zeitebenen) auch so, doch es spricht mich einfach nicht an. Mit nichts.
Stattdessen gibt es sich wiederholende Phrasen wie „Verblüffende Erkenntnis!“ oder Sätze wie „Weder gab es hier Arbeitslager noch Braunbären, stattdessen standen Trabbis im Wald, in denen die Leute fickten. Wenn das kein Fortschritt ist, dachte Kurt.“ Puhh.

In der Jury-Begründung für die Verleihung des Deutschen Buchpreises heißt es: „Eugen Ruge spiegelt ostdeutsche Geschichte in einem Familienroman. Es gelingt ihm, die Erfahrungen von vier Generationen über fünfzig Jahre hinweg in einer dramaturgisch raffinierten Komposition zu bändigen. Sein Buch erzählt von der Utopie des Sozialismus, dem Preis, den sie dem Einzelnen abverlangt, und ihrem allmählichen Verlöschen. Zugleich zeichnet sich sein Roman durch große Unterhaltsamkeit und einen starken Sinn für Komik aus“.

Diese Einschätzung kann ich nicht teilen. Lohnt es sich dennoch, das Buch weiter zu lesen, was meint ihr? Kann mich jemand davon überzeugen, dass ich die „große Unterhaltsamkeit“ oder den „starken Sinn für Komik“ auf den Seiten später noch entdecken werde?

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37 Gedanken zu “Seltener Abbruch von Eugen Ruges: „In Zeiten des abnehmenden Lichts“, Roman (2011)

  1. Auch ich habe den Roman relativ früh wieder beiseite gelegt, wollte ihn aber irgendwann noch mal angehen, weil ich dachte, ich sei vielleicht zu unkonzentriert rangegangen. Aber wenn es dir genauso ging … LG Anna

    1. Danke für dein Feedback, Anna. Interessant, dass du es auch so empfandst und das Buch sogar beseite gelegt hast, wie ich. Ich hab dann echt gedacht: Ach ne, ich mag das nicht lesen, wenn es mir so wenig „gibt“. Da sollte man vielleicht Mut zur Lücke zeigen und sich anderen, besseren Büchern zuwenden. Aber du schienst ja auch an deinem Urteil zu zweifeln!? Ist schon komisch, finde ich, wenn ein Buch so gelobt wird und man das selbst überhaupt nicht nachvollziehen kann, oder?

  2. Lustig, dass ich gerade drei Stunden vor dir einen Artikel zum gleichen Thema gepostet habe, wenn auch mit einem trivialeren Beispiel:
    http://ramagens.wordpress.com/2013/04/20/vom-weglegen-der-bucher-%E2%88%92-glennkill-ein-schafskrimi/

    Ich glaube eigentlich, dass es durchaus sinnvoll sein kann, ein Buch wegzulegen. Wenn ich es nicht aus beruflichen (oder schulischen) Gründen lese, dann lese ich es ja, um mich daran zu erfreuen, egal auf welche Weise. Wieso sollte ich also ein Buch lesen, das mir aus dem einen oder anderen Grund nicht zusagt?
    Aber man kann das natürlich reflektieren und feststellen, dass man das Buch offenbar intellektuell nicht durchdringt, dass es eigentlich aber, so objektiv wie möglich betrachtet, ein Meisterwerk oder zumindest ein gutes Buch zu sein scheint. Dann würde ich ihm eine zweite Chance geben und es erstmal eine Weile weglegen. Das kann auch bei Stilfragen so sein, deren Wahrnehmung oft auch von der derzeitigen Lebenssituation und der Tagesverfassung abhängt. Nur wenn ich es tatsächlich für kunstlos halte, für schlecht gemacht, wenn ich denke, dass es auch rein vom Inhalt bzw. Gehalt her keinen Sinn ergibt, es zu lesen, werde ich mich wohl nicht mehr ransetzen. Aber ansonsten gilt bei mir bei Büchern wie auch für Menschen: Eigentlich haben alle eine zweite Chance verdient.

    1. Hihi, das ist ja wirklich ein lustiger Zufall mit unseren gestrigen Posts, wir wählten ja sogar fast den gleichen Einleitungssatz! Eben hab ich mir deinen Artikel durchgelesen, der mir gut gefällt. Besonders das Zitat Pennacs passt ja prima. Denn es stimmt schon: Es ist absolut legitim, ein Buch auch abzubrechen, vor allem wenn man es aus eigenem Antrieb liest. Die Lesezeit, die ohnehin begrenzt ist, ist einfach zu schade, sie für Lektüren zu verwenden, die einem „nichts geben“!
      Andererseits gibt es auch durchaus Gründe, ein Buch – vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt – wieder aufzunehmen. Das sehe ich genauso. Vor allem die in deinem Artikel erwähnten Schulklassiker, die man damals lesen „musste“, sind es sicher oft wert, dass man ihnen eine zweite Chance gibt. Daher wollen Katja und ich auch mehr dieser Klassiker lesen. Und derzeit kämpfe ich auch (zum Glück) mit David Foster Wallace: Unendlicher Spaß, den ich mehrmals glaubte, abbrechen zu müssen. Mittlerweile habe ich, glaub ich, die entscheidende Hürde genommen, bin fast bei S. 800 angekommen und sehr froh darüber, ihn nicht abgebrochen zu haben.
      Vielleicht ist es mit den Büchern wie mit sovielem im Leben: Manche Brücken überquert man, andere reisst man ab.

      1. Eine schöne Metapher! Denn auch wenn man sie weiter denkt, passt es noch: Das Abreißen der Brücken kostet Kraft, vielleicht Überwindung. Und es ist eigentlich ein destruktiver Akt. Wen die Brücke aber marode ist, kann es besser sein. Dagegen führt einen der Weg über die Brücke zu einem neuen Standpunkt, von dem aus man auch wieder zurück auf die andere Brückenseite blicken kann. Und wohin der Weg weiterführt, man weiß es nicht.
        Dass ihr mehr „Klassiker“ lesen wollt, freut mich natürlich sehr. Ich selbst habe sowohl einen Arbeits- als auch (entsprechend) einen Leseschwerpunkt auf nicht-zeitgenössischer Literatur. Das eignet sich für ein Blog nur bedingt, denke ich, aber hin und wieder werde ich vielleicht auch einmal etwas zu älteren Werken schreiben. Ich bin gespannt, auch von euch dazu etwas zu lesen. Habt ihr schon Vorstellungen, in welche Richtungen es gehen soll?

      2. Genaugenommen hab ich die Metapher aus dem Film „The International“. Dort wird sie im Bezug auf menschliche Beziehungen verwendet und da sie mich sehr beeindruckte, ist sie irgendwie hängen geblieben und passte hier gerade 😉
        Das Weiterdenken deinerseits dieser Metapher bzgl. des Lesens ist super. Wiederum ein schönes Bild: ein Buch, dass einen nicht nur auf die andere Brückenseite bringt, sondern auch einen neuen Standpunkt / Blickpunkt verursacht. Somit ist jedes gelesene Buch eine Bereicherung!
        Was die Klassiker angeht, überlegen wir, uns an so typische Listen von Unis „was Germanisten lesen sollten“ zu halten… allerdings erweitert um Klassiker der Weltliteratur. Eine präzise Schwerpunktsetzung haben wir da noch nicht herausgearbeitet 🙂

  3. Mir hat der Roman von Eugen Ruge sehr gut gefallen, aber es gab Handlungsstränge, die mich weniger interessiert haben als andere, z.B. die Mexiko-Episode. Besonders gelungen fand ich die Charakterisierung der zwischenmenschlichen Beziehungen innerhalb der Familie.
    Mittlerweile ist mir die Zeit zu kostbar, um ein Buch, das mich nach einem Drittel noch nicht gepackt hat, auch zu Ende zu lesen. Das hat ja oft auch mit der Stimmung oder Lebensphase zu tun, in der man gerade steckt, aber nicht unbedingt mit der Qualität des Buches. Aber wie schon ramagens schrieb, hat ein gutes Buch durchaus eine zweite Chance verdient, wenn sich die eigene Stimmung geändert hat.
    LG,
    Petra

    1. Liebe Petra, interessant, dass du dem Roman etwas abgewinnen konntest. Die Charakterisierung der Beziehungen bei Ruge gehören vielleicht noch zu den besten Merkmalen des Romans, wobei ich finde, dass sie nicht herausragen, da es solche Beziehungsgeflechte auch in anderen Familienromanen gibt. (Mir fällt leider grad kein Beispiel ein, vielleicht in Pranges „Bernstein-Amulett“, das dafür andere Schwächen hat, dazu schrieb ich hier auch eine Besprechung).
      Ansonsten stimme ich dir zu, man muss das abwägen, ob ein Buch gerade passt. Ich glaube ja, das jedes Buch „seine Zeit“ in jemandes Leseleben hat, manchmal nimmt man es einfach zum falschen Zeitpunkt zur Hand und sollte sich dann nicht scheuen, es wieder weg zu legen. Schönen Sonntag, Laura

  4. Ich denke, es ist durchaus legitim ein Buch abzubrechen, genauso wie man sich dafür entscheiden kann, ein Buch nach der Leseprobe nicht zu lesen.

    Zu Eugen Ruge – ich würde nicht sagen, dass man etwas über Geschichte lernen kann rein aus Fiktionalität. Vor allem dieses Buch eignet sich nicht dazu, denn man muss die wechselvolle deutsche und europäische Geschichte in Grundzügen kennen um die verschiedenen Zeit- und Handlungsebenen einordnen zu können. Da würde ich eher empfehlen den für Geschichtsstudenten obligaten letzten Band Hans-Ulrich Wehlers Gesellschaftsgeschichte Deutschlands zu lesen und parallel ins Deutsche Historische Museum zu blicken, wenn man Geschichtsmuseen nicht unsexy findet.
    Das heißt, ich glaube und kann verstehen, dass man dann Schwierigkeiten hat diesen Roman so zu verstehen und das Ganze unterhaltsam zu finden. Der Autor ist kein klassicher Schriftsteller, sondern studierter Mathematiker, d.h. Poesie und Romankunst ist jetzt nicht sein auszeichnendes Metier.
    Ich habe das Buch ganz gelesen und fand es gut, sehr gut würde ich auch nicht sagen. Aber ich fand es unterhaltsam und mir haben die Beschreibungen dieser Suche nach der Vergangenheit der Familie, die Frage, was Geschichtlichkeit ausmacht und wie diese spannenden politischen Ereignisse damals Einzelschicksale bestimmen oder eben nicht gut gefallen. Ich selbst bin Jahrgang 1982, geboren in Gera und kenne die DDR natürlich nur als Winzling, aber mein Vater hat mir dieses Buch empfohlen und meinte dazu „Genau so war es“. Das heißt, wessen Familie ähnliche Ereignisse er- und durchlebt hat und selbst in einem ähnlichen Umfeld aufwuchs, erkennt sich darin vermutlich wieder und findet dieses Buch aus diesen Gründen gut. Und weil ich mit den Erzählungen über die DDR aufgewachsen bin und mich auch selbst natürlich durch meine Herkunft für die sozialistische Vergangenheit unseres Landes interessiere, weil sie auch meine Familie prägte, mag ich gern darüber lesen. Aber ich verstehe auch Vieles nicht so in diesem Buch. Dazu muss man sehr viel ereignis- und gesellschaftsgeschichtliches Hintergrundwissen der Zeitgeschichte besitzen.

    Daher kann ich es gut nachvollziehen, wenn man es wenig poetisch, wenig beeindruckend und durch die verstreute Handlungen eingebettet in große geschichtliche Zusammenhänge wenig inspirierend … Daher würde ich es auch nicht empfehlen, wenn man große beeindruckende Literatur genießen möchte, die sowohl strukturell, als auch formal und werkimmanent begeistert, berührt und mit Worten in Welten entführt, in denen man schwelgen und baden kann. Nein, dafür ist es nicht geeignet und auch Komik ist eine sehr subjektive Sache. Man kann nicht über Beschreibungen oder Klischees lachen wie fickende Leute in Trabanten, wenn man diese Klischees nur aus Filmen kennt und ihrer überdrüssig ist. Kann ich auch verstehen. Aber ob du es jetzt weiterlesen solltest oder nicht, musst du selbst entscheiden. Ich würde sagen ja, um zu einem abschließenden Urteil zu gelangen, aber da ich dein Leseverhalten kenne, könnte ich mal behaupten, du würdest darin das nicht finden, was du in Literatur suchst und schätzt … =)

    1. Danke für deinen ausführlichen Kommentar! Am Ende dessen klingt es jetzt so, als wertschätze ich nur beeindruckende Literatur, die sprachlich, inhaltlich und strukturell umwerfend ist, und in deren Wortwelten ich schwelgen kann… 😉 hmm, ein bißchen ist das vielleicht wirklich so, aber ich kann durchaus auch damit leben, wenn mal ein Roman trockener und nicht schwelgerisch daherkommt.

      Ich denke schon, dass man auch aus der Fiktionalität geschichtlich etwas mitnehmen kann. Natürlich muss man sich dabei schon dessen bewusst sein, dass es eben nicht reine Fakten sind, die einem präsentiert werden. Dass der Autor durchaus reale Fakten mit Erdachtem vermischt. Ich finde, gute „historische“ Bücher machen das deutlich, was real so passierte und was dazu gedacht wurde. Das regt ja auch das eigene Auseinandersetzen mit Geschichte an. Und ist eben nicht so staubtrocken wie Geschichtslehrbücher in der Regel. Was den von dir empfohlenen Wehler angeht, kann ich diesen nicht beurteilen, vielleicht gucke ich mal rein. Ansonsten gehe ich dann eben ins sehr umfangreiche DHM 🙂 Da kann man auf jeden Fall eine Menge lernen!

      Es kann gut sein, dass der Wiedererkennungswert für in der DDR aufgewachsene Menschen größer ist, und dadurch der Zugang zum Buch Eugen Ruges leichter fällt. Jedoch kann das ja nicht der alleinige Anspruch eines Romans sein, diejenigen anzusprechen, die kennen, was beschrieben wird. Er sollte auch „uninformierte“ für sich einnehmen können, denke ich. Das hat bei mir leider nicht geklappt.
      Ob ich die Lektüre fortsetze, dessen bin ich mir immer noch unschlüssig. Jedesmal wenn ich das Buch aufschlage, seufze ich innerlich auf und meine Gedanken wandern heimlich zum Regalfach, in dem andere spannendere Bücher locken.. keine gute Voraussetzung für Herrn Ruge und mich 🙂

      1. Leider sehen viele Menschen das so, Geschichte sei trocken und anstrengend. Reine Ereignisgeschichte ist auch weniger sexy. Der Wehler ist ein geschichtswissenschaftliches Grundwissenbuch – der „Papst“ der Geschichtswissenschaft sozusagen, für manch einen Professor. Geschichte kann sehr belebend sein, vor allem Oral History erzählt von Zeitzeugen ist sehr lebendig. Aber sich Fakten anzueigen ist eben dröge Voraussetzung und teilweise nicht sehr unterhaltsam. So ging es mir im Geschichtsstudium ja auch. Es waren die Seminare gewinnbringen, in denen wir Zeitzeugen-Quellen diskutieren.
        Du hast damit Recht, dass man sicherlich aus der Fiktionalität auch etwas erfahren kann, etwas subjektiv geprägtes, so wie Geschichte eben auch ist.
        Eugen Ruges Buch ist kein historischer Roman per se, aber ich weiß, was du meinst.
        Naja, ob man aus fiktionalen Romanen allerdings etwas über Ereignis- und Ideen- sowie Gesellschaftsgeschichte erfahren kann, hängt von dem eigenen Grundlagenwissen und der Allgemeinbildung ab. Faktengeschichte ist dafür unabdingbar und ich würde immer sagen, dass man sich für eine tiefere Druchdringung dann mit der jeweiligen Ereignisgeschichte auf der Meta-Ebene beschäftigen müsste.
        Es ist richtig, dass es kein Kriterium für Literatur ist, ob man sich in den Ereignissen wiederfindet und diese erkennt. Wenn es aber um die Beurteilung der Authentizität geht oder ob es sich um stark fiktionalisierte oder am realen orientierte Handlungen handelt ;), kann man dies sicherlich heranziehen – denn dann unterhält es auch. Dennoch glaube ich, macht es einen Unterschied aus welchen Gründen man ein Buch liest, was man erwartet, wie man sich gerade fühlt. Was ihr alle hier schon geschrieben habt, spielt in die Beurteilung mit hinein. Unter literaturwissenschafltichen Geschichtspunkten trägt natürlich auch die Behauptung nicht, man fände sich in der Handlung wieder und daher ist das Buch gut. Auf solche subjektiven Empfindungen begründet man keine literarische Beurteilung, sondern das kann nur strukturelle Analyse und man würde den Text ganzheitlich betrachten, Inhalt und Form. Ich kann daher verstehen, was du meinst und würde an dem Punkt mitgehen.
        Auf jeden Fall ist es wichtig, dass solche Bücher geschrieben werden und gelesen werden, um die historischen Ereignisse nachvollziehbar für die Nachgeborenen lebendig zu halten. Geschichtliches Bewußtsein ist unabdingbar wichtig für eine kritische Einschätzung von Literatur und Kunst. Ob es hier mehr oder weniger gelungen ist, darüber kann man streiten …

  5. Ich habe das Buch nicht abgebrochen, sondern zu Ende gelesen – begeistert hat es mich jedoch nicht. Ich habe mittlerweile leider kaum noch Erinnerungen an die Lektüre, aber kein gutes Gefühl, wenn ich an sie zurückdenke. „Der Turm“ von Uwe Tellkamp, der sich mit einem ähnlichen Zeitabschnitt beschäftigt, hat mir ungleich besser gefallen.

    1. Mir geht es wie Mara. Ich habe es zu Ende gelesen, gerne sogar, aber wirklich begeistert hat es auch mich nicht. Eine kurzweilige Lektüre mit einigen sehr amüsanten Episoden – nichts, was lange in Erinnerung bleibt, es gibt sicher lesenswertere DDR-Romane. An diesem hat mir gefallen, wie Ruge die Perspektiven gegeneinandergesetzt hat: Dieselbe Episode wird aus verschiedenen Blickpunkten erzählt, Blickpunkte, die einander natürlich widersprechen, wodurch ein sehr ambivalentes Bild dieser Familie entsteht. Und ich mochte die verschiedenen Sprachstile, die Ruge für die Figuren verwendet hat – jede Figur eine eigene Sprache -, das hat die Geschichte für mich sehr plastisch gemacht. Aber wie gesagt: eine vergnügliche Lektüre, nicht mehr und nicht weniger. Du verpasst nichts, wenn du das Buch beiseitelegst.

      1. @ Caterina: Was du beschreibst, meinte sicher auch die Jury in ihrer Begründung zur Preisverleihung. Mir ist das ehrlich gesagt nicht so aufgefallen, vielleicht war ich da zu sehr von den mich störenden Faktoren abgelenkt… Im Grunde wieder ein Argument dafür, die Lektüre doch noch mal aufzunehmen 🙂 Aber dass ich nicht viel verpasse, wie du schreibst, zu dem Eindruck bin ich nach etwa der Hälfte auch gelangt 😉

    2. Liebe Mara, ja, wir hatten uns glaub ich auch auf deinem Blog schonmal kurz über Ruge ausgetauscht, ich erinnere mich jedenfalls, dass du nicht sonderlich begeistert warst… Der „Turm“ ist ja auch umstritten, vielleicht versuche ich mal mit ihm mein Glück 🙂

    1. Ach perfekt, die Liste ist echt super. Sie beinhaltet auch viele relevante philosophische Werke, soweit ich das abschätzen kann, und bezieht sich auf europäische Originalwerke. Ich freu mich darüber sehr! Gut finde ich besonders auch, dass der Koran und weitere religiöse Standardwerke mit drin sind, nicht nur die Bibel! Besten Dank!

      1. Gerne, gerne! 🙂 Ja, sie bezieht sich im Wesentlichen auf Europa. Gerade im Bereich der Philosophie fällt sie aber sehr dünn aus, finde ich. Da könnte vor allem in der FNZ und Aufklärung (Leibniz, Hegel, Kant, Fichte) noch ergänzt werden, denn oft beziehen sich die Empfehlungen zu den Philosophen eher (wie bei Schopenhauer und Fichte) auf diejenigen Texte, die selbst wieder einen hohen literarischen Wert haben. Trotzdem: Als Grundlage ist sie sicher gut zu gebrauchen!

  6. Hallo Laura, ich kann mich nicht erinnern, schon mal so einen anregenden Kommentar-Austausch zu einem Buch gelesen zu haben, das die Leserin nicht einmal zu Ende gelesen hat. Das ist doch klasse. Vielen Dank für die Metapher mit der Brücke und Danke an Ramagens für die Liste der Lektüre-Empfehlungen. Ich hätte jetzt Lust, als nächstes das Buch aus dem Regal zu holen und mir nun eine abschließende Meinung zu bilden, denn mein erster Versuch mit dem Roman liegt schon eine Weile zurück. Leider muss das warten. Aber wenn es so weit ist, hätte ich auch keine Bedenken, das Buch endgültig zur Seite zu legen. Zwar kann anspruchsvollere Literatur mit Arbeit und Anstrengung verbunden sein, aber zumindest muss mir als Leserin erkennbar sein, dass die Mühe lohnt. Wenn das nicht der Fall ist: Eure und meine Bücherregale bieten bestimmt genügend Alternativen 🙂 Und ich bin gespannt, ob du nun weiterlesen wirst oder nicht. LG Anna

    1. Liebe Anna, ganz herzlichen Dank für das tolle Lob. Ich liebe solche Diskussionen und freue mich auch extrem, mit euch allen solche bereichernden führen zu können!
      Wenn du Ruge nochmal eine Chance gibst, sag Bescheid. Ich werde wohl zumindest nochmal einen Blick hinein werfen, vielleicht gibt es doch noch etwas, woran ich hängen bleibe, im positiven Sinne 😉 Und wenn nicht: so what?
      Sonnigen Sonntag noch!

  7. Liebe Laura,
    hier ist ja was los! Was für eine Reaktion, nicht nur auf den konkreten ungelesenen Roman, sondern auch auf die Frage, ob man denn einen Roman, noch dazu so einen preisgekrönten, einfach nicht zu Ende gelesen weglegen darf.
    Ich finde auch: Man darf, natürlich darf man, wenn man für sich ein paar trifftige Gründe findet (nicht so unqualifiziert wie in manchen amazon „Besprechungen“!) und es auch ein bisschen länger als die ersten Seiten mit dem Buch ausprobiert hat. Und natürlich darf man auch, obwohl das Buch einen bedeutenden Preis gewonnen hat, denn manchmal, habe ich zumindest den Eindruck, gewinnt ein Buch bzw. ein Autor auch einen Preis, weil er ein wichtiges Thema anschneidet oder selbst eine traurige oder spannende Lebensgeschichte hat.
    Ruges Buch habe ich nie gelesen, es hat mich rund um die Preisverleihung irgendwie nicht angesprochen. AberTellkamps „Turm“ hat mir sehr gut gefallen, den kann ich nur empfehlen. Da sind auch die ersten Seiten schwierig, bis man sich ein wenig warm- und eingelesen hat, aber danach: super! Ein sehr beeindruckender Roman über die DDR – übrigens auch sehr komisch, wenn die Protagonisten „zum Amt“ müssen.
    Viele Grüße, Claudia

    1. Danke dir, Claudia, dass du das nochmal aufgreifst; auch preisgekrönte Bücher kann man schlecht finden und abbrechen. Sicher hat es immer einen Grund, warum das Buch ausgerechnet ausgewählt wurde. Dieser Grund kann aber, diesem Eindruck stimme ich zu, auch aus autobiographischen Zusammenhängen heraus entstehen. Gleichzeitig mit Ruge nominiert war auch Jan Brandts „Gegen die Welt“, das hätte ich vermutlich ausgewählt, wäre ich in der Jury gewesen. Naja 🙂

  8. Fazit für mich: Es gibt andere Bücher aus denen du wohl „mehr“ erfahren kannst und wohl auf packendere und für dich berührendere oder gelungenere Art und Weise. Ich denke auch nicht, dass das Buch wirklich eine junge Zielgruppe gefunden hat, die es davon überzeugen konnte, sich leidenschaftlich mit der deutschen Geschichte auseinander zu setzen … Da müsste man mal beim Verlag anfragen zu den Verkaufszahlen … Das ist auch das Problem mit Buchpreisen – das Urteil der Jury ist ein subjektives und gilt nicht für alle Leser, so ein Preis ist immer zu diskutieren … Wieso hat Sibylle Berg noch nie einen deutchen Literaturpreis erhalten!?

    Es gibt gut erzählte Geschichten über die DDR und deutsch-deutsche Geschichte und es gibt viele schlecht erzählte Geschichten darüber. Auf jeden Fall sollte ein negatives Bucherlebnis einen nicht von der Beschäftigung mit dem Thema und der Suche nach den für sich selbst gelungenen Büchern über jenes Thema abhalten. Vom „Turm“ habe auch ich bisher Abstand genommen, die Verfilmung fand ich gut. Ans Herz legen kann ich euch allen Christa Wolf, die Laura ja sehr mag, und Brigitte Reimann – von denen man sehr viel über das Leben in der DDR und vor allem die Sichtweisen starker künstlerischer Frauen lernen kann sowie auch Heiner Müller und Stefan Heym. Weil ich Geschichte wichtig finde und die Bücher darüber auch, hätte ich jetzt spontan Lust mich mit euch allen zu treffen und über unser unterschiedlichen Wahrnehmungen, den Geschichtsbegriff und die Verarbeitung von Geschichte in der Literatur reden, auf das wir überlegen, welche Bücher über diese Zeit wir für gelungen halten … Das wäre toll … Aber das nur so.
    Ich freue mich über unseren sachlichen und kritischen Austausch.
    Schön, Laura, dass du das Buch nochmal thematisiert hast – jetzt wird mir wieder bewusst, wieso es eine gute Idee war, unseren Blog zu starten =)

  9. Ein lesenswerter Roman, trotz aller Kritik! Berührend, die subtilen Schilderungen des Alltags einer Familie kommunistischer Prägung und ihres „Innenlebens“. Treffend auch die Selbstdemontage der Hauptfiguren. Ein ehrlicher Versuch, meine ich, die Ursachen des inneren Zusammenbruchs und der Amoralität eines totalitären Gesellschaftssystems anhand des Schicksals einer Familie literarisch aufzuarbeiten. Fürwahr ein schwieriges Thema, doch so notwendig! Es bleiben selbstverständlich noch viele Fragen offen. Das Romangeschehen zu verstehen, räume ich ein, erfordert allerdings tiefere Kenntnis über dieses so schwierige Kapitel deutscher, respektive der DDR-Geschichte, zu der unbedingt die Aufarbeitung des Stalinismus bzw. der die DDR prägenden Spielart gehört. Ich meine, Ruge hat unbedingt zur Geschichtsaufarbeitung mittels der Literatur beigetragen, ebenso wie Sergej Lochthofen mit seinem interessanten Roman “ Schwarzes Eis“.
    Wer 40 Jahre DDR miterlebt hat, wird wohl nicht umhin können, einzugestehen: Ja, so war es. (Auch wenn es weh tut!)

    1. Hallo Wolfgang, lieben Dank für deinen Kommentar, der noch mal ein anderes Licht auf den Roman wirft. Vermutlich ist es wirklich so, dass man ihn besser nachvollziehen kann und die historischen Zusammenhänge eher versteht, wenn man die DDR selbst erlebt hat. Aber letztlich ist es nicht mein fehlendes historisches Hintergrundwissen, was mich am Weiterlesen hinderte, sondern mehr die sprachlichen und inhaltlichen Mängel (bspw. im Bezug auf Spannung).

      1. Freut mich, Laura, daß mein kleiner Beitrag zur konträren Diskussion beigetragen hat. Ich will mir auch nicht ein Urteil über die sprachliche Qualität oder literarische Kategorien anmaßen. Da wißt Ihr als Betreiber der Plattform und studierte Literaturwissenschaftler sicher besser Bescheid als ich.
        Der Roman liest sich sicher nicht ganz einfach, da auch verschiedene Zeitebenen vorkommen. Was ihn unter anderem auszeichnet ist meiner Meinung nach die Ehrlichkeit, mit der die in der DDR herrschenden Machtverhältnisse dargestellt werden, insbesondere im Hinblick auf das familiäre Innenleben und die daraus resultierenden Spannungen zwischen den verschiedenen Generationen. Ferner ist es dem Autor sehr gut gelungen, aufzuzeigen, wie eine Familie auseinanderdriftet, die ursprünglich der kommunistischen Ideologie so „treu“ ergeben war. Eine von mehreren Erklärungen über die inneren Beweggründe des Zusammenbruchs totalitär regierter Ostblockstaaten, den meine Generation hautnah miterleben konnte.
        Die Offenlegung der Denkweise alter Kommunisten in Gestalt von Wilhelm, Charlotte und Kurt, ihre aufkommenden Zweifel an der Richtigkeit des Systems, oder auch nicht, das sind die absolut starken Seiten des Buches. Die Darstellung der Beratungen des Wohnbezirksausschusses der Nationalen Front im Haus von Wilhelm und Charlotte, subtil, zutreffend und berührend. Ja, so ist das tatsächlich gewesen, Phrasen, nachgebetete Losungen aus der Parteipresse und endlose Zitate des Generalsekretärs im hölzernen Parteideutsch oder, wie der Volksmund sagte, im „Parteichinesisch“. Wahrhaft ein Glück, daß diese Zeit vorbei ist! (Oder auch nicht, wenn ich an Nordkorea denke…..)
        W.M.

  10. Habe in das Buch nur kurz reingeschaut und mir ist aufgefallen, dass die Sprache etwas hölzernd wirkt – zumindest gewöhnugsbedürftig – aber der geschichtliche Hintergrund interessant, teils zwischen den Zeilen dargestellt wird. Allerdings verlangt letzteres bereits Basiswissen, weshalb es wohl klar war, dass Laura den Roman abgebrochen hat. Daher finde es auch recht schwierig, aus einem Roman geschichtliche Wissenslücken zu schließen, da hier in der Regel nur Einzelfälle und -schicksale geschildert/beschrieben werden können, die teils nur wenig mit der geschichtlichen Entwicklung zusammenpassen, vielmehr komplettieren sie das Bild und schaffen somit eine differenzierte Sichtweise. Das heißt aber nicht, dass ein Roman nicht dazu in der Lage wäre, einen umfassenden Eindruck einer geschichtlichen Epoche zu vermitteln.
    Dennoch halte ich es für besser, sich ein (geschichtliches) Grundwissen anzueignen, sei es über Wikipedia, was für das Grobe ausreicht, oder durch den Wehler, in den man aber nicht eben mal einfach reinschauen kann, sondern mit dem man sich wie mit der Kritischen Theorie auseinandersetzen muss.

    1. Hallo Krushak, ich habe den Roman nicht deshalb abgebrochen, weil mir das Basiswissen fehlte. Das wäre auch ein seltsamer Anspruch eines Buches, dass man es nur mit ausreichend Hintergrundwissen verstehen kann. Sicher ist ein solches Wissen, vielleicht durch das Erlebthaben der DDR, hilfreich, aber es sollte meiner Meinung nach keine Voraussetzung fürs Verständnis sein.
      Man kann sich natürlich vieles auch anlesen, während man sich mit dem Roman befasst. Aber Ruges Roman inspirierte mich nicht sonderlich, mich tiefgehender damit zu befassen, aus o.g. Gründen.
      Im Übrigen gehe ich mit dir mit, dass man sich nicht komplett über fiktive Romane historisch schulen kann. Diesen Anspruch hatte ich auch nicht, und mir ist bewusst, dass es wenn dann eine Ergänzung sein kann. Es ist im Übrigen ja auch nicht so, dass ich geschichtlich völlig ungebildet wäre 😉 Aber es ist eben schon ein Unterschied, ob man 1984 in Westdeutschland geboren wurde oder 40 Jahre DDR miterlebt hat! LG Laura

  11. Ha, endlich mal ein Buch, das ich auch gelesen habe! 🙂
    Ich bin jetzt nicht so differenziert-literaturwissenschaftlich gebildet, sondern lese einfach zum Vergnügen und lege sogar öfter Bücher weg, die mich nicht „packen“. Aber das hier fand ich klasse. Besonders deshalb, weil es auf eine interessante Art mein DDR-Wissen erweitert und sogar meine DDR-Einstellungen revidiert hat. Ich finde es sehr realistisch, soweit ich das als West-Kind beurteilen kann. Die Sprache drückt für mich hervorragend die gesamte Stimmung des Buches aus.

    1. Hallo, wie schön, von dir zu lesen 😉 Interessant vor allem, weil es dir mit Ruge ganz anders ging als mir… Ich habe mich heute morgen entschieden, weiterzulesen und fand es dann nicht mehr soo schlecht; vielleicht lese ich es also wirklich doch noch durch. Aber zu meinen „Lieblingsbüchern“ wird es wohl definitiv nicht zählen!
      Hast du auch andere Bücher über die DDR-Thematik gelesen, z.B. Christa Wolf, Uwe Tellkamp uvm.? Ich finde es so bedauerlich, dass alles was die DDR betraf, bei uns in der Schule mehr oder weniger ignoriert wurde. Und dabei ist der Großteil meiner Freunde in der ehem. DDR aufgewachsen…

      1. Ja, genau das finde ich auch schade, dass man so wenig über die DDR erfahren hat und weiß, obwohl ich ja jahrelang eine sehr gute Brieffeundin in der Nähe von Dresden hatte – und auch jetzt viele in Ostdeutschland aufgewachsene Freunde habe.
        Ich habe noch zwei weitere Bücher zu dem Thema gelesen:
        – „Ich bin dann mal drüben“ von Michael Kraske. Ein Journalist, der kurz nach der Wende zum Studium nach Leipzig kam und von seiner Sicht des Ostens berichtet. Hat mir nicht so gut gefallen, ich fand den Schreibstil unangenehm und das Buch eher wenig informativ.
        – „Das Paradies. Meine Jugend nach der Mauer“ von Andrea Hanna Hünniger. 1984(!) in Weimar geboren hat sie ihre ganz eigene Sicht der Dinge. Fand ich interessant, aber nicht wirklich literarisch gelungen.

  12. Ich habe das Buch auch zu Ende gelesen, begeistert hat es mich nicht, aber das kommt eigentlich sehr selten bis überhaupt nicht vor, ich habe es dagegen interessant und für ein wichtiges Thema gefunden und das mit der Trocken-oder Sachlichkeit wird wohl am Thema liegen. Eine DDR-Geschichte von der man noch persönlich betroffen ist, kann man wahrscheinlich nur mit einer analytischen Gründlichkeit bzw. Distanz erfassen, trotzdem erinnere ich mich, es ist schon über ein Jahr her, daß ich das Buch gelesen habe und ich schaue jetzt nicht auf meinen Blog nach, an mindestens zwei sehr beeindruckende packende Stellen, zum Beispiel, die mit der Demenz des Vaters, wo er ihn pflegen muß und dann die an die, wo er mit dem Vater durch die DDR geht und durch sein unangepasstes Verhalten und seine Kleidung auffällt, da mußte ich an meinen DDR-Besuch im Jahre 1985 denken und versuchte mich zu erinnern, daß ich das damals ganz anders empfunden habe.
    Ich habe schon sehr viele DDR-Bücher gelesen, alte und neue, nach und vor der Wende geschriebene, weil mich das Thema und die Geschichte sehr interessiert und interessant, das andere Buchpreisbuch der „Turm“ habe ich zwar ausgelesen-, ich lese die meisten Bücher aus, manche überfliege ich, wie beispielsweise den Richard Obermayr oder einen Arno Schmidt und kann mich nur an eines erinnern, das ich abgebrochen habe, weil ich seine Bruatlität emotional nicht ausgehalten habe, -aber nicht besprochen, weil ich zulange dazu gebraucht habe und auch noch nicht soviel Erfahrung mit dem Besprechen hatte, so daß ich dachte, daß ich das nicht könnte.
    Aber natürlich, nicht alle Bücher sind so spannend, daß sie einem von der ersten bis zu letzten Seite mitreißen und brauchen das auch nicht sein, trotzdem bin ich normalerweise so neugierierg, vielleicht auch achtsam und aufmerksam dem Buch gegenüber, daß ich es zu Ende lese, denn dem Satz mit der Lebenszeit, die man mir dadurch stehlen würde, weil man mich langweilt, halte ich eigentlich für blöd, das tun schon die anderen, die die mich unnütz warten lassen, zum Beispiel, obwohl man in dieser Zeit ja auch schon wieder lesen könnte.

    1. Da würde ich widersprechen. Es klingt so, als würdest du meinen, man hätte nicht genug Respekt vor einem Buch, wenn wenn es nicht zu Ende liest oder man nicht achtsam genug. Das denke ich nicht, vor allem nicht, wenn man viel liest und sich schon viel mit Literatur beschäftigt hat, passiert es manchmal, dass ein Buch, das einem empfohlen wurde einfach nicht das hergibt, was man erwartete. Dann darf ich es auch mal weglegen oder muss es sogar weglegen, weil es einfach nicht gut ist und mir nichts gibt und viele andere Bücher auf mich warten; und ja, die Lesezeit ist kurz und ich suche mir sehr genau aus, was ich lese. Verschwendete Zeit ist es nie, weil ich auch aus „schlechter“ Literatur lernen kann und mich damit auseinander setzen kann, wobei, nein manchmal ist es schon Verschwendung … Aber eine angenehme Verschwendung =) Aber das kann jeder halten, wie er möchte. Wichtig finde ich nur, wenn man darüber schreibt, dass man abgebrochen hat, dass man gut begründet – so wie Laura das getan hat. Sonst wäre kein so anregender Austausch möglich.

      1. Nachdem Laura mich eingeladen hat, die Diskussionen anzuschauen, gebe ich ganz kurz meinen Kommentar dazu – es ist schon sehr vieles gesagt hier, das will ich nicht wiederholen. Ich finde es spannend, wie ihr hier diskutiert habt – das zumindest hat Eugen Ruge auch erreicht…
        Mir selbst ging es mit dem Buch wie einigen anderen Kommentatoren auch: Ich habe es gerne gelesen, ich mochte auch die Art der nüchternen Schreibweise und den trockenen Humor, aber es wird jetzt ebenfalls nicht auf die Liste der Bücher kommen, die mir am wichtigsten/wertvollsten sind. Mir sehr gut gefallen hat eben, die Beschreibung, wie vier Generationen eine staatliche Diktatur erleben, wie sie damit umgehen, wie unterschiedlich die BIographien der Einzelnen und damit auch zum staatlich verordneten Sozialismus ist. Ich finde, das kommt im „abnehmenden Licht“ noch besser durch als im Turm, der mir persönlich zu weitschweifig war.
        DDR-Literatur: Neben Christa Wolf könnte ich hier noch Monika Maron und Brigitte Reimann empfehlen, zwei Autorinnen, die ich sehr mag und natürlich Jureck Becker – „Amanda herzlos“, dieses Buch IST auf meiner Favoritenliste.
        Zum Thema Abbrechen in aller Kürze: Ja, warum denn nicht? Lesen ist eine zeitintensive Beschäftigung und man sollte mit der Zeit, die man hat, sorgsam umgehen – und nicht sich quälen. Und das andere ist, dass man oftmals für ein bestimmtes Buch eine konkrete Stimmung oder einen Anlass braucht – manchmal habe ich schon eines weggelegt und dann Jahre später sehr gerne und mit Genuß gelesen. Euch noch eine gute Zeit! Birgit

      2. Danke Birgit für deinen Kommentar! Nur kurz noch zu den von dir erwähnten Büchern: Von Brigitte Reimann hat Katja auch schon geschwärmt, sie werde ich mal lesen. Und Beckers „Amanda Herzlos“ ist sicher auch eine Lektüre wert, wenn es auf deiner Favoritenliste steht, – wir scheinen ja einen ähnlichen Büchergeschmack zu haben 😉
        Ganz liebe Grüße, Laura

      3. Achso, hierher eingeladen hatte dich übrigens Katja 😉 Macht aber nichts. Auf unserer Seite oben: About… findest du mehr Infos über uns beide.

  13. Liebe Birgit – schön, dich hier zu haben und schön, dass du meiner Einladung gefolgt bist – *schleim*.
    Brigitte Reimann ist toll in ihrem Tagebüchern und bei mir zu Hause wartet „Franziska Linkerhand“ auf mich. Ich freu mich! Kennst du eigentlich Ruges neuen Roman „Capo de Gata“? Ich hab grad nich so Zeit und Lust ihn zu lesen, vielleicht irgendwann mal …

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