XXIV. Sonntag mit Proust: Über Frauensammlungen

Des Proustschen Protagonisten interessante Ansicht über den partnerschaftlichen Umgang mit Frauen:

Ich kann es hier sagen, obwohl ich damals noch nicht wußte, was später geschehen sollte. Sicher ist es vernünftiger, sein Leben an Frauen als an Briefmarken, alte Schnupftabakdosen oder sogar Bilder und Statuen zu wenden. Nur sollte uns das Beispiel dieser anderen Sammlungen zum Wechsel veranlassen, zu dem Prinzip, nicht nur eine einzige Frau zu haben, sondern viele Frauen. Die reizenden Verbindungen, die eine junge Person mit einer Strandlandschaft, dem steinernen Haargeflecht einer Statue an einer Kirche oder einem Kupferstich eingeht, mit allem, um dessentwillen man in einer Frau, sooft sie ins Zimmer tritt, einen bezaubernden Abglanz liebt, sind nicht sehr dauerhaft. Sobald man ganz und gar mit einer Frau lebt, sieht man an ihr nichts mehr von dem, um dessentwillen man sie geliebt hat; sicherlich kann die Eifersucht zum Beispiel diese beiden getrennten Elemente wieder vereinigen. (…) Doch ich eile Jahre voraus. Jedenfalls kann ich hier nur bedauern, daß ich nicht einsichtsvoll genug gewesen bin, mir einfach eine Frauensammlung zuzulegen (…).

Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, Teil 3.2: Die Welt der Guermantes, Dtsch. von Eva Rechel-Mertens, Frankfurt: Suhrkamp, 1982

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