Der philosophische Mittwoch: Welttag der Erkenntnis

I.

Von der Logik überhaupt

Unsre Erkenntnis entspringt aus zwei Grundquellen des Gemüts, deren die erste ist, die Vorstellungen zu empfangen (die Rezeptivität der Eindrücke), die zweite das Vermögen, durch diese Vorstellungen einen Gegenstand zu erkennen (Spontaneität der Begriffe); durch die erstere wird uns ein Gegenstand gegeben, durch die zweite wird dieser im Verhältnis auf jene Vorstellung (als bloße Bestimmung des Gemüts) gedacht. Anschauung und Begriffe machen also die Elemente aller unsrer Erkenntnis aus, so daß weder Begriffe, ohne ihnen auf einige Art korrspondierende Anschauung, noch Anschauuung ohne Begriffe, ein Erkenntnis abgeben können. Beide sind entweder rein, oder empirisch. Empirisch, wenn Empfindung (die die wirkliche Gegenwart des Gegenstandes voraussetzt) darin enthalten ist: rein aber, wenn der Vorstellung keine Empindung beigemischt ist. Man kann die letztere die Materie der sinnlichen Erkenntnis nennen. Daher enthält reine Anschauung lediglich die Form, unter welcher etwas angeschaut wird, und reiner Begriff allein die Form des Denkens eines Gegenstandes überhaupt.

Nur allein reine Anschauungen oder Begriffe sind a priori möglich, empirische nur a posteriori.

Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft. Felix Meiner Verlag Hamburg, 1998. Hier: Der Transzendentalen Elementarlehre Erster Teil Die Transzendentale Ästhetik § 1. A 19/B 33

>>Wunderbarer Blogartikel zu diesem Mega-Werk der Philosophie, der mich so wunderbar an mein Studium erinnert und all die Geisteskranken ;): http://sichtenundordnen.wordpress.com/2013/04/09/kritik-der-reinen-vernunft/

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3 Gedanken zu “Der philosophische Mittwoch: Welttag der Erkenntnis

  1. Ach, eine schöne Erinnerung eigentlich:
    a priori oder empirische Erkenntnis oder …

    Wie ich es gleichsam gehasst und geschätzt habe, mich mit diesem dicken dunkelgrünen Buch befassen zu müssen / dürfen ..
    Jetzt, nach so langer Zeit, blättere ich gerne mal wieder darin herum, habe noch mehr Fragezeichen und Kritzeleien dazu im Kopf, als ich sie damals schon in die Ausgabe kritzelte.

    Danke für die Erinnerung daran,
    liebe Grüße, mb

    1. Schön, dass ich dich erinnern konnte =) Ja, ich sehe mein damaligen Kant-Lektüre-Kurs vor mir – wir haben in sage und schreibe einem Semester dann doch geschafft 150 Seiten der KdrV durchzudiskutieren. Das lag wohl zu Teilen an Kant, wohl aber auch an den Kommilitonen 😉
      Ich würde sagen, Kant ist nicht nur für Philosophen und Geisteswissenschaftler Pflicht – er war einfach der erste, der derart umfassend die Verstandestätigkeit untersucht und in exakte Begrifflichkeiten strukturiert hat, er macht einfach so viel klar, was unser Denken, die Funktion der Logik und die Erkenntnis betrifft.
      Auch wenn ihn zu lesen kein reines Vergnügen ist, sondern wirklich manchmal Hölle durch die eigentümlichen Formulierungen, hat man soviel begriffen, wenn man jeden einzelnen Satz auseinandernimmt und gemeinsam be-greift im eigentlichen Wortsinn.
      Ich kann allen nur raten: Lest mehr Kant, fang am besten jetzt an. 😉

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