XXV. Sonntag mit Proust am Montag

Als ich wieder allein bei mir zu Hause war und daran dachte, daß ich heute nachmittag eine Spazierfahrt mit Albertine gemacht, am übernächsten Tag bei Madame der Guermantes zu Abend essen würde und einen Brief Gilbertes zu beantworten habe – alle drei Frauen hatte ich ja geliebt – sagte ich mir, daß unser Leben unter anderen Menschen einem Maleratelier voller Skizzen gleicht, da es mit allen jenen angefüllt ist, an welche wir einmal einen Augenblick lang unser Verlangen nach einer großen Liebe glaubten heften zu können; doch wurde mir dabei nicht bewußt, daß manchmal, wenn die Skizze noch nicht allzulange geruht hat, wir sie am Ende noch einmal vornehmen und ein ganz anderes, vielleicht bedeutenderes Werk daraus machen, als wir ursprünglich planten.

Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, Teil 3.2: Die Welt der Guermantes, Dtsch. von Eva Rechel-Mertens, Frankfurt: Suhrkamp, 1982

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