kunnst – die neue Zeitschrift für Kunstinteressierte und Kunstsammler

titel_kunnst_So2013kleinWer kurze, knackige Informationen, bilderreiche Artikel und lockere Textarten mag, dem sei die neue Zeitschrift „kunnst“ empfohlen. Angenehm unkompliziert und unverkopft kommt die Zeitschrift, die sich explizit an Sammler und Kunstinteressierte richtet, daher. Diese Ausrichtung spiegelt sich auch in den Rubriken wider: Es gibt viele Termine (Galerieausstellungen, Auktionen) und Hinweise auf Messen, Porträts unbekannterer Künstler wie Till Nowak (siehe Titelbild), Rundgänge durch Sammlungen und sammlerrelevante Schwerpunktsetzungen, wie bspw. über die Auswirkungen von Licht auf Graphiken und was man tun kann um Schäden am Bild zu vermeiden.

Die Zeitschrift gibt in kurzgehaltenen, aber informativen Artikeln Inspirationen zu Künstlern und Einblicke in Sammlungen, sodass sich sowohl Kunstinteressierte als auch Sammler und jene die es werden wollen, angesprochen fühlen dürften. Nur wer allzu gründliche, kunstkritische oder hochintellektuelle Artikel (wie in z.B. „Texte zur Kunst“) erwartet, wird nicht fündig werden. Aber darum geht es in „kunnst“ auch nicht. Humor, Leichtigkeit und die Faszination für Kunst zeichnet diese Zeitschrift aus. Das wird schon in der Einleitung deutlich, wenn es darum geht; warum „kunnst“ mit zwei nn … Doch lest einfach selbst und lasst euch neugierig machen!kunnst_artikel_sammlerKunnst, Zeitschrift für Kunstinteressierte und Kunstsammler, erscheint seit Sommer 2013 im Atelier Verlag, Köln. Preis: 8€.

Homepage von kunnst

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7 Gedanken zu “kunnst – die neue Zeitschrift für Kunstinteressierte und Kunstsammler

  1. Was wir gerade erleben, ist die Beerdigung und der Bankrott der Bildenden Kunst, die sich am Markt derart prostituiert und die hart erkämpfte Autonomie für eine handvoll oder ein paar Dollar mehr preisgibt, daß sie sich am Ende ihres eigenen Existenzrechtes beraubt. Zeitschriften wie diese zeigen es an, und in der „Zeit“ wäre vor noch gut zehn Jahren eine Rubrik wie „Kunstmarkt“ undenkbar. (Es geht mir hier übrigens nicht darum, Kunst in ein Arkanum der Seligkeit zu bannen und sie als Reich des Besseren zu setzen, so nach dem Motto: früher war alles gut: ganz im Gegenteil.)

    Die Bildende Kunst ist vielfach kunstgewerblicher Kitsch geworden, fällt beliebig und langweilig aus oder dient als Spekulationsobjekt am Markt: mithin: sie fällt komplett der Warenwirtschaft anheim. (Und man sieht es vielen Werken an, daß sie bloße Auftragsarbeiten für Sammler sind.) Galt es einstmals Sand im Getriebe zu sein, so ist man heute das Schmieröl, um den Laden am Laufen zu halten.

    Eine Gestalt des Lebens ist alt geworden und abgelebt, Wir sagen der Bildenden Kunst „Auf Wiedersehen“!

    Eine solche Kunst hat dann auch die Bilder von Oda Jaune und eine Sammlerin und Kuratorin wie Julia Stoscheck verdient. Vielleicht sollte man im Rahmen universitärer Post-Bologna-Reformen das Fach Kunstgeschichte als eigenständige Disziplin abschaffen, umgruppieren und es zu einem Zweig Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten, Untergruppe Betriebswirtschaft, umgruppieren. Das würde viel Geld sparen.

    Am Ende muß ich immer mehr bekennen, daß Autoren wie Pierre Bourdieu recht haben: Der Eigensinn der Kunst war immer (und nicht bloß ein Stück weit) Ideologie.

    Danke aber für den Hinweis auf diese Zeitschrift. So weiß ich zumindest, was ich nicht kaufe. Bereits die Zeitschrift „Monopol“ habe ich mir vor Jahren abbestellt. Und ich lobe mir immer mehr Zeitschriften wie „Ästhetik und Kommunikation“ oder jene „Texte zur Kunst“.

    1. Bersarin, ich danke dir für deine kritischen Worte. Genau das habe ich gemeint, dass Leser, die das Niveau von bspw. „Texte zur Kunst“ erwarten und schätzen, hier nicht auf ihre Kosten kommen.

      „kunnst“ hat einen anderen Anspruch und eine andere Zielgruppe, was an den Texten deutlich wird. Für (vielleicht auch kunsthistorisch unbewandertere) Sammler, die kurze Informationen und Tipps ohne zu inhaltliche Dichte suchen, ist die Zeitschrift eine sicherlich ansprechende Inspirationsquelle.

      Ich denke, es ist wichtig zu differenzieren; die „Kunstwelt“ hat sich aufgesplittet in jene, die den Wert der Kunst abhängig machen von den Preisen, die ein Künstler mit seinen Werken auf Auktionen oder in Galerien erzielt und solchen, die sich sehr wohl kritisch und auch inhaltlich mit Kunstwerken, Entwicklungen und Werturteilen auseinandersetzen. Da gibt es jene (überspitzt formuliert), die Kunst kaufen, weil sie optisch zum Sofa passt oder Wertsteigerung verspricht, die sich auf Vernissagen inszenieren wie Celebrities und solche, die in ihren kunsthistorischen Elfenbeintürmen sitzen und sich den Kopf zerbrechen über Paradigmenwechsel, Appropriation und Institutionskritik 🙂 Alle Felder, innerhalb derer sich diese Kunstwelt bewegt, haben meiner Ansicht nach ihre Vor-und Nachteile.

      Kunst sammeln ist nicht nur verwerflich und ein Produkt der Verkapitalisierung der Bildenden Kunst. Im Gegenteil: Sammler und Mäzene gibt es schon seit Jahrhunderten, und sie sind für viele Künstler materiell unterstützend wirksam. Daran kann ich erstmal nichts verderbliches ausmachen. Selbst Auftragsarbeiten sind keine Neuerscheinung des 21.Jhds.

      Insofern denke ich, kann sich die zukünftige Post-Bologna-Reform andere, konstruktivere Ziele setzen, als die von mir äußerst geschätzte Disziplin der Kunstgeschichte in einen BWL-Zweig einzugliedern 🙂 Angefangen damit, dem Studium wieder so etwas wie Tiefe zu geben…

    2. Wo du schon bei Bourdieu bist: Warum sollte es verwerflich sein, sich im Spannungsfeld zwischen ökonomischen und kulturellen Kapital nicht soweit abzusichern, dass man von der Kunst leben kann? Oder gar von der Thematisierung der Kunst?

  2. @ Laura,
    Daß die Bildende Kunst bzw. deren Werke sich aufspalteten, das sehe ich auch so, allerdings setzt mit dem zunehmenden Schielen auf den Markt eine qualitative Veränderung der Kunst insgesamt ein. Ich werde darüber bei mir im Blog demnächst etwas schreiben. Und ich hatte zudem eine Serie zum Ende der Kunst am Wickel. Natürlich haben wir immer schon Künstler gehabt, die im Auftrag Werke schufen, und frühere Kunst war sowieso von Kirche und Fürsten abhängig. Kein Michelangelo malte oder modellierte als rein autonomer Künstler (wenngleich es auch in der Renaissance dieses Ideal einer Autonomie durchaus gab). Aber die (umfassend verstandene) Autonomie und Souveränität der Kunst beginnt erst mit dem Aufstieg des Bürgertums und sie endet mit dem Abstieg desselben, könnt man ergänzen.

    Dennoch ist diese Aufspaltung kritisch zu sehen. Kunst und Kreativität dienen mittlerweile mehr der Selbstdisziplinierung und Selbstoptimierung, um ein System am Laufen zu halten, dessen einzige Logik darin besteht Werte zu steigern und Kapital zu mehren. Gerade vermittels der Kunst, um die „feinen Unterschiede“ zu markieren.

    Kunst zu sammeln, ist natürlich nicht verwerflich oder schlimm. Im Gegenteil, es ist das eine sehr schöne, sehr sinnliche (und zuweilen auch: eine sehr reflektierte) Angelegenheit. Die Frage bleibt aber, wie das geschieht. Seit den letzten zehn fünfzehn Jahren scheint mir in dieser Entwicklung etwas aus dem Ruder gelaufen zu sein.

    Und weil es das Verhalten, sich marktgerecht zu zeigen in der einen oder anderen Weise immer schon gegeben hat, ist deshalb nicht der Schluß zulässig, daß das dann schon in Ordnung gehe, weil dieser Zug ja schon immer wirkte. Sein und Sollen klaffen manchmal auseinander. Aber diese Überlegungen hin zu einer Kritik des Kunstbegriffes bewegen sich auf einem sehr weiten Feld, weil sie von der Kunst über die ästhetische Theorie bis hin zu r Gesellschaftstheorie reichen.

    Dem Studium Tiefe zu geben, ist in der Tat ein zentrales Moment. Bildung beschränkt sich eben nicht in der bloßen Ausbildung, Bildung in einem umfassenden, emphatischen Sinne verstanden, ist etwas, das sich entwickelt, das Zeit und Raum benötigt.

    @ Kef Khaos
    Sieht man vom Widerspruch zwischen Arbeit und Kapital ab und nimmt diese Produktionsweise als gegeben (was nicht heißt, sie kritiklos hinzunehmen), dann ist es aus der sachlichen Notwendigkeit heraus, sein Dasein finanzieren zu müssen, überhaupt nicht verwerflich, sich für Geld zu verdingen oder eben einfach nur arbeiten zu müssen. Bloß sollte man diese Abhängigkeit im Kunst(gewerbe)betrieb dann auch offen bekennen und nicht Camouflage mit heheren, aber abgelebten Begriffen betreiben und mit ihnen jonglieren. Die Dekorateure des Bestehenden sollten sich nicht mehr Künstler nennen, sondern: „Tätig für die Deutsche Bank. Gez. Jeff Koons, Auftragsarbeiter“. Die hergestellten Produkte heißen nicht mehr Kunstwerke, sondern Designobjekte oder Dekorationsgegenstände für Büroräume.

  3. Nachträglich sei noch hinzugefügt, um hie nicht nur auf der Kunst herumzuhacken: es gibt in den kleinen, unscheinbaren Galerien und gerade im Mittelbau derart viele spannende Objekte, das ist allemal interessanter und anregender als das, was uns da von hochoffizieller Seite als Kulturhappening dargeboten wird. Jetzt in Berlin z.B. wieder: 48 Stunden Neukölln. Es ist dort nie alles gut, vieles auch schlecht und beliebig und doch finden sich auf solchen Ausstellungen Werke, die überzeugen, die gut sind, die in sich stimmig gemacht sind.

    1. Bezugnehmend auf deinen Satz: „Kunst und Kreativität dienen mittlerweile mehr der Selbstdisziplinierung und Selbstoptimierung, um ein System am Laufen zu halten, dessen einzige Logik darin besteht Werte zu steigern und Kapital zu mehren.“ möchte ich anfügen: Natürlich sehe auch ich diese Tendenz, und für mich ist es absolut unnachvollziehbar, wie bspw. Koons´ „Hanging Heart“ 2007 für schlappe 23,6 Millionen Dollar versteigert wurde. Dennoch würde ich der Kunst keinen Grabstein meißeln. Wie du selbst im Nachtrag schreibst: Es gibt sie durchaus noch, die stimmigen, überzeugenden Werke mit einem Wert nicht kommerzieller Natur…
      Interessehalber: Was meinst du mit „gerade im Mittelbau“, eine Lokalität (in Berlin)?

      Auf deinen Blogartikel über all diese Sachverhalte und deine „Serie“ (in Textform auf dem Blog?) über das Ende der Kunst bin ich nun äußerst gespannt 🙂
      Beste Grüße, Laura

  4. Hi Laura, einige Aspekte seien kurz aufgeführt:
    Daß weiter produziert wird, muß nicht zwangsläufig bedeuten, daß auch weiter Kunst produziert wird. Die These vom Ende der Kunst ist nicht neu. Sie wurde, wenn ich nur in der Moderne verbleibe, von Hegel bis hin zu Walter Benjamin und auch Heidegger vielfach vertreten. Selbst bei Adorno gibt es eine Tendenz, die das „Altern der Moderne“ bescheinigt. Es lösen sich insofern diese Dinge nach zwei Richtungen hin auf: Innerhalb des Produktionsprozesse selbst, der – zumindest in der Bildenden Kunst – vielfach sich nur noch marktgerecht und damit kapitalbildend sich verhält, und binnenästhetisch im Werk selber: die Spirale des ästhetischen Fortschrittes, der Entwicklung in der Form kreist in sich selber: nach abstrakt und realistisch samt der Kombination beider Momente, nach dem Kitsch, der Ironie, der Persiflage, der Pop-Kunst kommt nur noch das Kreisen, und es läuft die Kunst leer. Grob skizziert.

    Was den Mittelbau oder das Kleine betrifft, so verweise ich einfach auf diverse Galerien rund um die Potsdamer Straße, aber auch Ausstellungen wie die Berlin Biennale oder die – teils sehr kritisierte – Ausstellung „Based in Berlin“.

    Wie geschrieben: es bedeutet das Ende der Kunst nicht das Ende der Produktion. Ich denke eben über diese Dinge nach: was hat sich gewandelt? Gesellschaft, der Kunstbegriff, die Kunst, die Medien der Kunst? Sicherlich: es gibt nach wie vor großartige Werke: das reicht von sinnlich bis reflektiert. Auch auf der Documenta im letzten Jahr gab es solche Objekte, wenngleich ich dem unbezüglichen Nebeneinander von Werken andererseits auch mißtraue. Und es gibt sehr gute Retrospektiven: So zuletzt gesehen in Dresden die Ausstellung: „Die Erschütterung er Sinne“. Aber auch diese Ausstellungen zeigen, mit Hegel gesprochen, daß es nur noch in der Rückschau geht, weil eine Gestalt des Lebens – hier: die Kunst – alt geworden ist. Und da kann das die Philosophie, genauer geschrieben: die Ästhetik, nur noch ihr grau in grau malen: „die Eule der Minverva beginnt erst mit der einbrechenden Dämmerung ihren Pflug.“ (Eine der schönsten Passagen bei Hegel)

    Zum Ende der Kunst habe ich in meinem Blog bereits geschrieben. Ich verlinke das mal: http://bersarin.wordpress.com/category/wozu-kunst/ (Wobei ich eigentlich diese Selbstverlinkungen nicht besonders mag.) Ich werde aber diese Serie, die einige Zeit pausierte, nun fortsetzen.

    Beste Grüße und einen feinen Sonntag Dir

    Bersarin

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