XXXII. Sonntag mit Proust

„Aber es gab noch eine andere Ursache, die ich mir, da ich zu jener Zeit mehr Bücher als Menschen und die Literatur besser als die Gesellschaft kannte, erklärte, in dem ich mir vor Augen stellte, daß die Herzogin, die ganz in diesem Leben der Gesellschaft aufging, dessen Tatenlosigkeit und Unfruchtbarkeit zu einem wirklichen Leben unter Menschen in dem Verhältnis stehen wie in der Kunst die Kritik zum Schöpfertum, wohl auf die Personen ihrer Umgebung die Wandelbarkeit der Gesichtspunkte, die ungesunde Sucht übertrug, mit der jemand auf der Suche nach Möglichkeiten allzu trockene Gemüter aufzufrischen, nach irgendeinem noch einigermaßen neuen Paradoxon greift und sich deshalb nicht geniert, einen frischen Wind durch Äußerung der Meinung aufzubringen, die schönere „Iphigenie“ sei die von Piccini und nicht dir von Gluck, notfalls auch, daß die wahre „Phädra“ die von Prado sei.“

Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, Teil 3.2: Die Welt der Guermantes, Dtsch. von Eva Rechel-Mertens, Frankfurt: Suhrkamp, 1982, S. 621.

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