Digital ist besser!? – ein Plädoyer für eine differenzierte digitale Zukunft

Die Buch- und Kulturbranche beschäftigt nicht erst seit gestern – jetzt aber vehement – das Thema der Digitalisierung, keiner kann sich dem mehr entziehen und sollte es auch nicht. Zumindest wenn er vorankommen möchte und der Menschheit, und damit auch der Kultur, Entwicklung zugesteht. Was bedeutet es eigentlich, dass unser Leben digitaler wird und heißt das gleichzeitig, dass es dadurch etwa schlechter wird?

Ich halte nicht viel von einseitigen Sichtweisen, von einer Trennung in digitales und analoges Leben, die man so strikt gar nicht vollziehen kann. Dennoch ist auch in mein Leben seit einigen Jahren mehr und mehr Digitales eingezogen und begleitet meinen Alltag beruflich wie privat. Dabei bin ich kein sehr technikaffiner Mensch, besitze weder ein Smartphone noch einen E-Reader oder ein Tablet. Zum Bloggen ist mein kleines Netbook meine neue Freundin geworden, die ich sehr schätzte, weil ich sie überall hin mitnehmen kann und sich dieses elektronische Wesen einfach als so praktisch erweist.

Ich lese größtenteils Taschenbücher und Hardcover, aber ich interessiere mich schon beruflich bedingt für viele neue Formen des elektronischen Lesens. Dabei fällt mir auf, dass in so manchen Diskussionen über die „bösen“ Neuerungen im Digitalen die E-Books oft als eine Art Feind betrachtet werden, als ein Fremdkörper, und ich frage mich, wieso wir Deutschen (denn der US-amerikanische und englisch-sprachige Markt ist uns da wie in vielem so weit voraus) uns da so schwer tun? Habe nur ich diesen Eindruck, dass manch bibliophiler Leser sich eher die Finger verbrennen würde, als ein elektronisches Buch zu lesen? Ich habe diesen Eindruck, dass das Lesemedium und die Einstellung zum Lesen fast schon quasi-religiös als Weltanschauung zelebriert werden.

Wenn ich jetzt ein E-Book lese, heißt das, ich entscheide mich für ein digitales Leben, ich entscheide mich für das Vergängliche und automatisch irgendwie gegen das Buch als Kulturgut, als kulturelles Gedächtnis? Wieso habe ich diesen Eindruck eines oft so negativen Beigeschmacks bei der teilweise sehr emotional und idealistisch geführten Diskussion über eine Beschwörung des Tods des Papierbuchs und der Okkupation des beschleunigten Zeitfressers „digitale Technik“?

Natürlich möchte ich nicht, dass es bald keine Verlage mehr gibt, die wertvoll gestaltete Hardcover-Ausgaben herausgeben können, weil Leser nur noch massenhaft elektronische Eintagsfliegen konsumieren. Ich kaufe gern direkt beim Verlag, um diese Form des Literaturmachens zu unterstützen und ich liebe den Klang von Papier und seine Weichheit. Aber ich möchte auch einmal den Finger darauf legen, was in dieser Diskussion nicht vergessen werden sollte: Es geht um Literatur, es geht ums Erzählen, um gute Geschichten, die an die Öffentlichkeit gelangen sollten und in unsere Herzen dringen. Ist es da so übertrieben wichtig, auf welchem Medium wir diese genießen? Müssen wir immer die negativen Seiten des Digitalen betonen? Ein E-Book hat den Vorteil, dass ich vor allem bei riesiger Textmenge bequem blättern, suchen und Notizen machen kann – ohne lästiges Kopieren. Welch Vorteil das in meinem Studium gewesen wäre! Was hätte ich für einen E-Reader gegeben, der mir das stundenlange Kopieren  erspart hätte. Aber nicht nur das – eine große Auswahl an Lieblingstexten immer dabei in handlichem Format. Kann daran so viel Schlechtes sein?

Ich wünsche mir fortschrittliche flexible Geschichtenmacher, die das Beste von beidem verbinden und die Möglichkeiten des Digitalen nutzen, gute Geschichten in die Welt hinauszutragen und mehr Leser von der Notwendigkeit gut gemachter Literatur zu überzeugen. Natürlich treibt auch mich dabei die Frage voran, wie eine Idee, die im gedruckten Werk über Jahre bewahrt werden konnte, in der digitalen Masse für jedermann zugänglich Bestand erhält? Leben ist manchmal ein Kampf gegen das Flüchtige, getragen vom Wunsch nach Beständigkeit. Wie kann digitale Literatur oder rein digitaler Inhalt als Datenstrom mit ähnlichem Bewusstsein das überliefern, was in den wissenschaftlichen Forschungsbibliotheken seit der Antike gesammelt und sortiert wurde? Da können sicherlich viele innovative Ansätze ganz spannende neue literarische Formen hervorbringen – wir müssen nur offen dafür sein, uns überraschen lassen und sollten etwas Neues wagen. Es gibt nie nur Schwarz und Weiß – Buch oder E-Book – digital oder analog – was ist mit Hybridformen wie auch immer die aussehen mögen?

Die Welt steht nie still und das Leben ist immer in Bewegung. Stillstand wäre Tod. Der Fortschritt hat natürlich bisher nicht immer nur Gutes in die Welt gebracht. Es obliegt eben der Verantwortung der Menschen, die mit den neuen Mitteln umgehen, diese mit Verstand und Vernunft einzusetzen.

Ich möchte, dass es in 50 Jahren noch gut gesetzte und gestaltete (E-)Bücher gibt und ich wünsche mir das perfekte handliche Lesegerät, auf dem ich meine Rezensionen bloggen  und mit euch kommunizieren kann. Was sagt ihr dazu?

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21 Gedanken zu “Digital ist besser!? – ein Plädoyer für eine differenzierte digitale Zukunft

  1. Ich finde es schade, dass die Diskussion irgendwie nicht voranzukommen scheint. Muss man wirklich noch über ein „Entweder – oder“ diskutieren? Hat sich nicht schon längst gezeigt, dass ein Nebeneinander durchaus möglich ist? Für mich persönlich habe ich das Thema in dieser Hinsicht schon lange abgehakt, d.h. ich bin absolut nicht auf dem Laufenden, was aktuelle Diskussionen der Buch- und Kulturbranche betrifft. Vielleicht kannst Du mir ja auf die Sprünge helfen, worauf Du Dich im Einzelnen beziehst?

    Bei der Flut an Büchern, die jedes Jahr erscheint, finde ich es gar nicht so schlecht, dass manche Verlage zweigleisig fahren oder Titel eventuell nur digital erhältlich sind. Wenn sich ein Buch digital durchsetzt, wird (bzw. kann) doch sowieso eine analoge Auflage nachgeschoben (werden).

    „Wir Deutsche“ – damit kann ich in der Regel wenig bis gar nichts anfangen und habe so meine Probleme mit Aussagen wie diesen. Mir erscheint das oft als sehr subjektiver Eindruck, der auf ein paar Blogartikeln basiert, die nie und nimmer einen repräsentativen Charakter haben.

    Was das Betonen der eigenen Bibliophilie angeht, so stimme ich Dir zu. Das ist mir manchmal schon suspekt und zu rosarot, romantisch verklärt. Nicht falsch verstehen, ich bin auch ein Bücherfreund, aber persönlich geht es mir des Öfteren zu weit. Der Verkauf von Büchern ist in erster Linie ein Geschäft, der Erlös wird nicht dem Weltfrieden gespendet. Leseratten sind vielleicht im Schnitt gebildeter als diejenigen, die nie ein Buch anrühren, aber es sind per se keine besseren Menschen (oder wie wird das gemessen?)!

    Ich denke, man sollte nicht die „digitale Technik“ und das E-Book in einen Topf werfen. Dass die digitale Technik ernsthafte Probleme mit sich bringt, muss man in diesen Tagen hoffentlich keinem erklären. Vielleicht dauert es noch einige Jahre oder Jahrzehnte, bis die gesammelten Daten des sog. Data Mining nutzbar gemacht werden können, aber sind wir immer noch weit entfernt von mancher düsterer Zukunftsvision, die wir uns mit Popcorn im Kino ansehen?

    Was die Digitalisierung anbelangt, muss man auch mal differenzieren. Ich habe mir schon ein paar Digitalisierungszentren im In- und Ausland angesehen und finde die eine großartige Sache. Besonders wenn nicht blind und im Akkord digitalisiert wird, sondern daraus online durchsuchbare Dokumente entstehen, inklusive Metadaten. Das erleichtert die Arbeit mit Texten doch ungemein. Wo ich früher weite Reisen unternehmen musste oder lange auf die Bestellung aus der Fernleihe warten musste, kann ich heute mit wenigen Klicks auf ganze Bücher zugreifen, die ich sowieso nie berühren dürfte.

    Dass es bei der Digitalisierung auch wieder Gewinner und Verlierer gibt, Streitereien, Knebelverträge abgeschlossen werden usw. kann doch heute praktisch auf jede Branche übertragen werden.(Wenn ich zu Euch nach Berlin schaue und sehe, wie das Geld im „neuen“ Flughafen versenkt wird, dann möchte ich auch ein bisschen dran werkeln – es spielt doch keine Rolle ob’s Pfusch ist oder nicht. Wie hoch die Kosten sind, anscheinend auch nicht mehr. Aber da komme ich jetzt komplett vom Thema ab.)

    Hybrid aus Buch und E-Book? 30 Seiten als Appetitanreger in Papierform, Fortsetzung dann als E-Book, oder wie? 😉

    Ich habe anderswo auch schon auf Möglichkeiten beim Sprachenlernen hingewiesen. Dafür ist das E-Book in Verbindung mit dem Audio-Book und Online-Dictionaries wirklich hervorragend geeignet. Man kann sich den Text vorlesen lassen, gleichzeitig mitlesen und hat bei unbekannten Worten sofort auf einen Klick die Übersetzung. (Man braucht keinen E-Book-Reader, geht auf dem Laptop vielleicht besser). Das spart nicht nur eine Menge Zeit und Nerven, sondern macht auch Spaß und ist wissenschaftlich erwiesen effektiver. Natürlich ist ein Sprachtandem schöner, sozialer Umgang, evtll. Freundschaft und gleichzeitig Probe, ob man verstanden wird uws. Aber auch hier gilt: Das eine schließt das andere nicht aus!

    Ich komme zum Schluß: Ich habe keinen E-Book-Reader und ich drucke mir Digitalisiertes oft noch aus, wenn ich es zum Arbeiten brauche. Warum? Weil ich persönlich damit besser arbeiten kann und auch das Gefühl habe, mir Dinge besser merken zu können. Deshalb bin ich aber weder Feind des E-Books, noch von digitaler Technik im Allgemeinen. Ich mache mir meine Gedanken dazu und bemühe mich, kein vorschnelles Urteil abzugeben.

    Viele Grüße!

    1. Liebe/er (?) Wortlandschaften – erstmal vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar über den ich mich sehr freue. Ich dachte schon das Thema interessiert keinen 😉
      Ich habe mit Absicht keine keine Verlinkungen zu Blogs oder Diskussionen eingefügt und ein wenig allgemein provozierend meinen Eindruck wiedergegeben der natürlich subjektiv ist. Ich würde nie behaupten, dass meine Sichtweise irgendwie zu verallgemeinern wäre. Ich selbst subsummiere mich und uns nicht unter die Kategorie „bibliophiler Blogger“, damit kann ich genauso wenig etwas anfangen, wie mit Szenenzuschreibungen. Eine Szene ist immer nur so weit gefasst, wie die Einzelbeispiele, die man kennt – das wären rund 30 Buchblogs, die ich mir mehr oder weniger regelmäßig anschaue, darunter jene aus unseer Blogroll. Beruflich informiere ich mich im Buchreport, im Börsenblatt (dem Magazin des traditionellsten Organs des deutschen Buchhandels, dem Börsenverein …), im Literaturcafé und bei Was mit Büchern (dem Blog von Leander Wattig) sowie auch die wunderbar viel diskutierten Blogbeiträge von Buch-PR-Frau Gesine von Prittwitz bei Steglitz meint …Alle jene Organe regelmäßig verfolgend, entstehen verschiedene Eindrücke und Sichtweisen … Ich denke ebenfalls wie du, dass man E-Books und digitale Errungenschaften nicht in einen Topf werfen kann. Natürlich gibt es viele „Gefahren“, was Copyright, Piraterie, Illegale Downloads, und die aktuelle NSA-Prism-Datenschutz-Thematik angeht.

      Ich denke, man kann eben gut das Traditionelle und Nostalgische, was man am Antiquariat liebt, mit dem digitalen Lesen verbinden. Vor allem klassische Texte und wissenschafltiche lassen sich so wunderbar als PDF oder auf einem Reader lesen, den ich übrigens auch nicht besitze, weil mich die derzeitigen noch nicht zufrieden stellen und meine Buchauswahl sich derzeit viel auf gebrauchte ältere Ausgaben beschränkt.

      Vielleicht zu meiner Motivation, warum ich diesen „Essay“ geschrieben habe: Auf so manchen Blogs wurde schon Misstrauen gegenüber digitalen Texten geäußert, im Börsenblatt und im Buchreport und ich wollte dies hier gern mal thematisieren und zur Diskussion stellen, weil ich den Austausch mag und forcieren wollte.

      1. Mich interessiert das Thema, allerdings habe ich die Diskussion um ein „Entweder-oder“ vor mehr als 5 Jahren geführt. Für das von einigen immer noch düster heraufbeschworene Verschwinden des gedruckten Buches sehe ich überhaupt keinen Grund und deshalb auch keinerlei Anlass zur Aufregung. Wenn sich Auflagen verkleinern sollten, mehr Wert auf handwerklich gut gemachte & künstlerisch gestaltete Ausgaben gelegt werden müsste, um Käufer zu finden, würde mich das auch nicht stören. Es wurden zu jeder Zeit Künstler verkannt oder gar nicht veröffentlicht und erst zu einem späteren Zeitpunkt, meist posthum, entdeckt und gewürdigt. So ist das leider. (Wie gut kennen wir die Fähigkeiten anderer Mitmenschen?)

        Klar, dass Du Deine Sicht ausgedrückt hast (ohne eine Diskussion über Objektivität anstoßen zu wollen). Nach meinem Gefühl wird die „Schwarzer-Peter-Karte“ bezüglich „Wir Deutsche“ zu oft und zu schnell gezogen, umgekehrt übrigens auch (was wäre das dann für eine Karte? Der Joker?). Papst sind „wir“ ja nicht mehr, aber seit gestern wieder Finale…ist mir zu boulevardesk.

        Interessieren würde mich natürlich, ob an der Behauptung, „wir“ würden uns da besonders schwer tun, etwas dran ist. Dein Gefühl kommt ja wie gesagt nicht von ungefähr. Was Du über Blogger und Szene schreibst, kann ich nur unterschreiben. Das gilt auch für den Rest Deiner Antwort. Die Verweigerer gibt es immer und überall, muss man ja nicht gleich mit einem negativen Anstrich versehen. Radikal ausgedrückt: Ich bin Facebook-Verweigerer, aus verschiedensten Gründen, hat mich nie sonderlich angesprochen. Was habe ich mir dazu schon alles anhören müssen und sog. Freunde verloren…waren halt doch nur Kontakte. Jeder wie er mag, sofern mir keiner mit bloßem Missionierungseifer auf den Zeiger geht.

        Viele Grüße, „der“ von wortlandschaften 😉

        PS: Mit dem folgenden Zitat werde ich nun dem einen oder anderen auf die Nerven gehen, weil ich das immer auspacke, wenn es um Buch und E-Book geht, aber ich find’s halt so schön:
        „Das Buch ist wie der Löffel, der Hammer, das Rad oder die Schere. Sind diese Dinge erst einmal erfunden, lässt sich Besseres nicht mehr machen.“

        Aus: Umberto Eco/ Jean-Claude Carrière: Die große Zukunft des Buches.

  2. Jedes neue Medium und jede große Erfindung erweckte in der Menschheitsgeschichte Fortschrittspessimismus oder -optimismus und desto größer die Veränderung desto stärker die Positionen. Ich habe auch schon oft die Hasstiraden von Bibliophilen und VertreterInnen der Kulturszene mitanhören müssen. Doch werden die Stimmen, meines Empfinden nach, leiser oder wenigsten weniger. Denn am Ende siegt die Bequemheit: Wenn ich ein Ebook binnen von Sekunden auf meinem Reader habe und vielleicht irgendwann – das ist mein Wunsch für die Zukunft – in allen Sprachen, Formaten und stetig aktualisiert, dann brauche ich kein Taschenbuch. Das heißt natürlich nicht, dass ich meine Fantasy-Sammlung oder Goethe’s Gesammelte Werke entsorge. Die bleiben nach wie vor die Schätze meines Bücherregals.
    Das Interessante an der gegenwärtigen Situation ist, finde ich, dass sich nun die Weichen für den zukünftigen Markt stellen. Ganz zentrale Fragen über AutorInnenposition, Recht, Zensur, usw werden auf internationale Ebene werden nach und nach beantwortet und die Zukunft nicht nur des elektronischen Buches, sondern des gesamten digitalen Lebens, bestimmen.

    1. Liebe Patmin – ich finde es schön, dass du Goethes Gesamtwerke so schätzt, ich hege meine alte Goethe-Ausgabe auch sehr. Deinen Wunsch für die Zukunft kann ich so unterschreiben. Den letzten Punkt, den du ansprichst, halte ich für sehr essentiell: Das digitales Lesen stellt natürlich die Branche und die Gesellschaft vor enorme Herausforderungen, die bewältigt werden müssen und bei denen momentant noch nicht alles so gut gelöst scheint wie z. Bsp. Copyright und DRM, oder die Vergütungsfrage und das Überleben von Kleinverlagen angesichts der Marktentwicklung und niedrigeren Preisen mancher digitaler Texte – E-Books wollen gelesen werden, verbreitet werden u. viele Leser wollen dafür nicht das selbe bezahlen wie für eine Printausgabe, wohl aber nicht zum Nachteil des Autors und des Verlags. Du muss ein Umdenken stattfinden, wenn Qualität sich weiterhin durchsetzen soll und es darf nicht sein, dass Autoren sich dagegen entscheiden vom Schreiben leben zu wollen … Ich bin dafür Kleinverlage zu unterstützen, um die Kunst und das Individuelle zu fördern, aber es muss auch bezahlbar bleiben, damit vielleicht auch mal Leser einen Titel lesen, die sonst nie zu einem solchen gegriffen hätten. Verlage sollten meiner Meinung nach offener und kreativer werden, sich digital öffnen und ausprobieren und vor allem dem Leser mehr Geschmack zutrauen und den Buchandel nicht mit den immer gleichen Titeln zumüllen … Viele, viele Themen und Neuerungen, die derzeit diskutiert werden (müssen).

  3. Dass die Debatte derart geführt wird, finde ich auch recht ermüdend. Es ist aber so, wie patmin schon gesagt hat, alles revolutionär verändernde wurde und wird als die Ausgeburt des Bösen betrachtet. Aber, um es mit H. Rosa zu sagen, die moralischen Landkarten hier übereinander zu legen und abzugleichen, wäre wohl der beste Weg, der bisher von beiden Seiten jedoch nur teilweise beschritten wird. Im Übrigen kann man das gleiche bei der Musikindustrie und den (legalen!) Streaming-Angeboten sehen.

    1. Hey Krushak – Ermüdend ja, aber es wichtig, dass Debatten geführt werden … ich frage mich allerdings immer, ob digitale Debatten über Digitales voranbringen. Redet man nicht zu sehr aneinander vorbei oder trägt Meinungen vor sich her um ein bestimmtes Bild abzugeben wie ein Fähnchen im Wind segelnd …? Sachliche differenzierte Diskussion wünsche ich mir, Austausch ausgehend vom Digitalen hin zum Alltag, ganzheitlich, denn dieses Thema betrifft uns alle irgendwie und man sollte sich positionieren. Was sagt den Hartmus Rosa zum Thema „Digitales vs Analoges“ in Bezug auf die beschleunigte Gesellschaft? Das Buch als etwas Traditionelles repräsentiert ja eher die „alte Welt des Beständigen“, das E-Book hingegen steht derzeit für eine Form des Digitalen, das viele als flüchtig halten … Wie kann man beide Aspekte gewinnbringend verbinden ohne dass etwas verloren geht?

      1. Schande über mein nicht mehr lockiges Haupthaar! Tut mir leid, dass ich erst so spät antworte:
        Also, Diskussionen über das Digitale im Digitalen sind eher müßig – leider, wie ich finde. Weil hier in der Regel diejenigen in der Mehrheit sind, die sich für das Digitale aussprechen, wodurch ein verzerrtes Bild darüber entstehen kann, inwieweit das Digitale akzeptiert ist.
        Was Rosa genau dazu sagen würde, kann ich nicht sagen, aber ein Punkt trifft hier zu: Die Debatte um Analoges und Digitales ist ein „Streit“ von Paradigmen, die teilweise inkommen-surabel sind, da die Verortung auf der moralisch-gesellschaftlichen Landkarte eine unter-schiedliche ist (oh Wunder!). Dazu mal ein simples Beispiel, das allerdings plakativ ist: Beiden Seiten meinen zwar, dass Lesen wichtig sei, auf welche Art aber das Lesen geschehen soll, das ist der Kernpunkt – auf einem eReader oder in einem Buch?
        Und zum Thema Beschleunigung noch dieser Hinweis: Das Digitale-Lesen ist beschleunigtes Lesen, da auf einem eReader mehr Bücher passen, man also zu jeder Zeit eine größere Aus-wahl an Büchern hat und somit schneller das eine oder andere Buch lesen kann. Das nimmt mir automatisch die Entscheidung ab, welches Buch ich in die Bahn mitnehme, denn klassi-scher Weise hat man eines oder höchstens zwei in der Tasche – je nach Größe. Insofern ist der schnelle Konsum eines Buch durch diesen Umstand begünstigt und eine wohlüberlegte Auswahl des Buches nur von bedingter Relevanz.

  4. Mein Senf dazu: Allgemein von der Digitalisierung und digitalen Technik gesprochen, die in unser aller Leben Einzug hält; ich denke es ist schon wichtig, dass es Grenzziehungen zwischen „analoger“ und „digitaler“ Welt bzw Lebensstilen gibt. Wenn sich alles miteinander vermengt, und diese Tendenz ist zweifellos vorhanden, besteht irgendwann keine Rückzugsmöglichkeit oder Übersichtlichkeit mehr. Ist natürlich die Frage, ob man das überhaupt will… Wenn man die Pläne von Google anschaut ist die ideale Gesellschaft eine ständig und überall digital vernetzte, in der jeder alles abrufen und nachvollziehen (=kontrollieren) kann. DAS ist ehrlich gesagt nicht mein Traum, aber gut. Diese Diskussion führte an dieser Stelle zu weit.

    Konkreter bezogen auf „digitale Lesewelt“, Ebooks usw.: Auch ich habe nicht pauschal ein Problem mit Ebooks (nur dann, wenn sie nicht oder schlecht lektoriert wurden und mich die vielen Fehler vom Lesen abhalten 🙂 ). Aber: Wenn ich lese, habe ich einfach gern ein Buch in der Hand. Und nicht meinen Laptop auf dem Schoß oder einen Reader zwischen den Fingern. Denn, deshalb oben auch der Hinweis darauf, dass ich schon eine Differenzierung von analoger und digitaler Welt für sinnvoll und erstrebenswert halte, ich will mich gerne mal „in die gute alte analoge Welt“ zurückziehen und erholen können. Dazu gehören für mich eben: ein richtiges Buch aus Papier in der Hand halten, in der Natur sein oder etwas erleben, ohne gleich alles digital „festzuhalten“ und auf FB zu teilen.
    Idealistische, nostalgische, verklärte, nicht mehr zeitgemäße Sicht? Möglicherweise. Dann ist das eben so. Dann bin ich gerne Analog-Liebhaber und Fossil.

    Deshalb verteufele ich die digitale Welt und das digitale Lesen ja nicht. Die Vorteile, vor allem beim wissenschaftlichen Lesen und Arbeiten weiß ich komplett zu schätzen. Literaturverwaltungsprogramme, die mir per Klick die Metadaten einer Veröffentlichung speichern, oder gar ganze pdfs, ein Traum! Stichwortsuche, digitalisierte Buchbestände aus aller Welt und allen Epochen… herrlich. Auch die Möglichkeiten zum Papiersparen, wenn es um Verwaltung und Aktenbestände von Firmen geht! In diesen Hinsichten ist Digitalisierung ein eindeutiger Fortschritt.

    Ein anderer Aspekt sei noch kurz angemerkt: Der Umgang mit digitalen Bildern respektive Kunstwerken! Kann man Kunst in digitaler Form angemessen wahrnehmen? Oder gar in Onlineauktionen ersteigern, ohne das „richtige“ Gemälde je gesehen zu haben? Ist es wirklich ein Fortschritt, digital auf Google in den Museen der Welt umherwandern zu können? Also ich persönlich möchte (nach Walter Benjamin) die Aura eines Werkes spüren können. Den Pinselduktus sehen können (ohne Zoomfunktion meines PCs). Das Gemälde in seiner realen Größe vor mir sehen können. …

    Kurzum: Natürlich findet eine Kombination aller digitaler und analoger Möglichkeiten längst statt. Allein die Tatsache, das wir über Bücher bloggen (und uns nicht in handschriftl Briefen oder so darüber austauschen ;)) ist eine Entwicklung und eine Hybridform des digital-analogen Umgangs mit Literatur.
    Und trotzdem halte ich es für wertvoll, differenziert und auch kritisch mit dem Einzug des Digitalen umzugehen. Und sich non-digitale Räume zu schaffen. Als Ausgleich – Achtung, jetzt wirds romantisch-verklärt 😉 – für die uralte, analoge Seele in uns.

    1. Interessanter Senf. Ich sehe das ganz genauso. Rückzugsmöglichkeit ist ein sehr gutes Stichwort. Man muss sich der dauernden Erreichbarkeit entziehen, sonst kommt man gar nicht mehr zur Ruhe. Ich muss nicht jede Nachricht in Echtzeit erfahren. Matt Damon hat sich dazu sympathisch, wie ich finde, in einem Interview in der Zeit von letzter Woche geäußert. „Man könnte sagen, dass die Grenze zwischen Ehrlichkeit und Eitelkeit verschwimmt. Es gibt heute eine Tendenz zum „Oversharing“, zum übertriebenen Mitteilen und In-die-Welt-Posaunen. Und so gerne ich die modernen Kommunikationsmittel und Technologien nutze – diese Idee oder Obsession, dass wir alles, was wir tun oder denken, sofort in Echtzeit mitteilen, posten oder twittern, ist irgendwie ein Wahn.

      Warum sollst Du, die gedruckte Bücher liest, ein Fossil sein, wo sich das E-Book doch angeblich noch überhaupt nicht durchgesetzt hat? Ich lese auch nur gedruckte Bücher, ob und wann ich mir einen Reader kaufe, steht in den Sternen. Der klassische Leser wird meiner Meinung nach nicht aussterben und steht auch nicht auf der Roten Liste. Bin ich blind oder sehe ich das romantisch-verklärt? Keine Ahnung. Das hatte ich jedenfalls nicht mit romantisch-verklärt gemeint.

      So wie Du liest, lese ich ebenfalls und immer noch die Mehrheit der Deutschen, behaupte ich frech (um mal für uns alle zu sprechen) 😉 Mir ist suspekt, alles was Buch ist, generell unter Schutz zu stellen und in extremeren Fällen zur Religion zu erheben oder gar zu vermenschlichen. Da ist mir manchmal auf den Blogs zu viel Tanz ums Goldene Kalb, zu vernebelter Blick durch die rosarote Brille. (Leidenschaft ist immer schön, aber man kann es auch übertreiben).

      Was die Kunst anbelangt, wird Dir da keiner widersprechen. Das gilt auch für die Bücher. Aber ich darf es mir doch im Internet ansehen und dann beschließen, es in natura zu begutachten, oder? Machen wir das im übertragenen Sinne nicht ständig? Diesen Strand will ich mal entlanglaufen, jene Kirche von innen sehen…

      Einen bewussten und ausgewogenen Umgang mit dem Digitalen halte ich ebenso für wichtig (analoge Seele gefällt mir).

      Viele Grüße

      1. Oh schön, ein Austausch (Diskussion ist es wohl nicht wirklich) mit mehr als Zwei-Zeilen-Einträgen entwickelt sich 😉 Ich habe gerade auf deiner „Über mich“ Seite von deiner Kritik an der Kritik gelesen, die auf Blogs kaum mehr stattfindet und dem Bedauern um allzu allgemeine, euphemistische Kommentare. Das sind Gedanken, die ich aus Gesprächen mit Katja sehr gut kenne und die wir beide sehr nachvollziehen können!
        Aber das nur mal so am Rande.

        Wahrscheinlich stimmt das, das der Großteil „der deutschen Leser“ nach wie vor das gute alte Buch bevorzugt. Daher bin ich dann wohl doch nicht so Fossil. Schade eigentlich 😉 Ich wollte ein bißchen provozieren.
        Deine Skepzis gegenüber Buchverherrlichung kann ich auch verstehen. Wobei ich mich selbst manchmal auch ertappe dabei zu denken: Bücher sind meine Freunde. Oder so was. Als wären es lebende Wesen, die mich begleiten. Dabei sind sie, rein pragmatisch, Konsumprodukte. Die bei manch einem eben zum Fetisch werden. Aber das kann sicher auf inhaltlicher Ebene auch bei Ebooks passieren.

        Das Internet und das was wir dort sehen, als Inspirationsquelle zu nutzen, um an einen Ort zu fahren, ein Bild ansehen zu wollen, ein Buch zu lesen usw. klar, das ist häufig. Was ich oben meinte, ist die Gefahr oder Tendenz (?), das irgendwann nur noch digital zu machen… oder sich obwohl man dort ist, nur auf die Digitalisierung des Eindrucks zu konzentrieren. Ich denke dabei an diverse Museumsbesucher, die sich das Originalbild gar nicht ansehen, sondern es statt dessen im Detail abzufotografieren – um es zu hause zu „haben“, anzusehen. Obwohl ich bezweifle, dass das überhaupt gemacht wird. Man „verpasst“ den Augenblick, das reale Erleben, weil man so mit dem „digitalen Festhalten“ beschäftigt ist.
        Robert Pfaller hat dazu interessante Ausgangsgedanken (Stichwort Interpassivität).
        Vielleicht passiert uns das mit Ebooks auch irgendwann :Wir sammeln sie nur auf der Festplatte und klicken mal rein, lesen aber nicht zu ende… wer weiß.
        Und wer weiß, was dann mit unseren analogen Seelen passiert auf Dauer ;)?
        Liebe Grüße!

    2. Ich sehe das ein wenig anders – man kann gar keine Grenzziehungen vornehmen zwischen digitaler und analoger Welt, das führt zu nichts. Wenn du dich über Twitter mit jemandem verabredest und ihr euch im Park trefft, dann bist du völlig in der sogenannten analogen Welt und nutzt Twitter oder Facebook als Hilfsmittel zur Kommunikation wie Skype, nur dass bei Twitter alles öffentlich ist. Übertragen aufs digitale Lesen ähnlich: du liest ein Buch, einen Text auf einem physischem Gerät, das du in den Händen hälst, ein Hilfsmitteln. Und darum geht es mir – wir sind gewohnt Bücher zu halten, aber irgendwann wird sich das vielleicht ändern, dann liest die Hälfte Bücher und die Hälfte mit einem Lesegerät. Man verbindet den Nutzen. Wichtig dabei die digitalen Errungenschaften mit Verstand zu nutzen, das ist es glaube ich auch, was du mit deiner Trennung meinst … Mit dieser analogen Seele, das halte ich für reichlich verklärt. Und ich wäre vorsichtig, sich selbst immer als so nostalgisch darzustellen, denn das sind wird nicht, wenn wir bloggen und uns über Literatur digital austauschen. Es ist ein Bild, das man von sich geben möchte – ich bin bibliophil, ich bin Nostalgiker, ich bin Traditionalist … jetzt könnte man politisch weitermachen. Warum möchte man sich so darstellen, ist daran irgendwas besser als wenn ich mich für alle Möglichkeiten des Netzes und des Digitalen öffne? Das sind Zuschreibungen und Sichtweisen, die sehr ideologisch sind. Ähnlich mit meiner Zuschreibung von „wir Deutsche“ – ja, da hat immer einen komischen Nachgeschmack – ich meinte damit den deutschen Buchmarkt, der nunmal so heißt und der schon seine aus der Tradition gewachsenen Eigenheiten hat und nicht mit dem amerikanischen oder englischen Buchmarkt zu vergleichen ist.

      Das mit der Aura des Werks in Bezug auf Kunst kann ich sehr gut nachvollziehen, das kann das Digitale nicht nachahmen oder konservieren. Aber einen Text kann nicht nur Papier wiedergeben, sondern eben auch der Bildschirm, ich lese eine Zeitung auch mal als E-Paper und spare dabei noch Papier.
      Die Facebook-Diskussion möchte ich hier nicht weiter führen – es muss jeder selbst entscheiden, ob er über ein soziales Netzwerk kommunizieren möchte und was er da von sich gibt – wir sind ja auch bei Facebook, du lädst Fotos hoch, gibst ein Bild von dir, sehr genau dosiert, aber wir partizipieren am Trend. Der Unterschied ist immer, wofür man es nutzt – dafür sind Bildung und Verstand notwendig. Ansonsten kann ich den ganzen Tag auch Nonsens verbreiten und Hundefotos teilen – dieser Trend zum exzessiven Teilen ist schon sehr merkwürdig. Aber die Welt interessiert es nicht, ob du bei Facebook bist oder nicht, die dreht sich auch so weiter. Das sollte man nicht vergessen, und was wichtig ist im Leben. (nicht auf dich bezogen, meine Laura, sondern allgemein gesprochen) Das Digitale als Hilfsmittel einer neuen Kommunikation, eines neuen Lesens, wie weit man sich selbst mit Technik identifiziert ist dann wieder eine andere Sache, ebenso wie mit Büchern. Da sind wir wieder bei Zuschreibungen. Wie Wortlandschaften schon sagt, es sind letztlich Konsumgüter mit denen man sich nicht übertrieben identifizieren sollte, denn es geht ja um den Text – mit dem kann sich identifizieren, aber doch nicht mit dem Medium. Der Inhalt ist viel wichtiger, denn es soll weiterhin gute Literatur geben und die ist auch im rein digitalen möglich wie einige neue kleine Digitalverlage wie Mikrotext zeigen.

      Ich will sagen, der Leser muss offener werden – wer sich heute der Digitalisierung voll entzieht, der wird große Schwierigkeiten in Zukunft haben und der lebt völlig weltfremd. Ich selbst hatte wie du ja weißt lange kein Internet ( #Neuland ;)) und keine Ahnung und war da immer sehr skeptisch, aber man entwickelt sich ja, öffnet sich und geht einen Schritt weiter. Dabei geht es nicht darum, dass ich nicht auch Taschenbücher kaufe, auch noch mal Briefe oder Postkarten schreibe und mich lieber mit den Menschen treffe, als nur E-Mails zu schreiben, aber auch gern über Literatur und Kunst blogge. Das gehört beides zusammen, aber ich lebe nicht im Digitalen, ich nutze es nur. Den Nutzen und den Umgang sollt man kritisch sehen, sehr kritisch, aber nicht die Entwicklung an sich.

      1. Nachtrag: Leider ist nicht wirklich eine Diskussion entstanden, wenn sich nur 5 Leute beteiligen, ist das nicht wirklich repräsentativ. Ich wundere mich, dass das Thema wenig Anklang findet. Zu langwelig? Zu überholt? Zu wenig provokant? Kann ich nur spekulieren … Wir haben ja auch keinen Millionenzugriff auf unseren Blog, es kommt ja immer auf die Leser an und welche Themen da interessieren … ich wünsch mir immer konstruktiven Austausch auf den die wenigsten Zeit und Lust verwenden wollen, scheinbar … Falsche Erwartung, wahrscheinlich.

      2. Eine klare Grenzziehung mag schwierig und vielleicht auch nicht zielführend sein. Ich denke, es ging in erster Linie um einen bewusst(er)en und kritischeren Umgang mit digitalen Medien. Die analoge Seele habe ich augenzwinkernd verstanden (deshalb der Smilie) und sehe das nicht so bierernst. Natürlich stecken in der Aussage trotzdem ernste Bezüge, denn ich gehe davon aus, dass sich viele Menschen auf Dauer mit dem Digitalen (bewusst pauschalisiert) überfordern. Von daher ist die Bezeichnung in meinen Augen nicht verkehrt.

        Die Sache mit dem Nostalgiker wurde neulich bei SteglitzMind ausführlich besprochen. Wenn ich mich recht erinnere, konnte die Mehrheit nichts damit anfangen. Mich eingeschlossen.

        Eine Facebook-Diskussion wollte ich nicht anstoßen, es ging mir einzig darum, auszudrücken, dass es die persönliche Entscheidung eines jeden ist, in welchem Maße er sich z.B. mit dem E-Book auseinandersetzt. Mag es jemand nicht, muss das nicht gleichbedeutend mit völliger digitaler Verweigerung sein. Ich schätze, dass es sich um einen kleinen Teil handelt, der, aus welchen Gründen auch immer, nie im digitalen Zeitalter angekommen ist. Von daher bezweifle ich, dass der Leser offener werden muss. So wie die Nutzung des E-Books erst einmal nichts anderes als die Fähigkeit zu lesen (und eine Datei auf den Reader zu laden) zeigt, so wenig beweist der Griff zum gedruckten Buch irgendeine Weltfremdheit oder mangelnde digitale Affinität.

        Nur wenige Verlage verlangen für ihre digitalen Ausgaben signifikant weniger, als für ihre gedruckten. Vielleicht nehmen „die Leute“ digitale Texte eher an, wenn sie z.B. die Hälfte eines gedruckten Buches kosten. Dann fragt sich der Autor vielleicht, ist mein Text so wenig wert? Ich glaube, dass die von Dir als skeptisch empfundene Haltung vielleicht ganz andere Hintergründe hat. Ein digitaler Text lässt sich nicht in die Hand nehmen, ein gebundenes Buch schon. Möglicherweise ist das auch zum Teil eine psychologische Komponente, denn der Inhalt unterscheidet sich natürlich nicht. Momentan spielen für mich die Kosten eine Rolle und ich bevorzuge deshalb das gedruckte Buch. Ob sich das jemals ändern wird, selbst wenn der Preis für E-Books fällt, weiß ich nicht.

        Ich halte mich deshalb der digitalen Welt gegenüber nicht für verschlossen, bringe aber eine gesunde Portion Skepsis mit.

        Was den Nachtrag betrifft, denke ich, dass die Erwartungen zu hoch sind (repräsentativ & Blogs schließt sich aus).

    3. Noch kurz zur Laura (ich bin mir nicht sicher, wo das jetzt landet):
      Ja, dahingehend waren meine Erwartungen zu hoch und auch blauäugig. Ich stimme da Martine Paulaskas Kommentar an dieser Stelle in weiten Teilen zu.
      Übrigens hatte Katja vor nicht allzu langer Zeit anscheinend noch eine andere Meinung. 😉
      Auch so ein Beispiel, wo ich etwas Zeit in einen Kommentar investierte und insgeheim gehofft hatte, dass sich da vielleicht ein kleiner Austausch entwickelt, gerade auch aufgrund des Inhalts des Artikels.
      Die Erwartungen sind diesbezüglich bei mir allgemein mit der Zeit in den Keller gesackt, so dass ich nur noch da kommentiere, wo vielleicht auch die Chance besteht, dass mal jemand eine Bemerkung aufgreift und den Faden weiterspinnt.

      Zur Verherrlichung: Ich will niemandem die Freude am Buch kaputtmachen und sehe vieles als Ausdruck der Leidenschaft zum Lesen. Auf meinem Blog gibt es da auch Artikel, die sich um vermeintliche Oberflächlichkeiten drehen, das darf man nicht immer so ernst nehmen. Es muss auch nicht jedem gefallen, genauso wie mir nicht alles gefallen muss. Byung-Chul Han beschäftigt sich in „Müdigkeitsgesellschaft“ mit dem Übermaß an Positivität, die unsere Gesellschaft beherrscht. Sehr interessante Lektüre!

      Eine Krankheit oder ein Symptom des Digitalen Zeitalters ist vielleicht eine geringer werdende Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit (die ich zu bestimmten Zeiten auch bei mir beobachte), die womöglich den klaren Blick trübt. Was das Fotografieren betrifft, habe ich auch manchmal ein ambivalentes Gefühl und kann Deine Gedanken dazu verstehen. Allerdings kann eben auch das genaue Gegenteil der Fall sein. Robert Pfaller werde ich mal recherchieren.

      1. Mein obiger Kommentar bezog sich größtenteils auf Lauras Ausführungen, hätte ich so nochmal kennzeichnen können.

        Was du aber mit einer anderen Meinung meinst, kann ich so nicht nachvollziehen. Es ging bei Ramagens um Online-Kommunikation und nicht um die Frage Digitales oder Analoges. Und dass man eine Meinung auch mal ändert, daher ist sie auch eine Meinung, sollte jedem möglich sein. Sonst kommen wir ja hier nicht vom Fleck. Deine Enttäuschung kann ich da auch nicht verstehen, ich hatte damals einfach nichts mehr dazu zu sagen, das darf einem ja wohl erlaubt sein. Es war alles gesagt und diese Diskussion bei Gesine habe ich damals aus Zeitgründen auch nicht derart verfolgt, daher wusste ich nicht detailiert, worauf du da anspielst. Wir sind uns da wahrscheinlich aber ähnlicher, als du es vielleicht vermutest. Wir führen hier leider keine sehr differenzierte Diskussion, da wir glaube ich ähnliches Leseverhalten haben. Ich kenne Laura lange und gut genug „analog“, dass ich mit ihr nicht über Grundsätzliches debattieren müsste, daher … aber natürlich haben wir beide auch durch unsere unterschiedlichen Beruf anderen Erfahrungen mit Texten, mit der Branche etc. Man sieht vieles anders, wenn man drin steckt …
        Ich hätte mir mehr konträrere Positionen gewünscht – aber so ist das eben, wenn man einen Text ins Digitale hinausschickt, nicht immer trifft er die richtigen, oder ist einfach nicht gut genug, oder keiner fühlt sich herausgefordert und angesprochen, es kommt ja auch immer auf die Blogleser an. Auch interessant. Das zeigt mir, dass sich vielleicht manche angegriffen fühlen und daher aus Prinzip nicht kommentieren und andere überhaupt keine Lust haben auf so einen Austausch. Genau darum ging es ja damals bei Ramagens … Ich sehe nicht, dass sich da meine Meinung geändert hätte. Wenn du das so interpretierst, ist das natürlich eine andere Sache … Man interpretiert Kommentare ja immer, daher bin ich immer noch der Meinung eine tiefgehende Auseinandersetzung ist nur im Online-Medium nicht sachlich möglich. Dazu müssten wir uns kennenlernen, treffen und face-to-face austauschen … Jetzt könnte man mir vorwerfen, ja, warum bloggst du dann, dann lass es doch. Ich möchte gern neue Möglichkeiten ausprobieren und austesten, mich weiterentwickeln und etwas dazulernen, mich nicht allem verschließen. Man wird dann sehen, was draus wird.

        Leider ist das jetzt alles hier etwas durcheinander geworden. Schade, dass sich sonst niemand mit einer anderen Meinung einbringen mag … Nun ja.

      2. Da ich nicht weiß, ob und wie man in den Antworten zitieren kann, versuche ich das der besseren Übersicht halber mit Sternchen zu kennzeichnen:

        *„Mein obiger Kommentar bezog sich größtenteils auf Lauras Ausführungen, hätte ich so nochmal kennzeichnen können.“*

        Entschuldige, dass ich mich eingemischt habe.

        *„Was du aber mit einer anderen Meinung meinst, kann ich so nicht nachvollziehen. Es ging bei Ramagens um Online-Kommunikation und nicht um die Frage Digitales oder Analoges. Und dass man eine Meinung auch mal ändert, daher ist sie auch eine Meinung, sollte jedem möglich sein.“*

        Ich bezog mich auf diesen Satz: „Manch Blogger glaubt, es wäre ein kritischer Umgangston auf Literaturblogs verpönt – so ein Quatsch.“
        Selbstverständlich darf man seine Meinung ändern, nichts Gegenteiliges habe ich behauptet.

        *„Deine Enttäuschung kann ich da auch nicht verstehen, ich hatte damals einfach nichts mehr dazu zu sagen, das darf einem ja wohl erlaubt sein.“*

        Ich hatte von einer leisen Hoffnung gesprochen, nicht von einer Enttäuschung. Es war allgemein gesprochen und nicht auf Dich persönlich bezogen. Natürlich ist es jedem selbst überlassen, wann und auf welchen Kommentar man antwortet. So wie Du Dir hier mehr Aktivität gewünscht hättest, hätte ich mir damals mehr Aktivität gewünscht. Nicht mehr und nicht weniger. Das Leben ist kein Wunschkonzert und meistens kommt es anders als man denkt. No harm done!

        *„Ich hätte mir mehr konträrere Positionen gewünscht – aber so ist das eben, wenn man einen Text ins Digitale hinausschickt, nicht immer trifft er die richtigen“*

        Dann musst Du demnächst eine Beschreibung anfügen, wie der „Richtige“ auszusehen hat, der antworten soll. Ich gebe Dir Recht, dass es online schwierig sein kann, zu diskutieren. Das ist hier ja schon wieder ein gelungenes Beispiel. Ich wollte Dich weder persönlich angreifen oder Schärfe reinbringen, noch habe ich das Gefühl, unsachlich geworden zu sein. Und trotzdem kommt mir das so vor, als wärst Du beleidigt. Die Verlinkung zu Ramagens sollte eine Anekdote sein, an die ich mich erinnerte, als ich Lauras Einleitung gelesen hatte. Für die Zukunft wünsche ich euch viel Erfolg und dass sich nur die richtigen Leute bei euch melden und differenzierter argumentiert wird.

        Im Übrigen glaube ich aber auch, dass unsere Positionen nicht weit auseinanderliegen, auch mit Blick auf andere Kommentare von Dir. Es war ein Fehler, noch mal auf den von Laura geäußerten Part mit der Kritik einzugehen, das habe ich schon mindestens 5 Mal zu oft gemacht! Hinterher ist man immer schlauer! 😉

        Ein (ernst gemeint!) schönes Wochenende wünsche ich euch!

  5. Hallo Wortlandschaften – alles ist gut. Ich fühle mich nicht persönlich angegriffen und bin auch nicht beleidigt. Ich habe nur nicht verstanden, was du damit meinst, ich hätte etwas anders gesehen (denn der Meinung von damals, die du oben zitierst, bin ich immer noch) und was das mit dem damaligen Kommentar zu tun hatte. Und da du mich konkret genannt hast, muss ich das ja auf meinen Kommentar dort beziehen und nicht auf etwas allgemeines … Aber genug davon.
    Ich hoffe, dich jetzt nicht vergrault zu haben, denn es klingt ein wenig so. Das ist mal wieder die Schwierigkeit von Online-Kommunikation, dass man sich missversteht, Dinge interpretiert und Aussagen anders liest als gemeint. Das haben wir beide wohl getan. Aber nichts desto trotz hoffe ich, dass du weiter bei uns kommentierst, wenn du Lust hast, was dazu zu sagen. Viel zu wenige nehmen sich scheinbar die Zeit dafür. Und da sind wir uns ähnlich, ich erhoffe mir auch immer etwas, natürlich ist das Leben kein Wunschkonzert und man erhält nie, was man möchte 😉 Es sollte nicht so aussehen, als würde ich mir meine Kommentatoren aussuchen wollen und wäre unzufrieden mit den hiesigen Beiträgen. Ich finde es nur bezeichnend, dass keiner derjenigen, die sonst so fröhlich bei uns kommentieren, sich hier zu Wort meldet. Nicht mehr und nicht weniger – das lässt jetzt Interpretationsspielraum offen …

    Ich wünsche dir auch ein ganz tolles Wochenende!

  6. @Krushak Sehr kluger Kommentar und sehr spannendes Thema. Du hast scheinbar Recht über das Digitale im Digitalen zu disputieren, bringt nicht so viel, da man nur einen winzigen Bruchteil an Leser ansprechen kann. Jene, die das Potenzial des Digitalen ablehnen, mit denen kommt man leider nicht in Kontakt … Das stimmt.
    Zum Thema Beschleunigung- elektronische Lesegeräte, Netbooks und Tablets erleichtern die Organisation des Lesens, man kann mehr lesen. Natürlich bleibt die Frage, wie man das Gelesene aufnimmt. Es kommt auf die Lesekompetenz an. Ich bin ja eher dafür Bücher langsam zu lesen, mehrfach zu lesen und darüber zu diskutieren, sich auszutauschen. Die meisten Leser beschäftigen sich heutzutage mit Literatur um sich zu unterhalten. Dabei konsumiert man Bücher eher und auf dem E-Reader kann man so mehr Bücher in kürzerer Zeit verschlingen, das ist auch völlig in Ordnung für den Unterhaltungsaspekt. Wer sich etwas anderes von Texten und Büchern erwartet, der wird Texte digital ähnlich lesen, wie er Bücher liest – langsam, Schritt für Schritt, Satz für Satz, nachschlagend, markierend, sich mit anderen darüber austauschen … Wieso sollte das mit einem digitalen Lesegerät nicht auch funktionieren?
    Es ist Humbug dies von vorn herein einfach abzulehnen, zu verteufeln, wenn man sich noch gar nicht damit beschäftigt hat … Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.

  7. Ein guter Post und viele interessante Kommentare. Ich stimme zu, daß die Zeit des Entweder-Oder vorbei ist, und halte es für wichtig, daß man sich über Vor- und Nachteile beider Lese- und Kommunikationsformen bewußt wird.
    Ein beschleunigtes oder oberflächlicheres Lesen auf dem E-Reader habe ich bei mir noch nicht beobachten können.
    Das Argument, daß es um den Austausch über die Inhalte geht, hat mir gefallen. Das sehe ich auch so!

    1. Hallo Norman – herzlichen Dank für deinen Kommentar. Es freut mich, dass sich noch jemand der Wichtigkeit dieses Themas bewusst ist und Lust hat, etwas dazu zu sagen.
      Ich denke auch, dass die Intensität des Lesens nicht unbedingt etwas mit dem Medium zu tun hat. Wohl aber bietet das Internet mehr Ablenkungsmöglichkeit, wenn ich etwas lese. Es gibt schon einen Unterschied zwischen dem Lesen eines Zeitungsartikels und eines Online-Artikels – ich werde womöglich durch Werbebanner oder andere Einblendungen abgelenkt und gestört. Ich habe dann das Gefühl, es könnte etwas noch Interessanteres geben, was ich auch noch lesen möchte und dann lese ich womöglich flüchtiger …? Beim Reader kommt es eben auf den Inhalt an, den ich mir ansehe. Es ist ja „nur“ der Datenträger und man sollte sich in der Diskussion um das „Sterben des klassischen Lesens“ nicht zu sehr um das Medium streiten. Auf den Inhalt kommt es an und der sollte gut macht sein. Einen schönen Abend wünscht Katja

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