@bout … Muromez

Wir dürfen euch diesmal einen Blog vorstellen, dem wir schon länger folgen, der ganz fein und leise, aber tiefgehend und voller Leidenschaft für Sprache und Literatur Gelesenes rezensiert, ohne nur dahinzuplappern: Muromez. Hinter diesem interessanten Blognamen steckt Ilja Regier, über den ihr hier mehr erfahrt: http://muromez.wordpress.com/wer/

Wir freuen uns sehr, dass Ilja bereit war und die Zeit gefunden hat mitten in den Wirren des Sommers unsere neugierigen Fragen zu beantworten – danke dafür. Ab geht’s …

@bout … Muromez

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Warum bloggst du und worum geht es in deinem Blog?

Allgemein geht es „lediglich“ um (rezensierte) Literatur. Hin und wieder hinterlasse ich auch mal ein paar Gedanken, die mir nachts beim Schmöken auf dem Balkon durch die Birne gehen und die ich beim Aufwachen wieder verdrängt hätte. Deswegen schätze ich die Funktionen eines Blogs: gegen das Vergessen anzukämpfen und dass andere wiederum manchmal tatsächlich dadurch erreicht werden können. Außerdem lese ich durchs Bloggen wahrhaftig intensiver. Mache mir irgendwelche (imaginäre) Notizen. Untersuche nach Beendigung irgendwelche Passagen noch mal etc. pp. Werde darüber hinaus kreativer. Verbessere mein Schreiben.

Welche Art und welches Genre der Literatur bevorzugst du?

Grenze mich da überhaupt nicht ein. Sicher, Fantasy ist nicht so mein Ding und dem ganzen Erotik-Hype, respektive anderen Modeerscheinungen, kann ich ebenfalls wenig abgewinnen, aber ansonsten kommt querbeet alles vor die Linsen, was mich in irgendeiner Weise tangiert oder anzusprechen vermag.

Worin besteht für dich ein gutes Buch?

Wenn das Einfühlungsvermögen angeregt wird. Wenn man sich nach Beendigung ärgert, dass Figuren dich zukünftig nicht mehr (abends) begleiten und wieder verschwinden werden. Wenn alles stillsteht. Wenn man an nichts anderes mehr denken kann, als endlich das Buch aufschlagen zu können. Wenn Authentizität vorhanden ist. Wenn im Roman die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwinden.
Das sind nur so einige Kriterien. Einen Masterplan oder eine Formel für ein gutes Buch gibt es nicht. Vielmehr kommt es auch auf den Gefühlszustand während des Rezipierens an. Interessiert mich das Thema gerade wirklich? Lese ich momentan unter Druck? Ein überdurchschnittliches Werk entwickelt sich im Verlauf des Lesens. Manchmal dauert es ebenso Wochen/Monate, fordert Überlegungen, bis ich begreife, dass es wirklich genial war.

Welche Autoren/Künstler haben dich besonders beeindruckt oder beeinflusst?

Da gibt es mehr als eine Handvoll, wobei ich eher von beeindrucken sprechen würde. Um zwei zu nennen: Jeffrey Archer wäre einer davon – für mich der beste Geschichtenerzähler überhaupt! Tomás González, den ich neulich entdeckt habe und der ein grandioser Autor ist.

Was möchtest du mit deinem Blog erreichen?

Hab mir keine besonderen Ziele gesetzt, schaue stattdessen gespannt zu, wohin er sich „eigendynamisch“ entwickelt.

Die 5

Nenne ein Buch, das dich zum Lachen bringt!

Mikael Niemi – Populärmusik aus Vittula: Sah zuerst die filmische Adaption dazu, im Spätprogramm ohne bewusst eingeschaltet zu haben und orderte mir danach sofort das Buch. Die Geschichte spielt in Schweden und beherbergt so manche urkomische Situation.

Nenne ein Buch, das dich zum Weinen bringt!

Tomás González – Das spröde Licht: Der Autor ist für mich die Entdeckung des Jahres und, wie mir scheint, hierzulande fast gänzlich unbekannt – jammerschade! Einige Personen aus meinem Umkreis konnte ich allerdings mit dem González-Fieber anstecken.

Nenne ein Buch, bei dem für dich die Zeit still steht!

Jeffrey Archer – Kain und Abel: Ohne Skrupel, setzte bei der sonst ausgeprägte und regelmäßige Appetit beim Lesen zwischenzeitlich aus, was nur ganz selten vorkommt. Es mag vielleicht Archers bestes Buch sein, in dem er zwei Personen zeichnet, die sich irgendwann während ihres Lebens begegnen, zu Konkurrenten werden und sich auszuspielen versuchen. Dieser epische, spannende und flüssige Roman gehört zu meinen All-Time-Favs.

Nenne ein Buch, das dich enttäuscht hat!

Nicolai Lilin – Freier Fall: Mittlerweile neige ich nicht mehr zu vielen Fehlgriffen. Was sich der Autor hier aber leistete… Wobei sein Erstling „Sibirische Erziehung“ noch ziemlich gelungen war. „Freier Fall“ ist autobiografisch geprägt und arbeitet die Kriegsvergangenheit des Autors ab. Soll alles ganz hart sein, schwappt aber so was von an der Realität vorbei. Viel mehr Quatsch mit Soße. Protagonist bewegt sich zu sehr im Superhelden-Modus, was zum Super-GAU führte.

 Nenne ein Buch, das dein Leben verändert hat!

„Hagakure!“

Möchtest du uns und der Welt noch etwas mitteilen?

Dank geht an die Eltern (Oscarverleihung-like) und an Gugu, die mich gerade zwingt, den Müll runterzubringen…

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9 Gedanken zu “@bout … Muromez

  1. Hallo Ilja, Laura und Katja,
    ich finde die Funktion des Blogs, gegen das Vergessen anzukämpfen auch genial.
    Seit ich Blog führe (März 2009) habe ich soviele meiner Gedanken konserviert, das ich manchmal beim Nachlesen erstaunt bin, was so alles in meinem Kopf vorgeht.
    Ich hätte mir nicht vorstellen können, was ein Blog bewirken kann und wieviele nette Menschen ich dadurch (auch reall wie euch, Laura und Katja) kennen lernen würde!
    Einen schönen Dienstag euch von Susanne

  2. Wow, ich danke euch für diese schöne Vorstellung, die ich sehr gerne gelesen habe! 🙂 und einen tollen Buchtipp nehme ich daraus auch noch mit, denn Jeffrey Archer war in meinem Leseleben bisher noch nie auf dem Radar aufgetaucht.

  3. Merci für das schöne Interview! Muromez ist ein Blog, den ich sehr schätze und dem ich gerne folge. Und ich danke Ilja für den Empfehlungen – weder Jeffrey Archer noch Tómas Gónzales kannte ich, aber beide klingen ganz hervorragend.

    Liebe Grüße an alle.

  4. Liebe Laura, liebe Katja, lieber Ilja,
    vielen Dank für das tolle Interview. Ich kann nur zustimmen, dass das Lesen durch das Bloggen viel intensiver wird, weil es ja auch um die Verfestigung der Gedanken beim Schreiben geht (ganz, ganz freies Zitat :-)). Und Muromez folge ich auch seit meinem Blogger-Beginn. Hier sind immer wieder ganz ungewöhnliche Bücher zu finden, über die ich sonst rein gar nichts erfahren würde.
    Viele Grüße, Claudia

    1. Ja biddschee =) Wir freuen uns auch! Vor allem über die interessanten Einsichten, den angenehmen Austausch und die spürbare Liebe zum Besonderen im geschriebenen Wort. Dank dir! Schönen Abend – Katja

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