Nina George: „Das Lavendelzimmer“, 2013

George_Das LavendelzimmerVorab: Ja, es ist ein Frauenroman. Ja, es ist stellenweise sehr schnulzig und romantisch-verklärt. Wenn man allerdings genau so etwas gerade braucht (soll vorkommen), und man bereit ist, über die eine oder andere kitschige Sex- oder Liebesszene hinwegzusehen, ist es eine interessante und bereichernde Leseerfahrung. Eben was fürs Herz!

Dieses Buch ist eine riesige weiche violette Wolke, die dezent nach Lavendel duftet und einen ganz einhüllt. Eine Medizin für an Liebeskummer Leidende aus der literarischen Apotheke des Jean Perdu…

Jean Perdu (und es ist sicher kein Zufall, dass sein Nachname an das frz. Verb perdre=verlieren denken lässt) ist der männliche Protagonist in Nina Georges Roman. Er lebt seit Jahren als Buchhändler in Paris und verfügt über eine besondere Gabe: Er erkennt, was seinen Kunden, die zu ihm auf das Bücherschiff (Die literarische Apotheke) finden, fehlt und verabreicht ihnen genau die richtige Medizin, soll heißen: das richtige Buch. Wer wünscht sich nicht einen solchen Buchhändler vor Ort!
Doch Jean Perdu fehlt selbst die richtige Medizin um komplett glücklich zu sein. Abgesehen von seinen sozialen nachbarschaftlichen Kontakten ist er allein. Bis Cathérine neben ihm einzieht und er gezwungen ist, einen Raum seiner Wohnung zu betreten, den er seit 21 Jahren versucht hatte, zu vergessen. Und das „Lavendelzimmer“ beinhaltet dann auch noch einen Brief der Frau, die ihn vor Jahren verließ…

Manchmal muss man ungewöhnliche Wege wählen, um sich der Vergangenheit zu stellen. Das ist die Aussage dieses Buches. Darüber hinaus ist es ein Roman über die Liebe, Abschied und Verlust, vor allem aber über die Liebe zum Leben.

Da manche Liebesszenen aus einer arg simplen Satzstruktur mit zugleich blumigen Umschreibungen bestehen und manche Situationen zu inszeniert komisch wirken wollen, seien alle jene Leser gewarnt, die nicht viel mit „Weichspüllektüre“ anfangen können oder gerade lieber was richtig „Anspruchsvolles“ suchen. Dennoch, und nur deshalb stelle ich euch dies Buch auch vor, kann man diesen Roman liebgewinnen. Sei es der kauzige Bücherliebhaber mit seinem Schiff, seien es die Katzen Kafka und Lindgren, sei es sein Begleiter, der jung-naive Schriftsteller Max Jordan, oder die zahlreichen Hinweise auf Bücher, die das Leben verändern können (nein, nicht Nicholas Sparks) oder die Sehnsucht nach dem Süden Frankreichs mit seinen Lavendelfeldern… George_Das Lavendelzimmer1

Dieser Roman ist eine Liebeserklärung (der Autorin) an das Leben mit Büchern, an die Liebe und die Sehnsucht, die uns antreibt. Und am Schluss erlebte ich sogar noch eine positive Überraschung; denn man entdeckt auf den letzten Seiten nicht nur leckere Rezepte der im Buch verzehrten Gerichte, sondern humorvoll-anspruchsvolle Buchtipps aus der literarischen Apotheke!

Nina George: Das Lavendelzimmer, 2013 erschienen bei Knaur.

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2 Gedanken zu “Nina George: „Das Lavendelzimmer“, 2013

  1. Hallo Laura,
    mit Neugier habe ich Deine Rezension über den neuen Roman von Nina George gelesen. Vor einem Jahr etwa las ich ihr Debut, Die Mondspielerin. Dieses Buch ist ebenso ein wundervoller, kleiner Roman, der zwar auch etwas kitschig anmutet, aber dennoch schön, ja Herz erwärmend, ist. Danke! Wieder ein Buch mehr auf der Lesewunschliste 😉
    LG,
    Allics

    1. Liebe Allics,
      dann weißt du ja in etwa, was dich erwartet 😉 Man muss einfach wissen, dass es violett-wattig wird, dann kann man das Buch genießen. Und natürlich sollte man Lust auf diese Art Literatur haben. Immer kann ich sowas auch nicht lesen.
      Freut mich auf jeden Fall, wenn ich dich neugierig machen konnte!
      LG Laura

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