Künstler im Gespräch #1 Zeichnerin Susanne Haun

@boutsomething möchte mit dieser neuen Interview-Reihe in Abständen Künstler und Autoren vorstellen, deren Werk uns beeindruckt und auf eine eigene Art fasziniert. Dazu besuchen wir die Künstler oder treffen uns zum Gespräch. An unseren neugierigen Fragen werden wir euch hier teilhaben lassen, damit ihr einen ganz persönlichen Eindruck erhaltet.

Den Anfang machen wir mit einem Besuch bei der Berliner Zeichnerin Susanne Haun. Die äußerst sympathische gebürtige Weddingerin lernten wir wiederum über ihren Besuch auf unserem Blog kennen und es entstand ein interessanter Austausch.

Susanne Haun, die von sich selbst sagt, die Zeichnung sei für sie wie ein zusätzliches Sinnesorgan, kann bereits auf eine lange Reihe internationaler Einzelausstellungen sowie Gemeinschaftsausstellungen zurückblicken. Seit 2011 studiert sie außerdem Kunstgeschichte an der FU Berlin.

Auf ihrem Blog berichtet Susanne Haun regelmäßig von ihrer Arbeit, die sie auch in Bild und Text zeigt, und damit für den Leser und Betrachter sehr persönlich thematisiert. Er ist ihr Sprachrohr. Dort tritt sie direkt aus ihrem Künstleratelier in Kontakt mit der Welt. Das macht die Künstlerin u.a. so sympathisch und interessant. Wir durften heute Susanne in ihrem neuen Weddinger Atelier- und Wohnraum besuchen, um mit ihr über die Beweggründe und die Entstehung ihrer vielfältigen und beeindruckenden Tusche-Zeichnungen und Druckgrafiken zu sprechen.CIMG4235  

Wann hast du begonnen, dich als Künstlerin wahrzunehmen?

Das war 1989. Da hab ich das erste Mal Sachen von mir auf dem Kunstmarkt in Spandau gezeigt.

Wenn man sich das erste Mal dem Publikum zeigt, dann fängt man an eine Wahrnehmung für die Kunst zu bekommen. Wenn ich zurückschaue, merke ich bei mir dann eine Entwicklung. Auch jetzt noch. Ich stelle immer fest, dass ich jedes Jahr mehr weiß. Wie z. Bsp. bei der Beschäftigung mit dem Antonius oder jetzt bei Dürer, mit dem ich mich im Rahmen eines Uni-Seminars beschäftige. Aber ich denke, das erste Mal, das war der Mut sich nach außen zu zeigen.CIMG4231

Arbeitest du mit einer bestimmten Galerie zusammen?

Ja, ich arbeite grundsätzlich gern mit einer Galerie zusammen. Aber eigentlich funktioniert meine Vermarktung am besten zusammen mit meinem Blog in Eigenregie … Das liegt aber daran, dass ich noch nicht die Galerie gefunden habe, mit der ich harmonisch zusammenarbeite. Um von einer Galerie richtig vertreten zu werden, gehören viele Dinge dazu  – nicht nur die Bilder aufzubewahren, sondern auch eine Präsentation der Künstler (Faltblatt, Katalog etc.), das Finden von Käufern, Messevertretung etc.CIMG4242

Womit beschäftigst du dich thematisch zurzeit in deiner Kunst?

Zurzeit beschäftige ich mich mit der Vergänglichkeit und dem dem Vergehen der Zeit. Das hat auch persönliche Gründe. Ich habe Bereiche meines Lebens abgeschlossen und studiere zusätzlich zur Zeichnung Kunstgeschichte und Philosophie. Man macht sich das erste Mal über den Tod Gedanken, wenn man einen Lebensabschnitt abgeschlossen hat. In einer familiären Situation denkt man ja eher nicht darüber nach, weil man mit anderem beschäftigt ist. Ein großer Aspekt ist, dass ich ein Hirnaneurysma habe (vor 5 Jahren hatte ich eine Hirnblutung und ich hatte großes Glück, weil das ja nur 5 % überhaupt überleben) und durch diese Krankheit lebe ich mit der Endlichkeit. Jeder Tag ist für mich ein Geschenk.

Was hat dich bisher am meisten inspiriert in deinem Leben?

Alles eigentlich. Manchmal leide ich an Reizüberflutung. Ob es ein Buch ist, ob es ein Film, ein Spaziergang, die Natur ist. Es kommt darauf an, worauf ich den Fokus setze. Um mich zu sortieren, habe ich angefangen, mir Themenbereiche zu suchen. So kann ich strukturierter arbeiten. Das Leben ist einfach eine Reizüberflutung. Ich gehe dann nach dem Ausschlussprinzip vor und überlege, was ich machen will und streiche dann anderes zugunsten eines bestimmten Themas. Auch Fotografie und Malerei interessierten mich immer sehr, aber ich bin dann bei der Zeichnung geblieben.

CIMG4238Mit welchen Materialien arbeitest du am liebsten?

Mit Tusche, Feder und Pinsel. Am liebsten auf Aquarellpapier, 200g dick. Mit Drucktechniken arbeite ich gern, aber ich zeichne täglich aus.

Zu welcher Tageszeit bist du am produktivsten?

Definitiv morgens. Ich steh meist 6 Uhr auf. Dann fang ich sofort an mit den Arbeiten, Stillleben vor allem. Ich mag die morgendliche Stille, ich freu mich auf den Tag, der langsam erwacht, wenn die Stadt noch schläft … Früher hab ich immer gezeichnet, wenn mein Kind noch geschlafen hat und das hab ich dann  so beibehalten.

Beeinflussen dich gelesene Bücher in deiner künstlerischen Ausdrucksweise?

Ja, auf jeden Fall. Bestimmte Sätze zum Beispiel beeindrucken mich sehr. Ich lasse mich sehr von Literatur inspirieren. In letzter Zeit haben mich Philip Roths Bücher, die er im Alter schrieb und Gustave Flauberts „Die Versuchung des heiligen Antonius“ sehr inspiriert. Literaturtipps von Blogs wie dem euren inspirieren mich auch sehr. Nur mir fehlt oft die Zeit zum intensiven Lesen.

Wenn du eines deiner Bilder wärst, was würdest du dir wünschen?CIMG4237

Ich beschäftige mich gerade mit Albrecht Dürer und finde seine Motive auch bei mir wieder. Ich wäre gern eine Mischung aus mir selber, den gehörnten Tieren (Ziege und Widder) und den Totenköpfen.

Welches Verhältnis hast du zu deinen abgeschlossenen Werken?

Ich finde das sehr interessant mir meine alten Bilder anzuschauen und mag das sehr. Bestimmte Bilder hänge ich auch thematisch bei mir auf, auch ältere Arbeiten. Ich mag es, sie zu betrachten und darüber nachzudenken, ob ich heute was anders machen würde. Dann erkenne ich selber, was gut ist oder was weniger gut. Ich beurteile diese dann und reflektiere meine Gedanken, so sortiere ich mich und meine Arbeiten. Dann gehe ich oft in Gedanken nochmal durch, welche Arbeiten ich für gelungen halte. Was in meinen Schubladen ist, zeige ich gern, das sind jene Arbeiten, auf die stolz bin, das sind meine liebsten Arbeiten. Ich und meine Zeichnungen verändern sich Jahr für Jahr und das ist sehr spannend.

Wir danken Susanne Haun sehr für diesen persönlichen Einblick in ihr Atelier, ihr Leben und ihre Kunst und freuen uns auf den weiteren interessanten Austausch mit ihr.CIMG4243

Ihr könnt Susanne Hauns Arbeit direkt auf ihrem Blog verfolgen, oder sie auch auf  Facebook und Twitter kontaktieren:

Website: http://www.susannehaun.de/

Blog: http://susannehaun.com

Twitter: https://twitter.com/SusanneHaun

Facebook: https://www.facebook.com/susanne.haun

Susanne freut sich über jegliches Interesse an ihrer Kunst und Besuch in ihrem Atelier:

Groningerstr. 22, 13347 Berlin
T. +49 030 43 00 45 72
M. +49 0177 232 80 70
info@susannehaun.de

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8 Gedanken zu “Künstler im Gespräch #1 Zeichnerin Susanne Haun

  1. Liebe Katja, liebe Laura,
    das ist ja eine tolle Idee mit den Künstlerinterviews, Und dieses hier hat mir schon sehr gut gefallen, weil ich einen kleinen Einblick in Susannes Arbeitsweise gewinnen konnte, welche Bedeutung Literatur für sie hat, wann sie arbeitet, welche Themen sie interessieren. Außerdem meine ich ein Bild Dürers auf dem Bild erkannt zu haben -„Melancholie“ -, auf das ich gerade im Zusammenhang mit Marion Poschmanns Hundenovelle gestoßen bin. Was für ein Zufall!
    Viele Grüße, Claudia

  2. Danke schön! Freut uns sehr, dass es euch gefällt, was wir uns so einfallen lassen. Uns hat der Besuch bei Susanne total Spaß gemacht und auch inspiriert! Liebe Grüße aus dem herbstlichen Berlin, Laura von aboutsomething

    1. Ich folge schon länger Susannes Blog und finde ihre Arbeiten sehr stark. Sie hat tolle Ideen und totalen Power. Ihr Blog inspiriert mich immer wieder. Deshalb gefällt mir die neue Reihe sehr gut. Ich finde interessant über andere Künstler und ihre Arbeitsweisen zu erfahren. Liebe Grüße von Roswiha

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