Clemens Setz: Indigo (2012) – Assoziationen

Indigo“ ist ein besonderes Buch, daher dachten wir, müssen wir mal eine andere Form für unsere Besprechung finden. So präsentieren wir euch diesmal in ein wenig unorthodoxer Form unser Gedanken (die unabhängig voneinander entstanden und sich daher teils doppeln, teils stark unterscheiden) bruchstückhaft und assoziativ. Macht euch selbst ein Bild!Clemens Setz_IndigoDer Inhalt:

Katja: absurd + verwirrend +bruchstückhaft + nicht linear erzählt + Was ist die Story? + Worum geht es dem Autor eigentlich? + Indigo-Kinder bringen andere Menschen in ihrer Umgebung dazu sich körperlich krank zu fühlen und werden abgesondert in Schulen + Der Autor Clemens Setz als fiktive Figur im Roman + Robert Tätzel als Indigo-Kind + Hochbegabte Kinder und wie die Gesellschaft mit ihnen umgeht + Gesellschaftskritik? + Satire + Ironie + Krimi-Elemente: Wieso hat der Lehrer Clemens Setz den Tierquäler getötet? Wer war der Tierquäler? + Sci-Fi: Zukünftige Welt, die aber nicht so zukünftig erscheint, weil vieles davon jetzt schon Realität ist + Film- und Comic-Zitate – Batman + Verwirrspiel + Textsortenmisch + Romankonstruktion + fehlender roter Faden + Collagenstil + reale + radikales Verwirrspiel mit der Perspektivität + Wikipedia-Artikel belegen genaue Recherche und realen Hintergrund des Romans + Gibt es diese Helianau als Center für besondere Schüler in der österreichischen Steiermark? + Autorenbiographie als fiktive Metaebene + Funktion der Autorenbiographie ad absurdum geführt

Laura: verwirrend + bruchstückhaft + Protagonist mit Namen des Autors + Affen + Tierversuche + Zonen-Kinder + mathematisch + strukturiert + maskulin + Chuck Norris + Mappenprinzip + nerdig + Puzzle + Begegnungen + freakige Charaktere + technikaffin + Schwindelgefühl + schockeffektiv + recherchegetrieben + nicht aus einem Guss + sperrig + Esoterikphänomen adaptierend + Ausgeschlossenheit + Einsamkeit + DISTANZ + übersinnlich + merkwürdig + Schriftartvielfalt + phantasievoll + konstruiert

Die Sprache:

Laura: irritierend + metaphorisch + verknüpft + gekonnt + nicht alltäglich + Stolpersteine + emotionslos + bildhaft + humorvoll + teilweise bemüht poetisch + streckenweise anstrengend überambitioniert + ungewöhnlich + vielfältig + experimentell + sarkastisch

Katja: kreatives eindrückliches Sprachbildchaos + erzählerisch dicht am Fantastischen + Mikrokosmen im Makrokosmos Dabei seltsam emotionslos, aber lebendig und stark + kalt + eine Mauer zwischen Leser und Figur + weibliche Figuren berühren mich nicht, sondern verwirren, ohne Charakter + kranke, wirre Ideen und Phantasie in Bezug auf Sex (Bukkake, Sperma im Sektglas) und zwischenmenschliche Beziehungen + eigenwillige Sprachbilder, über die man stolpert + eigenartige Vergleiche + spannend witzige und kurzweilige Dialoge + starke Dialoge der Figuren mit absurdem Witz + plastisch eindrückliche Beschreibungen + bedrückende Atmosphäre + unklare Emotionen + Einsamkeit der Andersartigen in Sprachlichkeit eingefangen + poetisch? nein+ schön? nein + interessanter, beeindruckender und stark assoziativer gestischer Sprachstil + irre Phantasie + böse-absurd

Die Empfehlung:

Katja: mein erster Clemens Setz + Interesse an mehr: ja + Was will Clemens Setz? + Sind seine Figuren immer so kühl? + Kann er warm und poetisch erzählen? Auf jeden Fall dichte, lebendige, phantasievolle und anschauliche Sprachlichkeit, teilweise starker Gestus mit Montage-Prinzip + Leseempfehlung für Clemens Setz-Freunde und Fans von D.F. Wallace zum Vergleich, aber längst nicht so gut + eigene Meinung bilden + nicht abschrecken lassen + liest sich nicht flüssig, sondern bruchstückhaft + man muss dran bleiben und zu Ende lesen + das Ende hinterlässt einen unbefriedigt und verwirrt + Steckt da Kalkül dahinter oder hat man nichts verstanden oder hat Clemens Setz sich da übernommen?

Laura: für Herausforderung Suchende + für Anspruchsvolle + für Mitdenker + für alle, die das Andersartige und Außergewöhnliche mögen + für Fans des „schönen Buches“ und Haptikversessene + für jene, die sich gern auf der Schwelle zwischen Fiktion und Realität bewegen + nicht für Identifikationssuchende + nicht für Liebhaber der seichten und leicht zugänglichen Literatur + keine Urlaubslektüre + Tipp: mehrmals lesen

Zitat:

Laura: „Ein wie Zellophan glänzender Sonnenstrahl kroch über den Boden, knickte an der Wand ein und lief bis zu einem großformatigen abstrakten Gemälde, auf dem runde Formen gegen eckige kämpften.“

Irgendwann gewöhnt man sich gegen alles.“

(das trifft sowohl Inhalt als auch Sprache des Buches ganz genau!!!)

Katja: „Wie machen das die Männer, die sagen, ich gehe nur kurz Zigaretten holen, und dann nie wieder auftauchen? Es muss sie doch geben, irgendwo auf der Welt laufen sie alle herum, diese Horden Zigaretten-Flüchtlinge, sie sitzen in kalten Hotelzimmern, ohne Reisepass, ohne Kreditkarte, ohne viel Bargeld, und warten. Worauf? Vielleicht ist es ein uraltes Geheimnis der Zigarettenautomaten selbst, ein geheimer Code, den man durch Drücken verschiedener Markenknöpfe eingibt, und dann öffnet sich die Box mit einem zischenden hydraulischen Geräusch und gibt einen Gang in die Unterwelt frei. Von allen Städten der Erde, durch die Öffnungen an Straßenecken und in Wänden öffentlicher Toiletten, steigen die Männer hinab in die Stollen, begrüßen einander mit einem knappen Nicken, denn ihnen ist nicht nach Sprechen zumute, viel zu lange sind sie zu Hause von ihren Frauen und Kindern gefragt worden, wie es ihnen geht und wohin sie gehen und wann sie wiederkommen, und sie folgen den leuchtenden Hinweisen bis zur Großen Unterirdischen Transitstation, dem geheimen Umschlagplatz all jener, die aus ihrem Leben aussteigen wollen“ (S. 110)

Clemens J. Setz: Indigo. Suhrkamp-Verlag Berlin 2012

Linktipps: 

Clemens J. Setz und Romanfigur Robert Tätzel im Interview

Literaturkritik von „Indigo“ in Glanz & Elend

 

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5 Gedanken zu “Clemens Setz: Indigo (2012) – Assoziationen

  1. Liebe Mädels, ich finde eure Idee super – denn oftmals fehlt es mir leider einfach an Zeit und Muse lange Rezensionen zu lesen 😯 Zudem hat das Format durchaus nen informativen Wert. Ich fühle mich in dem Fall übrigens ein bisschen näher an Katjas Gedanken zu „Indigo“, z.B. weil ich den Vergleich zu Wallace hilfreich finde. Nur solche Wiederholungen wie „+ spannend witzige und kurzweilige Dialoge + starke Dialoge der Figuren mit absurdem Witz“ hätte man für noch mehr Kürze-Würze ruhig zusammenfassen können 😉 Lg, Karo

    1. Ja liebe Karo – da hast du völlig Recht. Mein generelles Problem schon seit Unizeiten – ich laber zuviel, ich KANN MICH NICH KURZFASSEN. Kürze-Würze ist echt nicht meine Würze. Es ist eine Herausforderung sich mal richtig kurz zu fassen für den Blog, das gelingt mir meist nicht. Das weiß ich und muss damit leben oder mich anstrengen, es zu verändern. Daher hab ich auch nicht die professionelle journalistische Laufbahn eingeschlagen, denn kurz und knackig ist nicht mein Thema, obwohl ich redaktionell arbeite. Wohl dem, der das kann und dennoch in die Tiefe geht. Vielleicht sollten wir uns für die Rezis generell Wortvorgaben vornehmen. Danke für die konstruktive Kritik!
      „Indigo“ ist auch einfach nicht so leicht lesbar und eben nicht mit einer einfachen typischen Inhaltsangaben-Rezension abgefrühstückt. Dann hätte der Leser unseres Blogs nichts davon und keinen Mehrwert. Aber ich laber schon wieder zuviel … 😉

      1. Haha, das Problem kenn ich! Kann man aber lernen – einfach rigoros zusammenstreichen…ansonsten ist es natürlich jedem auf seinem Blog selbst überlassen, wie ausführlich er schreiben möchte. Diese Freiheit ist ja gerade das Wunderbare! Ich finde es bei diesem Assoziationsspiel sogar hilfreich, dass du deine Stichwörter zum Teil noch präzisiert hast, z.B. „Krimi-Elemente: Wieso hat der Lehrer Clemens Setz den Tierquäler getötet? Wer war der Tierquäler?“ Aber ich will jetzt auch nicht oberlehrerinnenhaft klingen, sondern einfach nur, dass ihr zwei das in Zukunft auf jeden Fall nochmal macht 😉

  2. Ich bisher auch nur ein Buch von Clemens Setz gelesen, allerdings nicht Indigo, sondern Die Frequenzen, und war unfassbar begeistert und berauscht, obwohl ich mindestens so verwirrt war wie nach eurer Lektüre von Indigo. Ich liebe Setz‘ schräge Figuren, Dialoge und Sprachbilder, so sehr, dass es mir fast egal ist, dass ich orientierungslos durch die Geschichte irre. Dieses Werk hier und auch seine Erzählungen Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes liegen noch zur Lektüre bereit, vor beidem wurde ich bereits mehrmals gewarnt, da sie ungleich düsterer und verstörender sind als Die Frequenzen, dennoch freue ich mich drauf. Es muss nur der richtige Moment kommen.

    1. Von deiner Begeisterung über „Die Frequenzen“ hatte ich gelesen und sie hatte mich auch tatsächlich neugierig auf Clemens Setz gemacht. „Indigo“ hat mich mehr verwirrt und irgendwie unbefriedigt zurückgelassen, als das ich begeistert und berauscht gewesen wäre. Allerdings hält mich das nicht generell davon ab, nochmal ein Buch von ihm zu lesen. Die Faszination über schräge Figuren etc die du beschreibst erlebte ich eher bei David Foster Wallace, mit dem Setz ja manchmal verglichen wird. Ich finde, DFW hat Setz da noch einiges voraus… aber vielleicht muss ich auch von beiden noch mehr lesen 🙂
      Der richtige Moment kommt sicher auch bei mir mal für noch weitere Setz-Lektüre. LG Laura

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