@bout: „Sonntag mit Proust“ – Fortsetzung folgt

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Die Umfrage hat klar ergeben: Es geht weiter. Ich werde meine Proust-Lektüre auch dieses Jahr mit euch teilen und in (unregelmäßigen) gewissen Abständen jeweils am Sonntag Zitate oder Gedanken zur Lektüre mitteilen.
Dies widerlegt also eindeutig meinen vagen Eindruck, es lese niemand „mit mir“, worüber ich mich natürlich umso mehr freue. In Proustschen Worten:

„Ein behobener Irrtum beschenkt uns mit neuem Sinn.“

In diesem Sinne starte ich also in ein weiteres Proustjahr mit einem Zitat aus dem aktuell von mir begonnenen Band: „Sodom und Gomorra“ (4.1).

„Jetzt, da das Abstrakte wirkliche Gestalt angenommen hatte, besaß das endlich erkannte Wesen auf der Stelle seine Macht nicht mehr, unsichtbar zu bleiben, und die Umwandlung von Monsieur de Charlus in eine neue Person war so vollständig, daß nicht nur die Kontraste in seinem Mienenspiel, seiner Stimme, sondern rückblickend auch der jähe Wechsel in seinen Beziehungen zu mir, alles was mir bislang im Geiste unvereinbar erschienen war, nunmehr verständlich wurde, augenfällig wie ein Satz, der keinen Sinn hat, solange er in seinen einzelnen Lettern willkürlich zerlegt erscheint, jedoch wenn diese in richtiger Ordnung wieder aneinandergefügt worden sind, einen Gedanken ausdrückt, den man nicht wieder vergessen kann.“

Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, Teil 4.1: Sodom und Gomorra. Dtsch. von Eva Rechel-Mertens, Frankfurt: Suhrkamp, 1982, S. 25.

SonntagmitProust

Proust lesen bedeutet für mich, sich der Welt und ihrer Wahrnehmung aus einem neuen Blickwinkel heraus zu nähern. Die Lektüre entschleunigt mein Leseleben, sie hält mich auf und hält mich fest, auf die angenehmste Weise, wie es Literatur vermag. Ich lese Proust „in Wellen“, mal sind seine Worte präsenter, mal kaum vorhanden, aber sie sind immer da und warten auf mich. Und ich freue mich auf die Fortsetzung meiner Lektüre – gemeinsam mit euch.

Zuletzt noch ein Statement Alain de Bottons zum Proust-Lesen: ja oder nein?:

Alain de Botton: „Proust eignet sich nicht für jeden. Er ist sehr langatmig, und an manchen Stelle hätte ein Lektorat nicht geschadet. Die Aufmerksamkeitsspanne, die er einem abfordert, ist enorm. Deshalb kann ich Leute gut verstehen, die sagen, das ist mir wirklich zu anstrengend. Man kann auch ohne Proust ein wunderbarer Mensch sein. Den Sprung zu wagen ist trotzdem eine gute Idee. Erst einmal ist die „Recherche“ ja gar nicht so lang, bloß sieben Bücher. Sie scheinen nur so lang, weil sie unter einem großen Titel stehen. Es handelt sich um einen philosophischen, einen Bildungsroman, dessen Erzähler auf der Suche nach dem Sinn des Lebens ist, so wie wir alle. Obwohl der Roman im Frankreich des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts spielt, ist die Geschichte universell.“

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Ein Gedanke zu “@bout: „Sonntag mit Proust“ – Fortsetzung folgt

  1. Guten Morgen, Laura,
    anstrengend ist er, der Proust, aber immer wieder sehr inspirierend. Ich kann sehr gut zeichnen während ich ihn höre. Mein Gehirn sucht sich dann prägnante Sätze heraus und während ich mich auf die Zeichnung konzentriere höre ich nur eine angenehme Stimme im Hintergrund.
    Ich freue mich auf die Proust Zitate, die kommen werden,
    Liebe Grüße von Susanne

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