Notizen zur Lektüre: Bernhards „Der Atem“ II

Wir lesen Thomas Bernhards autobiographische Rückschau „Der Atem“ und notieren wöchentlich unsere Eindrücke vom Text.

Teil II (Seite 18-29)

Inhalt:

Medikamente für deutlichere Wahrnehmung der Umgebung – Krankensaal = Sterbezimmer – Körper im Zerfallsprozess – Sterbevorgang bewusst werdend in Rückschau – Geräusche anderer Menschen – Waschen im Badezimmer – Todeskandidaten – Todgeweihte – Sterben eines jungen Menschens – hohes Fieber – Ignoranz der Krankheit von Seiten der Familie – Jahresanfang: Jänner(Januar) = Sterbezeit – Krankwerden für den Großvater – Bedeutung der Beziehung des knapp Achtzehnjährigen zum Großvater wird zentral – frühe Konfrontation eines 18-Jährigen mit dem Sterben – Paradoxon: frische Jugend dem Verfall Anheim gegeben

Sprache und Stimmung:

„Er hatte mich akzeptiert, nachdem mich alle anderen nicht akzeptiert hatten, ja selbst meine eigene Mutter nicht, er war ihnen allen in Zuneigung und Liebe um beinahe alles voraus gewesen. Ein Leben ohne ihn war mir lange Zeit unvorstellbar gewesen. Es war die logische Konsequenz, ihm selbst in das Krankenhaus nachzufolgen.“ (S. 27)

Unruhe – Unbehagen – Fremdheit – jemanden sterben hören, nicht sterben sehen – Sinneseindrücke stehen im Vordergrund – Hören der Geräusche – Allgegenwärtigkeit des Todes – Ausweglosigkeit der Situation durch Verdeutlichung der Anwesenheit von Sterbenden um den Erzähler – negative Wortwahl: „schädlich, fahrlässig, lebensgefährlich, lebensbedrohend“ (S. 23) verstärken Eindruck der anwesenden Gefahr für das Leben – Parallele zur Krankheit des Großvaters = Verbundenheit der beiden – Autor redet von sich in der 3. Person als „der Jüngling, der beinahe schon Achtzehnjährige Enkel …“ u. gewinnt dadurch Distanz zum selbst Erlebten – Urteilt über eigenes Empfinden sachlich und distanziert, aber genau und ungeschönt wie eine dritte Person – Autor als Beobachter seiner selbst – statt körperlicher Beschreibung werden mehr Gefühle in Mittelpunkt gestellt u. direkt benannt: Liebe, Zuneigung –  bezeichnet sich selbst als „schwierig“ – Großvater im Mittelpunkt= Wärme, Geborgenheit, Vorbildfunktion, Familie -allgemeine Weisheiten zum Tod, die wie Bauernweisheiten klingen: „Lange Zeit niedergehaltene Krankheiten kommen zum Jahresanfang, aber mit größter Wahrscheinlichkeit immer gegen die Jännermitte zum Ausbruch.“ (S. 25) – Schweigen, Verschwiegenheit, Ignoranz = nicht wahrhaben wollen der Krankheit – Bedeutung der Körperlichkeit durch realistische Beschreibungen des Verfalls

Bedeutung und Wirkung:

Nicht-Akzeptanz und Ignoranz von Krankheit und Sterblichkeit in der Familie – Verdrängung und gleichzeitige Bewusstwerdung der Situation in Rückschau des Autors – Verklärung der Vergangenheit oder radikal ehrliche Beurteilung? – Jugend verdrängt das Altern – System Krankenhaus als Sterbeort und „Todesproduktionsstätte“ / „Totengeschäft“ – Tod wird versachlicht und frei von Emotion dargestellt – Kapital, Existenz als Ware – Sein auf Zeit – Bewusstwerdung von Endlichkeit durch körperlichen Verfall und Krankheit -krasse Konfrontation mit dem Lebensende, der Vergänglichkeit – Angst vor dem Tod führt zu Ignoranz des Themas – Bedeutung von Bindung an Menschen, die wichtig sind, hier der Großvater – durch enge Bindung und Liebe zu anderem Menschen keine Einsamkeitsgefühle o. ausweglose Situation – Großvater ist Anker und Trost u. zieht jungen Bernhard zurück ins Leben

Nächste Woche geht es weiter mit S. 28-49!

Wer wissen möchte, wie es anfing – hier gehts zu Teil I.

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