Notizen zur Lektüre: Bernhards „Der Atem“ III

Wir lesen Thomas Bernhards autobiographische Rückschau “Der Atem” und notieren wöchentlich unsere Eindrücke vom Text.

Teil II (Seite 29-49)

Inhalt:

Gedanken im Sterbezimmer – Nüchterne Beobachtungen – Alltäglichkeit des Sterbens – schwarze Tafeln mit Patientennamen – Mutter mit Orangenspalten – Der Tote als Nr. mit Kärtchen am Fuß – Die heiligen Sakramente im Sakramentenkoffer – Letzte Ölung als Todesgeschäft der Katholiken – „pervers katholische Schmierendarstellung“ (S. 35) – Medikamentendunst und Erstickungsanfälle der Sterbenden und Mitpatienten – Tagesablauf und morgendlicher Gestank im Sterbezimmer – Erkenntnis des Sterbens als natürlicher Vorgang und Alltag – Konfrontation mit „tiefster Tiefe der menschlichen Existenz“ (S. 37) – Musik und kritisches Denken u. Reflektieren über den Zustand als Mittel zur Heilung – Wahrnehmung der Sterbenden als Marionetten / Welt = Marionettentheater – scheinbar fehlende Anteilname und Interesselosigkeit des Ärztepersonals – Erzähler stirbt nicht = ein Ausnahmefall – indirekter Dialog mit dem Großvater – Erinnern an Leben mit Großvater – Krankenhaus ebenso wie Gefängnisse als „Denkbezirke“

Sprache und Stimmung:

Essen von Orange = Alltäglichkeit = Lebendigkeit = Gesundheit – Großvater und Musik als Lichtblicke in trostlosem Sterbezimmer – detaillierte Beschreibung des mechanischen Vorganges und Aktes der Letzten Ölung – distanzierte und angewiderte Beobachtung des katholischen Geistlichen als „Geschäft des Krankenhausgeistlichen“ (S. 35) – Abgrenzung von Sterbenden durch Beobachtung und Parallelsetzung mit Marionetten – wunderbares eindrückliches Bild des Marionettentheaters – die Welt der Sterbenden als Bühne – Patienten als hilflose Puppen – Mittel der starken Metapher – Verfremdung – Krankenhauswelt als Apokalypse – apokalyptische Bilder in Beziehung zur letzten Ölung als erlösender Akt = paradoxer Gegensatz

„Die ich im Sterbezimmer auf diesem Marionettentheater zu sehen bekommen hatte, waren allerdings alte, zum Großteil uralte, längst aus der Mode gekommene, wertlose, ja unverschämt vollkommen abgenützte Marionetten, an welchen hier im Sterbezimmer nurmehr noch widerwillig gezogen ist und die nach kurzer Zeit auf den Mist geworfen und verscharrt oder verbrannt worden sind.“ (S. 40 f.)

Bedeutung und Wirkung:

Verdeutlichung des Todes und Bewusstseinsprozess durch genaues Beobachten der Umgebung und eigenes In-Beziehung-Setzen – Ermutigung durch Besinnung auf Ausnahmefall und Musik als charaktereigener Hoffnungsträger – Frage nach der Bedeutung von Heilen und der Aufgabe von Ärzten als Heilern – direkte und radikale Kirchenkritik u. Kritik an katholischer Praxis – starke Kritik auch an Behandlung der Patienten und Sterbenden in der Todesproduktionsstätte – Großvater spricht Enkel Trost zu und holt ihn zurück ins Leben – starke Bindung wird wieder deutlich – Ansichten des Großvaters von Enkel reflektiert und in eigene Sicht übernommen: Notwendigkeit der Krankheit für innerliches Reifen – Krankenhaus als existenznotwendiger „Denkbezirk“ – Kranksein als Ausnahmesituation führt zu Erkenntnis durch Konfrontation mit eigener Sterblichkeit – Denkbezirk aufsuchen: wichtig für Schriftsteller und Künstler – Notwendigkeit innerer Konfrontation durch äußere Bedingungen – der Kranke als Hellsichtiger – Weg zur Erkenntnis – Gefängnisse u. Klöster als Krankenhäuser und Spitäler: Orte der Erkenntnis

Nächste Woche geht es weiter mit S. 49 – 69!

Was bisher geschah (Teil II)

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