XLII. Sonntag mit Proust: Man halte sich lieber an tote Autoren

„Ungewiß, ob Ibsen oder d´Annunzio tot oder lebendig waren, sah er schon, wie Schriftsteller und Dramaturgen seiner Frau Besuche machten und sie in ihren Werken nannten. Die Angehörigen der großen Welt stellen sich Bücher gern wie eine Art Würfel vor, deren eine Fläche man abgenommen hat, so daß nun der Autor nichts Eiligeres zu tun hat als die Personen, die er trifft, in sie „hineinzutun“. Das ist offenbar illoyal, aber sie sind ja auch nur Leute von geringer Bedeutung. Gewiß wäre es nicht übel, sie „en passant“ kennenzulernen; denn dank ihnen kann man, wenn man ein Buch oder einen Artikel liest, den anderen „in die Karten“ schauen oder „ihr wahres Gesicht“ hinter der Maske erspähen. Dennoch ist es klug, sich lieber an tote Autoren zu halten.“

Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, Teil 4.1: Sodom und Gomorra. Dtsch. von Eva Rechel-Mertens, Frankfurt: Suhrkamp, 1982, S. 98.

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