XLIV. Sonntag mit Proust: Der Tod in der Frau

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Félicién Rops: The Dance of Death, o.J.

„»Adieu, ich habe kaum mit Ihnen gesprochen, aber so ist es nun einmal in der Welt, man sieht sich nicht, man sagt sich nicht, was man sagen möchte; im übrigen ist es überall im Leben das gleiche. Wir wollen nur hoffen, daß es nach dem Tode besser eingerichtet ist. Auf alle Fälle hat man dann nicht mehr nötig, eine dekolletierte Robe anzuziehen. Aber wer weiß? Vielleicht wird man bei großen Festen seine Gebeine und seine Würmer zur Schau stellen. Warum auch nicht? Da, sehen Sie nur die alte Rampillon an, finden Sie, daß ein großer Unterschied zwischen ihr und einem Skelett in ausgeschnittenem Totenhemd besteht? Allerdings hat sie ja auch ein Recht darauf, denn sie muß allermindestens hundert Jahre alt sein. Sie war schon eines jener geheiligten Ungeheuer, vor denen ich mich zu verneigen weigerte, als ich noch Debütantin war. Ich hielt sie bereits seit langem für tot, das übrigens wäre die beste Erklärung für das Schauspiel, das sie uns hier bietet. Es hat etwas Eindrucksvolles an sich, etwas Liturgisches, Campo-Santohaftes!«“

Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, Teil 4.1: Sodom und Gomorra. Dtsch. von Eva Rechel-Mertens, Frankfurt: Suhrkamp, 1982, S. 122.

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