Klassiker der Weltliteratur: „Fahrenheit 451“ von Ray Bradbury

Fahrenheit 451_Bradbury451 Fahrenheit (entspricht ca. 232  Grad Celsius) ist die Temperatur, bei der Papier anfängt zu brennen. In Bradburys dystopischem Roman stellen Bücher, die heute unser höchstes Kulturgut sind, eine Gefahr und Geißel der Menschheit dar. Daher müssen sie verbrannt und damit vernichtet werden, um den Menschen von der Mühsal des sinnlosen Nachdenkens zu befreien und eine ganz der Vergnügung anheimfallende hedonistische Gesellschaft der Unterhaltung zu erschaffen.

„Aufs Geratewohl schlug er das Buch auf und warf einen Blick hinein. „Wir fangen wohl am besten an, indem wir anfangen.“ „Er wird hereinkommen“, stöhnte Mildred. „Er wird uns mitsamt den Büchern verbrennen!“ Schließlich summte der Türmelder. Eine Stille trat ein. Montag spürte, daß jemand vor der Tür stand, wartete, horchte. Dann hörte er Schritte, die sich entfernten. „Wir wollen einmal sehen, was das ist.“, sagte Montag. Er brachte die Worte nur stockend hervor und mit schrecklicher Befangenheit. Dann las er ein Dutzend Seiten da und dort und stieß schließlich auf folgende Stelle: „Schätzungsweise haben elftausend Menschen zu verschiedenen Zeiten lieber den Tod erlitten, als sich der Regel zu unterwerfen, Eier am spitzen Ende aufzuschlagen.“ (S. 84)

Der Science-Fiction- und Drehbuchautor Ray Bradbury entwirft eine Zukunftsvision, die  jeden leidenschaftlichen Leser und wissbegierigen Bildungsbürger zutiefst erschreckt: Der Besitz von Büchern in diesem Staat ist strafbar, absolut verboten und wird mit dem Tod geahndet. Das Ziel ist eine Gesellschaft der unmündigen nicht-denkenden konformen Bürger, die mit Drogen ruhig gestellt und durch Unterhaltungsapparate bei Laune gehalten werden, damit keine Langeweile aufkommt. Der Autor schrieb diesen Roman im Amerika der 50er Jahre, einige Jahre nach dem zweiten Weltkrieg und erkannte die Zeichen der Zeit, die sich in seiner Romanhandlung zu einer Dystopie verdichten und zuspitzen. Die amerikanische Gesellschaft war nach dem Atomkrieg verstört und müde, und sehnte sich nach Ruhe und Harmonie – nach Vergnügung. Damals begann der Siegeszug der Fernsehunterhaltung und die amerikanische Familie schaute sich allabendlich am heimischen Fernseher die ersten Quiz-, Musikshows und Fernsehsendungen sowie Serien an. Der amerikanische Film hatte nach dem Krieg mit James Dean und Marilyn  Monroe eine neue Blütezeit – Amerika wollte unterhalten werden. Hier beginnt „Fahrenheit 451“.

Die Handlung

Im Zentrum von „Fahrenheit 451“ steht der Feuerwehrmann Guy Montag, der bei der örtlichen Feuerwache für die ordnungsgemäße Verbrennung von Büchern zuständig ist. Sobald ein Fall von Bücherbesitz (ein Straftatbestand) gemeldet ist, rückt die Feuerwehr aus und verbrennt nach einer Hausdurchsuchung sämtliche vorgefundenen Bücher. Mithilfe von Maschinen und entsprechender Technik wie mechanischen Spürhunden werden straffällige Bücherbesitzer verfolgt, gefangen, verbrannt und getötet. Eines Tages beginnt der Protagonist durch eine zufällige (?) Begegnung und ein Gespräch mit dem Schöngeist und kultivierten gebildeten Mädchen Clarisse, über sein Leben, sein Recht und Unrecht seines Tuns nachzudenken und gerät in eine moralische Zwickmühle. Er stellt nicht nur sein Tun und Handeln als Bücherverbrenner moralisch in Frage, sondern begeht das schwerste Verbrechen überhaupt: Er interessiert sich für den Inhalt der Bücher, versteckt sie zu Hause und beginnt darin zu lesen. Clarisse stellt ihm die wichtige Frage, ob er glücklich sei. Kurz nach diesem Gespräch erfährt er, dass das junge Mädchen scheinbar nicht mehr lebt …

„Er spürte, wie sein Lächeln wegschmolz, einer Talghaut gleich sich zusammenzog, wie das Wachs einer Phantasiekerze, die zu lange gebrannt hat und nun in sich zusammensinkt und ausgeht. Finsternis. Er war nicht glücklich. Er war nicht glücklich. Er sagte die Worte vor sich hin und erkannte, daß sie seinen wahren Zustand wiedergaben. Er trug sein Glück wie eine Maske, und da Mädchen war damit davongelaufen, und es bestand keine Möglichkeit, bei ihr anzuklopfen und die Maske zurückzufordern.“ (S. 26)

Diese Handlung stellt die Schlüsselstelle im Roman dar – von da an befindet sich Montag in einer Abwärtsspirale. Montag wird immer fordernder und aggressiver auf seinem eigenen Weg. Die Beziehung zu seiner Frau Mildred, die sich dem Vergnügungsapparat vollkommen hingibt, sich durch Drogen betäubt und keine Gefühle oder Verständnis für den plötzlichen Wandel ihres Ehemannes aufbringen kann, bricht auseinander. Als Mildred ihren eigenen Mann wegen Bücherbesitzes anzeigt, soll Guy Montag nun sein eigenes Haus anzünden. Da beginnt Montag durchzudrehen und es kommt zu einer folgenschweren Tat, die ihn zum Tode verurteilt. Montags Gegenspieler Feuerwehrhauptmann Beatty, der frühzeitig die Gefahr erkannte, die der Zweifel des Feuerwehrmannes darstellte, nimmt die Rolle der herrschenden Meinung ein und vollstreckt den Willen von Gesellschaft und Obrigkeit. Auf der Flucht vor den Vollstreckern des Staates, die zu keiner Zeit in Erscheinung treten, sondern eine diffuse maschinelle allgegenwärtige Bedrohung bilden, lernt Montag den ehemaligen Professor für englische Literatur, Faber, kennen, der im Untergrund lebt und durch Montag die Zeit kommen sieht, dem literatur- und verstandesfeindlichen System Paroli zu bieten. Faber und eine Gruppe ehemaliger Gelehrter, die Montag auf der Flucht vor seinen Jägern in der Wildnis kennenlernt, stellen eine Art letzte Bastion der Hoffnung dar: Sie berichten Montag, dass es in jedem Dorf und jeder Stadt einige Menschen gibt, die Teile der Weltliteratur auswendig gelernt haben, um sie in einem zukünftigen Staat wieder aufzuschreiben und zu verbreiten.  In Montag sehen diese ehemaligen Gelehrten eine Art Prophet, der sie in eine Zukunft führen kann, in der Literatur, Bildung und Wissen aus Büchern wieder den gebührenden Platz in der Gesellschaft haben werden. „Fahrenheit 451“ endet  in einer weltkriegsähnlichen Situation maschineller Bedrohung und biblischen Apokalypse. Am Ende bleibt nur die Hoffnung auf eine bessere Zukunft und Gesellschaft.

„Glaubt ihr wirklich, daß man dann auf euch hört?“ „Andernfalls warten wir eben noch. Wir geben die Bücher an unsere Kinder weiter, von Mund zu Mund, und dann mögen unserer Kinder der Welt von Nutzen sein. Natürlich geht auf diese Art viel verloren. Aber man kann die Menschen nicht zum Zuhören zwingen. Sie müssen von selber darauf kommen, sich darüber Gedanken machen, warum ihre Welt in die Luft geflogen ist. Irgendwann ist es soweit.“ (S. 174)

Ray Bradburys Horrorszenarien sind eindrücklich erzählt und von literarischer Qualität und daher definitiv auch Science-Fiction- und Dystopie-Neulingen zu empfehlen. Er bedient sich einer bildhaften, metaphernreichen, szenischen Sprache, zitiert antike und christliche Mythologien wie den Phönix-Mythos und arbeitet zahlreiche zeit-/ geschichtliche Verweise  wie die V-2-Rakete oder Benjamin Franklin ein. Damit verortet er die Wurzeln seiner dystopischen Gesellschaft  im amerikanischen Staat und kritisiert somit auch direkt die Entwicklungen der amerikanischen Medien und modernen Errungenschaften sowie die Möglichkeiten des atomaren Massenvernichtungskrieges. Das in einer apokalyptischen Szenerie des Untergangs kulminierende Ende trägt gleichzeitig die Hoffnung auf eine bessere Gesellschaft und ist ähnlich gestaltet wie die biblische Offenbarung des Johannes. Die Qualität von „Fahrenheit 451“ als wichtiger Roman der Weltliteratur liegt in seiner Gesellschaftskritik und den Fragen, die er aufwirft. Denn der Roman gibt keine  abschließenden Antworten.

„Science Fiction hat überhaupt nicht das Geringste mit der Zukunft zu tun,“ sagte Bradbury dem SPIEGEL, „sie handelt nur von heute. Und das, womit man sich heute beschäftigt, das ändert das Morgen. Man kann die Zukunft nicht haben, wenn man nicht an ihr aktiv mit seiner Phantasie in der heutigen Welt arbeitet.“

Die interessante paradoxe Idee hinter diesem Roman liegt bei Bradbury selbst: Als Drehbuchautor und Science-Fiction-Fan war er selbst am Mythos der amerikanischen Unterhaltung beteiligt, die er durch seine stark überzogene Zukunftsvision kritisiert. Gleichzeitig war er schon früh ein begabter Autor und hegte in seiner Jugendzeit eine tiefe Liebe zu Büchern und zur örtlichen Bibliothek. Ein Autor, der Drehbücher für Filme schreibt und Literatur liebt, gestaltet in seinem Roman eine zukünftige Situation, in der das Wissen und der Inhalt von Büchern, und damit die Phantasie auf der einen, und das selbstständige Denken und Weiterbilden auf der anderen Seite, bedroht sind. Drückte sich darin eine Zukunftsangst oder Ahnung aus, dass Bücher als Medium der Unterhaltung und Bildung vom Massenmedium Film- und Fernsehen abgelöst werden? Wenn man sich die heutige Unterhaltungslandschaft anschaut und aktuelle Zahlen des Literaturmarkts mit denen der Film- und Fernsehunterhaltung vergleicht, dann ist Bradburys Dystopie fast schon Wirklichkeit geworden. Das Spannende an „Fahrenheit 451“ ist aber gerade, dass die Menschen selbst und nicht der Staat diese Abkehr von Büchern fordern, da der Mensch es leid ist, zu reflektieren und nachzudenken, und sich nur noch von Vergnügung ablenken und berieseln lassen möchte. Auf der anderen Seite gewinnt Bradburys Hinweis auf das Buch als Kulturgut in der heutigen Diskussion um den angeblichen Verlust der Literatur durch das E-Book wieder höchste Aktualität. Das Trägermedium von Literatur wandelt sich, wichtig sind die Geschichten ja der Inhalt, der weitergegeben und bewahrt wird, egal auf welche Art und Weise …

„Was Sie brauchen, sind nicht Bücher, sondern einiges von dem, was einst in Büchern stand. Es könnte auch auf den Fernsehwänden stehen. Nein, nein, es sind nicht Bücher, was Sie suchen, Sie finden es ebensogut auf alten Schallplatten, in alten Filmen und in alten Freunden, Sie finden es in der Natur und in Ihrem Inneren. Bücher sind nicht die einzigen Behälter, in die wir Dinge einlagerten, die wir zu vergessen fürchteten. An sich haben sie gar nichts Magisches. Ihre Zauberkraft beruht auf dem, was darin steht, wie darin aus Fetzen des Universums ein Gewand für uns genäht wurde. (…)“ (S. 99)

Ray Bradburys Roman, in der die Autorität eine maschinelle Bedrohung ohne Gesicht und Namen ist, kann als Dystopie mit der Huxleyschen schönen neuen Welt oder Orwells Zukunftsstaat in „1984“ verglichen werden. Alle drei Welten ähneln sich in ihrer autoritären seltsam diffusen Regierung, die als allgegenwärtige Bedrohung nur durch Mittelsmänner tätig wird und in ihrer diktatorischen Strafverfolgung als unnachgiebiger Vollstrecker agiert. Auch bei Huxley wird Lesen als Zeitverschwendung angesehen und Philosophieren dient nur dazu „schlechte Gründe dafür zu finden, woran man aus anderen schlechten Gründen glaubt“ (Huxley, S. 231). Die Menschen werden unterdrückt, gleichgeschaltet, überwacht und unter Drogen gesetzt. Bei beiden taucht ebenso die Frage nach der Religion auf – bei Huxley braucht man keinen Gott, denn man hat Soma und eine Gesellschaftsordnung. In „Fahrenheit 451“ spielen auch der Glaube und die Frage nach der Religion am Ende eine Rolle. Guy Montag erinnert sich an Zeilen aus dem biblischen Prediger-Text und flüstert sich diese mantra-artig zu. Sie geben ihm Trost, als das Ende naht.Fahrenheit_Schöne neue Welt_1984

Hier könnte man sich fragen, wieso der Glaube an Gott wieder eine so große Rolle spielt und als letzte Hoffnung und Trost angeführt wird, da Bradbury eben auch zeigen wollte, wie wichtig der Weltliteraturkanon und das Geschichtenerzählen und Bewahren von Literatur, Philosophie und Wissenschaft in Büchern oder auch in anderen Medien ist. Kann das Weltwissen als Trost eben nicht ausreichen und in letzter Konsequenz ist es nur die Religion und der Glaube, der den Menschen tröstet?

Wer „Fahrenheit 451“ gelesen hat und sich vielleicht mit dystopischer Literatur sowie Huxley und Orwell auskennt, ist herzlich eingeladen, mit mir zu diskutieren – allen anderen empfehle ich die unbedingte Lektüre!

Über Ray Bradburyray bradbury

Ray Bradbury wurde 1920 in Waukegan in Illinois geboren. 1934 zog seine Familie nach Los Angeles, wo er den Highschool-Abschluss machte und Kontakte zur SV-Szene knüpfte. Seine erste Kurzgeschichte wurde 1941 im Magazin Super Science Stories veröffentlicht. Der literarische Durchbruch gelang Bradbury mit der 1950 veröffentlichten Erzählung Die Mars-Chroniken. Dieses sozialkritische Werk, in dem es um die Kolonialisierung des Planeten Mars geht, reflektiert die Ängste der US-Amerikaner in den 1950er Jahren. Neben seiner Arbeit als Schriftsteller war er auch als Drehbuchautor unter zahlreichen Pseudonymen an Spielfilmen und Fernsehserien beteiligt. Ray Bradbury starb 2012 in Los Angeles.

Als Würdigung seiner Werke, die sich mit dem Mars befassen, hat die NASA der Landestelle des Mars Science Laboratory den Namen „Bradbury Landing“ gegeben. Ein Google-Mitarbeiter brachte nach Bradburys Tod bei der Standardisierungsorganisation IETF offiziell den Vorschlag ein, in Gedenken an seinen Roman ‚Fahrenheit 451‘ einen eigenen HTTP-Code für Webseiten einzuführen, die der Zensur zum Opfer fielen und nicht angezeigt werden dürfen: Error 451.

Ray Bradbury: Fahrenheit 451, Heyne Verlag 1953, hier: 7. Auflage 2000

Ray Bradbury im Interview über „Fahrenheit 451“

 

 

 

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12 Gedanken zu “Klassiker der Weltliteratur: „Fahrenheit 451“ von Ray Bradbury

  1. Tolles Buch, tolle Rezension! Danke, dass du diesen Klassiker aus der Vergessenheit hervorgeholt hast. Ist ja heutzutage nicht mehr sehr cool, so etwas gut zu finden.

    1. Hallo Frank, danke =). Es war ein Vergnügen ihn zu lesen, weil er so viele Fragen aufwirft. Es stimmt, bei meiner Suche nach Empfehlungen und Diskussionen zu Sci-Fi-Klassikern und Dystopien bin ich auf den meisten Blogs nicht fündig geworden. Für viele Leser ist Sci-Fi wohl nur aus Filmen wie Star Trek oder Star Wars bekannt, und nicht verbunden mit literarischer Qualität. Manch einer weiß noch nicht mal, dass viele Hollywood-Blockbuster klassischen Sci-Fi-Romanen entlehnt oder davon inspiriert sind. Ich bin auch überhaupt kein klassischer Sci-Fi-Leser, aber fange jetzt an mich durch Dystopien und Sci-Fi-Klassiker zu lesen. Als nächstes steht wohl Stanislaw Lem und Isaac Asimov an. Ich bin schon sehr gespannt darauf.
      PS: Star Wars wird auch oft unterschätzt von manchen Kulturbürgern, die meinen, darin keine Qualität zu finden – es basiert auf ganz klassischen Heldenmythen und ist episch angelegt … aber das ist ein anderes Thema … Viele Grüße!

      1. Liebe Katja,
        ich bin begeistert von deinem Vorhaben, da ich selbst aus meiner Anfangszeit ursprünglich aus der SF-/Phantastik-Szene komme. Ich begrüße es sehr, wenn ein seriöses Blog wie „aboutsomething“ sich eines solchen Themas annimmt, da ja allgemein in den „besseren“ Literaturkreisen so etwas mit Naserümpfen quittiert wird. Ich selbst musste erst den Untertitel meines Blogs von „phantastische Literatur“ in „abseitige Literatur“ ändern, um endlich Ruhe vor diesen kleinen Nadelstichen zu haben. Ich hätte niemals damit gerechnet, wie intolerant hochgebildete Bücherleser in diesem Punkt sein können. Ich wünsche dir also, dass dir niemand durch die Blume sagt, dass das Schund sei, womit du dich beschäftigst.
        Da du ja Literaturwissenschaftlerin bist, wirst du vermutlich wissen, wo du am besten nach Quellen suchen kannst, aber ich kann es mir nicht verkneifen, dir die „Encyclopedia of Science Fiction“ von John Clute ans Herz zu legen, die wirklich den kompetentesten und umfassendsten Überblick bietet. Sie ist inzwischen auch online. Das Thema „Dystopien“ findest du hier: http://www.sf-encyclopedia.com/entry/dystopias
        Herzliche Grüße
        Frank

      2. Danke für die Tipps Frank, diese Encyklopädie kannte ich nicht. Im anglistischen Bereich kenne ich mich nicht wirklich aus. Und aus der literaturwissenschaftlichen Arbeit bin ich ja seit dem Ende meines Studiums auch raus. Ich beschäftige mich ja beruflich mit Marketing, da hat man mit solchen Themen leider nichts am Hut 😉 Aber meine spärliche Freizeit fülle ich gern mit der Recherche und meiner Liebe zur Literatur. Daher werd ich mir deinen Tipp merken und freu mich auch auf jeden, der mir „Schund“ vorwirft. Das hatten wir hier noch nicht. Sehr gern stelle ich mich der Diskussion, wenn es angemessen begründet wird und nicht zu flach ausfällt. Nur her damit, mit solchen Stimmen. Gibt es viel zu wenig hier!!! Ich werde demnächst auch mal mehr bei dir lesen um Abseitiges zu entdecken. Ich finde gut, dass du Profil hast und Mut zur Authentizität und eigenen Linie beim Bloggen. Das ist für mich interessanter als das Empfehlungseinerlei aktueller Neuerscheinungen. Das wird schnell langweilig. Drum sei dir gesagt – mach weiter so und lies, was dich bewegt. Es gibt immer Gleichgesinnte! Ich les ja gerade auch meinen ersten Bukowski. Das stand schon lange auf meiner Liste. Da könnte mir jemand „Schund“ unterstellen, zumindest was ich schon so gehört habe … bis jetzt amüsiere ich mich sehr … Demnächst folgt auch was zu de Sade und Sacher-Masoch. Er bleibt also spannend bei uns. =)

      3. Na, nach dieser Ouverture wird sich wohl niemand mehr trauen, mit Schund-Vorwürfen um die Ecke zu kommen. 🙂
        Ich habe solche Vorwürfe auch nie offen zu spüren bekommen, sondern eher von hintenrum, nach dem Motto „Ich lese sowas ja nicht“ oder „Ich lese keine Fantasy“.
        Danke, Katja, für die Ermutigung, weiter abseitige Literatur zu besprechen. Davon kann mich sowieso niemand abbringen, denn das ist es, was ich liebe. Würde mich sehr freuen, wenn du dich mal bei mir blicken lassen würdest.

  2. Noch kann ich nicht mitdiskutieren, aber das Buch liegt auf meinem SUB und dann ja, dann fang ich hier nochmal ne Diskussion an. Daher habe ich die Rezension hier auch nur grob überflogen, denn ich will ja noch unbefangen an die Lektüre gehen. Freu mich aber schon drauf 🙂

    1. Hallo Sabine – dann wünsch ich dir viel Spaß beim Lesen und bin gespannt auf deinen Kommentar! Bis bald – Katja

  3. Oh, das wollte ich auch schon länger mal lesen. Schöne Rezension! Ich habe mich mal in einem Literaturseminar mit ScienceFiction beschäftigt und das war so aus wissenschaftlicher Sicht schon echt spannend 🙂

    1. Na dann nichts wie ran Hannah! In meine Literaturstudium gab es leider das Thema Sci-Fi gar nicht. Ich habe in Jena studiert, da war der Schwerpunkt auf der Klassik, Romantik und ich selbst habe mich viel mit dem Fin de Siècle und Expressionismus beschäftigt. Dadurch hole ich seit dem Ende meines Studiums vor 6 Jahren all die Lektüre nach, die ich damals nicht lesen konnte. Diese Freiheit zu haben, ist toll. Ich würde mich gern literaturwissenschaftlich mal mit Dystopien und Science-Fiction-Literatur beschäftigen … Liebe Grüße!

  4. Fand den Anfang zwar etwas behebig, aber zum Schluss wurde es recht spannend. Insgesamt aber, wie ich finde, sehr lesenswert. Diese biblische Interpretation ist interessant, auf Grund meiner Unkenntnis ist mir das jedoch gar nicht aufgefallen 😉 Da frag ich mich natürlich, warum gerade diese Ende? Das für mich interessante ist ja, dass der Autor dem Leser so eine Antwort schuldig bleibt – vielleicht auch mit Absicht.

    In einer Sache würde ich dir aber ein wenig widersprechen: Zumindest bei Brave New World ist mit Mustafa Mannesmann nicht nur ein Mittelsmann der Regierung zu sehen, sondern der Weltaufsichtsrat von Westeuropa. Bei 1984 stimme ich dir aber zu, dass eher Mittelsmänner im Vordergrund stehen, wobei die Bedrohung hier am stärksten wirkt.

    1. Hey Krushak – schön, wieder von dir zu lesen.
      Mir ist die Parallele zur biblischen Offenbarung sofort aufgefallen. Es ist ja auch nicht die einzige Stelle, wo die Bibel erwähnt wird. Es geht ja auch darum, dass das Wort Gottes in Büchern ebenfalls verboten ist. Das würde heißen, Religion und Glaube ist erlaubt, aber nur mündlich. Doch kann es gerade die christliche Religion noch geben, wenn es keine Bibeln mehr gibt, die Gottes Wort beinhalten? Die christliche Religion gründet sich ja gerade darauf. Wenn jeder die göttliche Botschaft mündlich weitergibt und verändert, ist das dann noch das Wort Gottes? Ein spannendes Diskussionsthema …
      Ich gebe DIR Recht – da hab ich wohl nicht so weit gedacht und den Mustafa Mannesmann tatsächlich vergessen. Okay. Es gibt sowieso mehr Gemeinsamkeiten mit „Brave new World“ als mit 1984, oder?
      Und was das Ende von Fahrenheit angeht … ja, das ist das Spannende. Aber ist es wirklich so offen? Ich finde es ist alles gesagt. Welches Ende hättest du dir denn gewünscht? Sind nicht Geschichten vor allem dann besonders gut und lehrreich, wenn sie Fragen offen lassen und zum eigenen Weiternachsinnen anregen. Oder gibt es nicht eine versteckte Deutung? Man kann es auch so lesen, dass die Zukunft eben noch zu gestalten ist. Es endet aber bei alle Apokalypse mit viel Hoffnung, vor allem in Guy Montag. Und da sind wir wieder beim biblischen Text, der mit Hoffnung auf eine „bessere Welt“ und ein neues Reich Gottes endet und sozusagen auch dann abbricht =) Aber wieso die Religion, das hab ich mich auch gefragt … wir brauchen nicht nur sie, sondern alles Weltwissen und alle Literatur, und zudem – auch andere religiöse Texte. Aber hier wird meines Erachtens der Fokus auf die christlichen Texte gelegt … Was ist denn mit den Büchern anderer Weltreligionen? Man könnte darüber wahrhaft forschen und eine komparatistische Arbeit verfassen. =) Dir einen schönen Abend!

  5. Hallo Katja!

    Tut mir leid, dass ich mich erst so spät wieder melde, aber nach dem Urlaub und einigem Hick Hack hatte ich total vergessen, dir zu antworten.
    Also zu deinen Fragen:
    Früher hat man Wissen, und dazu zähle ich auch das Wort Gottes, mündlich weitergegeben. Insofern ist es schon möglich, dass auch ohne Verschriftlichung Religion und Glaube weiterleben können. Zumal das die „Gelehrten“ in Fahrenheit beweisen. Allerdings wird deutlich, dass Religion und Glaube u.U. dann nur in einem kleinen Kreis fortbestehen.
    Finde auch, dass Brave New World und Fahrenheit vom Prinzip her ähnlich sind. Anders als bei 1984 sind alle eher glücklich und zufrieden, während die Leute bei 1984 in der Angst leben, jederzeit verschleppt zu werden – um das mal gaaaaanz grob zusammenfassen.
    Das Ende, das ich mir gewünscht hätte, wäre eines gewesen, indem Guy und etc. einen besseren Staat aufgebaut hätten. Hier hätte mich deren Entwurf sehr interessiert. Andererseits ist es auch gut, dass Bradbury diese Frage offen lässt und es dem Leser, also mir, überlässt, wie dieser Staat hätte aussehen können – wenn sie überhaupt Erfolg damit gehabt hätten.
    Wie schon gesagt, der Fokus auf die christlichen Religion ist mir gar nicht so aufgefallen. Die Frage ist aber berechtigt, WARUM gerade diese. Entweder hatte Bradbury mit Absicht das Christum gewählt, um es dem Leser verständlicher zu machen, oder er selbst hatte religiöse Überzeugungen und wollte diese in seinem Roman integrieren. Das klingt für mich aber wenig plausibel.

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