[Rezension] Roland Schimmelpfennig – An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts

Das Debüt

Die ganze Stadt in Aufruhr. Die Zeitungen, die Schlagzeilen. Das Lokalfernsehen. Die Nachricht weltweit. Der Berliner Wolf. Völker schaut auf diese Stadt, wie hat sie sich verändert. Dieser Wolf ist ein Berliner.“

Ein bekannter Dramatiker schreibt seinen ersten Roman und landet prompt auf der Nominierungs-Liste zum Preis der Leipziger Buchmesse. Der Titel von auffälliger Länge klingt erstmal vielversprechend: An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Das lässt an Erzählungen denken, denen ein denkwürdiger Tag zugrundeliegt, an ein besonderes Ereignis, das – sei es auch nur im Leben eines Einzelnen – alles verändert… Bei Schimmelpfennig ist es ein Wolf, der sich auf den Weg nach Berlin macht, ebenso wie einige weitere Figuren. schimmelpfennig

Berlin und der Wolf – das sind die beiden verbindenden Motive, um die sich der Reigen verschiedenster Personen im Roman reiht. Da sind die beiden Jugendlichen Elisabeth und Micha, die sich spontan aus der Provinz…

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Aussortiert: Bücher zum Tauschen!!!

DSC03195Seitdem sich bei jedem Blick in mein Belletristik-Bücherregal der Eindruck erhärtet, ich hätte eigentlich eine Menge Bücher, die ich gar nicht unbedingt haben will, soll sich das nun ändern. Ich habe mich entschlossen, jene Bücher, die ich entweder nicht so gut fand, zu denen ich keinen Zugang fand, die nicht zu meinen Lieblingen zählen oder nicht irgendwie wichtig für mich waren, auszusortieren. Ich biete zum Tausch folgende Bücher:

Helwig Arenz: Der böse Nik

J. Coetzee: Leben und Zeit des Michael K. (TB)

Umberto Eco: Der Friedhof in Prag

Umberto Eco: Das Foucaultsche Pendel (TB)

Nina George: Das Lavendelzimmer

Ulla Hahn: Liebesarten (TB)

Maarten t Hart: Der Psalmenstreit

Helene Hegemann: Axolotl Roadkill (TB)

Alexa Hennig von Lange: Relax (TB)

Marie Hermanson: Himmelstal (TB)

Nick Hornby: A long way down (TB)

Jonas Jonasson: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg (TB)

Fee Katrin Kanzler: Die Schüchternheit der Pflaume

Walter Kirn: Up in the Air (TB)

Sarah Kuttner: Wachstumsschmerz (TB)

Hanna Lemke: Gesichertes

Judith Lennox: Alle meine Schwestern

Marc Levy: Solange du da bist (TB)

Pierre Michon: Leben der kleinen Toten

Audrey Niffenegger: Die Frau des Zeitreisenden (TB)

Riikka Pulkkinen: Wahr (TB)

Lucinda Riley: Das Orchideenhaus (TB)

Charlotte Roche: Feuchtgebiete (TB)

Sonia Rossi: Fucking Berlin (TB)

Peter Stamm: Sieben Jahre

Uwe Tellkamp: Der Eisvogel

David Wagner: Leben

Geht es euch vielleicht genauso mit eurem Regal? Vielleicht interessiere ich mich ja für eure aussortierten Bücher! Schreibt mir gern eine Mail an info.aboutsomething@googlemail.com, wenn ihr ein oder mehrere Bücher tauschen wollt.

Ihr könnt, solltet ihr euch von euren Büchern nicht trennen können, aber dennoch Interesse an dem einen oder anderen Buch haben, diese auch von mir kaufen.

Taschenbücher: 2.50 €

Gebundene Bücher: 5 €

Bei Kauf plus Versand.

Ich freu mich auf eure Vorschläge!

Das Debüt 2016 – Bloggerpreis für Literatur

Gesucht: Das Debüt 2016! Der Bloggerpreis für Literatur ist ausgeschrieben. Und Achtung: Auch ihr seid gefragt. Interessierte Blogger, die gern teilnehmen wollen, seien auf diesen Artikel verwiesen!

Das Debüt

Bloggerpreis 2016Der eine oder andere von euch hat es vielleicht schon bemerkt. Das neue Jahr birgt viele neue Möglichkeiten und um eine von diesen wunderbaren Gelegenheiten soll es in diesem Beitrag gehen. Im letzten Jahr haben wir uns nicht zuletzt durch unsere Reise nach Südtirol zum Franz-Tumler-Literaturpreis intensiv mit Literaturpreisen auseinandergesetzt. Ich selbst habe mich in einem Beitrag zum Franz-Tumler-Literaturpreis gedanklich mit dem Preisen der Literatur auseinandergesetzt und sehr kritisch die Marketingstrategien etc. hinterfragt. Und ganz plötzlich entstehen dann Gedankenspielereien, wie denn der eigene Literaturpreis auszusehen hätte und was man alles anders machen würde. Wenn einen diese Gedanken dann nicht mehr loslassen, dann kann es passieren, dass daraus etwas gänzlich Neues entsteht. Genau das ist in unserer Redaktion passiert: In diesem Jahr werden wir erstmals einen Literaturpreis für den besten deutschsprachigen Debütroman vergeben, gemeinsam mit allen Literaturbloggern, die Lust haben, ein wenig bei diesem Preis mitzumischen.

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[Rezension] Mirna Funk – Winternähe

Seit langem habe ich mal wieder einen richtig guten Roman gelesen, der mich in mehreren Punkten überzeugt hat… Meine Rezension auf dasdebüt.de!

Das Debüt

u1_978-3-10-002419-0Wie es sich anfühlt, heute als Jüdin in Berlin oder Tel Aviv zu leben, darüber schreibt Mirna Funk in ihrem Debütroman. Ihre Protagonistin Lola ist auf Identitätssuche: Wer legt fest, ob man eine jüdische Identität hat? Der orthodoxe Rabbi oder die Geschichte, das Umfeld oder doch man selbst? Lola verlässt Berlin, nachdem sie sich von Antisemiten umgeben fühlt. Kollegen, selbst Freunde und Bekannte, von denen sie es nicht angenommen hätte, offenbaren mit einem Male ihre antisemitischen Gedanken ihr gegenüber, ihr, der Jüdin. In Tel Aviv und in Bangkok sucht Lola nach Identität, Liebe, Halt, Klarheit. Und versucht nebenbei auch noch den verebbten Kontakt zu ihrem Vater Simon wieder aufleben zu lassen.

Lola flüchtet und ist doch eine starke Persönlichkeit: Sie lässt sich nichts gefallen, verharrt nicht passiv in einer ihr zugeschriebenen Rolle, sondern sie wehrt sich. Sie schreit, provoziert, macht sichtbar. Das macht sie zu einer ausgesprochen sympathischen Protagonistin. „Winternähe“…

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Veranstaltungshinweise für November 2015

Für alle, die sich im November in Berlin die neueste Literatur von den Autoren selbst vorlesen und schmackhaft machen lassen wollen … und / oder in Essen nach neuer Inspiration suchen!

Das Debüt

Wir möchten euch auf zwei Veranstaltungen im November hinweisen, die uns sehr am Herzen liegen. Räumlich liegen sie über 500 km voneinander entfernt, auch thematisch unterscheiden sie sich stark, aber wer sich das Stichwort „Literatur“ auf die Fahnen schreibt, der kann sich hier problemlos auch einen Beitrag teilen.

Am 16.11.2015 um 19.30 Uhr ist es wieder soweit. Im Rahmen des Lese-Marathons SLB_Logo_2015 [1909798]Berlin-Brandenburg „Stadt Land Buch“, der vom 14. – 22.11.2015 stattfindet, wird es erneut einen Debütantensalon geben, den wir euch gerne ans Herz legen wollen. Letztes Jahr war Laura vor Ort und hat die Veranstaltung hier zusammengefasst.
In diesem Jahr können fünf junge Autorinnen entdeckt werden: Mirna Funk, Kat Kaufmann, Samira Kentrić, Mercedes Lauenstein und Jackie Thomae stellen im Gespräch mit Knut Elstermann ihre Debütromane vor.

Debütantensalon im TAK Theater im Aufbau Haus (Prinzenstraße 85 F, Berlin-Kreuzberg) // Eintritt: 6 €, ermäßigt 4 €
Wenn ihr Lust und…

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[Kritik in Kürze] Philip Teir: „Winterkrieg“

Ein Familienroman. Ein kleiner Exkurs in die Soziologie und die Kunstwelt. Ein Roman über Beziehungen und das Altern. Teir_winterkrieg

„Winterkrieg“ herrscht mit zunehmend abkühlenden Temperaturen in der finnischen Familie Paul, insbesondere zwischen dem Soziologen Max und seiner Frau Katriina. Die erwachsenen Töchter Helen und Eva versuchen in ihrem eigenen Leben zurecht zu kommen. Doch während die zweifache Mutter Helen ihren stupiden Alltag als Lehrerin verlebt und Eva in London mit ihrem Kunst-Dozenten schläft, streiten Max und Katriina nicht mehr nur um eine neue Küche.

Der Finnlandschwede Philip Teir schreibt in seinem Debütroman „Winterkrieg“ nicht vom so genannten Winterkrieg zwischen Finnland und der Sowjetunion 1939. Er seziert die psychologisch-soziologischen Feinheiten zwischenmenschlicher Beziehungen anhand einer Familie. Dabei geht es um Figuren aus Finnlands Mittelschicht, die trudeln, suchen und deren Charaktere dabei teilweise überraschende Entwicklungen offen legen.
Teir schreibt sein Debüt, als hätte er bisher nichts anderes getan. Seine Figuren wirken aufgrund ihrer Wandlungsfähigkeit authentisch und nachvollziehbar. Der Roman liest sich durch die Anleihen aus Kunst und Soziologie anregend und unterhaltsam.

Rousseau meinte, dass es unmöglich sei, bewusst glücklich zu sein. Man wird sich seines Glückes nur in der Rückschau bewusst, nachdem man es schon verloren hat. Wenn man es erlebt, kann man es nicht erkennen, wenn man sich seiner bewusst ist, kann man es nicht empfinden. Auch Hannah Arendt hat etwas Ähnliches gesagt: Um nach oben zu kommen, muss man vorher ganz unten gewesen sein. Das Leben ist im Grunde ein ewiger Kreislauf von Glück und Unglück, das eine setzt das andere voraus.

Doch die Sprache ist nicht herausragend und stellenweise fühlte ich mich zu sehr an den Plot in Jonathan Franzens „Korrekturen“ erinnert. Auf ein weiteres Buch nimmt Teir Bezug, welches er als Quelle angibt: Sarah Thorntons „Sieben Tage in der Kunstwelt“. Tatsächlich ist in Evas Londoner Kunststudium einiges an Thorntons populärer Analyse angelehnt. Teirs Roman bietet interessante Aspekte, ohne innovativ zu sein.

Somit verbleibt der Leseeindruck eines bemerkenswerten, jedoch nicht herausragenden Debütromans. Gute Lektüre für lange Herbst- oder Wintertage.

Philip Teir: „Winterkrieg“, 2014, aus dem Schwedischen von Thorsten Alms, erschienen bei Blessing.


© Rio Gandara/Helsingin Sanomat
© Rio Gandara/Helsingin Sanomat

Der Finnlandschwede Philip Teir, geboren 1980, gilt als einer der wichtigsten Nachwuchsautoren Finnlands. Er hat bereits Gedichte und einen Band mit Kurzgeschichten veröffentlicht, und ist Herausgeber von Anthologien. „Winterkrieg“ ist sein erster Roman. Philip Teir lebt als freier Journalist und Schriftsteller mit seiner Familie in Helsinki.

[Rezension] David Foster Wallace: „Der bleiche König“ und D.T. Max: „Jede Liebesgeschichte ist eine Geistergeschichte. David Foster Wallace – Ein Leben“

DSC01806Am Ende bleibt nur ein Haufen Manuskriptseiten in einer Garage. Als sich der amerikanische Schriftsteller David Foster Wallace im September 2008 das Leben nimmt, hinterlässt er den unvollendeten Roman „Der bleiche König“. Ich bin sicher, er wäre großartig geworden.

Aber je fragmentarischer eine Erinnerung ist, desto authentischer fühlt sie sich komischerweise an. Ich frage mich, ob irgendein Mensch das Gefühl hat, er wäre noch derselbe wie der, an den er sich erinnert. Wahrscheinlich bekäme er einen Nervenzusammenbruch. Wahrscheinlich ergäbe es überhaupt keinen Sinn.“

Der Herausgeber Michael Pietsch hat sich der Aufgabe gewidmet, sich durch seitenweise Manuskriptseiten und unzählige Notizen des perfektionistischen Autoren zu arbeiten, um sie in Form eines unfertigen Romans zu veröffentlichen.

Es geht um den vielleicht langweiligsten Job überhaupt: im amerikanischen Finanzamt IRS. Vermutlich kann nur Foster Wallace die Angestellten dort, ihre Einstellung, ihre Feierabende, ihre skurrilen Kinder, ihren Alltag … so beschreiben, dass man es gerne und interessiert liest und sogar wissen will, wie es weitergeht. Die mit durchnummerierten Paragraphen überschriebenen Kapitel sind fragmentartig zusammen gestellt. Sie geben Einblicke in das Leben und vor allem Arbeiten der verschiedenen Personen, die im IRS angestellt sind. Dabei gibt es weder „einen“ Protagonisten, was in „Unendlicher Spaß“ ähnlich ist, noch eine runde Handlung oder klare Struktur. Letzteres ist sicherlich dem geschuldet, dass der Roman unvollendet blieb. Weiterlesen

[Rezension] Sabine Wirsching: „Druckstaueffekt“

Über das Beziehungsleben in Berlin – das Debüt von Sabine Wirsching

Das Debüt

© Laura PIn einer Großstadt wie Berlin ist es nicht nur schwer, Liebe zu finden. Es ist komplex: sich überhaupt für ein Beziehungs- und Lebensmodell zu entscheiden, sich auf einen Partner festzulegen oder nicht, sich selbst in der eigenen Sehnsucht auszukennen, die eigenen Wünsche mit denen anderer zu vereinbaren … und dabei nicht völlig hemmungs- und rücksichtslos dem Egotrip anheim zu fallen, von all dem erzählt Sabine Wirsching in ihrem Debütroman.

Irgendwann. Ich werde das Gefühl von Suche nicht los – diese Berliner Krankheit, die Erwartung, dass hinter jeder Ecke, in jedem Club ein Besserer warten könnte. Die Stadt ist voller Menschen, überall begegnet man neuen Menschen, bis man süchtig danach ist. Im Alltag werden alle Krawallprinzen grau. Das weiß ich, aber ich will nicht verstehen.“

Sabine Wirsching hat einen unromantischen Roman über Sex, Beziehungsleben, Berlin, Musik und Sehnsucht geschrieben. Es geht um die Suche nach dem Richtigen und um das…

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[Rezension] Kristine Bilkau: „Die Glücklichen“

„Die Glücklichen“ ist ein Debütroman über eine junge Familie, über das Scheitern in unserer Gesellschaft, über Träume, und was daraus wird… Kristine Bilkau schreibt über die Cellistin Isabell, den Journalisten Georg und deren kleinen Sohn Matti. Während Isabell im Stillen mit ihrer Angst und dem Zittern der Bogenhand beim Auftritt kämpft, verliert Georg seinen Job im Zuge des „Zeitungssterbens“. Beide müssen sich damit abfinden, zu scheitern, arbeitslos zu sein, eine Familie in einem angesehenen Bezirk zu werden, die es nicht schafft. Oder doch?Bilkau_Die Glücklichen

Bilkau befasst sich mit den Fragen, die sich viele (Mittdreißiger) zur Zeit stellen: Wie werde ich glücklich? Wie will ich eigentlich leben? Was bin ich bereit für meine Träume zu opfern? Und was ist eigentlich, wenn ich es nicht schaffe…? In der Geschichte verdichtet sich ein Komplex an Gedanken und Fragen, die sehr nachvollziehbar sind. Die ständig drohende Arbeitslosigkeit in Zeiten absolut unsicherer Jobs, die Anforderungen, die man als junge Familie (als Vater, als Mutter) an sich stellt usw. Anhand von Georg und Isabell wird exemplarisch ein Bild derer entworfen, die sich inmitten dieser Komplexe befinden. Weiterlesen

[Rezension] Elke Schmitter: „Frau Sartoris“

Das Debüt

Elke Schmitters Debütroman erzählt anhand von Margarethe Sartoris das Leben einer westdeutschen Frau aus der Provinz. Im Mittelpunkt stehen vor allem die Liebe und Leidenschaft, welche sie als junge Frau empfindet. Das klingt erstmal nach einem Buch, das ich nicht unbedingt hätte lesen wollen. Zufällig habe ich es doch getan und war positiv überrascht.frau_sartoris

Frau Sartoris´ Jugendliebe zu einem Adligen zerbricht, vermutlich an den gesellschaftlichen Unterschieden. Sie heiratet, mehr oder weniger aus Trotz und auf die Schnelle, den Kriegsinvaliden Ernst. Sein Lebensziel ist Gemütlichkeit, was zu Tochter Daniela und langweiligen Abenden führt. Das Eheleben ödet die schöne Margarethe schon bald an und sie bandelt mit Michael an, mit dem sie erotisches Neuland erkundet und schließlich einen waghalsigen Plan fasst…

Es sind zwei Dinge, die den Roman von Schmitters lesenswert machen und vielleicht auch Reich-Ranicki im Literarischen Quartett zu der Aussage brachten, das sei Prosa, die ihn in höchstem Maße fasziniere.

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