@bout: Das Debüt

Ein spannendes neues Literatur-Blogprojekt hat sein Debüt! „Das Debüt“ ist ein Gemeinschaftsprojekt, das sich auf Debütromane und Debütanten der Literatur konzentriert. Geplant ist aber noch wesentlich mehr … Neben Rezensionen zu Debütromanen soll es Hinweise auf (eigene) Veranstaltungen, Interviews mit Autoren und Verlegern, Berichte über Lesungen, literaturwissenschaftliche Beiträge etc. geben.
Eine von uns, Laura, ist als Autorin auch mit dabei. Die Fragen zur Vorstellung von „Das Debüt“ haben wir an die Hauptinitiatorin des Projekts, Janine, geschickt (die manche von euch vielleicht schon von „Zeilensprünge“ her kennen). Ihr dürft euch auf einen innovativen Blog freuen, der gerade erst gestartet ist, doch schon jetzt Vielversprechendes bereithält …

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@bout: „Das Geräusch des Werdens“ von Aléa Torik

Nachdem wir beide sehr begeistert von „Aléas Ich“ waren, haben wir gemeinsam den Debütroman der Autorin „Das Geräusch des Werdens“ gelesen.
In diesem Roman verdichtet sich ebenfalls die rumänische Lebenswelt rund um den Ort Marginime mit der Berliner Gegenwart. Anhand mehrerer Familien und Figuren entspinnt sich ein Netz aus Zusammenhängen, in denen es um Lebensentwürfe und Liebe, um Aufbruch und Stillstand, um Blindheit, Fotografie und Heimat geht.

Alea Torik_Das Geräusch des Werdens

Ich stehe gebannt am offenen Fenster und höre, wie eine Umgebung entsteht, wie Gegenstände wachsen und werden. In solchen Momenten wird der Raum, den ich oft nur als drückende Masse empfinde, die auf mir lastet, zu einer Umgebung und einem Gefüge, in das ich eingebettet bin. Ein Leben, zu dem ich gehöre und an dem ich teilnehme. An ihren Geräuschen kann ich erkennen, dass da draußen tatsächlich eine Welt existiert und nicht nur unendlicher Raum. Man müsste all das, was wird, was entsteht oder vergeht, alles, was eine Entwicklung nimmt, einen Verlauf oder eine Veränderung, man müsste alles dazu zwingen, dabei ein Geräusch zu machen. Denn nur am Geräusch des Werdens kann ich erkennen, das etwas ist.“

Laura: Es ist ja bereits bei uns beiden eine Weile her, dass wir „Das Geräusch des Werdens“ von Aléa Torik gelesen haben. Was ist dir noch besonders in Erinnerung geblieben?

Katja: Erstmal muss ich sagen, dass ich Aléa Toriks Art eine Geschichte zu erzählen, wunderbar finde und sehr beeindruckt von ihrem Sprachgefühl bin. Ich erinnere vor allem die Hauptfiguren Leonie und Marijan, mit denen die Geschichte beginnt – im Gedächtnis bleiben mir vor allem bestimmte Situationen, Gefühle und Bilder. Großartig wie eindrücklich die Autorin ihre Figurenwelten zum Leben erweckt. Weiterlesen

@bout … VONSAMSTAG

Es ist lange her, dass wir euch einen interessanten Literaturblog vorgestellt haben. Umso schöner, dass es jetzt weiter geht mit unserer Interview-Reihe und wir euch diesmal eine sehr aktive junge Bloggerin vorstellen möchten:  Hannah und ihren noch jungen Blog VONSAMSTAG. Besonders gut an Hannahs Blog finden wir die Vielfalt ihrer Literaturauswahl und die Ehrlichkeit, mit der sie ihre Meinung wieder gibt. Wir freuen uns, dass Hannah trotz ihres Lern- und Studiumsstresses Zeit für unsere Fragen gefunden hat und uns einen Einblick in die Hintergründe ihrer Beweggründe zu bloggen, gibt. Viel Spaß beim Entdecken von Hannahs Blog und ihren Bücherwelten!

Warum bloggst du und worum geht es in deinem Blog?Hannah vonsamstag

Ich habe erst diesen Sommer mit meinem Blog angefangen und schreibe dort etwas zu den Büchern, die ich lese. Ich bin thematisch nicht auf ein bestimmtes Genre festgelegt, sondern mag es, auch mal etwas Neues zu entdecken und weiterzugeben. Durch das Aufschreiben und die weitere Recherche kann ich das Gelesene für mich noch vertiefen und intensivieren. Notizen machen und darüber nachdenken, was ich gelesen habe, passiert bei mir fast automatisch, durch das Bloggen erweitere ich das. Beim Bloggen mag ich besonders gerne den Austausch mit anderen, die gegenseitige Kritik und die immer neuen Literaturtipps. Das motiviert mich ungemein und macht sehr viel Spaß.

Welche Art und welches Genre der Literatur bevorzugst du?

Ich mag es nicht, mich auf einen Bereich festzulegen, weil ich auch schon bei von mir zunächst unbeachteten Genres großartige Werke entdecken konnte, die mir sonst entgangen wären. Fantasy und alles, was als „Frauenliteratur“ beworben wird, ist eher weniger mein Ding. Im Allgemeinen lese ich gerne zeitgenössische Romane und Sachbücher über historische, politische oder kulturelle Themen, aber auch Klassiker und Krimis sind immer wieder spannend. Das Buch muss mich einfach ansprechen. Weiterlesen

Nino Haratischwili: „Das achte Leben“ – oder: Von der Freude während des Lesens

Empfindungen während des Lesens sind immer äußerst unterschiedlich und von vielen Faktoren abhängig. Es gibt Bücher, durch die man sich mehr oder weniger durchquält, solche, die man ganz weglegt, dann aber auch jene, die einen in den Bann ziehen und die man gar nicht mehr aus der Hand legen kann. Nino Haratischwilis neuer Roman „Das achte Leben (Für Brilka)“ ist ein Buch für Genießer: Eines, das man langsam und genüsslich liest, sich auf der Zunge zergehen lässt wie Schokolade. Eines, das man weniger verschlingt, sondern in Ruhe und besonnen liest, da man nicht möchte, dass es zu schnell endet.P1010608_kl

Inhaltlich wird dieses gemäßigte Tempo begünstigt durch die Vielzahl an Figuren und Themen, die sich über ein Jahrhundert hin erstrecken und die Geschichte einer georgischen Familie im 20. Jahrhundert erzählen. Von Stasia über Kostja und Kitty, bishin zur Erzählerin Niza und deren Nichte Brilka spannt sich der Epos. Dabei läuft man allerdings nicht Gefahr, sich beim Lesen zu langweilen: Der Autorin gelingt es, einen dichten Teppich an kleinen und großen Geschichten miteinander zu verweben, historische Fakten und Personen wie Josef Stalin (den Generalissimus) einzubringen und den Spannungsbogen stets aufrecht zu halten.P1010605_kl

Zumindest ist das mein Eindruck nach den ersten 300 Seiten. Ich werde noch eine Weile brauchen – um genussvoll weiterzulesen und freue mich über jegliche Rückmeldungen anderer Haratischwili – Leserinnen, die (in einer gemeinsamen Blogtour) nach und nach ihre Eindrücke wiedergeben:

Von der Vorfreude – bei der Klappentexterin

Von den Eindrücken bei einer Lesung und nach der Lektüre – bei Caterina

Von einem erfüllten Träumen und der Enttäuschung über Nicht-Nominierung – bei Masuko13

Nino Haratischwili: „Das achte Leben (Für Brilka)“ – ist heute bei der Frankfurter Verlagsanstalt erschienen! 

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In Memoriam: Wolfgang Herrndorf

„Man wird nicht weise, man kommt der Wahrheit nicht näher als jeder. Aber in jeder Minute beim Tod zu sein, generiert eine eigene Form von Erfahrungswissen.“

Wolfgang Herrndorf ist ein Autor, dessen Bücher man, hat man eines gelesen, am liebsten gleich alle lesen möchte. So ging es mir, seitdem mir eine Freundin „Sand“ empfohlen hatte.

Die Lektüre vom posthum veröffentlichten „Arbeit und Struktur“, das eine Zusammenfassung der Blogeinträge des Autors vor seinem Freitod ist, erweist sich als besonders eindringlich. Mich hat das Lesen dieser mit Datum versehenen Einträge ziemlich mitgenommen: Unweigerlich setzt man sich selbst in Zusammenhang zu den genannten Daten, unweigerlich stellt man den eigenen Biografieaus-schnitt vom 08.03.2010 bis 20.08.2013 ins Verhältnis zu den von Herrndorf beschriebenen Erlebnissen. Weiterlesen

Sex sells – auch bei uns …

Beim wöchentlichen Blick auf unsere intere Blogstatistik runzelt man so manches Mal verwundert die Brauen und schießt sich vor Lachen weg. Wir möchten euch nicht vorenthalten, nach welchen Suchbegriffen so manche Leser auf unseren Blog kommen. Man fragt sich, ob wir überproportional viele Artikel zu diesen Stichwörtern haben – in jedem Fall sieht man wieder – Sex sells 😉

Unbenannt

Electric Book Fair Berlin – Freunde des elektronischen Buches willkommen!

Ein E-Book ist ein Buch ist kein Buch ist mehr als ein Buch ist ein elektronisches Buch ist ein E-Book …
Diese Ideen über das „neue“ (?) Medium E-Book aufgreifend, das Potenzial elektronischer Literatur aufzeigend und deren vielseitigen Ausprägungen eine Bühne bietend, wurde die erste E-Book-Messe Deutschlands ins Leben gerufen – die Electric Book Fair.

„Die Electric Book Fair ist der Versuch, etwas in den Blick zu bekommen, das seinem Wesen nach diffus und unkonturiert bleiben muss, weil es sich fortwährend verändert – ein paradoxes und dennoch lohnendes Unterfangen.“

Die Electric Book Fair will keine kommerzielle Messe als solche sein, sondern versteht sich als „kuratierte Zusammenkunft von
E-Book-Experten und interessierten Laien“ sowie als „Probebühne und kulturelles Experiment“. Sie möchte E-Books sichtbar werden lassen und deren künstlerische Möglichkeiten vorstellen. Ins Leben gerufen wurde sie  von den E-Book-Verlegern Christiane Frohmann (Frohmann), Nikola Richter (Mikrotext) und Fabian Thomas (Shelff) sowie der Gestalterin Andrea Nienhaus

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„Evidence“: Ai Wei Wei im Martin-Gropius-Bau Berlin

Wenn ihr Pfingsten noch nichts vor habt und es euch einfach draußen zu heißt ist,  empfehlen wir allen Berlin-Besuchern und -Bewohnern die Ausstellung „Evidence“ des zeitgenössischen chinesischen Künstlers Ai Wei Wei im Martin-Gropius-Bau Berlin.

Ai Weiwei. 2012 © Gao Yuan
Ai Weiwei. 2012 © Gao Yuan

In 18 Räumen kann man auf 3000 qm u.a. Werke des gesellschaftskritischen Künstlers sehen, die eigens für diese Ausstellung entstanden sind oder bisher noch nicht in Deutschland zu sehen waren. Der Ausstellungstitel „Evidence“ verweist auf den dokumentarischen und archivarischen Charakter dieser Werkschau:  Sie fragt nach den Beweisen gegen den Künstler und versammelt Beweise darüber, was ihm widerfährt.

Modernismus ist das Urgeschöpf der aufgeklärten Menschen, er ist die ultimative Betrachtung über den Sinn des Daseins und das Elend der Realität, er hat ein wachsames Auge auf Gesellschaft und Macht, er geht keine Kompromisse ein, er kooperiert niemals.
Ai Weiwei 1997
(zit. n. „Ai Weiwei – Der verbotene Blog“, Galiani: Berlin 2011)

Diese Ausstellung ist in jedem Winkel politisch und offenbart das unverständliche Unrecht, das dem chinesischen Künstler derzeit widerfährt, der seit langer Zeit unter Hausarrest steht und nicht zu seiner eigenen Ausstellung anreisen darf. Die chinesische Staatsmacht versucht den Künstler, Architekten und Politiker mit allen Mitteln – auch illegal – mundtot zu machen. Sie schlossen seinen Blog, den monatlich über 100.000 Menschen besuchten, um die Arbeit des Künstler zu begleiten. Sie zerstörten sein Atelier und seine Werkstatt, in der seine Installationen und Ideen entstehen. Sie steckten ihn 2011 illegal für 81 Tage in die Zelle eines Geheimgefängnisses, das er nie verlassen durfte und rund um die Uhr bewacht wurde. Von diesen Repressionen und Erlebnissen sprechen die Ausstellungsexponate und Installationen, die nachdenklich machen und Kopfschütteln hervorrufen.

Die Ausstellung „Evidence“ erinnert den Besucher daran, dass es nicht überall selbstverständlich ist, seine Meinung frei äußern zu dürfen. Auch wenn die Bedingung für Kreativität Freiheit ist, lässt sich ein Künstler nicht unterdrücken. Ai Wei Wei macht Kunst unter politischem Druck. „Evidence“ ist noch bis zum 13.07.14 geöffnet. Seht sie euch an!

Über Ai Wei Wei:

http://de.wikipedia.org/wiki/Ai_Weiwei
http://aiweiwei.com

Eine andere Meinung:

http://www.monopol-magazin.de/artikel/20103168/Hou-Hanru-Ai-Weiwei-haus-der-kunst.html

Ausstellungskritik:

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/ai-weiwei-austellung-evidence-in-berliner-martin-gropius-bau-a-962163.html
http://www.taz.de/!136108/

Informationen zum Martin-Gropius-Bau und zur Ausstellung:

http://www.museumsportal-berlin.de/museen/martin-gropius-bau/
http://www.berlinerfestspiele.de/de/aktuell/festivals/gropiusbau/programm_mgb/mgb14_ai_wei_wei/ausstellung_ai_weiwei/veranstaltungsdetail_80214.php

Literatur zu Ai Wei Wei:

http://www.hanser-literaturverlage.de/buecher/buch.html?isbn=978-3-446-23846-6
http://www.galiani.de/buecher/ai-weiwei-der-verbotene-blog.html

Siri Hustvedt: „Leben, Denken, Schauen“, Essays (2014)

Siri Hustvedt_Essays

Wer Literatur an der Schnittstelle zwischen wirklich guter, lesbarer Unterhaltung und wissenschaftlichem Anspruch mag, wird Siri Hustvedt lieben. Ob in ihren Romanen oder in ihren Essays: Als ihr Leser ist man nach jedem Buch schlauer, bewegter und hatte darüber hinaus eine unterhaltsame Lesezeit, die man mitunter vermisst. Nachdem ich von ihrem Roman „Was ich liebte“ restlos begeistert war, konnte ich nicht widerstehen, als ich vor einigen Wochen eine dieser zufälligen Begegnungen mit ihrem jüngst auf Deutsch erschienenen Essayband „Leben, Denken, Schauen“ hatte. Die Lektüre hat mich wirklich in mehrfacher Hinsicht bereichert. Weiterlesen