„Evidence“: Ai Wei Wei im Martin-Gropius-Bau Berlin

Wenn ihr Pfingsten noch nichts vor habt und es euch einfach draußen zu heißt ist,  empfehlen wir allen Berlin-Besuchern und -Bewohnern die Ausstellung „Evidence“ des zeitgenössischen chinesischen Künstlers Ai Wei Wei im Martin-Gropius-Bau Berlin.

Ai Weiwei. 2012 © Gao Yuan
Ai Weiwei. 2012 © Gao Yuan

In 18 Räumen kann man auf 3000 qm u.a. Werke des gesellschaftskritischen Künstlers sehen, die eigens für diese Ausstellung entstanden sind oder bisher noch nicht in Deutschland zu sehen waren. Der Ausstellungstitel „Evidence“ verweist auf den dokumentarischen und archivarischen Charakter dieser Werkschau:  Sie fragt nach den Beweisen gegen den Künstler und versammelt Beweise darüber, was ihm widerfährt.

Modernismus ist das Urgeschöpf der aufgeklärten Menschen, er ist die ultimative Betrachtung über den Sinn des Daseins und das Elend der Realität, er hat ein wachsames Auge auf Gesellschaft und Macht, er geht keine Kompromisse ein, er kooperiert niemals.
Ai Weiwei 1997
(zit. n. „Ai Weiwei – Der verbotene Blog“, Galiani: Berlin 2011)

Diese Ausstellung ist in jedem Winkel politisch und offenbart das unverständliche Unrecht, das dem chinesischen Künstler derzeit widerfährt, der seit langer Zeit unter Hausarrest steht und nicht zu seiner eigenen Ausstellung anreisen darf. Die chinesische Staatsmacht versucht den Künstler, Architekten und Politiker mit allen Mitteln – auch illegal – mundtot zu machen. Sie schlossen seinen Blog, den monatlich über 100.000 Menschen besuchten, um die Arbeit des Künstler zu begleiten. Sie zerstörten sein Atelier und seine Werkstatt, in der seine Installationen und Ideen entstehen. Sie steckten ihn 2011 illegal für 81 Tage in die Zelle eines Geheimgefängnisses, das er nie verlassen durfte und rund um die Uhr bewacht wurde. Von diesen Repressionen und Erlebnissen sprechen die Ausstellungsexponate und Installationen, die nachdenklich machen und Kopfschütteln hervorrufen.

Die Ausstellung „Evidence“ erinnert den Besucher daran, dass es nicht überall selbstverständlich ist, seine Meinung frei äußern zu dürfen. Auch wenn die Bedingung für Kreativität Freiheit ist, lässt sich ein Künstler nicht unterdrücken. Ai Wei Wei macht Kunst unter politischem Druck. „Evidence“ ist noch bis zum 13.07.14 geöffnet. Seht sie euch an!

Über Ai Wei Wei:

http://de.wikipedia.org/wiki/Ai_Weiwei
http://aiweiwei.com

Eine andere Meinung:

http://www.monopol-magazin.de/artikel/20103168/Hou-Hanru-Ai-Weiwei-haus-der-kunst.html

Ausstellungskritik:

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/ai-weiwei-austellung-evidence-in-berliner-martin-gropius-bau-a-962163.html
http://www.taz.de/!136108/

Informationen zum Martin-Gropius-Bau und zur Ausstellung:

http://www.museumsportal-berlin.de/museen/martin-gropius-bau/
http://www.berlinerfestspiele.de/de/aktuell/festivals/gropiusbau/programm_mgb/mgb14_ai_wei_wei/ausstellung_ai_weiwei/veranstaltungsdetail_80214.php

Literatur zu Ai Wei Wei:

http://www.hanser-literaturverlage.de/buecher/buch.html?isbn=978-3-446-23846-6
http://www.galiani.de/buecher/ai-weiwei-der-verbotene-blog.html

Bericht vom 2. KunstSalon am Dienstag bei Susanne Haun – Thema: Ichfindung und Identitätsbildung

Susanne Haun

Gestern fand mein 2. KunstSalon am Dienstag zum Thema „Ichfindung und Identitätsbildung – Das Ich im Laufe der Moderne und Postmoderne“ statt.

Katja und Laura vom Blog aboutsomething führten uns durch das Thema. Herzlichen Dank an beide für ihre sehr guten Ausführungen, die uns zur Diskussion anregten.

Salon zum Thema Ichfindung (c) Foto von Susanne Haun Salon zum Thema Ichfindung (c) Foto von Susanne Haun

Katja stellte die Grundfragen der Identität und Individualisierung aus Sicht der Soziologie vor:

Ihre Quelle war dabei:
Heinz Abels, Identität – Lehrbuch, 2. üb. erw. Aufl. 2010, Verlag für Sozialwissenschaften Wiesbaden

„Grundfragen der Soziologie im Hinblick auf das Individuum im Verhältnis zu sich:

• Wie ist die Vorstellung des Menschen, ein Individuum zu sein, entstanden?
• Welcher Anspruch hat sich aus dieser Vorstellung ergeben?
• Wie sehen die gesellschaftlichen Bedingungen in der fortgeschrittenen Moderne aus?
• Was ist Identität? – Wie bin ich geworden, was ich bin (Entwicklung des Selbst)? Wer will ich sein…

Ursprünglichen Post anzeigen 586 weitere Wörter

In eigener Sache: Suche anspruchsvollen Kriminalroman

Normalerweise seid ihr es von uns gewohnt, dass wir euch vorstellen, mit welcher Lektüre wir uns gerade beschäftigen oder welche Themen uns bewegen. Diesmal habe ich eine Frage an euch oder besser gesagt, eine Bitte: Ich habe seit einiger Zeit mal wieder Lust, einen guten und anspruchsvollen Kriminalroman zu lesen. Leider kenne ich mich in diesem Genre nicht gut aus, da mein Interesse in den letzten Jahren anderer Literatur galt. Die einschlägigen Namen der Krimi-Bestsellerliste wie Adler-Olsen, Fitzek, Neuhaus o.ä. stellen leider sprachlich nicht das dar, was ich mir unter „guter origineller Literatur“ vorstelle und es ist sehr schwierig und zeitaufwendig, sich im Meer von Neuerscheinungen und Buchtippgebern nach interessanter, anspruchsvoller, stilistisch herausragender Krimilektüre mit einem Hauch Absurd-Morbidem zu begeben …

Da ich kein typischer Krimileser bin, der rein auf eine spannende Story mit allseits bekannten Topoi oder Motiven setzt, die mich „nur“ unterhält und sich ratzfatz weglesen lässt, ist meine Suche bisher noch nicht erfolgreich gewesen und frustet mich etwas. Daher dachte ich mir, ich kehre das Ganze einmal um und frge euch nach Hinweisen und Links zu internationaler Kriminalliteratur, die auf meine Beschreibung passen könnte. Vielleicht geht es euch ja sogar wie mir und ihr befindet euch ebenso auf der Suche nach ähnlichen Büchern? Dann können wir uns austauschen oder ihr bekommt hier den einen oder anderen Tipp.

Willkommen sind alle Vorschläge aus der Weltliteratur, egal welcher Zeit, gern auch englischer Sprache, es muss keine Neuerscheinung sein. Wenn ihr euch fragt, was ich genau unter einem „guten und anspruchsvollen Kriminalroman“ verstehe, dann kann ich schon einmal sagen, dass ich die Krimis von Thea Dorn sehr mag.

Mit analytischem Blick betrachtet die Philosophin die gesamtgesellschaftlichen Zusammenhänge und psychologischen Abgründe von Gewalttaten. Ihre Protagonistinnen entstammen meist wohlhabendem Milieu und töten aus Leidenschaft. Man könnte ihre Krimis auch als Milieustudien bezeichnen. Gefallen hat mir daran der analytisch-philosophische Blick, die originellen Tatschauplätze und -hergänge und die im Speziellen abgründig und selbstbewusst-kühl dargestellten weiblichen Killerinnen, deren innere Konflikte und abgespaltenen Bewusstseinsebenen Thea Dorn meisterhaft spannend, absurd-witzig und analytisch-kühl darstellt …

Nun seid ihr dran: Wer hat einen kriminellen Lektürevorschlag oder Buchtipp für mich?

Ich freue mich sehr auf eure Vorschläge und Kommentare!

 

„Inside Llewyn Davis“ und Dave van Ronk – Die Folkszene von New York

dave van ronk_der könig von greenwich villageWer Musik liebt, gern Musikerbiographien liest und sich für die frühe Folkmusikszene in Amerika interessiert, wird von „Der König von Greenwich Village“ beeindruckt sein.
Diese These stelle ich einfach mal kühn in den Raum, weil ich so begeistert von diesem Buch bin und ihm viele glücklich inspirierte Leser wünsche.

Von Dave van Ronk, dem oben so genannten „König von Greenwich Village“, hatte ich bisher noch nichts gehört. Auf dieses Buch gekommen bin ich durch einen großartigen Film der Coen Brüder, der kurz vor Weihnachten 2013 in die Kinos kam: „Inside Llewyn Davis“. Darin geht es um einen jungen Mann namens Llewyn Davis, der im New Yorker Intellektuellen- und Szenebezirk Greenwich Village sein Glück als Folkmusiker findet – leider mehr oder minder erfolgreich. Der Film ist ein liebevoll gestaltetes Portrait der amerikanischen Folkszene der 50er/60er Jahre mit urkomischen und skurrilen Musikerexistenzen, einem großartigen John Goodman in der Rolle eines heroinsüchtigen Jazzers – eine Art unterhaltsamer Road-Movie und Milieubericht mit melancholisch-leiser Grundstimmung, die eine gewisse existenzielle Nachdenklichkeit und dunkle Sehnsucht anspricht, die nichts besser wiedergeben kann als die kratzig-sensible Stimme eines Folksängers und seiner akustischen Gitarre. Weiterlesen

„So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein“

Das Leben ist eine verdammt schöne und verdammt traurige Sache zugleich. Vor allem wenn wir mit Krankheit und Tod konfrontiert werden und das meist völlig unvermittelt. Es reißt uns aus dem belanglosen Alltag heraus und zeigt uns seine hässliche Fratze – seine Endlichkeit. Uns als nicht-existent zu denken, ist fast unmöglich. Wenn ich das versuche, überkommt mich eine große Angst, weil ich all das Schöne hier, die Menschen und Augenblicke, die mir so viel bedeuten, dann nicht mehr habe. Und dennoch ist es wichtig, diese Endlichkeit nicht zu verdrängen, sondern sich auch mit diesen Abgründen zu beschäftigen. Sie sind furchtbar traurig, doch sie sind unausweichlich und sie sind da. Konfrontation ist nicht schön, sondern tut weh. Leben ist nicht immer schön, sondern tut auch weh.

„Dieses Buch ist das Dokument einer Erkrankung, keine Kampfschrift. Zumindest keine Kampfschrift gegen eine Krankheit namens Krebs. Aber vielleicht eine für die Autonomie des Kranken und gegen die Sprachlosigkeit des Sterbens. Mene Gedanken aufzuzeichnen hat mir jedenfalls sehr geholfen, das Schlimmste, was ich je erlebt habe, zu verarbeiten und mich gegen den Verlust meiner Autonomie zu wehren. Vielleicht hilft es nun auch einigen, diese Aufzeichnungen zu lesen. Denn es geht hier nicht um ein besonderes Schicksal, sondern um eines unter Millionen.“

Ich möchte euch daher Christoph Schlingensiefs „Tagebuch einer Krebserkrankung“ empfehlen. Laura hat mir dieses Buch ans Herz gelegt und ausgeliehen, da sie sich intensiver mit Schlingensief als Künstler auseinandersetzt. Wer Christoph Schlingensief nicht kennt, möge sich über den einzigartigen Dramaturgen, Regisseur und Künstler unter www.schlingensief.com umfänglich informieren. Ich möchte ihn nicht in Platitüden pressen, die seiner nicht gerecht werden oder Schubladen bedienen.Schlingensief_Tagebuch einer Krebserkrankung

Das war das traurigste und berührendste Buch, was ich seit langem atemlos gelesen habe. Weiterlesen

What @bout: Sonntag mit Proust?

Seit Beginn unseres Blogs habe ich die Rubrik „Sonntag mit Proust“ aufrecht erhalten und überlege nun, ob es sinnvoll ist, sie weiter zu führen. Lesen werde ich Prousts „Suche nach der verlorenen Zeit“ weiterhin, aber wollt ihr daran teilhaben? Interessieren euch die Zitate oder klickt ihr sie eher genervt weg? Ich habe eine Umfrage vorbereitet um ein Feedback zu haben. Es würde mich freuen, wenn ihr mir verdeutlicht, ob ich meine Schreibzeit lieber für etwas anderes aufbringen soll :)!

+++Aufruf: Demokratie im digitalen Zeitalter+++

Es gibt ihn doch noch, den Autor und die Autorin, die nicht nur schreibend Veränderung fordern, sondern auch etwas tun. Das ist mir sehr sympathisch. Wenn man es auch mit einem ziemlichen Mammutproblem zu tun hat, ist es doch ein Anfang. Denn leider scheinen sich wohl alle der Problematik bewusst, aber irgendwie reicht das Bewusstsein noch nicht, damit auch etwas passiert. Es geht um unsere digitale Freiheit und das Recht auf Privatheit auch im Digitalen, das in Zeiten von NSA und Datenspeicherung grundlegend angegriffen wird.a stand for democracy

560 Schriftsteller aus 83 Ländern forderten letzte Woche im Aufruf „Demokratie verteidigen im digitalen Zeitalter“ eine verbindliche Internationale Konvention der digitalen Rechte. In einem groß angelegten internationalen Aufruf, initiiert in einem freien nicht-institutionellen Zusammenschluss u.a. von der Autorin Juli Zeh und dem Autor Ilja Trojanow,  fordern Autoren das Recht auf digitale Freiheit und Demokratie:

„Ein Mensch unter Beobachtung ist niemals frei; und eine Gesellschaft unter ständiger Beobachtung ist keine Demokratie mehr. Deshalb müssen unsere demokratischen Grundrechte in der virtuellen Welt ebenso durchgesetzt werden wie in der realen.“ (…)

Wir fordern daher, dass jeder Bürger das Recht haben muss mitzuentscheiden, in welchem Ausmaß seine persönlichen Daten gesammelt, gespeichert und verarbeitet werden und von wem; dass er das Recht hat, zu erfahren, wo und zu welchem Zweck seine Daten gesammelt werden; und dass er sie löschen lassen kann, falls sie illegal gesammelt und gespeichert wurden.

Wir rufen alle Staaten und Konzerne auf, diese Rechte zu respektieren.

Wir rufen alle Bürger auf,  diese Rechte zu verteidigen.

Wir rufen die Vereinten Nationen auf, die zentrale Bedeutung der Bürgerechte im digitalen Zeitalter anzuerkennen und eine verbindliche Internationale Konvention der digitalen Rechte zu verabschieden.

Wir rufen alle Regierungen auf, diese Konvention anzuerkennen und einzuhalten.“ Weiterlesen

expression #Alfred Wolfenstein: Das Herz#

Vergessen lag das Herz in unsrer Brust,
Wie lang! Ein Kiesel in des Willens Lust.
Nur mit den wasserkühlen spiegelnden Händen
Manchmal berührt, unbewußt.

Einsiedlerisch in sich geschweift so klein,
Nicht nötig für de lückenlosen Stein
Der großen Stadt und für den stählernen Geldthron,
In spitzes Rad griff volles Herz nicht ein.

Doch einmal endet der entseelte Lauf,
Nie steigt aus Umwelt Licht herauf,
Was uns umscheint, ist Himmel nie! Der Morgen
Bricht innen aus dem Menschen auf –

Das Herz – das schmal wie eine Sonne brennt,
Doch Sterne rings nach seinen Strahlen nennt,
Das kleine Herz blickt unermeßlich
Aus seiner Menschenseele Firmament!

O Stirn, das Zeichen dieses Herzens trag,
Gedanken, tiefer hallt von seinem Schlag,#
Das Herz wird die gewaltige Einheit innen!
Im Weltall leuchtets als des Menschen Tag.

Kurt Pinthus: Menschheitsdämmerung.  Ein Dokument des Expressionismus. Rowohlt Verlag Berlin 1990 (Erstausgabe 1920) Hier S. 123.

Writeaboutsomething im Interview @ Uniglobale

Vor kurzem erhielten wir eine freundliche E-Mail von Christiane Kürschner, die für die neue Studentenzeitschrift Uniglobale von Studenten betriebene Blogs vorstellt und nach den Hintergründen des Bloggens fragt. Wir fallen zwar nicht mehr wirklich in die Kategorie studentisches Bloggen, da wir beide unser Studium schon  vor einiger Zeit abgeschlossen haben. Aber Laura verlängert durch ihre Promotion quasi diese Zeit, so dass wir doch noch hineinfallen und sehr gern Rede und Antwort standen.im interview mit uniglobale

Weiterlesen

And the Winner is … Terézia Mora – Diskussion zum Deutschen Buchpreis

Buchpreise – mehr Schein als Sein? Was bedeuten sie für uns Leser? Orientieren wir uns daran?
Für den Buchhandel bedeuten sie viel, denn sie bedeuten, einen Titel zu haben, der gekauft wird, weil er einen Preis gewonnen hat, DEN Preis des deutschen Buchhandels – den DEUTSCHEN BUCHPREIS.

Vor wenigen Stunden wurde in Frankfurt der DEUTSCHE BUCHPREIS verliehen und ich gratuliere der Autorin Terézia Mora für diesen Gewinn zu ihrem Buch „Das Ungeheuer“, der neben der literarischen Anerkennung auch schlicht und einfach bedeutet, dass sie ein Preisgeld gewinnt, von dem sie eine Weile zehren kann (für eine Autorin oder einen Autor heutzutage nicht unerheblich).

Nominiert waren neben der gebürtigen Ungarin noch Mirko Bonné (Nie mehr Nacht, Schöffling & Co.), Reinhard Jirgl (Nichts von euch auf Erden, Hanser), Clemens Meyer (Im Stein, S. Fischer), Marion Poschmann (Die Sonnenposition, Suhrkamp) und Monika Zeiner (Die Ordnung der Sterne über Como, Blumenbar).

Ich habe eine sehr zwiegespaltene Meinung zu Buchpreisen – da wären einmal die Nomierungen, bei denen selten Autoren und Bücher dabei sind, die ich mir als preisverdächtig wünschen würde. Nun gut, das ist eben eine subjektive Beurteilung. Aber dann frage ich mich – ist das denn fair, dass einige wenige Repräsentanten dann über den Buchgeschmack eines ganzes Jahres entscheiden können oder dürfen? Ich finde dies sehr schwierig und habe selten Titel gelesen, die den Buchpreis erhielten, eben weil sie ihn erhielten. Natürlich werden auch die Titel der jeweils im Vorlauf veröffentlichten Long- und Shortlist einiges an Aufmerksamkeit erhalten, aber was ist mit den vielen anderen guten und besonderen Titeln, die kaum Chancen auf eine Nominierung  geschweige denn einen Gewinn haben und damit eben auf dem Markt der Überfüllung untergehen?

Spannend dazu die einleitenden Worte des Börsenvereinvorstehers Gottfried Honnefelder zur Verleihung:

Je mehr Kommunikation, Kaufentscheidung und Medienkonsum ins Internet abwandern, umso mehr wächst auf der anderen Seite das Bedürfnis, der Autorin oder dem Autor näher zu kommen, ihm oder ihr persönlich zu begegnen, seine oder ihre Sicht der Welt näher kennen zu lernen. (…)Autoren haben nicht nur literarisch etwas zu sagen, das Publikum will seine Autoren erleben – sehen und hören. Und Buchpreise sind dabei wie die Scheinwerfer, die die Autoren ins Blickfeld rücken und Literatur einer breiter werdenden Leserschicht erschließen.

Ich freu mich für Terézia Mora, die ich bisher nicht kannte, dadurch kennenlerne und deren nominierten Titel ich nicht gelesen habe. Denn ich hätte mich wirklich kaputt gelacht, wenn ein Selbstinszenierer wie Clemens Meyer gewonnen hätte, der seit Wochen durchs Feuilleton geistert … Das wäre doch wirklich zu einfach gewesen und zu uninspiriert … Aber das ist nur meine persönliche Beurteilung. Auch das wäre eine Entscheidung gewesen, die eben den Geschmack und die Beurteilung einiger weniger Menschen zur Grundlage hat.

Daher meine Frage an euch zur Diskussion: Was haltet ihr vom DEUTSCHEN BUCHPREIS, vom Prozedere der Vergabe, den Jury-Mitgliedern und der diesjährigen Wahl? Lest ihr Bücher extra, weil sie den Buchpreis gewonnen haben? Lest ihr nominierte Titel vor der Vergabe, oder geht das unbeeindruckt an eurer Buchauswahl und Lektüre vorbei?

Denkt ihr, es ist nur hilfreich für den deutschen Buchhandel und einzelne Autoren, fördert Starrummel? Zeigt die diesjährige Vergabe, dass auch Qualität im Wort und weniger Inszenierung überzeugen können?  Oder haltet ihr die Wahl für überschätzt oder verfehlt?

Die Diskussion ist eröffnet!