Judith Holofernes: „Du bellst vor dem falschen Baum“ (2015)

Judith Holofernes, ist das nicht die Sängerin der Band „Wir sind Helden“? Judith Holofernes_Du bellst vor dem falschen BaumRichtig. Ich mochte Wir sind Helden mit ihrer ersten Platte „Reklamation“ und ihrem zweiten Album „Von hier an blind“ sehr gern und habe sie auch ein paar Mal live erlebt. Dann sind sie mir ein wenig in Vergessenheit geraten, ich habe mich für andere Musik interessiert. Letztes Jahr habe ich dann bei Radio Eins gehört, dass Judith ein Solo-Album aufgenommen hat. Das hat mich dann wieder neugierig gemacht. Ich habe ein wenig nach ihr gegoogelt und bin auf ihren Blog gestoßen. Dort versammelt sie nicht nur Gedanken aus ihrem persönlichen Leben oder äußert sich zu aktuellen Themen, sondern veröffentlicht auch Gedichte und lyrische Texte. Wie passend, dachte ich. Judith war auch bei Wir sind Helden für die eigensinnigen, einprägsamen Texte verantwortlich, die mir damals schon gut gefallen hatten. Und nun ein Band mit Tiergedichten. Ich mag Judith Holofernes und ich mag Tiere. Das muss doch was für mich sein.

Viele andere Leser fragen sich jetzt wohl – muss das sein? Und vor allem – muss das gut sein? Ich würde sagen, es muss gar nichts, aber es kann alles. Wenn einer als Sänger schauspielert oder umgekehrt, gilt in Deutschland immer der Vorwurf: Das macht er jetzt auch nur, weil er schon einen Namen hat und weil es gerade „in“. Ähnlich ist es wohl scheinbar auch mit dem Publizieren. Was haben wir also von der Veröffentlichung von Judith Holofernes zu halten? Ihr könnt davon halten, was ihr mögt. Ich möchte euch gern mitteilen, was ich davon halte. Weiterlesen

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@bout: kunstgeschichte.info – Der Onlineguide (nicht nur) für Kunsthistoriker

Für alle, die auf dem Laufenden sein und bleiben wollen, wenn es um Kunst, Ausstellungen, Kunstbetrieb, Stellenmarkt im Kunstbereich etc. geht, habe ich eine besondere Empfehlung:

Den Onlineguide kunstgeschichte.info.

kunstgeschichte.info

Auf der Seite findet ihr im Blog aktuelle Nachrichten aus der Kunstwelt, sowie Tipps und Besprechungen zu Ausstellungen. Diese sind neuerdings oft mit Videos aufbereitet. Darüber hinaus gibt es Terminübersichten zu Ausstellungen und Tagungen, Übersichten zu Auktionshäusern, umfangreiche Infos zu Stellenangeboten und Karriere im Kunstbereich und Tipps zum Studium der Kunstgeschichte! Wer Buchtipps sucht wird ebenso fündig wie jemand, der nach guten Kunstblogs sucht (unser Blog wird leider nicht mit aufgeführt, da dort reine Kunstblogs aufgelistet werden, wir aber ja auch viel über Literatur bloggen). Man findet zudem Links zu Bilddatenbanken und Mediatheken, kommentierte Listen von Kunstzeitschriften und vieles mehr!
Der 2-wöchentlich erscheinende Newsletter informiert darüber, was die Kunstwelt bewegt und fasst die wichtigsten Neuigkeiten und Stellenangebote in einer Mail zusammen.

Betrieben wird die informative Seite von Kunsthistoriker Sebastian Weinhold aus Erfurt. Er hatte während seines Studiums 2011 die Idee, kunstgeschichtliche Inhalte online zugänglich zu machen, weil er es schade fand, dass gesammelte Ressourcen, Links, Recherchetools und Erfahrungswerte allzu oft in Aktenordnern verschwinden.

Jüngst ist die Seite mit einem Relaunch an den Start gegangen, der zum einen auch die Ansprüche für mobile Geräte abdeckt, ein neues Design zeigt und zum anderen auch den Schwerpunkt auf den Blog mit aktuellen Nachrichten aus der Kunstwelt legt. Für die nahe Zukunft ist des Weiteren ein Karriereportal für Kunsthistoriker geplant.

Die Seite gibt einen umfassenden, übersichtlich gestalteten Überblick über die verschiedensten Bereiche, die Kunst betreffend. Vor allem ist sie im Geiste ihrer Zeit ganz auf Kunst und Kunstgeschichte im Web 2.0 ausgerichtet, was man bisher nicht von vielen Onlineangeboten behaupten kann. Ich bin sehr froh, diese Seite für mich entdeckt zu haben, da sie wirklich mal alles von (kunsthistorischem) Interesse zusammenfasst und zahlreiche hilfreiche Links und Tipps beinhaltet. Darüber hinaus sind die Übersichtslisten kurz und knackig kommentiert und die ausführlicheren Texte in Ausstellungsbesprechungen bspw. gut geschrieben und nicht nur inhaltliche Wiedergaben der Pressetexte.

Nur schade, dass ich die Seite erst jetzt entdeckt habe =)!!!
Für Kunstgeschichts-Studenten bietet sie eine optimale Plattform sich rundum zu informieren, Kunsthistoriker können sich auf dem Laufenden halten und Karrierepläne schmieden und alle anderen? Können ihre Liebe zur Kunst(geschichte) entdecken…

Danke für diesen Onlineguide!!!

Ausstellungsbesuch: „Queensize. Female Artists from the Olbricht Collection“

Ausstellungsansicht  © Katja
Ausstellungsansicht
© Foto: Katja

Die aktuelle Ausstellung im Me Collectorsroom in der Berliner Auguststraße versammelt Kunstwerke von rund 60 Künstlerinnen aus der Sammlung von Thomas Olbricht. Typischerweise finden sich die für dessen Sammlung signifikanten Themen: Leben, Vergänglichkeit, Sex und Tod. Zeitlich umfassen die gezeigten Werke gegenwärtige Positionen von den 1980er Jahren bis heute.

Bereits der Titel der Ausstellung gibt einen Hinweis auf den den Fotos, Gemälden, Skulpturen und Filmen gemeinsamen Themenkomplex: „Queensize“ als Bezeichnung für eines der größten Bettenformate verweist gleichermaßen auf Weiblichkeit („queen“) und das Bett symbolisiert „den existentiellen Ort menschlicher Erfahrung“ (Flyerheft zur Ausstellung). Doch es geht in den Arbeiten um mehr als um Leben und Tod oder Träume und Albträume. Weiterlesen

[Rezension] Siri Hustvedt – „The Blazing World“

Hustvedt_BlazingWorldSiri Hustvedts neuen Roman „The Blazing World“ musste ich auf englisch lesen, nachdem ich von dj709 von Binge Reading auf den Roman aufmerksam gemacht worden war, weil ich nicht die deutsche Übersetzung abwarten kann / will.

She remembered what I had forgotten, and I remembered what she had forgotten, and when we remembered the same story, didn´t we remember it differently? But neither of us was prevaricating. The scenes of the past were continually being shifted and reshuffled and seen again from the vantage point of the present, that´s all, and the changes take place without our awareness. Harry hat reinterpreted any number of memories. Her whole life looked different.“

Wieder sind Identität, die Kunstwelt, Gender-Fragen, Liebe und zwischenmenschliche Beziehungen, aber auch Erinnerung und das neurowissenschaftliche Verhältnis zwischen Phantasie / Idee und deren Umsetzung in die Wirklichkeit zentrale Themen der Autorin. Was neu ist, ist die Schreibweise, die Baukonstruktion des Buches.

Bei „The Blazing World“ strickt Hustvedt die Geschichte gewisserweise aus vielschichtigen Fragmenten heraus. Man liest Zeitungsberichte, Aussagen von Angehörigen und Freunden, Interviews, Reviews zu Ausstellungen und vor allem Notizbucheinträge der Protagonistin und puzzelt sich so Stück für Stück das Geschehen zusammen. Und das macht richtig Spaß, gerade weil es nicht dem linear erzählten Lesefluss entspricht, den man sonst häufig in zeitgenössischer Literatur aus Amerika findet. Darüber hinaus ergibt sich eine interessante Polyperspektivität, da verschiedene Personen, die ins Geschehen mal mehr, mal weniger integriert sind, ihre Sicht der Dinge wiedergeben. Weiterlesen

@bout „Vanitas – Ewig ist eh nichts“ im Georg-Kolbe-Museum

In Berlins Westen findet sich in einer ruhigen Ecke das Georg-Kolbe-Museum. Die Gebäude bestehen aus den ehemaligen Atelierräumen des 1947 verstorbenen deutschen Bildhauers. Georg Kolbe fertigte Aktskulpturen an und war damit bereits zu Lebzeiten sehr erfolgreich.
Während wir in dem beschaulichen Skulpturenpark sitzen, resümieren wir die Eindrücke der Sonderausstellung „Vanitas – Ewig ist eh nichts“.

Laura: Die Ausstellung zeitgenössischer Skulpturen und Installationen wirft Fragen zu Vergänglichkeit und dem Gedanken ans Sterben auf. Welche Vanitas-Motive finden auch im 21. Jhd. noch Anwendung und begleiten uns vielleicht täglich? Was gemahnt uns heute an unsere Sterblichkeit? Wie können wir damit umgehen? Ich finde, die Ausstellung gibt einen interessanten Überblick und bezieht sich gleichzeitig auf die typische Vanitas-Zeit: das Barock.

Bildquelle: GNM | Gm1409 | Gesamtaufnahme | Foto: Dirk Meßberger, 31.03.2009
Bildquelle: GNM | Gm1409 | Gesamtaufnahme | Foto: Dirk Meßberger, 31.03.2009

Katja: Interessant ist vor allem die Art und Weise wie zeitgenössische Künstler in den modernen Ausdrucksmedien wie Installation dieses Thema bearbeiten. Genau das zeigt ja die Ausstellung. Der italienische Künstler Luca Trevisani friert Paradiesvogelblumen ein, die er in einer aufwendigen Installation von der Decke in Bündeln hängen lässt. Die gefrorenen Pflanzen stellen direkt für den Betrachter den Prozess der Vergänglichkeit dar, da das gefrorene Wasser aus dem Objekt auf den Boden tropft. Spannend finde ich daran, dass jeder Betrachter in der Ausstellung damit ein anderes Objekt betrachtet und irgendwann ist das gefrorene Objekt geschmolzen und es bleiben nur mehr die Pflanzenreste … Weiterlesen

Urlaub im Museum

Ins Museum kann man gehen, wenn einem draußen zu warm ist. In angenehm temperierten Räumen werden dem Auge verschiedenste Kunstwerke dargelegt, sodass man gemütlich schlendernd und schauend, Hitze und Stadttrubel hinter sich lassen kann. Man kann natürlich auch ein Buch mitbringen und sich auf eine der Besucherbänke niederlassen um zu lesen. Oder es halten wie Reger in Thomas Bernhards „Alter Meister“, der stundenlang auf ein Bild von Tintoretto schaute und es verinnerlichte.

Aber der Museumsbesuch hat nicht nur den Effekt der Abkühlung im Sommer, Gewitterschutz oder Erholung zur Folge. Unlängst erschien in der Psychologie Heute Mai 2014 ein Artikel von Martin Hecht, darüber, dass Kunst bei Lebenskrisen helfen kann. So erinnert Kunst uns an das, was wirklich wichtig ist im Leben, hilft uns zur Selbsteinsicht, kann neue Gedanken in uns erzeugen oder alte Fragen beantworten. Wir lernen durch Kunstrezeption wieder, die Dinge und Menschen in unserer Umgebung wertzuschätzen und Achtsamkeit für die kleinen und schönen Aspekte zu entwickeln.

„Was uns fehlt, finden wir im Kunstwerk. In einem Kunstwerk sind tatsächlich alle Emotionserfahrungen angelegt – und es finden immer auch diejenigen von ihnen den Weg zum Betrachter, die ihm vielleicht am fernsten liegen.
Kunsterleben ist immer ein Wechselspiel, ein reziproker Prozess zwischen Kunstobjekt und Betrachter. Wir lesen nicht nur heraus, was in einem Kunstwerk steckt. Am Ende erkennen wir nicht so sehr die Kunst, sondern sie vielmehr uns. Sie bringt unsere innere Welt in Bewegung, belebt untergegangene, verschüttete „gute“ Gefühle genauso wie die angstvollen, verstörenden – und macht uns diese schließlich „klar“, wenn wir sie im Sprechen über das Kunsterleben an die Oberfläche unseres Bewusstseins bringen.“

(Martin Hecht: Schönheit heilt. Wie Kunst und Natur uns in Krisenzeiten helfen, in: Psychologie Heute, Mai 2014, S. 38-43, hier S. 40.)

Egal ob inspirierender Urlaub im Museum, Abkühlungssuche oder gleich die kleine Selbsttherapie: ein Museumsbesuch kann jedenfalls nicht schaden =)

Ich habe euch für Berlin eine kleine Liste der interessantesten Ausstellungen dieses Sommers und Herbsts zusammengestellt, die ich noch unbedingt sehen will. Lasst euch inspirieren! Weiterlesen