Ausstellungsbesuch: „Queensize. Female Artists from the Olbricht Collection“

Ausstellungsansicht  © Katja
Ausstellungsansicht
© Foto: Katja

Die aktuelle Ausstellung im Me Collectorsroom in der Berliner Auguststraße versammelt Kunstwerke von rund 60 Künstlerinnen aus der Sammlung von Thomas Olbricht. Typischerweise finden sich die für dessen Sammlung signifikanten Themen: Leben, Vergänglichkeit, Sex und Tod. Zeitlich umfassen die gezeigten Werke gegenwärtige Positionen von den 1980er Jahren bis heute.

Bereits der Titel der Ausstellung gibt einen Hinweis auf den den Fotos, Gemälden, Skulpturen und Filmen gemeinsamen Themenkomplex: „Queensize“ als Bezeichnung für eines der größten Bettenformate verweist gleichermaßen auf Weiblichkeit („queen“) und das Bett symbolisiert „den existentiellen Ort menschlicher Erfahrung“ (Flyerheft zur Ausstellung). Doch es geht in den Arbeiten um mehr als um Leben und Tod oder Träume und Albträume. Weiterlesen

@bout „Vanitas – Ewig ist eh nichts“ im Georg-Kolbe-Museum

In Berlins Westen findet sich in einer ruhigen Ecke das Georg-Kolbe-Museum. Die Gebäude bestehen aus den ehemaligen Atelierräumen des 1947 verstorbenen deutschen Bildhauers. Georg Kolbe fertigte Aktskulpturen an und war damit bereits zu Lebzeiten sehr erfolgreich.
Während wir in dem beschaulichen Skulpturenpark sitzen, resümieren wir die Eindrücke der Sonderausstellung „Vanitas – Ewig ist eh nichts“.

Laura: Die Ausstellung zeitgenössischer Skulpturen und Installationen wirft Fragen zu Vergänglichkeit und dem Gedanken ans Sterben auf. Welche Vanitas-Motive finden auch im 21. Jhd. noch Anwendung und begleiten uns vielleicht täglich? Was gemahnt uns heute an unsere Sterblichkeit? Wie können wir damit umgehen? Ich finde, die Ausstellung gibt einen interessanten Überblick und bezieht sich gleichzeitig auf die typische Vanitas-Zeit: das Barock.

Bildquelle: GNM | Gm1409 | Gesamtaufnahme | Foto: Dirk Meßberger, 31.03.2009
Bildquelle: GNM | Gm1409 | Gesamtaufnahme | Foto: Dirk Meßberger, 31.03.2009

Katja: Interessant ist vor allem die Art und Weise wie zeitgenössische Künstler in den modernen Ausdrucksmedien wie Installation dieses Thema bearbeiten. Genau das zeigt ja die Ausstellung. Der italienische Künstler Luca Trevisani friert Paradiesvogelblumen ein, die er in einer aufwendigen Installation von der Decke in Bündeln hängen lässt. Die gefrorenen Pflanzen stellen direkt für den Betrachter den Prozess der Vergänglichkeit dar, da das gefrorene Wasser aus dem Objekt auf den Boden tropft. Spannend finde ich daran, dass jeder Betrachter in der Ausstellung damit ein anderes Objekt betrachtet und irgendwann ist das gefrorene Objekt geschmolzen und es bleiben nur mehr die Pflanzenreste … Weiterlesen

Urlaub im Museum

Ins Museum kann man gehen, wenn einem draußen zu warm ist. In angenehm temperierten Räumen werden dem Auge verschiedenste Kunstwerke dargelegt, sodass man gemütlich schlendernd und schauend, Hitze und Stadttrubel hinter sich lassen kann. Man kann natürlich auch ein Buch mitbringen und sich auf eine der Besucherbänke niederlassen um zu lesen. Oder es halten wie Reger in Thomas Bernhards „Alter Meister“, der stundenlang auf ein Bild von Tintoretto schaute und es verinnerlichte.

Aber der Museumsbesuch hat nicht nur den Effekt der Abkühlung im Sommer, Gewitterschutz oder Erholung zur Folge. Unlängst erschien in der Psychologie Heute Mai 2014 ein Artikel von Martin Hecht, darüber, dass Kunst bei Lebenskrisen helfen kann. So erinnert Kunst uns an das, was wirklich wichtig ist im Leben, hilft uns zur Selbsteinsicht, kann neue Gedanken in uns erzeugen oder alte Fragen beantworten. Wir lernen durch Kunstrezeption wieder, die Dinge und Menschen in unserer Umgebung wertzuschätzen und Achtsamkeit für die kleinen und schönen Aspekte zu entwickeln.

„Was uns fehlt, finden wir im Kunstwerk. In einem Kunstwerk sind tatsächlich alle Emotionserfahrungen angelegt – und es finden immer auch diejenigen von ihnen den Weg zum Betrachter, die ihm vielleicht am fernsten liegen.
Kunsterleben ist immer ein Wechselspiel, ein reziproker Prozess zwischen Kunstobjekt und Betrachter. Wir lesen nicht nur heraus, was in einem Kunstwerk steckt. Am Ende erkennen wir nicht so sehr die Kunst, sondern sie vielmehr uns. Sie bringt unsere innere Welt in Bewegung, belebt untergegangene, verschüttete „gute“ Gefühle genauso wie die angstvollen, verstörenden – und macht uns diese schließlich „klar“, wenn wir sie im Sprechen über das Kunsterleben an die Oberfläche unseres Bewusstseins bringen.“

(Martin Hecht: Schönheit heilt. Wie Kunst und Natur uns in Krisenzeiten helfen, in: Psychologie Heute, Mai 2014, S. 38-43, hier S. 40.)

Egal ob inspirierender Urlaub im Museum, Abkühlungssuche oder gleich die kleine Selbsttherapie: ein Museumsbesuch kann jedenfalls nicht schaden =)

Ich habe euch für Berlin eine kleine Liste der interessantesten Ausstellungen dieses Sommers und Herbsts zusammengestellt, die ich noch unbedingt sehen will. Lasst euch inspirieren! Weiterlesen

„Evidence“: Ai Wei Wei im Martin-Gropius-Bau Berlin

Wenn ihr Pfingsten noch nichts vor habt und es euch einfach draußen zu heißt ist,  empfehlen wir allen Berlin-Besuchern und -Bewohnern die Ausstellung „Evidence“ des zeitgenössischen chinesischen Künstlers Ai Wei Wei im Martin-Gropius-Bau Berlin.

Ai Weiwei. 2012 © Gao Yuan
Ai Weiwei. 2012 © Gao Yuan

In 18 Räumen kann man auf 3000 qm u.a. Werke des gesellschaftskritischen Künstlers sehen, die eigens für diese Ausstellung entstanden sind oder bisher noch nicht in Deutschland zu sehen waren. Der Ausstellungstitel „Evidence“ verweist auf den dokumentarischen und archivarischen Charakter dieser Werkschau:  Sie fragt nach den Beweisen gegen den Künstler und versammelt Beweise darüber, was ihm widerfährt.

Modernismus ist das Urgeschöpf der aufgeklärten Menschen, er ist die ultimative Betrachtung über den Sinn des Daseins und das Elend der Realität, er hat ein wachsames Auge auf Gesellschaft und Macht, er geht keine Kompromisse ein, er kooperiert niemals.
Ai Weiwei 1997
(zit. n. „Ai Weiwei – Der verbotene Blog“, Galiani: Berlin 2011)

Diese Ausstellung ist in jedem Winkel politisch und offenbart das unverständliche Unrecht, das dem chinesischen Künstler derzeit widerfährt, der seit langer Zeit unter Hausarrest steht und nicht zu seiner eigenen Ausstellung anreisen darf. Die chinesische Staatsmacht versucht den Künstler, Architekten und Politiker mit allen Mitteln – auch illegal – mundtot zu machen. Sie schlossen seinen Blog, den monatlich über 100.000 Menschen besuchten, um die Arbeit des Künstler zu begleiten. Sie zerstörten sein Atelier und seine Werkstatt, in der seine Installationen und Ideen entstehen. Sie steckten ihn 2011 illegal für 81 Tage in die Zelle eines Geheimgefängnisses, das er nie verlassen durfte und rund um die Uhr bewacht wurde. Von diesen Repressionen und Erlebnissen sprechen die Ausstellungsexponate und Installationen, die nachdenklich machen und Kopfschütteln hervorrufen.

Die Ausstellung „Evidence“ erinnert den Besucher daran, dass es nicht überall selbstverständlich ist, seine Meinung frei äußern zu dürfen. Auch wenn die Bedingung für Kreativität Freiheit ist, lässt sich ein Künstler nicht unterdrücken. Ai Wei Wei macht Kunst unter politischem Druck. „Evidence“ ist noch bis zum 13.07.14 geöffnet. Seht sie euch an!

Über Ai Wei Wei:

http://de.wikipedia.org/wiki/Ai_Weiwei
http://aiweiwei.com

Eine andere Meinung:

http://www.monopol-magazin.de/artikel/20103168/Hou-Hanru-Ai-Weiwei-haus-der-kunst.html

Ausstellungskritik:

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/ai-weiwei-austellung-evidence-in-berliner-martin-gropius-bau-a-962163.html
http://www.taz.de/!136108/

Informationen zum Martin-Gropius-Bau und zur Ausstellung:

http://www.museumsportal-berlin.de/museen/martin-gropius-bau/
http://www.berlinerfestspiele.de/de/aktuell/festivals/gropiusbau/programm_mgb/mgb14_ai_wei_wei/ausstellung_ai_weiwei/veranstaltungsdetail_80214.php

Literatur zu Ai Wei Wei:

http://www.hanser-literaturverlage.de/buecher/buch.html?isbn=978-3-446-23846-6
http://www.galiani.de/buecher/ai-weiwei-der-verbotene-blog.html

@bout: „Ausweitung der Kampfzone“ in der Neuen Nationalgalerie Berlin

In der Neuen Nationalgalerie in Berlin ist nun (nach „Moderne Zeiten“ und „Der geteilte Himmel“) der dritte Teil der Sammlungsausstellung „Ausweitung der Kampfzone“ zu sehen. Der Titel der Ausstellung orientiert sich am gleichnamigen Roman Michel Houellebecqs, in dem die heutige liberalisierte Gesellschaft als Kampfzone in allen Bereichen aufgefasst wird.Ausweitung der Kampfzone

„In einem völlig liberalen Wirtschaftssystem häufen einige wenige beträchtliche Reichtümer an; andere verkommen in der Arbeitslosigkeit und im Elend. In einem völlig liberalen Sexualsystem haben einige ein abwechslungsreiches und erregendes Sexualleben; andere sind auf Masturbation und Einsamkeit beschränkt. Der Wirtschaftsliberalismus ist die erweiterte Kampfzone, das heißt, er gilt für alle Altersstufen und Gesellschaftsklassen. Ebenso bedeutet der sexuelle Liberalismus die Ausweitung der Kampfzone, ihre Ausdehnung auf alle Altersstufen und Gesellschaftsklassen.“

(aus Michel Houellebecq: „Ausweitung der Kampfzone“, S. 108f.)

Um halbwegs durchs Leben zu kommen, gilt es in allen Bereichen, besonders aber in der Wirtschaft und in der Sexualität, zu kämpfen. So ergeht es dem namenlosen Ich-Erzähler Houellebecqs und seinem Kollegen Tisserand, so ergeht es den Künstlern in der Ausstellung „Ausweitung der Kampfzone“. Die ausgestellten Kunstwerke spiegeln eine breitgefächerte Themenvielfalt wider und zeigen Kämpfe in Deutschland 1968 – 2000 an ganz unterschiedlichen Fronten: In der Sexualität und zwischen den Geschlechtern, in der Politik (RAF), in den Medien der Kunst (Malerei, Video, Performance…).

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@bout: Ai Wei Weis Baum im Bunker Berlin

Mitten in Berlin Mitte in der Reinhardtstraße steht ein Bunker. In seinem Inneren befinden sich zahlreiche vom Sammlerehepaar Boros zusammengestellte Kunstwerke, die der Öffentlichkeit zugänglich sind. Allerdings nur nach vorheriger Anmeldung – und mit viel Vorlaufzeit, da die geführten Besuche des Bunkers sehr beliebt sind. Wir haben die Sammlung Boros besucht und wollen euch exemplarisch von einem Kunstwerk berichten, das uns u.a. sehr beeindruckt hat. Da sowohl der Bunker ein extrem geschichtsträchtiger Ort ist, als auch zum vorgestellten Künstler sehr viel zu erzählen ist, seht diesen Dialogue als Anregung zum Weiterlesen, Weiterinformieren oder aber als Aufforderung zum Besuch des Bunkers in der Reinhardtstraße in Berlin!

Bei diesem Bunker handelt es sich um einen ehemaligen Luftschutzbunker aus der Zeit des 2. Weltkrieges. Er wurde 1942 nach Entwürfen von Karl Bonatz und Albert Speer gebaut. Da es in Berlin an dieser Stelle aufgrund des hohen Grundwasserspiegels schwierig war einen typischen Kellerbunker zu bauen, handelt es sich bei diesem Luftschutzbunker um einen Hochbunker. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente er überwiegend als Lager für Textilien und Gemüse oder Obst. In den 1990er Jahren wurde er für (verbotene) Techno- und Fetisch-Parties genutzt und erhielt sein Image als „härtester Club der Welt“. 2003 kaufte Christian Boros den Bunker und eröffnete ihn nach Umbaumaßnahmen ab 2007 für Kunstausstellungen seiner Sammlung.

Laura: Als ich das erste Mal im Bunker war, hat mich dieser Ort an sich total fasziniert. Die mehrere Meter dicken Wände, die Geschichte, die in ihnen steckt… wahnsinn. Man hat ein beklemmendes Gefühl, zugleich ist man interessiert – und ich finde es eine grandiose Idee, einen solchen Ort für Kunstausstellungen zu nutzen. Die vielen kleinen Räume bieten die Möglichkeit, vor allem zeitgenössischen, oft raumgreifenden Installationen oder Skulpturen genügend Entfaltungsfläche zu geben, sodass sie richtig wirken können. Manche Kunstwerke sind ja auch im Dialog mit dem Bunker und ihrem dortigen Ausstellungsraum entstanden, und nehmen darauf Bezug. Wie wirkte der „Ausstellungsort Bunker“ mitten in Berlin auf dich?

Sammlung Boros
Ai Wei Wei, Sammlung Boros, Copyright: NOSHE

Katja: Das Gebäude und seine Architektur wirkt an sich schon sehr auf den Besucher. Wenn man sich vorstellt, dass die Leute hier bei Luftangriffen Schutz gesucht haben und dicht an dicht gedrängt viele Tage unter den widrigsten Bedingungen überleben wollten. Diesen geschichtsträchtigen und mit Krieg und Zerstörung assoziierenden Ort als Kunstgalerie zu  nutzen, hat schon etwas Makabres und Absurdes. Ich hätte mir gewünscht, dass im Bunker noch mehr auf seine Geschichte eingegangen wird. Es ist zwar ein Ort für die Kunst in privater Hand, jedoch sollte die spezielle Geschichte nicht so nebensächlich sein. Aber das ist nur meine Meinung. Herr Boros als Privatbesitzer kann dort eben schalten und walten wie er möchte.  Man hätte da Infotafeln o.ä. anbringen können… Weiterlesen

Last Minute: Stroke Art Fair

Wer Graffiti und Street Art mag, Kunst während ihrer Entstehung erleben möchte, oder es einfach liebt, neue Künstler und kreative Köpfe in historischen Räumen zu entdecken, sollte heute abend (noch bis 22h) oder morgen die Zeit nutzen, um die Stroke Art Fair zu besuchen!

Deenesh Ghyczy_Max
Credits: Deenesh Ghyczy_Max

Ich war gestern in der Alten Münze (tolle Räumlichkeiten, in denen über Jahrzehnte verschiedenste deutsche Währungsmünzprägungen entstanden) und schaute mir die Ausstellungen der Einzelkünstler und der Galerien an.
Man merkt es besonders am auffallend jungen, internationalen Publikum: Hier begegnet man unkonventioneller, alternativer Kunst, die von Street Art und City-Design, von Subkultur und Querdenkern geschaffen wurde – und wird; man erlebt durchaus auch live mit, wie ein Graffito entsteht, kann den Künstlern begegnen, mit ihnen ins Gespräch kommen und ihnen über die Schulter schauen. Angestaubte Museumsluft und Ölschinken sind hier ganz weit weg… hier pulsiert das junge Berlin. Party inklusive.

Hannah Adamaszek_Adriatic_klein
Credits: Hannah Adamaszek_Adriatic
Martin Heynen_tree
Credits: Martin Heynen_Tree


Gedankensplitter zum Mitnehmen:

Ist Street Art musealisierbar? Ausstellbar? – Wirkt Street Art nicht in ihren ursprünglichen Straßenkontexten ganz anders? Authentischer? – Was kann ein Gemälde heute ausdrücken? Wie geht man im 21. Jhd. mit Räumlichkeit und Bewegung im statischen zweidimensionalen Bild um (see Dheenesh Ghyczy)? Was bedeutet Humor und Alltäglichkeit in der Fotografie? (see Linus Ma) Welche Bedeutung hat Materialität in zeitgenössischer Kunst? (see Bernd Muss)

Am Nachhaltigsten faszinierten mich:
Die „Stolen Goods“ von Frederik Schulz, Daniel Carrion Rivas und Iva Vasileva.

Be inspired !!

Wundervolle Wunderkammer – Die Sammlung Thomas Olbricht in Berlin

Sammelwunsch und Wunderkammer

Die Faszination für Unbekanntes, Neues, Mysteriöses verführte bereits seit der Renaissance und im Barock Sammler dazu, sogenannte Wunderkammern einzurichten. Gesammelt wurden Naturalia (seltene Naturgegenstände), Artificialia (Kunstwerke von großer Kostbarkeit), Exotica (Objekte aus fernen, fremden Erdteilen), Scientifica (Instrumente aus der Wissenschaft) oder Mirabilia (Unerklärliches). Ausgestellt wurden diese Liebhaber-Objekte dann meist nur für elitäre Kreise (wie in Berlin von Kurfürst Joachim II. initiiert), was sich später jedoch wandelte. Wunderkammern gelten uns heute als Spiegel vergangenen Entdeckergeistes und Kenntnisstandes. Erhalten sind ehemalige barocke Wunderkammern als komplette Sammlungen jedoch leider selten; oft wurden die Objekte in diverse Museen verteilt, wie auch in Berlin.

Der Kunst- und Kuriositätensammler Thomas Olbricht setzt die Tradition der Wunderkammer als Gesamtsammlungswerk in seinem me-collectorsroom fort. (me steht für moving energies, und ist nicht als narzisstische Selbstbespiegelung zu verstehen 🙂 ). Einen thematischen Schwerpunkt setzt Olbricht dabei auf Vanitas und Memento Mori-Motive. Weiterlesen

„Liquid Archive“ / Johannes Förster / Import Projects

Man stelle sich einmal vor, sämtliche Fotografien aus der Jugendzeit, die Erinnerungsbilder an viele entscheidende Jahre eines Lebens, würden zerstört. Ein Wasserschaden würde die Fotografien zum Teil bis zur Unkenntlichkeit verwischen, die Farben verlaufen lassen, die Gesichter verschwinden. Selbst die Negative der Bilder würden beschädigt, wellig und dreidimensional, mit kaum mehr Ähnlichkeit mehr zu den ursprünglich festgehaltenen Szenen.
Die papierenen Fotografien würden zu zerstörten Relikten der Vergangenheit.

Dem Künstler Johannes Förster ist genau so etwas passiert. Doch hat er die Erinnerungen auf Papier nicht als zerstört befunden und sich nicht wehmütig von ihnen getrennt. Weiterlesen

„Der exzentrische Blick. Goya, Daumier, Toulouse-Lautrec“, Besuch einer Sammlung

Die Sammlung Scharf-Gerstenberg ist Teil der Staatlichen Museen zu Berlin und des Preußischen Kulturbesitzes. Sie zeigt in der Dauerausstellung vor allem surrealistische Kunst u.a. von Max Ernst, Hans Bellmer, Salvador Dali.
Aktuell ist ein Teil des Bestandes neu aufgearbeitet worden und wird als Hommage an den ursprünglichen „Sammlungs-Vater“ Otto Gerstenberg (1848-1935) präsentiert. Entstanden ist eine ganz beeindruckende Ausstellung, deren Schwerpunkt auf den epocheübergreifenden Werken Goyas, Daumiers und Toulouse-Lautrecs liegt.

Im östlichen Stülerbau und dem ehemaligen Marstall, dem Schloss Charlottenburg gegenüber gelegen, findet die Sonderausstellung statt. Man befindet sich demnach in einem überwölbten Raum mit Stahlpfeilern, der weniger an einen ehemaligen Pferdestall, als an eine Krypta oder einen gemütlichen Weinkeller erinnert. Dunkelrote Stellwände wurden eingezogen, an denen teils die Lithografien Toulouse-Lautrecs oder Radierungen Goyas präsentiert werden. Farblich harmoniert diese Ausstellungskonzeption perfekt mit den alten Wänden. Für mich ist die räumliche Gesamtwirkung einer Ausstellung stets sehr wichtig und hier fühlte ich mich sogleich aufgehoben. Weiterlesen