Nino Haratischwilis literarische Reise durch das Jahrhundert

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„Die Welt tanzte einen Reigen. Die Skelette unter der Erde gaben den Rhythmus vor. Die Rosen wuchsen nur noch schwarz. Alle Wege fühlten sich an wie Hängebrücken, schwankend, jederzeit zum Absturz bereit. Sogar der Schnee bekam eine bläuliche Färbung. Der Himmel war durchlöchert; Einschusslöcher sah man auch am Horizont und die Sonne strahlte zwar müde vor sich hin, konnte aber nicht mehr wärmen.
Im Flüsterton sprachen sich die Bäume ab und erhängten sich gegenseitig an den Ästen.“

Vor einigen Wochen schrieb ich über „Das achte Leben (Für Brilka)“ von Nino Haratischwili, es sei ein Buch „das man langsam und genüsslich liest, sich auf der Zunge zergehen lässt wie Schokolade.“ Nun habe ich das seitenreiche Buch, welches am 01.09.14 erschien, durchgelesen und möchte meine Eindrücke präzisieren und mit euch teilen.

Ja, es stimmt, das Buch hat nicht nur inhaltlich viel mit geheimnisvoller Schokolade zu tun, deren Rezept sich durch die Familie Jaschi weitervererbt. Sondern es liest sich auch wie Schokolade, allerdings wie zartbittere. Denn es handelt sich nicht um ein Buch, das sich nur schön wegliest. Es beschönigt ganz und gar nicht die geschichtlichen Ereignisse, die eng mit denen der Figuren verknüpft sind. Im Gegenteil: Haratischwili beschreibt traumatische Geschehnisse im Leben von Kitty oder der Erzählerin Niza sehr genau und verschont den Leser nicht. Man wird von Niza an die Hand genommen und durch ein ereignisreiches Jahrhundert geführt, dem sie durchaus kritisch gegenüber steht. Weiterlesen

Ned Beauman: Flieg, Hitler, flieg! (2010)

Absurd. Morbid. Skurril. Schräg. Es geht um Käfer, Boxer, Nazis und die Monströsitäten des 20. Jahrhunderts.

Zum Lachen, Wundern, Amüsieren, Echauffieren, Sinnieren, Erinnern, Erkennen, Reagieren, Überrascht- und Angewidertsein und immer wieder zum Infragestellen.

Der englische Journalist Ned Beauman hat mit seinem Roman-Debüt ein absolut wundersames und morbides Werk vorgelegt, das mich sehr amüsiert und gut unterhalten hat. Gleichzeitig brachte es mich zum Nachdenken und ließ mich verwundert den Kopf schütteln ob seiner erschreckenden ideologischen Hintergründe und perversen Ekelhaftigkeiten – die Ästhetik des Ekels wird hier durchexerziert. Dabei ist dieses Buch eindeutig eine Satire und ich behaupte, eine gelungene. Schon die Cover-Gestaltung, die mich besonders in Kombination mit dem Titel fasziniert hat, weist zahlreiche satirische Elemente auf: Sie zeigt eine Collage aus einem Portrait Adolf Hitlers mit einer roten Clownsnase und einem käferartigen Insekt mit Fledermausflügeln. Weiterlesen