David Foster Wallace: „Vergessenheit“ + „In alter Vertrautheit“ (Stories)

Wenn die Tage länger und heller werden und der Frühling mich begrüßt, sobald ich das Haus verlasse, habe ich beim Lesen mehr Lust auf Leichtes und lasse die inhaltlich und äußerlich eher schweren Romanwälzer eher liegen. Da der Anspruch an den Inhalt dennoch nicht verloren geht, habe ich eine gute Mischung entdeckt: Die Stories von David Foster Wallace.

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Sie lesen sich gut (vor allem im Vergleich zu dem von mir sehr geschätzten, jedoch arg schwer zu lesenden „Unendlicher Spaß“) und lassen zugleich keine Wünsche offen, was Humor, Gesellschaftskritik und Tiefgang angeht. In seinen Stories beweist Wallace mir einmal mehr, was er drauf hat: Er seziert die menschliche Psyche in „Neon in alter Vertrautheit“, lässt den Leser in den Kopf eines autistischen Kindes gucken, während der Lehrer kurz davor steht, Amok zu laufen („Die Seele ist kein Hammerwerk“), entwirft ein Bild auf das postmoderne Beziehungsleben und die damit verbundenen Herausforderungen („Vergessenheit“) und reflektiert humorvoll und realitätsbezogen-satirisch die Medienwelt, den ständigen Kampf um Aufmerksamkeit und das „Leben vor 9/11“ („TV der Leiden – The Suffering Channel“). Weiterlesen