@bout … VONSAMSTAG

Es ist lange her, dass wir euch einen interessanten Literaturblog vorgestellt haben. Umso schöner, dass es jetzt weiter geht mit unserer Interview-Reihe und wir euch diesmal eine sehr aktive junge Bloggerin vorstellen möchten:  Hannah und ihren noch jungen Blog VONSAMSTAG. Besonders gut an Hannahs Blog finden wir die Vielfalt ihrer Literaturauswahl und die Ehrlichkeit, mit der sie ihre Meinung wieder gibt. Wir freuen uns, dass Hannah trotz ihres Lern- und Studiumsstresses Zeit für unsere Fragen gefunden hat und uns einen Einblick in die Hintergründe ihrer Beweggründe zu bloggen, gibt. Viel Spaß beim Entdecken von Hannahs Blog und ihren Bücherwelten!

Warum bloggst du und worum geht es in deinem Blog?Hannah vonsamstag

Ich habe erst diesen Sommer mit meinem Blog angefangen und schreibe dort etwas zu den Büchern, die ich lese. Ich bin thematisch nicht auf ein bestimmtes Genre festgelegt, sondern mag es, auch mal etwas Neues zu entdecken und weiterzugeben. Durch das Aufschreiben und die weitere Recherche kann ich das Gelesene für mich noch vertiefen und intensivieren. Notizen machen und darüber nachdenken, was ich gelesen habe, passiert bei mir fast automatisch, durch das Bloggen erweitere ich das. Beim Bloggen mag ich besonders gerne den Austausch mit anderen, die gegenseitige Kritik und die immer neuen Literaturtipps. Das motiviert mich ungemein und macht sehr viel Spaß.

Welche Art und welches Genre der Literatur bevorzugst du?

Ich mag es nicht, mich auf einen Bereich festzulegen, weil ich auch schon bei von mir zunächst unbeachteten Genres großartige Werke entdecken konnte, die mir sonst entgangen wären. Fantasy und alles, was als „Frauenliteratur“ beworben wird, ist eher weniger mein Ding. Im Allgemeinen lese ich gerne zeitgenössische Romane und Sachbücher über historische, politische oder kulturelle Themen, aber auch Klassiker und Krimis sind immer wieder spannend. Das Buch muss mich einfach ansprechen. Weiterlesen

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Lest T.C. Boyle!

Es gibt Autoren, deren Bücher muss man einfach verschlingen. Dies kann ganz unterschiedliche Gründe haben. Mich begeistert vor allem jene Literatur, die eine unterhaltsame Geschichte mit anspruchsvoller Erzählkunst originell aufbereitet.

T. C. Boyle (Tom Coraghessan Boyle, * 1948 Peekskill) ist so ein Autor, der ein ungeheures Ouevre vorweisen kann und dessen Bücher und Erzählungen allesamt Verschling-Mich-Potential besitzen. Seine Romane zu lesen ist ein ungeheures Vergnügen. Warum?

Wie kaum ein zweiter Autor kombiniert der Sohn irischstämmiger amerikanischer Einwanderer eine spannende Story, umfängliche Figurencharakteristika und einzigartige Schauplätze mit bissig-heiterer Gesellschaftskritik. Seine Figurenwelten und Handlungsschauplätze sind authentisch, hinter jedem Sujet stecken reale historische Vorlagen, die eine akribische Recherche und die Liebe zu ausgefallenen Stoffen sowie gesellschaftlichen Mythen erkennen lassen. Man könnte auch sagen, Boyle ist das schlechte Gewissen der modernen amerikanischen Literatur, denn er wühlt in jenen Themen, die Amerikas Mythos vom Land der Freiheit und unbegrenzten Möglichkeiten manifestieren. Sein Figurenensemble zieht sich quer durch alle Gesellschaftsschichten: Es sind auf der einen Seite bekannte Wissenschaftler, beliebte Künstler, Erfinder, Entdecker, Forscher, Popstars und allesamt idealisierte Helden, die nahezu unantastbar geworden sind. Boyle zeigt ihre dunklen Seiten, ihre menschlichen Schwächen und vielschichtigen Charaktere, die der Leser vor allem durch jene Menschen betrachten kann, die mit ihnen leben, lieben und leiden.

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© Christina Knecht

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In eigener Sache: Suche anspruchsvollen Kriminalroman

Normalerweise seid ihr es von uns gewohnt, dass wir euch vorstellen, mit welcher Lektüre wir uns gerade beschäftigen oder welche Themen uns bewegen. Diesmal habe ich eine Frage an euch oder besser gesagt, eine Bitte: Ich habe seit einiger Zeit mal wieder Lust, einen guten und anspruchsvollen Kriminalroman zu lesen. Leider kenne ich mich in diesem Genre nicht gut aus, da mein Interesse in den letzten Jahren anderer Literatur galt. Die einschlägigen Namen der Krimi-Bestsellerliste wie Adler-Olsen, Fitzek, Neuhaus o.ä. stellen leider sprachlich nicht das dar, was ich mir unter „guter origineller Literatur“ vorstelle und es ist sehr schwierig und zeitaufwendig, sich im Meer von Neuerscheinungen und Buchtippgebern nach interessanter, anspruchsvoller, stilistisch herausragender Krimilektüre mit einem Hauch Absurd-Morbidem zu begeben …

Da ich kein typischer Krimileser bin, der rein auf eine spannende Story mit allseits bekannten Topoi oder Motiven setzt, die mich „nur“ unterhält und sich ratzfatz weglesen lässt, ist meine Suche bisher noch nicht erfolgreich gewesen und frustet mich etwas. Daher dachte ich mir, ich kehre das Ganze einmal um und frge euch nach Hinweisen und Links zu internationaler Kriminalliteratur, die auf meine Beschreibung passen könnte. Vielleicht geht es euch ja sogar wie mir und ihr befindet euch ebenso auf der Suche nach ähnlichen Büchern? Dann können wir uns austauschen oder ihr bekommt hier den einen oder anderen Tipp.

Willkommen sind alle Vorschläge aus der Weltliteratur, egal welcher Zeit, gern auch englischer Sprache, es muss keine Neuerscheinung sein. Wenn ihr euch fragt, was ich genau unter einem „guten und anspruchsvollen Kriminalroman“ verstehe, dann kann ich schon einmal sagen, dass ich die Krimis von Thea Dorn sehr mag.

Mit analytischem Blick betrachtet die Philosophin die gesamtgesellschaftlichen Zusammenhänge und psychologischen Abgründe von Gewalttaten. Ihre Protagonistinnen entstammen meist wohlhabendem Milieu und töten aus Leidenschaft. Man könnte ihre Krimis auch als Milieustudien bezeichnen. Gefallen hat mir daran der analytisch-philosophische Blick, die originellen Tatschauplätze und -hergänge und die im Speziellen abgründig und selbstbewusst-kühl dargestellten weiblichen Killerinnen, deren innere Konflikte und abgespaltenen Bewusstseinsebenen Thea Dorn meisterhaft spannend, absurd-witzig und analytisch-kühl darstellt …

Nun seid ihr dran: Wer hat einen kriminellen Lektürevorschlag oder Buchtipp für mich?

Ich freue mich sehr auf eure Vorschläge und Kommentare!

 

Katja auf der Suche nach der verlorenen Lesezeit …

Vielleicht ist dem einen oder anderen Leser unseres Blog aufgefallen, dass die Verteilung der Blogbeiträge in unserem Gemeinschaftsblog etwas ungleich ist. Denn mir fehlt leider leider eines – Zeit, täglich zu lesen und zu bloggen. Wie schön war die Zeit während des Studiums, als ich so viel lesen musste und durfte, was dann in Seminaren besprochen und seziert wurde – die Zeit, als man sich nur in Bibliotheken, Cafés, Parkanlagen, Lese- und Lernkreisen getroffen hat und das alles so gelebt hat. Vorbei … und ich blicke ein wenig sehnsüchtig zurück. Weiterlesen

Es ist Herbst und ich empfehle … Rainer Maria Rilke

Blätterfall, rauer Wind, grauer Himmel oder Sonnenschein durch buntes Laubwerk, kühle Abende und laue Nachmittage, Wolkenbruch und nieselnder Regen – in Berlin wird Herbst und das finde ich wunderschön. Der Herbst ist die Jahreszeit, in der ich geboren wurde und seltsamer Weise fühle ich mich diesem sehr verbunden. Meine Blicke baden im Farbenmeer des sich rot-orange-gelb-purpur einfärbenden Laubes und die kräftigen Windböen wirbeln neue Gedanken durch meinen Kopf und vertreiben die alten.

Der Herbst ist Melancholie und Einkehr aber auch Erneuerung für mich und er zeigt mir, dass alles, was im Sommer in voller Blüte stand, einmal vergeht und sich wandelt. Er ist für mich auch irgendwie der poetischste Monat, weil seine kräftigen Farben und seine ganz eigene dunkle Energie viel Kreativität und Schöpferisches hervorbringen kann. Daher lese ich im Herbst auch besonders gern Lyrik. Die emotionale Vielfalt und verzweifelte Stärke des Herbstes haben schon viele Autoren inspiriert diese in lyrischen Bildern einzufangen. Diese Jahreszeit animiert ungemein, die eigenen Empfindungen in Worte zu kleiden und das Innere nach außen zu kehren … Weiterlesen

Irmgard Keun: Das kunstseidene Mädchen (1932)

Der Inhalt in Kürze:

Doris ist ein achtzehnjähriges Mädchen voller Träume, Sehnsüchte und Leidenschaften. Sie lebt ein langweiliges kleines Leben im Köln der Zwanziger Jahre. Dort arbeitet sie als Sekretärin bei einem ekelhaften fetten Rechtsanwalt, der von Zeit zu Zeit aufdringlich wird. Wenn sie nicht bei ihren Freundinnen oder Männern Unterschlupf findet, lebt sie noch bei ihren Eltern, armen Arbeitern in einer winzigen Wohnung. Doch Doris träumt vom Film, von Hollywood und der großen weiten Welt – Sie möchte nach Berlin ans Theater und zum Film – „ein Glanz werden“. Weiterlesen