Zadie Smith: „NW“, 2012

NW

Wenn ich reise, lese ich gern unterwegs einen zum Reiseort passenden Roman. Anlässlich eines kurzen London-Trips mit Katja las ich Zadie Smith´s „NW“ auf Englisch, während sie sich dem Klassiker „Mrs. Dalloway“ widmete.

The fat sun stalls by the phone masts.“ / „Die pralle Sonne trödelt bei den Telefonmasten.“ (erster Satz)

Zadie Smith, selbst in London North-West geboren und aufgewachsen, ermöglicht einen komplett untouristischen, detailreichen und sprach-experimentellen Einblick in das Londoner (Randbezirk-) Leben. Vier Figuren werden umrissen und man liest von einem Stück ihres Lebens, lauscht ihren Dialogen, sieht ihnen zu, erlebt verschiedene Zeitspannen, die sich je nach Figur unterscheiden. Alle vier, Leah, Felix, Natalie und Nathan, sind im gleichen Stadtteil aufgewachsen, bringen unterschiedliche kulturelle Hintergründe mit, und haben zwar die gleiche Schule besucht, entwickeln sich dann aber in ganz verschiedene Richtungen. Weiterlesen

David Foster Wallace: Unendlicher Spaß / Infinite Jest, Roman (2009)

In letzter Zeit kam es mir jetzt manchmal wie ein schwarzes Wunder vor, dass sich Menschen tatsächlich intensiv für ein Thema oder ein Ziel interessieren konnten und dass dieses Interesse jahrelang anhalten konnte. Dass sie ihr ganzes Leben dafür einsetzen konnten. Es war bewundernswert und zugleich rührend. Vielleicht wollten wir alle ums Verrecken unser Leben für etwas hingeben. Gott oder Satan, Politik oder Grammatik, Topologie oder Philatelie – der Gegenstand war ephemer angesichts dieses Willens zur bedingungslosen Hingabe. An Spiele oder Spritzen, an einen anderen Menschen. Es hatte etwas Rührendes. War eine Flucht in den Aktivismus. Flucht wovor eigentlich? S. 1292.

Unendlicher Spaß 3Heute (01.Jun.13) ist ein besonderer Tag. Ab heute zähle ich zu der überschaubaren Zahl derjeniger, die es geschafft haben, David Foster Wallace´ Roman „Unendlicher Spaß“ bis zum Ende durchzulesen.

Es heißt, wer dieses Buch gelesen habe, sei danach ein anderer. Es heißt, das Buch mache irgendetwas mit einem. Es heißt außerdem, sobald man es durchgelesen habe, wolle und solle man es sofort wieder von vorn lesen. Und an anderer Stelle heißt es sogar, man könne bewusst das Buch nicht zuende lesen, um immer noch mal irgendwann eines „der besten Romane aller Zeiten“ zuende lesen zu können.

Ein Stückchen Wahres steckt vielleicht in jeder dieser Einschätzungen. Zumindest weiß ich inzwischen ganz genau, was der / die jeweilige damit meint. Ich sage: „Unendlicher Spaß“ ist ein Roman, der den Leser festhält und wohl nie mehr so richtig loslässt. Im Folgenden will ich euch (es geht nicht anders als ausführlich) erläutern, warum. Weiterlesen