Dave Eggers: „Der Circle“ (2014) – Dystopie oder mehr als real?

“Das 1984 fürs Internetzeitalter” – so urteilt die Zeit über Dave Eggers Silicon Valley-„Horror“-Roman. Für den Kiepenheuer & Witsch-Verlag ist das natürlich eine herausragende Steilvorlage für ein gutes Marketing. Und sie haben es geschafft – Dave Eggers Roman ist in dieser Woche (42/2014) immer noch unter den Top 5 der Spiegel- Bestseller. Leser, die sich für Literatur interessieren, sollten natürlich wissen, dass die Spiegel Bestseller-Liste rein nach Verkaufszahlen berechnet wird und keine von Kritikern, Feuilletonisten und anderen Literaturbeurteilern gemachte Empfehlungsliste darstellt. Von daher finde ich es sehr interessant, dass sich dieser Roman gut verkauft und die Masse der Bücherkäufer überzeugt. Mich konnte er nicht so ganz überzeugen und der Vergleich mit der großartigen Dystopie George Orwells erscheint mir äußerst vermessen.

Dave Eggers_The CircleMein Leseeindruck

Dave Eggers Roman bildet meiner Meinung nach unsere heutige Kommunikations- und Immer-online-Gesellschaft ab – ohne Originalität, ohne erzählerisches Wagnis, ohne differenzierte Betrachtungsweise, ohne tiefergehende Charakterentwicklung. Ich wurde ganz gut unterhalten von einem Roman, der eine Arbeitswelt beschreibt, in der ich mich persönlich gut wiederfinden kann. Ich denke, alle Leser, die im Bereich E-Commerce oder im Bereich Online-Marketing für ein Internetunternehmen arbeiten, werden ihre tägliche Arbeitswelt so oder ähnlich wiederfinden, und sich mit der Hauptfigur und ihren Einstieg in den Circle identifizieren können. Weiterlesen

Stephan Kaluza: „Geh auf Magenta“ (2013)

Kaluza_Geh auf MagentaWas passiert eigentlich, wenn ein Performancekünstler kundtut (und dies ausgerechnet auf Facebook, in betrunkenem Zustand, muss man wohl dazu sagen), dass er seinen Tod als Kunst inszenieren will? Stephan Kaluza, selbst Performance und Fotokünstler aus Düsseldorf, hat sich als Autor in seinem Debüt „Geh auf Magenta“ mit dieser Frage beschäftigt. Unter anderem.

Denn eigentlich ist das Geschehen rund um diese Frage: „Wer hat Bock auf Tod als Kunst?“, die der Protagonist Bastien eines Nachts postet, nur eine Nebenhandlung. Der Leser taucht auf 347 Seiten ganz tief in die Abgründe des Künstler- und Seelenlebens von Bastien ein. Bis in seine Tagträume hinein, die sich mit dem realen Geschehen verknoten und überlagern. Das ist etwas wirklich Tolles an dem Roman. Außerdem philosophiert Bastien wahlweise mit seinem Ateliernachbarn und besten Kumpel Rob oder seinem Mäzen Thomas über die zeitgenössische Kunstwelt: Weiterlesen