[Rezension] Kristine Bilkau: „Die Glücklichen“

„Die Glücklichen“ ist ein Debütroman über eine junge Familie, über das Scheitern in unserer Gesellschaft, über Träume, und was daraus wird… Kristine Bilkau schreibt über die Cellistin Isabell, den Journalisten Georg und deren kleinen Sohn Matti. Während Isabell im Stillen mit ihrer Angst und dem Zittern der Bogenhand beim Auftritt kämpft, verliert Georg seinen Job im Zuge des „Zeitungssterbens“. Beide müssen sich damit abfinden, zu scheitern, arbeitslos zu sein, eine Familie in einem angesehenen Bezirk zu werden, die es nicht schafft. Oder doch?Bilkau_Die Glücklichen

Bilkau befasst sich mit den Fragen, die sich viele (Mittdreißiger) zur Zeit stellen: Wie werde ich glücklich? Wie will ich eigentlich leben? Was bin ich bereit für meine Träume zu opfern? Und was ist eigentlich, wenn ich es nicht schaffe…? In der Geschichte verdichtet sich ein Komplex an Gedanken und Fragen, die sehr nachvollziehbar sind. Die ständig drohende Arbeitslosigkeit in Zeiten absolut unsicherer Jobs, die Anforderungen, die man als junge Familie (als Vater, als Mutter) an sich stellt usw. Anhand von Georg und Isabell wird exemplarisch ein Bild derer entworfen, die sich inmitten dieser Komplexe befinden. Weiterlesen

Jonathan Safran Foer: „Extrem laut und unglaublich nah“ (2005)

Extrem laut und unglaublich nahWow! Jonathan Safran Foer begeisterte mich mit seinem Debütroman „Alles ist erleuchtet“ (2002) bereits über die Maßen. Sein erzählerisches Können zeigt er auch in seinem zweiten Roman „Extrem laut und unglaublich nah“ und ich kann mich wirklich nicht entscheiden, welches der beiden Bücher ich lieber mag. Ich möchte euch sagen: Lest dieses großartige Buch!

Jonathan Safran Foer erzählt in diesem Roman auf ganz einfühlsame, humorvolle und einzigartige Weise die Geschichte des neunjährigen New Yorker Jungen Oskar Schell, dessen Vater beim Anschlag auf das World Trade Center ums Leben kam. Doch ist dieses Buch weder ein politisches Buch noch geht es um Hintergründe oder Details des furchtbaren Terroranschlag von 2001.

Safran Foer hält kein Plädoyer über politische Schuld und Verantwortung, sondern nimmt diejenigen auf sensible Weise in den Blick, die an diesem Tag alles verloren haben: Menschen, die sie liebten. Oskar ist kein gewöhnlicher Junge, er ist „Pazifist, Erfinder, Schmuckdesigner, Tamburinspieler“ (so lautet es auf seiner Visitenkarte) und vollkommen verstört und wütend über den Verlust seines Vaters Thomas. Der Autor bewegt sich weg von der politischen Dimension des Ereignisses und nimmt es als Anlass für eine der schlimmsten Erfahrungen, die einem Kind passieren können – ein Elternteil zu verlieren. Wir begleiten den kleinen, klugen, vorwitzigen und mutigen Oskar bei der skurrilen Reise auf den Spuren seines Vaters durch das New York von 2001. Dabei lernen wir in Briefen seiner Großmutter und seines Großvaters die Wurzeln und Verzweigungen von Oskars Familie kennen, die bis in das zerbombte Dresden des 2. Weltkriegs führen. Weiterlesen

Mira Magén: „Wodka und Brot“, Roman (2012)

Welche Entscheidung die richtige ist, weiß man in den seltensten Fällen im Leben. Manchmal erscheint eine Entscheidung richtig, doch die Sicht auf die Dinge ändert sich mit der Zeit…Wodka und Brot

Die Protagonistin Amia in Mira Magéns Roman „Wodka und Brot“ bereut ihre Entscheidung, den Erfolg versprechenden Job als Steuerberaterin zugunsten des familiär betriebenen Ladens für Brot und Milch an den Nagel zu hängen, nicht. Auch als ihr Mann Gideon, ein ebenfalls erfolgreicher Anwalt, sie und den Sohn temporär verlässt, um Fischer zu werden und sich selbst zu finden, hadert sie nicht mit ihrem Schicksal. Sie macht einfach weiter. Irgendwie wird es sich schon geben mit dem Laden, der Hypothek, der Erziehung von Nadav. Doch es kommt natürlich anders; da taucht auf einmal Madonna auf, ein Mädchen, das allem und jedem trotzt, extravagante Frisuren trägt und schwarzen Lippenstift, und das mit Vorliebe geklautes Geld mit Tieren vergütet, wie zum Beispiel dem kleinen Welpen Wodka. Dieses Mädchen wird vom Hausbesitzer, einem schrulligen alten Mann der eine Tragödie durchlebte, und mit Argusaugen nebenan wohnt und alles überwacht, gar nicht gern gesehen, doch er hat mit seinen Problemen zu tun, die auch bald zu Amias Sorgen werden… Weiterlesen

Riikka Pulkkinen: Wahr (2012)

Aber sie ist der Überzeugung, dass niemand es sich leisten kann, die Liebe vorbeiziehen zu lassen. So reich kann niemand sein. Und deshalb macht sie ihm die Tür auf.“

Ich mag es, ich mag es nicht. Ich mag es, ich mag es nicht. Ich mag es…

So richtig entscheiden kann ich mich bei diesem Buch nicht. Nachdem ich hier darauf aufmerksam wurde, las ich es, und bin nun hin und hergerissen. Ist es ein liebevolles Buch über das Sterben und die Liebe in einer poetischen Sprache oder handelt es sich doch eher um eine nahe am Kitsch entlangschlitternde Geschichte, die teilweise zu bemüht daherkommt, um zu überzeugen?

Inhaltlich …

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Nino Haratischwili: „Mein sanfter Zwilling“, Roman (2011)

Dieses Buch ist nichts für rationale Menschen. Hier geht es um Gefühle.
Mein sanfter Zwilling

„Die Nähe glich einem dünnen Faden, und wir waren zwei Seiltänzer darauf.“

Stella und Ivo kennen sich seitdem sie klein waren und gemeinsam aufwuchsen; gemeinsam ein Unglück erlebten, das sie für immer verbindet. Nun sind beide erwachsen und sind scheinbar in ihren Leben angekommen: Ivo ist erfolgreicher Journalist, der durch die Welt reist, Stella hat geheiratet und lebt mit Mann und Sohn zusammen. Doch dann taucht Ivo wieder unmittelbar in ihrem Leben auf, und alles um sie herum beginnt zu bröckeln, sich aufzulösen. Stella kommt sich selbst abhanden – oder findet sie erst zu sich zurück? Weiterlesen