Ronja von Rönne: Wir kommen (2016)

MAJA IST NICHT TOT. Wenn Maja gestorben wäre, hätte sie mir davor Bescheid gesagt. Solche Dinge haben wir immer abgesprochen.
Ihr Name sieht lächerlich aus, so schwarz umrandet, wie er da auf dem Brief vor mir steht und ganz ernst tut, als sei am 20. wirklich ihre Beerdigung, als würden an diesem Sonntag wirklich sämtliche Angehörige auf dem Dorffriedhof aufkreuzen, Kränze ablegen, Erde in eine Grube werfen und etwas Nettes über Maja sagen. Bullshit. Den meisten würde doch zu Maja überhaupt nichts Positives einfallen, außer vielleicht ihre phantastischen Brüste. Angenehm überrascht wären sie höchstens davon, dass sie jetzt in einer Kiste unter der Erde liegt und sich endlich so benimmt, wie es sich für die Bewohner unserer Gemeinde gehört. Sterben gehört bei uns nämlich genauso zu einem höflichen Miteinander wie akkurat gestutzte Rasen, denn wo kämen wir denn da hin, wenn jeder lebte, solange es ihm beliebt, und das Gras bis auf das Nachbargrundstück wuchert.

Lange hat mich ein Roman nicht mehr so kalt gelassen wie der Debütroman von Ronja von Rönne. Warum?

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Für mich hat der Roman wenig Botschaft. Es liest sich mehr wie eine Zustandsbeschreibung und man gerät schnell in die Lage, Ich-Erzählerin mit Autorin gleichzusetzen. In irgendeiner Rezension las ich, dies sei eine Reminisenz auf den Poproman der späten 90er Jahre und quasi DER neue Poproman der Generation Y, mit der ich nichts anfangen kann. Ebensowenig konnte ich mit dem Poproman der späten 90er etwas anfangen. Die Handlung, erzählt aus der Perspektive der jungen Nora, erstreckt sich über wenige Tage und birgt wenig Überraschendes. Also auch schnell erzählt. Es scheint auch weniger um die Handlung, sondern eher um den Blick von Nora auf ihre Welt, auf ihre seltsamen Beziehungen zu Menschen und  ihren zynischen Blick auf ihre Zeit und die Gesellschaft im Allgemeinen zu gehen.

Ich weiß noch nicht, was ich heute Abend mache. Vielleicht markiere ich etwas mit „gefällt mir“.

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Dialog @bout Elisabeth Rank: „Bist du noch wach?“ (2013)

Wir sind aneinandergewachsen, eigentlich ganz organisch damals. Vielleicht kennt es gar nicht anders, vielleicht weiß er nicht, wie es ist, nur mit sich selbst zu sein und dass Kälte nicht Kälte, sondern Abwesenheit von Wärme ist. Ich drücke die Zigarette aus und drehe mich auf die Seite, während es leise gegen meinen Bauch schnurrt. Man kann nicht mehr als sich selbst verlangen. Der Rest ist Bonus.

Elisabeth Rank ist Ende zwanzig, lebt und arbeitet in einer PR-Agentur in Berlin. Rea ist Ende zwanzig, lebt und arbeitet in Berlin in einer PR-Agentur.

Rea ist die Hauptfigur von Elisabeth Ranks zweitem Roman, die Parallelen sind unbestreitbar. In „Bist du noch wach?“ berichtet Rea in der Ich-Perspektive mitten aus ihrem Leben im bunten, wilden großstädtischen Berlin. Sie lebt in einer WG in Kreuzberg mit ihrem besten Freund Konrad, Pelle und der Katze. Während ihr Vater auf der Intensivstation liegt, bröckelt die Beziehung zu Konrad, die vielleicht mehr ist als nur Freundschaft. Reas Leben in Berlin besteht aus After-Work-Partys in Berliner Szene-Startups, flüchtigen Bekanntschaften und eher losen Männerbeziehungen. Freundschaft erscheint als einzige Konstante in ihrem eher dahin plätschernden Leben. Der Roman dreht sich um das Großstadtgefühl, die Erkenntnis, das alles irgendwann ein Ende hat und die Frage, ob Freundschaften vielleicht unsere modernen Ersatzfamilien sind… Weiterlesen