Nino Haratischwilis literarische Reise durch das Jahrhundert

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„Die Welt tanzte einen Reigen. Die Skelette unter der Erde gaben den Rhythmus vor. Die Rosen wuchsen nur noch schwarz. Alle Wege fühlten sich an wie Hängebrücken, schwankend, jederzeit zum Absturz bereit. Sogar der Schnee bekam eine bläuliche Färbung. Der Himmel war durchlöchert; Einschusslöcher sah man auch am Horizont und die Sonne strahlte zwar müde vor sich hin, konnte aber nicht mehr wärmen.
Im Flüsterton sprachen sich die Bäume ab und erhängten sich gegenseitig an den Ästen.“

Vor einigen Wochen schrieb ich über „Das achte Leben (Für Brilka)“ von Nino Haratischwili, es sei ein Buch „das man langsam und genüsslich liest, sich auf der Zunge zergehen lässt wie Schokolade.“ Nun habe ich das seitenreiche Buch, welches am 01.09.14 erschien, durchgelesen und möchte meine Eindrücke präzisieren und mit euch teilen.

Ja, es stimmt, das Buch hat nicht nur inhaltlich viel mit geheimnisvoller Schokolade zu tun, deren Rezept sich durch die Familie Jaschi weitervererbt. Sondern es liest sich auch wie Schokolade, allerdings wie zartbittere. Denn es handelt sich nicht um ein Buch, das sich nur schön wegliest. Es beschönigt ganz und gar nicht die geschichtlichen Ereignisse, die eng mit denen der Figuren verknüpft sind. Im Gegenteil: Haratischwili beschreibt traumatische Geschehnisse im Leben von Kitty oder der Erzählerin Niza sehr genau und verschont den Leser nicht. Man wird von Niza an die Hand genommen und durch ein ereignisreiches Jahrhundert geführt, dem sie durchaus kritisch gegenüber steht. Weiterlesen

Nino Haratischwili: „Das achte Leben“ – oder: Von der Freude während des Lesens

Empfindungen während des Lesens sind immer äußerst unterschiedlich und von vielen Faktoren abhängig. Es gibt Bücher, durch die man sich mehr oder weniger durchquält, solche, die man ganz weglegt, dann aber auch jene, die einen in den Bann ziehen und die man gar nicht mehr aus der Hand legen kann. Nino Haratischwilis neuer Roman „Das achte Leben (Für Brilka)“ ist ein Buch für Genießer: Eines, das man langsam und genüsslich liest, sich auf der Zunge zergehen lässt wie Schokolade. Eines, das man weniger verschlingt, sondern in Ruhe und besonnen liest, da man nicht möchte, dass es zu schnell endet.P1010608_kl

Inhaltlich wird dieses gemäßigte Tempo begünstigt durch die Vielzahl an Figuren und Themen, die sich über ein Jahrhundert hin erstrecken und die Geschichte einer georgischen Familie im 20. Jahrhundert erzählen. Von Stasia über Kostja und Kitty, bishin zur Erzählerin Niza und deren Nichte Brilka spannt sich der Epos. Dabei läuft man allerdings nicht Gefahr, sich beim Lesen zu langweilen: Der Autorin gelingt es, einen dichten Teppich an kleinen und großen Geschichten miteinander zu verweben, historische Fakten und Personen wie Josef Stalin (den Generalissimus) einzubringen und den Spannungsbogen stets aufrecht zu halten.P1010605_kl

Zumindest ist das mein Eindruck nach den ersten 300 Seiten. Ich werde noch eine Weile brauchen – um genussvoll weiterzulesen und freue mich über jegliche Rückmeldungen anderer Haratischwili – Leserinnen, die (in einer gemeinsamen Blogtour) nach und nach ihre Eindrücke wiedergeben:

Von der Vorfreude – bei der Klappentexterin

Von den Eindrücken bei einer Lesung und nach der Lektüre – bei Caterina

Von einem erfüllten Träumen und der Enttäuschung über Nicht-Nominierung – bei Masuko13

Nino Haratischwili: „Das achte Leben (Für Brilka)“ – ist heute bei der Frankfurter Verlagsanstalt erschienen! 

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Nino Haratischwili: „Mein sanfter Zwilling“, Roman (2011)

Dieses Buch ist nichts für rationale Menschen. Hier geht es um Gefühle.
Mein sanfter Zwilling

„Die Nähe glich einem dünnen Faden, und wir waren zwei Seiltänzer darauf.“

Stella und Ivo kennen sich seitdem sie klein waren und gemeinsam aufwuchsen; gemeinsam ein Unglück erlebten, das sie für immer verbindet. Nun sind beide erwachsen und sind scheinbar in ihren Leben angekommen: Ivo ist erfolgreicher Journalist, der durch die Welt reist, Stella hat geheiratet und lebt mit Mann und Sohn zusammen. Doch dann taucht Ivo wieder unmittelbar in ihrem Leben auf, und alles um sie herum beginnt zu bröckeln, sich aufzulösen. Stella kommt sich selbst abhanden – oder findet sie erst zu sich zurück? Weiterlesen