Der philosophische Mittwoch: Welttag der Erkenntnis

I.

Von der Logik überhaupt

Unsre Erkenntnis entspringt aus zwei Grundquellen des Gemüts, deren die erste ist, die Vorstellungen zu empfangen (die Rezeptivität der Eindrücke), die zweite das Vermögen, durch diese Vorstellungen einen Gegenstand zu erkennen (Spontaneität der Begriffe); durch die erstere wird uns ein Gegenstand gegeben, durch die zweite wird dieser im Verhältnis auf jene Vorstellung (als bloße Bestimmung des Gemüts) gedacht. Anschauung und Begriffe machen also die Elemente aller unsrer Erkenntnis aus, so daß weder Begriffe, ohne ihnen auf einige Art korrspondierende Anschauung, noch Anschauuung ohne Begriffe, ein Erkenntnis abgeben können. Beide sind entweder rein, oder empirisch. Empirisch, wenn Empfindung (die die wirkliche Gegenwart des Gegenstandes voraussetzt) darin enthalten ist: rein aber, wenn der Vorstellung keine Empindung beigemischt ist. Man kann die letztere die Materie der sinnlichen Erkenntnis nennen. Daher enthält reine Anschauung lediglich die Form, unter welcher etwas angeschaut wird, und reiner Begriff allein die Form des Denkens eines Gegenstandes überhaupt.

Nur allein reine Anschauungen oder Begriffe sind a priori möglich, empirische nur a posteriori.

Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft. Felix Meiner Verlag Hamburg, 1998. Hier: Der Transzendentalen Elementarlehre Erster Teil Die Transzendentale Ästhetik § 1. A 19/B 33

>>Wunderbarer Blogartikel zu diesem Mega-Werk der Philosophie, der mich so wunderbar an mein Studium erinnert und all die Geisteskranken ;): http://sichtenundordnen.wordpress.com/2013/04/09/kritik-der-reinen-vernunft/