Monika Zeiner: „Die Ordnung der Sterne über Como“, 2013

Was passiert mit uns, wenn ein guter Freund stirbt? Was bewirken Schuldgefühle? Wie ist es, einen geliebten Menschen mit dem man ein Unglück teilt, nach vielen Jahren wieder zu sehen?

Monika Zeiner hat einen Roman geschrieben, der sich mit Fragen wie diesen befasst und dadurch auf sehr eindringliche Weise von Liebe, Tod, Identität, Verlust, Abschied und insbesondere Freundschaft erzählt. Es geht darüber hinaus auch um Musik, vor allem Klavier und Jazz, Träume und um das Erwachsenwerden an der Seite von Freunden. Die Schauplätze Berlin und Italien spielen in dem Roman eine nicht unerhebliche Rolle. Die Geschichte lebt jedoch von ihren Figuren, die einem sehr nahe kommen: Betty Morgenthal, das Mädchen, das in die bestehende Männerfreundschaft zwischen Tom und Marc gerät. Tom und Marc, die man sich nur im Zweiergespann denken kann, seitdem sie sich in einem Mietwagen kennenlernten, die alles gemeinsam machen, dann auch mit Betty; wohnen, leben, Musik, bis Marc verunglückt.
Zehn Jahre nach seinem Tod tritt Tom, der Jazzpianist, mit seiner Band in Neapel auf, und trifft dort wieder auf Betty, die mittlerweile in Italien verheiratet ist und dort als Ärztin arbeitet.

Wenn man jung ist, dann ist das Leben ein Gewirr von tausend Möglichkeiten, ein Gewimmel von tausend Wegen, einer vielversprechender als der andere, und du denkst, dass du sie alle gehen kannst. Wenn dir einer nicht gefällt, kehrst du um und suchst dir einen anderen, alles ist hell und freundlich. Alle Türen sind offen, dahinter ist Licht. Je älter du wirst, desto mehr Türen fallen zu, Wege verschwinden, sind einfach nicht mehr da, oder du findest sie nicht wieder, wie im Märchen, wo plötzlich meterhohe Dornbüsche wuchern.“ Weiterlesen

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Maarten `t Hart: „Unterm Scheffel“, Roman (1991/2011)

Es gab vor Jahren eine Zeit, in der ich die frühen Romane des Niederländers Maarten `t Hart verschlungen habe: „Gott fährt Fahrrad“, „Die schwarzen Vögel“, „Die Jakobsleiter“, „Das Wüten der ganzen Welt“… ich mochte die Geschichten vom Sohn eines Totengräbers, von unerfüllter Liebe, voller klassischer Musik(andeutungen) und Religion. Ich hielt den Autor für einen beeindruckenden Geschichtenerzähler.

Nachdem ich jedoch den Roman „Der Flieger“ las und nun noch „Unterm Scheffel“, der erstmalig 1991 erschien, schwächt sich dieser Eindruck leider ab.
Es geht um den Komponisten Alexander Goudeveyl, der sich in die wesentlich jüngere Sylvia verliebt und mit ihr eine Affäre beginnt, obwohl er mit der Sängerin Joanna verheiratet ist. Letztere ist aber ohnehin kaum zuhause und wenn sie sich sehen, streiten sie meist. Weiterlesen

Let’s talk about Books and Music

Lesen ist ein sollipsistischer Akt der Stille – ganz bei sich und in sich gekehrt folgt man der Geschichte eines Autors, lässt sich von den Worten davon tragen und emfpindet die ganz unterschiedlichsten Gefühle. Dennoch gehören Lesen und Musik für mich zusammen, nicht nur, weil Sprache eine Melodie hat und einen Rhythmus. Sondern auch weil ein Lied oder ein Musikstück eine Geschichte erzählt wie Worte es vermögen. Daher höre ich auch gern Musik während ich lese, aber es kommt sehr auf das jeweilige Buch und Sujet an. Ein Fach- oder Sachbuch lese ich meist still, um die nötige Konzentration zu haben und die Aussage jedes Satzes aufzunehmen. Aber bei belletristischen Texten lasse ich mich ab und an gern durch eine gehörte Melodie zusätzlich entführen. Das schwierige Unterfangen dabei ist, jene Künstler und Musiker zu finden, die gerade zur Stimmung der jeweiligen Geschichte passen und keine zusätzliche Ablenkung schaffen. Ich höre nicht irgendwas, Radio geht beim Lesen gar nicht. Als Anhänger des altmodischen CD-Kaufs höre ich am liebsten komplette Alben von vorn bis hinten durch, denn ein Album hat wie die Kapitel in einem Buch eine Reihenfolge. So höre ich ein Musikalbum ebenso, wie ich ein Buch lese. Da es Musik gibt, die wunderbar zum Lesen passt und sich meiner Meinung nach unaufgeregt angenehm zu Literatur hören lässt, hier meine Empfehlung und kleine Auswahl an Künstlern und Musik-Alben, zu denen sich gut lesen lässt:

Musik und Lesen Weiterlesen

Fee Kathrin Kanzler: „Die Schüchternheit der Pflaume“, Roman (2012)

Meine Geschichte, denke ich, spielt in einem Fee Kathrin Kanzler_Die Schüchernheit der PflaumeLand, wo Dämmerungen genauso lang wie Tag und Nacht dauern. Der Himmel dieser Geschichte ist rosa und ihr Horizont schwarz. Nach Zwielicht riecht sie, nach dem Moos auf Stadtdächern, nach Mandelseife und ein wenig nach Benzin. Nach den Stahlsaiten meiner Gitarren und nach Männerhemd. Was sie zusammenhält, ist letztlich nur ein Fädchen, das durch die Hände einer numinosen Spinnerin läuft. Wahrscheinlich hat sie blaue Finger wie ich, Sudelpfoten, und schmiert meinen Faden schon beim Spinnen voll. Die Götter sitzen in der Tinte.

Die namenlose Erzählerin tanzt sich durch ihr Leben, das voller kleiner Entdeckungen steckt, schläft mit Männern, deren Eigenarten sie geistig in ihren Erinnerungen versammelt, trinkt Tee und lauscht dem, was die Götter ihr einflüstern. Mit glänzenden Augen liest man ihr dabei zu, schüttelt den Kopf angesichts soviel Leicht(sinn)igkeit und will doch immer mehr davon. Mehr von diesen wunderschönen Wortbildern, die Fee Kathrin Kanzler aufs Papier gezaubert hat. Weiterlesen

Jennifer Egan: „A Visit from the Goon Squad / Der größere Teil der Welt“, 2011 (Roman)

Time´s a goon, right? You gonna let that goon push you around?

Ich denke, das Leben istJennifer Egan_A Visit from the Goon Squad so wie in diesem Roman: Die Zeit vergeht, wir werden älter und währenddessen treffen wir Menschen, die uns zeitweise sehr wichtig sind, und irgendwann von uns vergessen werden, bis wir uns vielleicht eines Tages ihrer erinnern. Und während wir leben, spielt Musik.
Die (vergehende) Zeit, Erinnerungen, Vorausblenden in die Zukunft, Musik und ihre Bedeutung, die sie für manch einen haben kann… Das sind die zentralen „Bubbles“, um die sich in Egans aktuellem Roman alles dreht. Dieses Buch zu lesen ist wie eine Zeitreise, musikalisch untermalt. Weiterlesen

Songpoesie von Sophie Hunger

30 ist das neue 20. Der Mann ist die neue Frau. Freiheit ist das neue Gefängnis. Und reich ist das neue schlau. Islam ist die neue katholische Kirche. Deutschland ist die neue Türkei. Die Schweiz schon bald im Siebengebirge. Und jetzt ist das neue vorbei. Drum wenn Du bald nach Hause kommst, bin ich nicht mehr hier. Ich kann nicht bleiben wie ich bin trotz Dir. Zuckerberg ist der neue Columbus. Der Bankmann die neue Aristokratie. Gesundheit der neue Exorzismus. Et la fatigue c’est la nouvelle folie. Nichtraucher sind die neuen Raucher. Alte fühlen sich neu immer jünger. Intellektuell ist neu völlig unbrauchbar. Frei zum bestehlen ist neu Sophie Hunger. Drum wenn Du bald nach Hause kommst dann such nicht mehr nach mir. Ich kann nicht bleiben wo ich bin mit Dir.

Sophie Hunger: Das Neue (Musik und Lyrics Sophie Hunger) vom Album „The Danger of Lights“

Sophie Hunger singt „Das Neue“ bei 3 nach 9

Sophie Hunger_Das Neue

>> Wir freuen uns auf das Konzert heute Abend im Huxleys!