Siri Hustvedt: „Was ich liebte“, Roman (2003)

Aber wir alle leben in den eingebildeten Geschichten, die wir uns selbst von unserem Leben erzählen. (S. 393)

Alles verschwindet, irgendwann. In diesem Roman verschwinden Menschen, weil sie sterben oder verlassen, Dinge verschwinden, weil sie gestohlen werden, und am Ende verschwindet das Sehvermögen des Protagonisten Leo Hertzberg. Selten endet ein Roman so leise, als würde er aus meinem Leben langsam verschwinden. Doch seine Figuren und Bilder wirken in mir weiter, wie das häufig der Fall ist, wenn man etwas verliert. Als ich die letzten Zeilen dieses Buchs las, verlor ich mehrere Begleiter meines Herbstes in diesem Jahr. Doch der Reihe nach.

Vorweg muss ich gestehen: Ich bin voreingenommen. Ich liebe dieses Buch besonders, vielleicht weil ich mich so mit dem Protagonisten identifizieren kann, der Kunsthistoriker ist, wie ich auch. Ich liebe diesen Roman, weil er vom Verschwinden der Liebe und von Gefühlen erzählt, vom Älterwerden, von Kunst und der Konstruktion von Wahrheit und Wirklichkeit. Siri Hustvedt schreibt in ihrem Buch von allem, was ich lieb(t)e.  Weiterlesen