[Rezension] Andreas Neuenkirchen: „Roppongi Ripper“

Genau vor einem Jahr las ich mit „Yoyogi Park“ den ersten Teil der Japan-Krimi-Reihe von Andreas Neuenkirchen“ und war angenehm überrascht. Und das, obwohl ich nicht der typische Krimileser bin. Die Mischung aus Reisereportagestil und  blutiger Krimihandlung erschien mir vielversprechend und ich folgte dem Japan-Kenner Neuenkirchen sehr gern in Tokios schillernde Unterwelt aus Jakuza, Animiermädchen und Gothic Lolitas.
Ein Jahr später nun erschien mit „Roppongi Ripper“ der zweite Teil und konnte mich leider nicht mehr wirklich überzeugen.

Das passiert in „Roppongi Ripper“Andreas Neuenkirchen_Roppongi Rippier_Conbooks Verlag

Das Vergnügungsviertel Roppongi: Im Tokioter Nachtclub Crystal Bar Room wird eine junge Hostess enthauptet. Zeitgleich wird Inspector Yuka Sato ins Krankenhaus gerufen: Ihre australische Freundin Samantha Lodge, die wir schon aus dem ersten Teil kennen, wurde blutüberströmt eingeliefert. Samantha arbeitete ebenfalls als Animiermädchen im Crystal Bar Room und war am Abend der Ermordung des jungen Mädchens nicht nur anwesend: sie entdeckte die Leiche vornübergebeugt auf der Damentoilette. Nach der Tatortbegehung wird klar, dass das Mädchen mit einem alten Samurai-Schwert und präzisem Hieb regelrecht hingerichtet wurde. Durch einen Tipp des Clubbetreibers führt die Spur Sato zur rechtsradikalen Vereinigung White Power Yamato, die im koreanischen Stadtviertel Shin-Okubo gewalttätige und menschenverachtende Demonstrationen gegen südkoreanische Einwanderer abhalten. Kurz darauf wird ein weiteres Animiermädchen im sogenannten „Dream Train“ ebenfalls mit einem Schwert geköpft. Hat man es mit einem blutrünstigen Serienmörder zu tun, der Hostessen nach alter Samurai-Tradition tötet? Als wenig später ein junger Mann in einem Spiele-Café regelrecht bei lebendigem Leibe verbrennt, scheinen die Spuren überall und nirgends hinzuführen. Unklar ist auch die Rolle des ehemaligen Yakuza-Bosses Shiraishi, der sich nachts Zugang zu Yuka Satos Wohnung verschafft und ihr auflauert. Schnell wird klar, dass auch Yukas Freundin Samantha in Gefahr ist … Weiterlesen

Andreas Neuenkirchen: „Yoyogi Park“ (Krimi, 2014)

„Der Yoyogi Park, eine der größten Grünanlagen in Tokio, öffnete seine Pforten jeden Morgen pünktlich um fünf Uhr. Ein paar Stunden später kamen die Menschen. Insbesondere am Wochenende. Insbesondere Sonntag. Die Spaziergänger mit und ohne Tier, die Musiker, die Läufer und Radfahrer, die Säufer und Gesundheitsfanatiker, die Händler und ihre Kunden, die Touristen mit den Fotokameras und die Nationalisten mit den Lautsprechern. Nicht an diesem Sonntag. Schwarz-weiße Honda Polizeiwagen mit stummem Blaulicht versperrten die Eingänge, während auf einer Lichtung nahe des westlichen Tors die Leiche einer jungen Frau untersucht wurde.“ (S. 12)

Yoyogi Park_Neuenkirchen„Yoyogi Park“ ist das gelungene Krimidebüt des deutschen Autors und Japankenners Andreas Neuenkirchen und führt den Leser direkt hinein in die japanische Großstadt Tokio zwischen Kirschblüten, Gothic-Lolitas und Yakuza. Der Journalist Neuenkirchen bereiste Japan viele Male, ist Herausgeber der „Gebrauchsanweisung für Japan“ und verfasste zahlreiche Artikel über japanische Popkultur. Sein Wissen über dieses Land und seine Liebe zur japanischen Kultur verknüpft er in seinem ersten Roman mit einer spannenden Kriminalhandlung.

Am Ende des jährlichen Kirschblütenfestes mitten im japanischen Frühling wird im tokioter Yoyogi Park die Leiche eines jungen Mädchens entdeckt. Sie wurde scheinbar mit mehreren Messerstichen brutal getötet. Die junge clevere Kommissarin Yuka Sato wird gemeinsam mit ihrem Assistenten Shun Nakashima mit dem eigenartigen Verbrechen betreut, der der erste große Fall ihrer Karriere werden soll. Wieso ist das Mädchen im auffälligen Lolitastil gekleidet, wie das berühmte durch alle Kanäle geisternde Popsternchen Yuka Sato? Hatte die junge Ai kurz vor ihrem Tod Geschlechtsverkehr? Könnte der Vater des Mädchens etwas über ihren Tod wissen, der sie jahrelang mehrfach missbraucht hat? Als innerhalb weniger Tage weitere Leichen auftauchen, scheint sich der Fall mehr und mehr zuzuspitzen. Weiterlesen