Unbedingt lesen: John Green „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, Roman (2012)

Wie geht man mit dem Wissen um, todkrank zu sein? Wie kann man damit fertig werden, wenn das eigene, noch nicht einmal 20jährige Kind an Krebs erkrankt? Wie lebt man mit der täglichen Erinnerung daran, dass das eigene Leben schon sehr bald zuende sein kann?

Hazel ist sechzehn und an Krebs erkrankt. Sie guckt gerne „America´s Next Top Model“ und ihr größter Wunsch ist es, den Autoren (Jan van Houten) ihres Lieblingsbuches Ein herrschaftliches Leiden in Amsterdam zu treffen. Wenn im „Herzen Jesu“ die Namen derer aus der Selbsthilfegruppe verlesen werden, die an Krebs gestorben sind, hofft sie wie alle anderen, dass ihrer nicht so bald am Ende mitgenannt wird. Als sie den ebenfalls krebskranken Augustus (genannt Gus) kennenlernt, scheint sich ihr Wunsch, nach Amsterdam zu reisen, zu erfüllen.

„Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ist ein „Krebsbuch“ der ganz besonderen Art. Es berührt emotional sehr stark, ist zugleich unheimlich traurig und humorvoll und liebevoll. Als Jugendbuch deklariert, mag man als Leser unter Umständen an ihm vorbei laufen. Aber es ist ein Buch für alle. Jeder sollte dieses Buch lesen: Jugendliche in der Schule ebenso wie Eltern, Lehrer, junge Erwachsene, Blogger, Rentner. Vor allem alle, die sich ungern mit dem Sterben und Krankheiten wie Krebs auseinander setzen.

John Green schafft es, in seiner fiktiven Geschichte mit dem Sterben in seiner wohl grausamsten Form zu konfrontieren: dem Sterben von Kindern und ganz jungen Menschen. Dabei ist man tief betroffen, bewegt, ich glaube, dass kaum jemand nicht weinen muss, aber man darf mit Hazel und Augustus auch lachen. Scherze machen. Das Leben und das Sterben locker nehmen, so locker, wie es in einer solchen Situation geht. Und das macht das Buch wunderschön und schmerzhaft real.
Vor allem geht es darum, was es heißt, jemanden zu lieben, wenn man selbst sterben muss und / oder der andere todkrank ist. Will man ihn vor Leid verschonen, indem man auf Abstand geht? Oder will man mit ihm jeden gemeinsamen Moment auskosten, der noch bleibt?

Der Autor entwirft in seiner Geschichte von Hazel und Augustus das Bild einer leise entstehenden jugendlichen Liebe. Da es dabei insbesondere um den Tod, das Sterben und seine Nebenwirkungen und um das Leben mit dem sehr präsenten Gedanken an den Tod geht, hat Green viele viele Fragen in mir aufgeworfen. Wie sehr mich das Buch tatsächlich bewegt hat, meine ich hier gar nicht richtig ausdrücken zu können. Ich habe mit Hazel gelacht und geweint, mir mit ihr und Augustus Fragen über das Sterben gestellt. Aber in mir drin hat das Buch etwas bewegt, was ich nicht ausdrücken kann. Am Ende bleibt mir nur zu empfehlen: Lest dieses Buch.

Oder lasst euch von Buzzaldrin oder Karo oder Pimi überzeugen, die umfangreichere Worte fanden als ich, inklusive Zitaten und weiteren Links 🙂

John Green „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, aus dem Englischen von Sophie Zeitz, erschienen bei Hanser, 2012

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11 Gedanken zu “Unbedingt lesen: John Green „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, Roman (2012)

    1. Oh, prima, danke für den ergänzenden Link! Ich mag ja kritische Auseinandersetzungen über Bücher, also auch zwischen Lesern, denen es gut oder weniger gut gefallen hat. Mehr zu deinen Kritikpunkten unter deinem Artikel 🙂

  1. Ich habe es auf meine Liste gesetzt, es klingt sehr interessant, traurig und eindrucksvoll.
    Vor kurzem habe ich Superhero von Anthony McCarten gelesen. Es behandelt das selbe Thema.

  2. Irgendwie hält mich de Tatsache von dem Buch fern, dass es ein Jugendbuch ist und alle davon schwärmen… Ich habe vor einiger Zeit ein anderes Buch von Green angefangen und abgebrochen; es war sprachlich ziemlich lahm. Ich schätze, auch dieses Buch wird in der Buchhandlung bleiben 🙂

    1. Dass dich der Hype um ein Buch vom Lesen abhält, kann ich ja noch nachvollziehen. Die Tatsache, dass es sich um ein Jugendbuch handelt, sollte dich wirklich nicht abschrecken :). Die Sprache ist auch hier sicher nicht herausragend, aber als „lahm“ würde ich sie nicht bezeichnen… die Qualitäten dieses Buches liegen mehr im Inhalt und der Emotionalität bzw in der Kombination aus Ernst und Humor, finde ich.

  3. Danke für den Hinweis auf meine Besprechung! 🙂 Mir hat das Buch, auch wenn es natürlich ein Jugendbuch ist, wirklich gut gefallen. Ich habe die intensive Lektüre auch heute noch gut in Erinnerung. Es ist und bleibt aber tatsächlich ein Jugendbuch, das mich begeistert hat, das aber für mich auch kein Jahreshighlight gewesen ist, da habe ich einfach zu viele andere sprachlich überzeugendere Bücher gelesen. Trotzdem würde ich dieses jedem empfehlen, auch dir Kef! 😉

  4. „.. mieser Verräter“ ist sicher ein Bestseller, der es verdient hat, gelesen zu werden. Auch mir hat das Buch seinerzeit (–> rezi) gut gefallen, auch wenn ich im Einzelnen manche Sachen übertrieben oder unrealistisch fand. Jedenfalls deckt es in der Breite des Themas vieles ab, in der Tiefe jedoch nicht so sehr….
    lg
    fs

    1. Lieber Flattersatz, herzlichen Dank für deine Anmerkung! Ich kann nachvollziehen, was du meinst; das Buch geht inhaltlich nicht sonderlich in die Tiefe. Vermutlich deshalb, weil es eben doch auch ein Jugendbuch und ein Bestseller ist, d.h. auch eine andere Zielgruppe anspricht, als philosophische Gedanken über das Sterben bspw. 😉 Das merkt man tatsächlich. Wenn man sich keine großen Antworten erhofft, sondern John Greens Roman eher aus Interesse an ernsthaften Themen, an Unterhaltung und an Adoleszenz liest, ist es ein super Buch. Dessen sollte man sich vielleicht bewusst sein.
      Im Nachhinein wirkt bei mir das Buch noch lang nach, aber eher bedingt durch die unterhaltenden Aspekte als durch Tiefgründigkeit.
      Beste Grüße!

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